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Die Wanderung Donnergrund ist dadurch entstanden,
dass uns ein netter Leser unserer Wanderbeschreibungen eine andere Variante
der Luchsstein-Wanderung empfahl. Bei
unserer ersten Luchsstein-Erkundung ging es von Deutschland aus zur besagten
Felsmurmel und diesmal sollte es von Böhmen aus rüber gehen. Der Startpunkt
liegt in Mezní Louka (Rainwiese). Hier findet man immer einen Parkplatz,
aber leider schlagen die Tschechen inzwischen gewaltig über die Stränge und
verlangen für ein Tages-Park-Ticket 5 €. Wenn man überlegt, dass der
Mindestlohn für eine 40-Stunden-Arbeitswoche in Tschechien 8 000 CZK
(entspricht 315 € Stand: Anfang 2008) pro Monat beträgt, dann sind 5 € ein
typischer Fall von Touristennepp. Ganz besonders, wenn man z.B. in
Brtníky
(Zeidler) für 7 € ein vollständiges Essen mit Getränk bekommt.
Die Wanderung startet nach links, wenn man auf das Hotel
Mezní Louka blickt. Der Weg führt ein
kurzes Stück (höchstens 100 Meter) auf der Fahrstraße entlang, bis nach
links die Zufahrt zum Campingplatz kommt. Hier biegen die beiden
Wanderwegmarkierungen roter und grüner Strich
ab.
Der
Weg führt über den Campingplatz mit den festen Hütten und verschwindet dann
in den Wald dahinter. Beide Wegmarkierungen biegen nacheinander nach rechts
ab, die Wanderung geht aber immer weiter geradeaus. Auch wenn der Weg an der
Stelle schon Donnergrund heißt, so sollte man sich nicht täuschen lassen, da
es zwischen den Hundsteinen und dem Donnerberg hindurchgeht. Damit steigt
der Weg bis zur höchsten Stelle der Wanderung an, um dann auf der
gegenüberliegenden Seite wieder herunter zu gehen. So ungefähr 200 Meter
hinter dem höchsten Punkt kommt dann die einzige wirklich schwierige Stelle,
und das auch nur im Sinne der Streckenfindung. Links vom Weg steht eins dieser
seltsamen grünen Schilder mit der Aufschrift:
1.
ZÓNA NÁRODNÍHO PARKU. AUSSERHALB DER MARKIERTEN WANDERWEGE EINTRITT
VERBOTEN. Dieses Schild haben wir überhaupt nicht verstanden, da der Weg
schon
seit die beiden Wanderwegmarkierungen abgebogen sind unmarkiert ist. Auch
würde dieser breite Forstweg in einem großen Bogen um den Donnerberg herum
führen und das ohne jegliche Markierung. Oder ist mit markiertem Wanderweg
womöglich nur der Eintrag in einer Wanderkarte gemeint? Dann wäre der weitere
Weg über den Pfad nach links legalisiert. Falls man diesen Abzweig verpasst, dann
wird der aufmerksame Wanderer spätestens nach weiteren 200 Metern noch eine
Zugangsmöglichkeit auf den Pfad entdecken. Uns ist es selber auch so
passiert, deshalb wissen wir das so genau. Der Pfad führt wunderbar ruhig
immer weiter abwärts. Auf der linken Wegseite befindet sich eine Felswand
mit einer ganzen Ansammlung Inschriften. Das auffälligste ist ein
männlicher Kopf, der aussieht wie ein
Irokese,
oder vielleicht ein russischer Soldat mit Käppi. Außerdem sind noch einige Herzen und
Jahreszahlen in den Felsen gemeißelt. Die Jahreszahlen weisen drauf hin,
dass dieses Tal schon seit ein paar Jahrhunderten begangen wird. Ein paar
Jahreszahlen, die wir auf Anhieb entziffern konnten, sind 1923, 1880 und
1842. Der Pfad führt durch den Kleinen Ziegengrund, der eine sehr ruhige
Felsschlucht ist, bis zur deutschen Grenze.
