| Zuerst das Wichtigste vorneweg. Dieses ist
keine Wanderbeschreibung im eigentlichen Sinn, sondern ein Erfahrungsbericht
zu einer geführten Wanderung durch einen Nationalparkführer. Nachdem ich die
ersten guten Erfahrungen mit den Nationalparkführern gemacht habe, war es
mal wieder an der Zeit, eine Runde mit einem Profi zu unternehmen. Auf der
Internetseite des Nationalparks Sächsische Schweiz (www.nationalpark-saechsische-schweiz.de)
habe ich folgende Führung entdeckt und das hörte sich vielversprechend an:
Unterwegs in die Böhmische Schweiz
Die böhmische Schweiz
Eine unvergessliche Reise in die nordböhmischen Wälder.
Termine: 07.07.2009 09.00 Uhr
Treffpunkt: Buchenparkplatz Hinterhermsdorf
Zeitdauer: ca. 6 - 8 Stunden
Kosten: 8,- €
Nationalparkführer: Heiko Hesse
Nach einer kurzen telefonischen Anmeldung und der Bestätigung, dass die
Wanderung stattfindet, startete die Wanderung pünktlich an der
Buchenparkhalle. Zuallererst hat sich Herr Hesse vom Hotel "Am Wald" (www.landhotel-am-wald.de) vorgestellt und durch ein
kurzes Gespräch herausgefunden, um welche Wanderstärke es sich bei den
Teilnehmern handelt. Dies wunderte mich nicht, da die Wanderung in einem
sehr großen Bogen durch die Böhmische Schweiz gehen sollte und der optische
Eindruck doch so manches Mal täuschen kann. Obwohl, mit mir gezählt,
nur drei Personen an der Führung teilnahmen, war es für Herrn Hesse
doch vollkommen selbstverständlich, dass die Wanderung durchgeführt wurde.
Die Wanderung führt von der Buchenparkhalle über die Höllstraße und den
Finsterwäldchenweg in Richtung Kirnitzschtal. Am Hühnerkropf geht es über ein paar Stufen und einen sehr unscheinbaren Pfad bis
ins Tal hinab. Ich kenne doch schon so einige Wege, die von Hinterhermsdorf
ins Kirnitzschtal runter führen, aber so schnell bin ich schon lange nicht
mehr an die Grenze gekommen. Die Wanderung führt auf der deutschen
Wanderwegmarkierung grüner Strich
bis zum Grenzübergang Hinterdittersbach. Hier erklärte Herr Hesse, dass es
sich bei dem Örtchen Hinterdittersbach um 7 Häuser gehandelt hatte, die bis zum 2.
Weltkrieg ein beliebtes Ausflugsziel waren. Die Wanderung führt jetzt in
den Hluboký důl (Treppengrund), der auch wieder mit dem grünen Strich
markiert ist, aber hierbei handelt es sich um die tschechische
Wanderwegmarkierung. Die Wanderung verläuft über einen dieser sehr gut
ausgebauten tschechischen Wanderwege. Einige dieser Waldwege sind so toll
ausgebaut und markiert, dass sie immer beliebter bei den Radfahrern werden.
Nach einer Strecke von etwas mehr als 2 Kilometern durch den Hluboký důl
(Treppengrund) geht es unmarkiert nach links weiter, bis nach 400 Metern die
Wanderwegmarkierung roter Strich
erreicht wird. Auf dieser Markierung geht es nach links in Richtung kleines Prebischtor weiter. Auch dieser Waldweg wandelt sich in einen
dieser asphaltierten Wege. Da es sich aber um eine Sackgasse handelt, sind
hier nur selten Radfahrer unterwegs. Kurz vor dem kleinen Prebischtor ist
sogar extra für den Weg ein Damm angeschüttet worden, auf dem die Wanderung
verläuft. Das kleine Prebischtor befindet sich auf der rechten Wegseite und
ist mit einem kleinen Aufstieg schnell erreicht. Leider steht dieses
Prebischtor in einem dichten Wald, sodass man es einerseits nur schlecht
fotografieren kann, andererseits ist auch die Aussicht durch die Bäume stark
behindert. Im Gegensatz zum großen Prebischtor darf man aber bei diesem
Prebischtor auf den Felsbogen klettern, was auch sehr gerne unternommen
wird.
Vom kleinen Prebischtor geht die Wanderung, weiterhin rot markiert, runter
ins Tal. Der Abstieg ist so ziemlich die einzige wirklich steile Stelle auf
dieser Wanderung und es geht über ein paar Naturstufen und Wurzeln abwärts.
Nach 50 Höhenmetern erreicht man den Felsen des Šaunsteins bzw. das
ehemalige Hohenleipaer Raubschloss. Der Aufstieg durch die Felsspalte und
die darauffolgende Aussicht sind wirklich lohnenswert und sollten unbedingt
unternommen werden.
