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Ich bin schon einige Male mit dem Finger über die
Landkarten westlich des Prebischtors gefahren und dachte schon immer, das
kann doch gar nicht sein, dass neben einer solch hochfrequentierten Stelle
der Sächsischen bzw. Böhmischen Schweiz ein weißer Wanderwegefleck
sein kann. Aber erst durch die Anregung von ein paar bekannten Mitwanderern wurde diese Ecke
auch wirklich in Angriff genommen. Wir hatten uns an einem verlängerten
Wochenende am Parkplatz oberhalb von Hřensko (Herrnskretschen) verabredet.
Leider hatten wir nicht bedacht, dass an einem Brückentag noch eine ganze
Menge Mitmenschen hinauf auf das Prebischtor wollen und so war der Parkplatz
schon kurz nach 10 Uhr voll. Durch ein raffiniertes Parkmanöver wurde der
Startplatz um ein paar Meter in die Richtung Janov (Jonsdorf) verlegt. Die
Wanderung führte uns erst mal an der Straße in Richtung Mezní Louka
(Rainwiese) hoch. Über den relativ hässlichen Straßenrand wandern alle
Touristen, die als Ziel das Prebischtor haben. Für die Erkundung der
Silberwände mussten wir aber nur ½ Kilometer am Straßenrand entlang
gehen, bis die zweite Abbiegemöglichkeit nach links kommt.
Hier geht es das
erste Stück steil den Berg hoch. Auf der linken Wegseite fallen gleich
mehrere Quellen auf, die als Jungfernquellen (Panenský pramen)
bezeichnet werden. Jede diese
Quellen hat einen ziemlich großen Ausstoß Quellwasser. Der Weg geht weiter
den Berg aufwärts, bis sich an einem neu angelegten Löschteich der Weg
gabelt. Hier geht es nach rechts weiter dem
Bach
Suchá Belá (Dürre Biele) hinterher. Die
ersten paar hundert Meter sind leicht ansteigend, aber die Steigung nimmt
zu, bis man nach ziemlich genau einem Kilometer Weg nicht mehr dem Bachlauf
folgen kann. An dieser Stelle geht es nach rechts zum Prebischtor; da die
Wanderung aber nicht zu diesem Besuchermagnet gehen soll, wandern wir
nach links weiter in die Richtung der Silberwand. Nach wenigen Metern
erreicht man die ersten hochragenden Felsen und an diesem Felsfuß geht es
jetzt auf einem gut sichtbaren Pfad weiter.
Der Weg schlängelt sich an
der Felswand entlang, man kann gleich an
mehreren Stellen beeindruckende Felsformationen bewundern, aber seltsamerweise sieht
man überhaupt keine Kletterer. Nach etwas mehr als einem Kilometer soll auf
der Felsseite der künstliche Silberwandstollen sein. Diesen 35 Meter langen
Stollen sollen Walen und Italiener gegraben haben. Der Stollen ist zwar nur
einen Meter hoch, aber an der tiefsten Stelle soll er sogar ein Gipfelbuch
enthalten. Das hört sich nach Klettern in einer Höhle an. Leider haben wir
den Stollen selbst bei einem zweiten Versuch nicht gefunden. Aber dazu
später noch.
Nach einem netten Geschlängel an der Silberwand entlang stößt
man auf einen überraschend breiten Waldweg. Dieser Weg wird anscheinend auch
als Holzsammelplatz für den Nutzwald rundherum benötigt. Nach rechts würde
der Weg hoch zum Großen Winterberg gehen. Früher war der Durchgang wegen der Grenze verboten, heutzutage ist
der Weg nur in den Sommermonaten gesperrt, da hier ein paar seltene Vögel
brüten. Die Wanderung geht also nach links
auf fast gleichbleibender Höhe weiter. Nach ungefähr 300 Metern kommt die
Wanderung an ein Wegekreuz. Hier geht es nach rechts weitere 300 Meter
weiter, bis man schon wieder auf ein Wegekreuz stößt. Hier treffen mindestens 5
Wege aufeinander. Auf der großen Wiese hatten wir bei der ersten Wanderung
Rast eingelegt und uns über eine ziemlich sportliche Wanderfamilie gewundert. Da wir uns
selber nicht so ganz sicher mit dem weitern Wegverlauf waren, sprachen wir
sie an, wohin sie denn so zielstrebig unterwegs wären. Sie meinten: Zum
Prebischtor. Oh weia! Also die waren noch viel orientierungsloser unterwegs
als wir. Der Grund, warum die Familie falsch unterwegs war, war erstens, dass sie einen Weg zu früh von der Straße zwischen Hřensko
(Herrnskretschen) und Mezní Louka (Rainwiese) abgebogen waren und zweitens dann die
roten Kringel an den Bäumen für die rote Wanderwegmarkierung hielten. Bis
heute ist uns nicht so richtig klar, was diese Markierungen nun wirklich bedeuten. Wir haben
es als eine Kernzonenbegrenzung gedeutet.