Ab der Grenze geht es nach links auf der Grenzlinie weiter. Auch wenn es
sich beim weiteren Streckenverlauf nur um einen Pfad handelt, so ist er
durch die Grenzsteine sehr einfach zu finden und nach 200 Metern erreicht
man den Luchsstein auf der rechten Wegseite.
Die
Inschrift auf dem Felsen zeigt einerseits einen Luchs in originaler
Lebensgröße und andererseits den Hinweis darauf, dass auf sächsischer Seite
der letzte Luchs 1743 vom Förster Joh. Gottfried Puttrich erschossen
wurde. In letzter Zeit sind wieder Luchse hier eingewandert. Sie sind aber
sehr scheu, so dass man sie nicht zu Gesicht bekommt. Selbst der
Revierförster der Hinteren Sächsischen Schweiz hat während seiner gesamten
Arbeitszeit keinen Luchs zu sehen bekommen, und das, obwohl er sogar gleich
im Nationalpark am Zeughaus gewohnt hat.
Der weitere Weg führt durch das Lindengründel nach oben, um nach einem ¾
Kilometer auf den grün markierten Wanderweg
zu treffen. Hier geht es nach links bis zum Altarstein. Der markierte
Wanderweg verläuft sehr angenehm mit nur einer kleineren Steigung bis zum
Altarstein. Auch wenn die Wanderung den grün markierten Wanderweg ca. 30
Meter vor dem
Altarstein
verlässt, so sollte man sich dieses Naturdenkmal nicht entgehen lassen. Ich
finde es immer wieder verwunderlich, dass Menschen für ihren Glauben solche
Strapazen auf sich nehmen und aus Böhmen bis hierher gewandert sind, um
ihren Gottesdienst abzuhalten. Vermutlich ist so etwas heutzutage, zumindest
in unseren Religionsgemeinschaften, nicht mehr vorstellbar. Um die Wanderung
auf dem geplanten Weg fortzusetzen, geht es wieder die besagten 30 Meter
zurück, um dann nach rechts abzubiegen. Die ersten paar Meter des Weges
führen noch fast horizontal am Berg entlang, dann geht es aber ein
bisschen steiler aufwärts. Der Weg führt zwischen den südlichen Ausläufern
der Thorwalder Wände und den Hundsteinen hindurch. Wenn man von unten
kommt, dann erinnert diese Stelle an
Caspar
David Friedrich. Nachdem man auch auf diese Erhöhung hoch geschnaubt ist,
geht es auf der gegenüberliegenden Seite wieder herunter. Der
Streckenverlauf ist ziemlich einfach zu finden und nach dem Abstieg erreicht
man den roten Wanderweg
.
Hier traf uns dann fast der Schlag, als wir die Menschenmassen sahen. Bis
dahin waren uns am Ostersamstag ganze drei Wanderer auf der gesamten Strecke
begegnet und jetzt kamen uns auf dem letzten Kilometer gut 50, meist Deutsche,
entgegen, die vermutlich alle zum Prebischtor unterwegs waren. Auf jeden Fall folgt man der roten Markierung nach links, bis man
den Ausgangspunkt der Wanderung wieder erreicht. Ganz witzig sieht noch das
erste Haus an der Straße aus. Hier ist eine Wandmalerei mit einem plastisch
aus der Wand ragenden Hirsch zu sehen. An der Seite des Hauses steht ein
Jäger. Ob diese Verschönerung nun Kitsch oder Kunst ist, kann man sich
drüber streiten, auf jeden Fall hat sich hier jemand ziemlich viel Arbeit
gemacht.
Das war eine sehr nette Wanderung, nicht zu lang, nicht zu kurz, nicht
übermäßig anstrengend, schön ruhig. Dies ist eine Bewertung von mir, Steffi,
der Ehefrau. Für Ingo wird es eher ein Nachmittagsspaziergang gewesen sein,
so für zwischen Mittagessen und Kaffeetrinken... |