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Ich habe schon einige Male auf der Rückseite des Großen Zschirnsteins
ein Hinweisschild zum Böhmischen Tor gesehen, aber irgendwie konnte ich mir
nichts darunter vorstellen. Auf einer Webseite von Fahrradfahrern hatte ich
ein Bild des Böhmischen Tors gesehen und dieses so gedeutet, dass es sich dabei
um einen Felsgrund handeln müsste. So etwas muss
natürlich untersucht werden und das geht nun mal mit einer Wanderrunde am
Besten. Mir ist kein besserer Startpunkt als die Miniortschaft Reuterhof für
diese Wanderung eingefallen und von hier geht es erstmal auf dem Gelobtweg
in Richtung Grenze. Die ersten Meter führen durch eine
Kleingartenanlage mit schon ziemlich großen Gartenhäuschen und dann verlässt
die Wanderung das bewohnte Gebiet und folgt dem Forstweg. Nach ein paar
Metern überquert man die Wanderwegmarkierung gelber Strich. Es wäre zwar
auch möglich, dieser Markierung nach rechts zu folgen, aber ich empfinde den
Geradeausweg als viel schöner. Das einzige Manko daran ist, dass der
Rückweg dann auf dem gleichen Waldweg erfolgt. Aber so weit sind wir noch lange nicht. Der Wanderweg führt weiterhin auf
einem gut ausgebauten Waldweg mit einer fast gleichbleibenden Höhe
bis zur
Ziskaquelle. Auch wenn die Wanderung an dieser Quelle noch weiter auf dem
Waldweg entlang geht, so verführt doch ein kleines Schild mit der Inschrift:
"Ziskaquelle; Trinkwasser; Nimm dir einen frischen Trunk - bleibst ewig
jung." Damit die Wirkung schon am Anfang der Wanderung einsetzen kann, habe
ich gleich mal eine Handvoll zu mir genommen und bin daraufhin weiter in Richtung Grenze gewandert. Die Wanderung erreicht bald den Gelobtbach
und damit die Grenzmarkierungen auf der linken Wegseite. Jetzt steigt die
Wanderung auf dem Forstweg leicht an bis auf den höchsten Punkt der gesamten
Wanderung. Hier biegt nach links der neu markierte Wanderweg grüner Strich
ab.
Ausgeschildert ist hier schon das Böhmische Tor bzw. Niedergrund. Nach
ungefähr hundert Metern erreicht man das Česká brána (Böhmische Tor). Mann,
war ich enttäuscht. Das Böhmische Tor ist nichts anderes als der
Grenzübergang. Es ist weit und breit kein imposanter Felsen zu sehen, der dem
mächtigen Namen entspricht. Der Grenzübergang sieht aus wie ein ganz
gewöhnlicher Wandergrenzübergang.
In der ersten Planung sollte die Wanderung dann in einem riesigen Bogen
südöstlich des Böhmischen Tores weiter gehen, da aber der Weg ziemlich
zugewuchert war, habe ich diese Idee schnell verworfen und bin weiterhin auf
der grünen Wanderwegmarkierung weiter marschiert. Nach ungefähr 1,2
Kilometern erreicht man einen größeren Platz, der anscheinend sogar mit
einer Feuerstelle ausgestattet ist. Hier weisen gleich mehrere unterschiedliche
Hinweisschilder die Richtungen. Jetzt folgt man dem Weg nach links der gelben
Wanderwegmarkierung
nach. Ausgeschildert ist ein Rastplatz namens Kamenka bzw. das Fernziel
Dolní Žleb (Niedergrund). Dieses abfallende Tal ist mal mehr, mal weniger
feucht und so fließt ein Bächlein mit dem
Namen Dolnožlebský (Lehmischbach)
immer parallel zum Wanderweg. Zwischendurch wird das Bächlein an dem
besagten Rastplatz Kamenka zu einem kleinen Teich gestaut. Obwohl der Teich
nur wenige Quadratmeter umfasst, so befinden sich einige gut sichtbare
Fische in ihm und es stehen unterschiedlichste Sitzmöglichkeiten auf der
einen Teichseite. Die Wanderung geht weiterhin der gelben
Wanderwegmarkierung hinterher. Zwischendurch gabelt sich der Weg, hier hält
man sich rechts, um weiter ins Elbetal abzusteigen.
Ganz besonders auffällig ist
der Untergrund des Weges. Einerseits kann es ziemlich feucht und ein wenig
matschig werden, aber komischerweise ist der Weg mit richtig aufwändigen
Sandsteinklötzen gepflastert. Zum Teil sind die Platten nur längs des
Weges verlegt, zum Teil aber auch im Fischgrätenmuster. Das sieht sehr nett aus und
es wäre schon sehr interessant herauszufinden, wie uralt dieses Pflaster ist.
Ich glaube nicht, dass sich noch irgendjemand in der Neuzeit solch eine
riesige Mühe geben würde. In den letzten Jahrzehnten würde so ein
Waldweg eher betoniert oder asphaltiert.