Nach diesem kleinen Abstecher steigt die Wanderung
weiterhin den Hang abwärts, bis nach links wieder mal einer dieser gut
ausgebauten Waldwege abbiegt. Es geht weiterhin der Wanderwegmarkierung
roter Strich hinterher. Bei diesem breiten Weg handelt es sich um eine uralte Verbindungsstraße zwischen Vysoká Lípa (Hohenleipa) und Zadni
Jetrichovice (Hinterdittersbach). Deshalb ist es auch überhaupt kein
Wunder, dass dieser Weg Èeská silnice (Böhmerstraße) heißt. Nach etwas mehr
als einem Kilometer biegt nach rechts der markierte Weg ab und es werden
mal wieder ein paar Höhenmeter bewältigt. Mit dem Aufstieg kommt man auf
einen Weg, der sich am Felsen entlang schlängelt. Von diesem Weg hat man gleich
an mehreren Stellen eine schöne Aussicht. So kann man ins Böhmische
Hinterland blicken, die unterschiedlichen Aussichten oberhalb von Jetřichovice (Dittersbach)
entdecken und das nächste Ziel, der Ostroh
(Rudolfstein), liegt gut sichtbar vor einem. Die Aussicht des Ostroh
(Rudolfstein) mit seiner kleinen Schutzhütte sollte man unbedingt erklimmen,
da man einen gigantischen Blick in so ziemlich alle Himmelsrichtungen
genießen kann. In nördlicher Richtung kann man auch so ungefähr den
Ausgangspunkt der Wanderung erkennen und staunen, wie weit die Wanderung von
Hinterhermsdorf weg gegangen ist. In der Luftlinie sind es bis zur
Buchenparkhalle 6 Kilometer.
Nach diesem tollen Aussichtspunkt geht es noch ein kurzes Stück von 300
Metern auf dem roten Strich weiter, bis dieser nach rechts abbiegt. Hier geht
es geradeaus auf der gelben Wanderwegmarkierung
bis ganz kurz vor die Na Tokání (Balzhütte). Ich finde diese Minisiedlung
mitten im Wald immer wieder verwunderlich und bin erfreut, dass an dieser
doch ziemlich abgelegenen Stelle die einzelnen Gaststätten überleben
können. Auf der geführten Wanderung haben wir hier an der hinteren
Gaststätte Rast gemacht und zu einem Spottpreis böhmische Knödel gegessen und
böhmisches Bier getrunken. Nach dieser Stärkung startet die Wanderung auf
ein extrem ruhiges Teilstück. Dazu folgt man der Wanderwegmarkierung blauer
Strich
,
welche sich am Rande der Hohen Wände entlang schlängelt. Die Wanderung
erfolgt auf fast gleichbleibender Höhe über eine Strecke von fast 4
Kilometern. Zwischendurch passiert man die Buk sv. Huberta (Hubertusbuche),
die durch ein Gemälde in luftiger Höhe auffällt. Zum Glück hängt das Gemälde
hoch genug, so kann es wenigstens von keinen Vandalen beschädigt werden. An
den Resten der Panenská jedle (Jungferntanne) verlässt die Wanderung die
blaue Wegmarkierung und geht nach links weiter auf der grünen
Wanderwegmarkierung
.
Auch hier verlaufen die ersten paar hundert Meter noch ohne
Höhenunterschied, bis es dann mit einem sehr angenehmen Gefälle runter ins
Kirnitzschtal geht. Noch bevor wir an der Kirnitzsch und damit an der Grenze
ankamen, hatte unser Nationalparkführer Herr Hesse ein paar sehr gute
Anschauungsobjekte im Rucksack.
 In einer Plastikdose waren die gehäutete
Haut einer Ringelnatter und in einer anderen Dose die zwei Nester einer
Amsel und eines Sommergoldhähnchen. Der Größenunterschied der beiden Nester war
beeindruckend. Was muss das für ein Minivogel sein.
Die Wanderung erreicht den schon bekannten Grenzübergang Hinterdittersbach.
Sehr nett sieht es aus, wenn man am Grenzübergang nach rechts über die Wiese
blickt und sich dort die Felswände der Rabensteine aufbauen. Dass hier so
mancher Greifvogel sein Nest hat, kann man sich gut vorstellen, besonders
bei der angenehmen Ruhe hier unten im Kirnitzschtal.
Das letzte Stück der Wanderung führt jetzt wieder aus dem Tal heraus nach
Hinterhermsdorf hoch. Dazu geht es wieder auf der bekannten
Wanderwegmarkierung blauer Strich
bis zum Hühnerkropf. Da wir alle keine Lust hatten, den gleichen Weg wieder zurück zu wandern, ging die Wanderung am Hühnerkopf nach
rechts unmarkiert weiter. Dieser Forstweg ist die Verlängerung der schon
bekannten Alten Böhmerstraße und führt mit einer sehr angenehmen Steigung
bis zur Buchenparkhalle und damit zum Ausgangspunkt der Wanderung zurück.
Diese geführte Wanderung hat mir sehr gut gefallen und Herr Hesse hat eine
tolle Arbeit geleistet. Er hat perfekt die Teilnehmer eingeschätzt, eine
schöne Strecke zusammengestellt und einige sehr gute Informationen
vermittelt. Auch war ich sehr erfreut, dass die beiden Mitwandererinnen,
entgegen ihrem ersten optischem Eindruck, richtig gut durchgehalten haben und
sehr nette Gesprächspartner waren. Diese Wanderung lässt sich auch ohne
einen Nationalparkführer durchführen, aber das Angebot der einzelnen
Nationalparkführer ist eine tolle Bereicherung zu den normalen Wanderungen
in der Sächsischen Schweiz.
|