|
Die
Wanderung Edmundsklamm ist ganz anders, als man es wahrscheinlich erwartet.
Fast alle
Besucher im Edmundova soutěska (Edmundsklamm) wandern bzw. fahren mit dem
Boot bachaufwärts und biegen dann nach links in Richtung Mezna/Prebischtor
ab. Unsere Wanderung macht es anders und es kommt eine richtig
schöne Runde dabei heraus. Hier kommt die Beschreibung.
Der Startpunkt liegt am Ende des Edmundova soutěska (Edmundsklamms) in Hřensko
(Herrnskretschen).
Hier befinden sich gleich zwei Parkplätze, die beide ähnlich teuer,
aber als Ausgangspunkt sehr gut geeignet sind.
Den ersten Teil der Wanderung
zu finden ist sehr einfach, da man nur dem Bach Kamenice (Kamnitz) aufwärts
folgen muss. Schon nach wenigen Metern beginnt eine ganz besonders schöne
Schlucht, mit riesigen Felsen und einem etwas größeren Bach. Wer es
geschafft hat, am Vormittag in die Schlucht zu kommen, der wird bei
Sonnenschein mit wunderbaren Bildern und leuchtenden Farben belohnt. Auf dem
Weg entlang des Baches fällt sehr schnell auf, dass der Weg an vielen
Stellen künstlich angelegt bzw. erweitert wurde.
Dies ist
auf Anweisung des
Fürsten Edmund Clary-Aldringen im Jahre 1889 passiert, damit der Tourismus
in der Region gefördert werden sollte.
Die damaligen Investitionen sollen
angeblich innerhalb eines Jahres wieder hereingekommen sein. Heutzutage
könnte ich mir das zwar nicht vorstellen, aber vielleicht war so etwas früher
möglich. Insgesamt muss man etwas mehr als 1 ½ Kilometer durch die Schlucht
wandern, dann erreicht man die untere Bootsstation. Hier gilt es, eine
Gebühr am Kassenhäuschen zu bezahlen
(Anfang 2010 waren es 3,- €) und dann
heißt es warten, bis der nächste Kahn ablegt. Ungefähr alle 20 Minuten fährt
einer. Die Kahnfahrt ist schon ziemlich lustig und je weniger Urlauber
in dem Boot sitzen, desto besser sind die Kahnfahrer drauf. Ich kann mich
immer wieder köstlich amüsieren, was man alles in den Felsen an Tieren und
Gebäuden erkennen soll.
Vielleicht sollte tatsächlich ein bestimmter Promillewert Pflicht werden, damit die Phantasie ein bisschen mehr angeregt
wird. Besonders nett ist der Wasserfall und ganz besonders grässlich ist es
bestimmt zu Christi Himmelfahrt/Vatertag, wenn die sternhagelvollen Kerle
auf dem Nachhauseweg sind.
Nachdem die kleine Ruhepause für die Beine (1 Kilometer Bootsfahrt) beendet
ist, geht es noch ein Stückchen durch das Tal der Kamenice (Kamnitz). Gleich
zum Beginn des zweiten Teilstücks hinter der Kahnfahrt beginnt ein
Tunnelgang, der zwischendurch mit einem Fenster ausgestattet ist. Bei diesem
Tunnel stellen wir uns immer wieder vor, wie so etwas heutzutage gebaut
würde und schon weiß man, warum damals die Investitionskosten innerhalb
eines Jahres wieder hereingekommen sind. Heutzutage müsste der Untergrund
ebener sein, die Durchgangshöhe müsste auch für Riesen geeignet sein und
eine Beleuchtung wäre natürlich auch selbstverständlich. Zum Glück hat man
diesen Weg schon damals angelegt, so ist ein bisschen Abenteuer mit
eingebaut.
Nach 600 Metern erreicht man die grüne Wanderwegmarkierung
,
die hier das Tal der Kamenice (Kamnitz) quert. Hier verlässt man die
restlichen Wanderer und steigt nach rechts auf dem Mezní můstek (Stimmersdorfer
Steig) aufwärts. Der Weg führt zuerst durch eine
Felsschlucht aufwärts und dann in einem dichten Wald (Stimmersgrund) weiter.
Wenige Meter bevor der grün markierte Wanderweg den Waldrand erreicht, biegt
nach rechts an den paar Häusern der Hájenky (Kuttelburg) der gelb markierte
Strich
ab, dem man folgt. Der Wanderweg führt parallel zum Waldrand noch ein Stück durch den Wald
und dann kommt eine richtige Überraschung. Die Wanderung geht zuerst ein
paar Meter am Golfplatz von Jonov (Jonsdorf) vorbei und dann führt der
markierte Weg quer über das Grün.