Die Wanderung geht jetzt nach rechts weiter. Dieser zum Anfang geschotterte
Weg wird mit der Zeit immer schmaler und nach 800 Metern erreicht man
überraschenderweise ein Hinweisschild des Nationalparks Böhmische Schweiz.
Laut gleich mehreren Wanderkarten soll hier ein Pfad weiter auf dem Grat
entlanggehen, aber dem ist ganz sicher nicht so. An dem Hinweisschild sollte
man nach rechts in Richtung Grenze abbiegen. Dieses kleine Stück hat eher
etwas mit Querfeldeinwandern zu tun, aber es gibt gleich mehrere Hilfen:
Erstens kann man die rot geringelten Baummarkierungen nach links (nach
dem Abstieg vom Gratweg) verfolgen, in wenigen Metern (50 - 100 Meter) Entfernung sieht man die
weißen Grenzsteine und die Richtung steuert auf die Elbe zu.
Nach diesem ca.
250 Meter langen Abstieg und Querfeldeinweg erreicht man wieder einen Weg,
der parallel zur Elbe verläuft. Wenn man nach links hoch sieht, dann stellt
man fest, dass hier bestimmt kein Abstieg vom Gratweg möglich ist.
Anscheinend ist der Weg parallel zur Elbe in früheren Jahren ziemlich
beliebt gewesen, da die Spuren an der alten Buche ziemlich eindeutig sind.
Hier haben sich schon einige Wanderer verewigt. Auch kann man dem Weg
deutlich ansehen, dass es sich nicht nur um einen gewöhnlichen Wanderweg
handelt, weil er doch ziemlich deutlich auch für Fahrzeuge oder mindestens
Holztransporte ausgebaut worden ist. Dieses Teilstück der Wanderung ist im
Gegensatz zum vorhergehenden Teilstück ganz angenehm zu gehen. Auch auf
diesem Stück begegnet man nur äußerst selten jemandem. An mehreren Stellen
sind kleinere Aussichten ins Elbetal zu finden. Wirklich komisch sehen
die Steinhaufen aus. Ich wüsste schon gerne, warum sich die Leute die Mühe gemacht haben,
hier diese kleinen Steinberge anzuhäufen. Nach ca. 1,3 Kilometern steuert der
Weg auf die erste
 Abzweigemöglichkeit nach links drauf zu. Hier soll die
Wanderung gleich hinauf gehen, aber zuerst geht es noch bis zu einer Aussicht
oberhalb von Hřensko (Herrnskretschen). Den Felsen oberhalb des Hotel Labe - Hřensko haben wir schon häufig gesehen, aber noch nie irgendwelche Menschen
auf ihm. Wenn man den Pfad bis zur Spitze weiter gewandert ist, dann erkennt
man, dass eine Felsspalte den Zugang verwehrt. Trotzdem hat man eine
ziemlich ungewöhnliche Aussicht ins Elbetal. Auf der gegenüberliegenden
Flussseite sieht man den deutschen Bahnhof Schöna und ein Beispiel für einen
aufwändigen Hanggarten. Ich glaube kaum, dass sich heutzutage noch
irgendjemand diese Arbeit machen würde, geschweige denn die Erlaubnis dazu
erhalten würde.
Bei dem ersten Wanderungsversuch sind wir von dieser Aussicht oberhalb von
Hřensko (Herrnskretschen) weiter gegangen. Der Weg läuft ziemlich
verführerisch angenehm am
Hang entlang, aber leider steigt der Weg nach
ungefähr 700 Metern auf einmal oberhalb der Hřenskoer Feuerwehr ins Tal
hinab. Auch das ist eigentlich nur ein begrenztes Problem, aber
seltsamerweise endet er genau im Garten der Nationalpark-Informationsstelle.
Die Leute dort haben uns leicht irritiert angesehen, der Hund im Garten hat
versucht, uns zu beeindrucken, aber der Rückweg war eindeutig zu aufwändig.