Die Wanderung führt immer weiter runter ins Elbetal. Zwischendurch biegt der
markierte Wanderweg nach links ab und fällt für einen so breiten Waldweg
schon relativ steil ab. Ein paar Meter vor den ersten Häusern von Dolní Žleb
(Niedergrund)
befindet sich auf der linken Wegseite eine seltsam
eingemauerte Quelle. Dadurch, dass ein paar Ziegel in der Einmauerung
fehlen, kann man anhand des Rauschens ganz gut erahnen, wie hoch die
Schüttung der Quelle ist. Anscheinend wird das Quellwasser auch noch
irgendwie in der untenliegenden Ortschaft verwendet, da ein Rohr
aus der Ummauerung herausführt. Als erstes erreicht man am Dorfrand die
elenden Reste einer Mühle. Diese passiert man und steigt weiter runter zur
Elbe bzw. dem Weg neben der Bahnlinie.
Ab der Kirche bieten sich zwei unterschiedliche Wege an. Einerseits kann man
auf dem Elberadweg zurückwandern oder ein paar Meter oberhalb der Bahnlinie.
Welche Variante man auswählt, würde ich davon abhängig machen, welcher Wochentag bzw. wie viel
Verkehr auf dem Radweg ist. Bei vielen Fahrradfahrern würde ich immer den
Weg am Hang benutzen. Der Weg oberhalb der Bahnlinie ist sehr nett, aber im
Sommer schon ziemlich zugewuchert und damit wird einem der dauerhafte Blick
auf die Elbe verwehrt.
Dieses Problem hat man auf dem Elberadweg natürlich
nicht. Hier bieten sich auch noch sehr auffällige Bänke für eine kleine Rast
an. Nach ungefähr der halben Strecke (ca. 1 Kilometer)
bis zur Grenze kann
man rechts oben an der Felskante des Elbetals die Gaststätte Belveder und
die Aussichtsplattform sehen. Wenn man die Sträucher und kleineren Bäume an
der Wasserkante beobachtet, dann kann man deutlichste Spuren von Bibern
erkennen. Ich glaube zwar nicht, dass diese interessanten Tierchen es
schaffen werden, die Elbe zu stauen, aber irgendetwas müssen sie ja auf der
Durchreise fressen.
Die Wanderung erreicht den ungewöhnlich stabil
gesicherten Grenzübergang zwischen Deutschland und Tschechien. Gleich hinter
dieser Grenzbarriere geht es nach links unter der Bahnstrecke hindurch. Auf
der rechten Seite des steilen Aufstiegs steht die ehemalige
Gelobtbachmühle. Wenn man nach ein
paar Metern Aufstieg über den Schuppen sehen kann, dann stellt man fast,
dass sich dahinter ein sehr nett gepflegtes Wohngebäude befindet.
An dieser
Stelle stößt auch wieder der Weg von oberhalb der Bahntrasse auf den Gelobtbach. Nach den ersten paar schon ziemlich steilen Aufstiegshöhenmetern
erreicht man den Grenzsee und die beiden dazugehörigen Wasserfälle.
Wenn
der Gelobtbach weniger Wasser führt, dann leuchtet das künstlich angelegte
Staubecken richtig schön blau. Die Farbe weist aber auch darauf hin, dass
selbst im Sommer mit richtig kalten Wassertemperaturen zu rechnen ist.
Komischerweise hat schon mehrmals ein längerer Stock neben dem Becken gelegen. Mit
diesem Stock kann man sehr gut untersuchen, wie tief das Becken ist und mit
Überraschen feststellen, dass selbst an der Felswandseite immer noch eine
Wassertiefe von fast 3 Metern erreicht wird.
Die Wanderung führt weiter durch das Gelobtbachtal nach oben. Der Weg ist
relativ schmal, schlängelt sich
mehrere Male über den Bach und passiert
mehrere Grenzsteine. Einer von den ersten Grenzsteinen hinter dem Grenzsee
fällt besonders auf, da hier tatsächlich noch die DDR überlebt hat.
Eigentlich sind auf allen Grenzsteinen die drei Buchstaben der DDR
zugespachtelt und durch ein einfaches D ersetzt worden. Entweder hat
sich hier jemand die Mühe gemacht, die Vergangenheit wieder hervorzukratzen
oder dieser Grenzstein hat sich einfach in der Umstellungsphase gut
versteckt. Der Aufstieg am Gelobtbach ist zwar anstrengend, aber man wird
durch dieses sehr nette Tal doch reichlich entschädigt. Nach einem
Gesamtaufstieg von ziemlich genau 200 Höhenmetern und ungefähr 1,5
Kilometern erreicht man die schon bekannte Ziskaquelle. Ob es was hilft,
hier noch einen weiteren Schluck aus der Quelle zu nehmen, weiß ich leider
nicht, nur, dass die Wanderung nach rechts oberhalb der Quelle weitergeht.
Man folgt dem breiten Forstweg bis zum Ausgangspunkt der
Wanderung. Damit ist eine ganz nette Runde zu Ende gegangen, die mich am
Böhmischen Tor zwar enttäuscht hat, aber dann doch noch durch das Tal des Dolnožlebský (Lehmischbach)
und den Gelobtbach richtig nett geworden ist.
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