Auf der Webseite des Golfclubs (www.golfjanov.cz)
ist die Lage der einzelnen Fairways zu sehen und dass der Wanderweg zwischen
der Bahn 3 und 4 verläuft. Für uns war es einerseits eine gelungene
Abwechslung, im noch grauen Frühjahr über dieses satte Grün zu wandern, aber
andererseits beobachtet man doch ziemlich aufmerksam die einzelnen
Golfspieler um einen herum, um abzuschätzen, ob nicht doch so ein weißer
Golfball angeschossen kommt. Die Wanderung führt durch ein kleines Wäldchen
mitten auf dem Golfplatz. Da wir noch nie auf einem Golfplatz waren und
vermutlich auch in Zukunft nicht wieder vorhaben, einen zu besuchen, waren
wir aber trotzdem neugierig, wie hart denn so ein Golfball ist. Mit einem
bisschen Glück haben wir in dem Wäldchen tatsächlich so ein weißes Bällchen
gefunden und beschlossen, von so einem Geschoss wollen wir lieber nicht
getroffen werden. Ganz besonders, wo es hinter dem Wäldchen quer über den Fairway Nr. 5 geht. Hier befindet sich der Abschlag auf der rechten
Wanderwegseite.
Nachdem diese interessante Abwechslung gemeistert und man wieder über
das umgrenzende Zäunchen gestiegen ist, geht es am Rande des Spielfeldes
entlang. Die Wanderung folgt immer noch der gelben Wanderwegmarkierung.
Nachdem man den Golfplatz einmal überquert hat, erreicht man die Ortschaft Janov (Jonsdorf). Hier geht es bis zur Hauptstraße und auf der
gegenüberliegenden Straßenseite gleich wieder aus dem Ort heraus. Auf der
westlichen Seite von Janov (Jonsdorf) passiert man dann eine alte Windmühle, die
sich in einem sehr gut gepflegten Zustand befindet.
Leider
fehlen der Mühle die Windmühlenflügel, aber selbst bei vollkommener
Windstille auf der restlichen Wanderung zieht an diesem Punkt immer ein
Windzug über die Felder. Hier hat in weit vergangenen Zeiten ein Müller die
Natur aufmerksam beobachtet und für seine Zwecke einen sehr passenden Ort
gefunden.
Jetzt beginnt langsam der Abstieg ins Elbe-/Kamnitztal. Das erste größere
Stück erfolgt mit nur sehr leichtem Gefälle über ein paar Wiesen und dünne
Wälder. Auch wenn man eigentlich immer der gelben Wanderwegmarkierung folgen
sollte, so muss man wissen, dass sich der Weg nach etwas weniger als 2
Kilometern (hinter der Mühle) gabelt, und man hier nach rechts gehen muss.
An dieser Stelle ist irgendwie die Wanderwegmarkierung verloren gekommen.
Danach
führt die Wanderwegmarkierung in die Richtung des Labská vyhlídka
(Elisalex-Felsen).
Auf
dieser Ecke zwischen Elbe und der Kamenice (Kamnitz) sollte zu der Zeit von
Fürst Edmund Clary-Aldringen eine Sommerresidenz gebaut werden, was aber aus
Geldmangel ausblieb. Wenn man auf dieser Aussicht steht, kann man sich
aber schon sehr gut vorstellen, wie wunderschön ein Gebäude hier wäre. So
aber können heutzutage auch Wanderer diesen Ausblick in die beiden Täler
genießen. Was an dieser Aussicht wirklich ungewöhnlich ist, dass sich
hierhin fast kein anderer Wanderer verirrt. Besonders komisch ist diese
Einsamkeit, wenn man nur ca.
100 Meter Luftlinie von großen Besuchermassen bei den Ständen der
Vietnamesen entfernt ist.
Von diesem schönen Platz geht es jetzt über so einige Serpentinen runter
nach Hřensko (Herrnskretschen). Der Wanderweg endet mit einer
Holztreppe (Vorsicht: furchtbar stolperanfälliges Stufenmaß, unbedingt gut
festhalten!) an der Elbestraße
zwischen den Verkaufsständen. Um wieder zum Ausgangspunkt der Wanderung zu
gelangen, empfiehlt sich die Straße zwischen den Verkaufsständen neben der Kamenice (Kamnitz). Wir staunen immer wieder über die Artikel, die von den
Vietnamesen hier verkauft werden, aber irgendwie gibt es anscheinend
reichlich Käufer für diese Ware. Immerhin gibt es diese Stände, zwar in
geringer werdender Zahl, schon seit ein paar Jahrzehnten. Spätestens mit der
kleinen Kirche wird es dann aber wieder ruhiger und bald ist der
Ausgangspunkt der Wanderung Edmundsklamm erreicht.
Damit ist eine für uns vollkommen überraschend schöne Wanderung zu Ende
gegangen. Nicht nur, dass wir uns über den herrlichen Anblick des
Kamnitztals bei Sonnenschein, die ungewöhnlich geringe Anzahl Besucher im
Klamm, den abwechslungsreichen Weg über den Golfplatz und den Ausblick von
der Aussicht Elisalex-Felsen gefreut haben. Es war eine rundum perfekte
Wanderung.
|