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Ich
war mal wieder auf fremden Internetseiten unterwegs, um Anregungen zu guten
Wanderungen in der Sächsischen Schweiz zu sammeln, da fiel mir
eine Wanderung auf
www.wandermap.net besonders auf. Bis dahin konnte ich mir nur sehr
schlecht vorstellen, dass man von Hinterhermsdorf zum Prebischtor wandern
könnte, aber hier hatte jemand eine Rundwanderung zwischen den beiden Orten
Hinterhermsdorf und Prebischtor unternommen. Die Runde sollte 28,5 Kilometer
lang sein und damit gerade noch innerhalb der Grenzen meiner eigenen Wandermöglichkeiten liegen.
Also musste die Runde gleich mal ausprobiert werden.
Die Wanderung startet, wie der Name erraten lässt, im Zentrum von
Hinterhermsdorf. Vom großen Parkplatz kommend geht es nach rechts auf der Saupsdorfer Straße bis zur Schandauer Straße.
Nach
wenigen Metern biegt links die Buchenstraße ab und diese führt zur Straße
mit dem Namen Beize. Spätestens auf dieser kleinen Anwohnerstraße findet man
die Wanderwegmarkierung roter Strich
,
die man jetzt bis weit in die Waldhusche hinein verfolgt. Kurz nachdem man
die letzten Häuser von Hinterhermsdorf passiert hat, erreicht man eine der
Informationsstellen des Nationalparks Sächsische Schweiz. In dieser
Informationsstelle geht es größtenteils um den Wald, wie z.B. die Baumsorten
und die Bewohner des Waldes. Wenn man Kinder mit auf der Wanderung
hätte, was ich mir bei der Länge der Runde nicht vorstellen kann, dann
könnte man hinter dem Haus eine kleine Kletterübung einlegen. Die Erwachsenen dürfen hier
aber auch mal ihren Spieltrieb ausleben. Der gesamte
Bereich der Waldhusche ist eigentlich spitzenmäßig für Kinder geeignet, aber
auch Erwachsene können sich über sehr viele Informationen wundern und die Art der
Präsentationen staunen. Genau das kann man jetzt auf den nächsten Kilometern. In der Senke unterhalb des Informationshauses befindet sich ein
schöner Beobachtungssteg oberhalb eines Teiches, knapp daneben endet der
untere Teil der Waldhusche und an dem Kreisverkehr im Wald befinden sich einige
Informationsstände zu gefälltem Holz.
Die Wanderung verlässt die Waldhusche am Eingang bzw. Ausgang Aschehübel und
folgt weiterhin der roten Wanderwegmarkierung. Die ersten paar Meter
erfolgen auf einem sehr breiten Forstweg und dann wechselt der markierte Weg
in das Lindigtgründel. Der Abstieg ins Kirnitzschtal ist sehr angenehm zu
wandern und man erreicht den Bach im Bereich der Stimmersdorfer Brücke. Ab
der Kirnitzsch folgt die Wanderung der Wanderwegmarkierung blauer Strich
.
Dadurch, dass der Waldweg parallel zum Bach verläuft, sind keinerlei
Höhenmeter zu überwinden, bis nach 2 Kilometern der Grenzübergang Hinterdittersbach erreicht ist. Hier geht es ein paar Meter unmarkiert über die
Grenze nach Tschechien und auf der gegenüberliegenden Seite startet dann die
Wanderwegmarkierung grüner Strich
.
Die Wanderung folgt nach rechts dem markierten Weg. Wenn man links und
rechts des Weges ein bisschen gründlicher an den Wegesrand sieht, entdeckt
man noch Spuren der ehemaligen Siedlung Hinterdittersbach. Bis nach dem
Krieg haben hier mehrere Häuser gestanden, die als Ausflugsziel sehr
beliebt gewesen sein sollen. Heutzutage ist dieser Bereich eine ziemlich
ruhige Ecke, die noch am meisten von Radfahrern auf dem Weg ins
Kirnitzschtal durchquert wird. Nachdem man den Bereich von Hinterdittersbach
passiert hat, kann man auf der linken Wegseite noch einige Steinsäulen als
Wegbegrenzung entdecken. Da es
sich um Basaltsäulen handelt, passen sie hier irgendwie nicht so richtig hin.
Die Wanderung folgt jetzt der Böhmerstraße, die sehr angenehm zu wandern, aber dadurch, dass man fast 4 Kilometer durch den dichten böhmischen
Wald unterwegs ist, schon fast langweilig ist. Dann zweigt der markierte
Wanderweg von dem breiten Forstweg ab und steigt merklich an. Auf einer
relativ kurzen Strecke müssen 100 Höhenmeter überwunden werden. Dabei
handelt es sich um einen Bergsattel zwischen dem Bouřňák (Donnerberg) und
dem Vétrovec (Rauschenberg). Bei dem Auf- und dann wieder Abstieg handelt es
sich um einen ziemlich unebenen Waldweg (zumindest im Verhältnis zu den 4
Kilometern vorher). Danach erreicht man die Ortschaft Mezní Louka
(Rainwiese). Hier bieten sich mindestens zwei Möglichkeiten zum Einkehren
an. Beide sind sehr auf deutsche Besucher ausgerichtet und bieten im
Verhältnis zu deutschen Gaststätten ziemlich preiswerte Speisen und Getränke
an.