Also wurde aller Mut zusammengenommen und nach einer
freundlichen Frage durch den Garten gelatscht.
Da ich mich nun wirklich nicht mit dieser Variante zufrieden geben wollte,
habe ich die Wanderung gleich noch einmal eine Woche später mit meiner Frau
unternommen. (Kurzer Einschub der Genannten: Diese Wanderung begann sehr
vielversprechend mit folgender Ansage von Ingo: "Oh, heute habe ich
überhaupt keine Karte dabei. Na ja, ich weiß so ungefähr, wo es nicht lang
geht." Nach ein paar Metern kam von links ein Weg den Hang herunter, und
Ingo meinte "Hier müssten wir nachher theoretisch wieder runterkommen. Beim
letzten Mal hat's schon mal nicht geklappt." Wir sind diesen Weg aber
tatsächlich heruntergekommen, aber das kommt erst ganz am Ende.) Diesmal sind wir
also nach der Aussicht über dem Hotel wieder ein Stück zurückgelaufen und den schon erwähnten abzweigenden Weg hoch
gewandert. Der Weg ist wirklich einfach zu finden, da er eigentlich der
einzige ist, der vom Elbehangweg abzweigt. Dieser Weg verläuft fast
parallel zu dem ersten Weg, aber ein ganzes Stück höher am Hang und schwenkt
genauso ins Tal der Kamenice (Kamnitz). An diesem Richtungswechsel kommt man
an der Antennenanlage des Hotels Labe - Hřensko vorbei. Bei der ersten Wanderung
hatten wir uns noch gewundert, was für ein gut verlegtes, dickes Kabel hier
den Hang hoch führte. Bei dieser zweiten Runde war es klar, dass das Kabel
nicht zu einem ruhigen Waldhaus, sondern nur zu einer günstigen Position
einer Antennenanlage führt. Was uns aber trotzdem verwundert, dass in
Zeiten von Satellitenschüsseln hier oben noch eine ziemlich neue
konventionelle Antenne aufgestellt worden ist. Der Weg verläuft ziemlich
gleichbleibend auf einer Höhe, bis es kurz vor dem Malinový důl (Himbeergrund) an den Abstieg geht. Der Weg geht relativ steil abwärts, wird
aber auch von Forstfahrzeugen benutzt und deshalb ist der Abstieg noch ganz
gut zu bewältigen. Als wir den Weg gegangen sind, hatten sich anscheinend
gerade einige Forstfahrzeuge durch einen feuchten Untergrund gewühlt. Die
Furchen waren riesig und der Weg war richtig nett matschig. Was aber
wirklich seltsam erschien, dass wir gleich drei unterschiedlichste Schuhe
hier neben dem Weg fanden. Einerseits war es ein
Arbeitsschuh, andererseits
ein normaler Herrenstraßenschuh und überraschenderweise ein Schlappschuh,
so ein Gummilatsch. Wie auch immer solch ein Schuh
hier oben an den Hang kommt, er gibt einem eine kleine Grübelaufgabe auf.
Vermutlich wurde dieser parallel zur Straße oberhalb des Grenzüberganges
gelegene Weg besonders des Nachts gerne von eiligen Personengruppen genutzt,
die keine Zeit hatten, im Matsch steckengebliebene Latschen zu suchen... Nach dem
Abstieg erreicht man wieder die Straße zwischen Hřensko (Herrnskretschen)
und Mezní Louka (Rainwiese). Auf dieser Straße geht es die letzten paar
Meter wieder bis zum Ausgangspunkt zurück.
Damit ist auch diese Region in der Nähe des Prebischtors erkundet. Die
Wanderung ist aber nicht gerade zu empfehlen, da es eigentlich keine
nennenswerten Aussichten gibt, es wirklich nichts Besonderes zu entdecken gibt
und die Wanderung außerdem einen vollkommen unauffindbaren Weg beinhaltet. Das Einzige
wirklich Überzeugende bei dieser Wanderung ist die gigantische Ruhe. Außer
der verirrten Familie haben wir auf beiden Wanderungen niemanden
angetroffen.
Noch ein kleiner Nachtrag:
Inzwischen weiß ich, dass die roten Ringe an den Bäumen die Grenze für die
böhmische Kernzone bedeuten. An dem neu angelegten Teich weißt ein Schild
auf die Zona 1 (was anscheinend nach dem böhmischen Sprachgebrauch die
Kernzone sein soll) hin.
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