Von hier geht es über die Wanderwegmarkierung roter Strich
in Richtung Prebischtor weiter.
Der
Startpunkt für dieses Teilstück liegt gleich neben der Gaststätte Hospůdka u
Fořta (Hegerhaus oder Forsthaus), also gegenüber vom großen Hotel Mezní
Louka. Von hier aus wandert man in Richtung Gabrielensteig bzw.
Prebischtor. Auch bei diesem Teilstück der Wanderung handelt es sich um
etwas mehr als 4 Kilometer, aber dieses Stück macht richtig Spaß zu gehen.
Mal müssen ein paar Stufen überwunden werden, dann kommt eine schöne
Aussicht, es geht nicht auf so einem breitem Forstweg entlang, sondern auf einem
angenehmen Pfad und dann kann man auch immer wieder Felsen auf der rechten
Seite bestaunen. Das Prebischtor ist die Hauptattraktion der
Böhmischen Schweiz und laut den Zahlen der Tschechischen
Nationalparkverwaltung sollen auf dem Gabrielensteig fast genauso viele
Wanderer unterwegs sein wie auf dem vorderen Zugang. Aber das fällt irgendwie
bei dem verschlungenen Weg gar nicht auf. So vom Gefühl her hätte ich
auch gesagt, dass viel mehr Besucher von Hřensko (Herrnskretschen)
zum Prebischtor hoch und wieder zurück wandern, aber die offiziellen Zahlen
sagen etwas anderes aus. Nach einem guten Stück auf dem Gabrielensteig
umrundet man einen größeren Talkessel
und
danach bietet sich eine sehr schöne Aussicht auf den Talkessel und rüber zum
Pevnost (Beckstein). Ziemlich komisch ist, dass man knapp unterhalb des
Prebischtores steht und es überhaupt nicht merkt. Wenn man aus dem Prebischtor
in östliche Richtung sieht, dann findet man den Pevnost (Beckstein) gleich
hinter der Felswand an der Pravčická jehla (Prebischnadel). Aber dazu
später.
Zuerst führt die Wanderung noch einmal um einen kleinen Schlenker und dann
ist der untere Zugang zum Prebischtor erreicht. Der Aufstieg ist durch ein
paar Stufen, eine größere Brücke und, etwas ganz Besonderes, einen künstlichen
Tunnel ziemlich abwechslungsreich.
Kurz
vor dem Kassenhäuschen wird der Wanderweg durch einen Gang unterhalb der
Gaststätte geführt. Für deutsche Wanderer ist es immer noch etwas seltsam,
wenn man für ein Stückchen Natur Eintritt bezahlen muss. Richtig nett zeigen
einem die Amerikaner, wie so etwas funktionieren könnte. In den USA muss man
in sehr vielen Nationalparks einen Eintritt entrichten, für den man dann
aber auch etwas Ordentliches geboten bekommt: Die Park dort sind vollständig
müllfrei, es gibt ordentliche Sanitäranlagen und überall sind
auskunftsfreudige Nationalparkranger unterwegs. In der Tschechoslowakei habe ich heute noch
das Gefühl, dass die deutschen Touristen möglichst stark geschröpft werden
müssen. Die schnell ansteigenden Parkgebühren oder die Gebühr im Wilden
Klamm sind für ein zugemülltes Tal einfach nur unverschämt. In Deutschland
ist es nur leicht anders. Hier werden von heute auf morgen Parkscheinautomaten
aufgestellt und sonst nichts. Ein paar der Parkscheinautomaten gehören den
angrenzenden Gemeinden, aber der Großteil, im Bereich des Nationalparks, ist
dem Nationalpark. Damit besteht eine versteckte Gebühr für den Nationalpark,
ohne dass man mehr Leistungen als vorher erhält. So ist auch diese Variante
nicht viel besser als die der Tschechen.
Das
Prebischtor ist aber trotz der Gebühr ein lohnenswerter Ausflug. Das
eigentliche Felsentor ist schon ganz beeindruckend, aber noch viel schöner finden wir die Aussichten. Mit der Kulisse des Felsentors hat man einen sehr schönen
Blick auf die Felsen der Böhmischen Schweiz.
Damit ist die Hauptattraktion und damit auch der Wendepunkt dieser Wanderung
erreicht und es geht an den Rückweg. Dazu muss man über den schon bekannten
Gabrielensteig zurück wandern. Netterweise sieht der Rückweg von den
Aussichten ganz anders aus als der Hinweg. Insgesamt wandert man 3
Kilometer auf dem Gabrielensteig zurück, bis nach links ein deutlich
sichtbarer Waldweg abbiegt. Es handelt sich um den uralten Verbindungsweg
von Mezní Louka (Rainwiese) zum Großen Zschand. Seltsamerweise ist der Weg
seit ein paar Jahren im Bereich der Grenze gesperrt, dessen sollte sich
jeder bewusst sein, der hier entlang wandert. Bis heute sind mir aber nur sehr nette Parkwächter
begegnet. Nach etwas mehr als ¼ Kilometer biegt nach rechts der erste
breite Waldweg ab. Hier steigen die ersten paar Meter noch leicht an, aber
je länger man unterwegs ist, desto steiler wird es. Auch bei diesem Weg
handelt es sich um einen historisch überlieferten Grenzübertritt. Der Stinnersdorfer Weg wird mit fortschreitender Wanderzeit immer schmaler und
nach einem Kilometer passiert man die Grenze. Der Pfad ist ganz gut sichtbar
und führt zum Altarstein. Genau an diesem großen Felsen kann man sehr gut
erkennen, dass hier schon seit ein paar Jahrhunderten Menschen in diesem
Bereich über die Grenze gewandert sind. Der Altarstein ist über Jahrzehnte
von verfolgten böhmischen Protestanten als Platz für den Gottesdienst
benutzt worden. Die Wanderung geht ein paar Meter auf dem grün markierten
Wanderweg
bergab, bis der rote Strich
auf den Stinnersdorfer Weg stößt. Jetzt geht es auf dieser
Wanderwegmarkierung über den breiten Forstweg weiter runter ins
Kirnitzschtal. Die Kirnitzsch wird an der Stimmersdorfer Brücke passiert.
Diese Stelle kennt man schon vom Hinweg zum Prebischtor.
Die Wanderung führt ein Ministück von 100 Metern auf der roten
Wanderwegmarkierung parallel zur Kirnitzsch. Dann verlässt die rote
Wanderwegmarkierung die geplante Wanderung und es geht auf dem blauen Strich
weiter der Kirnitzsch hinterher. Nach 800 Metern passiert die Wanderung die
Niedere
Schleuse, die aber heutzutage keine Funktion mehr hat. Zumindest haben wir
seit Jahrzehnten kein gestautes Wasser mehr gesehen und der angespülte Sand
und das restliche Treibgut müssten für eine Benutzung erst mal entfernt
werden. An der rechten Wegseite erklärt eine sehr anschauliche Tafel die
Funktion der Schleuse und der Flößer. Nach etwas mehr als ½ Kilometer
hinter der Niederen Schleuse erreicht der breite Waldweg den
Hinterhermsdorfer Dorfbach. Hier beginnt das letzte Stück der Wanderung, mit
dem noch mal 150 Höhenmeter überwunden werden müssen. Bis in die Mitte von
Hinterhermsdorf sind es ca. 2,5 Kilometer und damit ist der Aufstieg aus dem
Kirnitzschtal bis hoch in die Dorfmitte gar nicht so anstrengend. Auf dem
Weg entlang des Dorfbaches passiert man die nördliche Kante der Waldhusche,
die aber nur durch zwei Ein- bzw. Ausgänge überhaupt zu erkennen ist.
Am
Waldhuscheneingang Dorfbach passiert man auch den letzten gut sichtbaren
Felsen in Form des Dorfbachsteins. Dadurch, dass kein nennenswerter Baum und
eine Wiese den Blick auf den Felsen freigibt, kann man sich das letzte Mal
an einer schön aufgeschichteten Felswand erfreuen. Der Weg führt ins Zentrum
von Hinterhermsdorf und damit ist diese Wanderung wieder an ihrem
Ausgangspunkt angekommen.
Ich war ziemlich überrascht, dass man tatsächlich mit einer solch netten
Wanderung von Hinterhermsdorf zum
Prebischtor kommen kann. Leider habe ich
nicht so richtig verstanden, dass es auf der Internetseite
www.wandermap.net
unterschiedliche GPS-Daten gibt. Für die Wanderung Hinterhermsdorf –
Prebischtor waren die veröffentlichten GPS- Daten die Planungsdaten für eine
Wanderung. Diese Planung war anscheinend auf einem sehr groben
Satellitenbild bzw. Landkarte passiert und damit führte der empfohlene Weg
gleich an vier Stellen weit abseits von jeglichen Wegen. Dadurch hat sich
für mich die Wanderung gewaltig verlängert und die Zufriedenheit über die
GPS-Daten sank mit jeder Extraschleife. Hoffentlich sind meine eigenen Daten
bei jeder Wanderung besser. Trotzdem war die Empfehlung für diese Wanderung
sehr nützlich.
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