Hier beschreibe ich erstmals eine von
zertifizierten Nationalparkführern durchgeführte Wanderung. Ich war einfach
mal neugierig, wie diese ihre Wanderungen organisieren. Hierbei muss man
aber zwei Nationalparkführertypen unterscheiden. Es gibt die
Nationalparkwacht, die beim Nationalpark Sächsische Schweiz angestellt ist
und ihre Führungen kostenlos anbietet, und es gibt die ausgebildeten
Nationalparkführer, die sehr viele Führungen im Bereich der Sächsischen
Schweiz anbieten und als Selbstständige unterwegs sind. Welche Führungen
angeboten werden und wie viel sie kosten, kann man der Internetseite des
Nationalparks (www.nationalpark-saechsische-schweiz.de)
entnehmen. Genau über diese Internetseite habe ich mir dann auch diese
Führung herausgesucht. Den Abend vorher habe ich mich unter der angebenden
Telefonnummer bei der Nationalparkführerin angemeldet. Hier gab es die
ersten zwei erfreulichen Überraschungen. Einerseits wurde die Wanderung von
zwei Nationalparkführern begleitet und zweitens wurden einige Teilnehmer mit
dem Privatwagen der Nationalparkführer abgeholt.
Da
es sich um eine Streckenwanderung handelte, waren mehrere Autos notwendig,
damit auch irgendwie der Hin- und Hertransport funktionierte. Der
vereinbarte Termin wurde äußerst genau eingehalten und so ging es in einem
kleinen Autokonvoi von drei Fahrzeugen zum Endpunkt. Hier haben wir ein Auto
stehen gelassen und sind weiter zum Ausgangspunkt der Wanderung an der
Hocksteinschänke gefahren. Hier haben sich mir die beiden Nationalparkführer
kurz vorgestellt. Den restlichen Teilnehmern der Führung brauchten sich die
beiden nicht mehr vorstellen, da sie schon die ganze Woche mit ihnen
unterwegs waren. Es waren Irina und Holger Natusch aus Dresden (www.iodnatusch.com).
Vom Parkplatz gingen wir bis zum Hockstein. Kurz vor dem Hockstein gab es
auf der kleinen steinernen Brücke, der Teufelsbrücke, die erste ausführliche
Erklärung dazu und dass diese auf mehreren Bildern von Malern in der
Sächsischen Schweiz zu sehen ist. Nach wenigen weiteren Wandermetern
erreichten wir dann die Hocksteinaussicht. Hier wies Hr. Natusch auf das
kleine in den Felsen geritzte
Mühlespiel
hin. Ich habe dieses Brettspiel auch schon mehrere Male gesehen und immer
gedacht, dass es eine andere Variante von normalen Spuren der Touristen ist.
Aber da habe ich wohl falsch gelegen. Es kann sich auch um ein 600 Jahre
altes Überbleibsel der Burgwarte Hockstein handeln. Hier haben anscheinend
die Wachen auch noch andere Beschäftigungen verfolgt, als das Tal zu
bewachen. Ganz genau weiß man es aber nicht. Vom Hockstein ging es durch die
Wolfsschlucht runter ins Polenztal. Diese Schlucht soll dem Librettisten
Kind des Freischütz als Inspiration zur Wolfsschluchtszene gedient haben.
Obwohl unsere gesamte Gruppe nur 7 Leute umfasste, zog sich der Abstieg doch
ziemlich in die Länge. Kein Wunder, denn die enge Wolfsschlucht bietet doch
fürs Auge und die anderen Sinne so viele Eindrücke von „schön bis schaurig“,
so dass die entgegenkommende Gruppe sich in Geduld üben musste.
Im Polenztal sind wir ein kurzes Stück bachabwärts bis zum Schindergraben
gewandert und dann durch diese Schlucht wieder aus dem Tal heraus gestiegen.
Am Ende der Schlucht erfolgte eine ausführliche Erklärung zum ehemaligen
Bärengarten und der Gedenktafel für Wilhelm Leberecht Götzinger. Kurz
oberhalb der Gedenktafel erreichten wir den Weg, der sich oberhalb des
Polenztales entlang schlängelt. Diesem sind wir dann nach rechts in Richtung
Brandaussicht gefolgt. Nach ein paar Metern auf dem Weg haben wir noch einen
Abstecher zur Gautschgrotte unternommen. Diese Schichtfugenhöhle ist ganz
besonders interessant im Winter, wenn sich durch das kleine Rinnsal ein
mächtiger Eiszapfen bildet. An ähnlichen Eisbildungen nahe Hohnsteins können
sich dann die ganz besonders mutigen Kletterer im Eisklettern übern. Auch in
der Grotte fiel mal wieder ein Spezialgebiet von Hr. Natusch auf. Er kennt
sich gut mit allen möglichen alten Inschriften an Felsen in der Sächsischen
Schweiz aus. In der Gautschgrotte war einmal eine Tafel angebracht, die aber
leider verloren gegangen ist. Ihre Umrisse sind aber auch heute noch sehr
deutlich zu sehen und genau auf solche Sachen hat Hr. Natusch auf der
gesamten Führung sehr nett hingewiesen. Auf dem weiteren Weg von der
Gautschgrotte in Richtung Brandaussicht sind solche Mengen an größeren und
kleineren Inschriften in den Felsen zu sehen, dass ich wirklich sprachlos
war. Zum Teil sind es Inschriften in Form eines Namens und einer Jahreszahl,
dazu würde man heute sehr wahrscheinlich Graffiti
sagen, oder es sind richtig ausführliche Inschriften, die an irgend etwas
Besonderes erinnern sollen. So befindet sich eine Inschrift auf einem
Felsen, der gleich neben dem Weg liegt, die nur einen Namen (E. Simchen) und
die Jahreszahl (1901) enthält. Eine weitere Inschrift befindet sich auf der
linken Seite in einem
Felsendurchbruch.
Auch diese Inschrift ist nur eine Name, diesmal aber von einer russischen
Stadt, ich glaube es war Wolgograd. Weiter ging es auf dem Weg mit der
grünen Wegmarkierung
immer in gleich bleibender Höhe in Richtung Brandaussicht. Erst als wir die
Brandstraße erreicht haben, sind wir nach rechts abgebogen und bis vor zur
Brandaussicht weiter gegangen. Hier hatten wir das riesige Glück, dass kaum
ein anderer Wanderer da war und wir gleich zwei Tische in Beschlag nehmen
konnten. Von der Brandaussicht haben wir den Ausblick bei herrlichem
Sonnenschein und einem leckeren Eis genossen. So kann man sehr gut
verstehen, warum diese Aussicht auch noch den Beinamen "Balkon der
Sächsischen Schweiz" trägt. Hoch interessant war die Information, dass ab
dem Frühjahr 2007 hier oben eine weitere Informationsstelle des
Nationalparks Sächsische Schweiz öffnet. Heutzutage fällt schon der sanierte
Zustand des Gebäudes auf. Was dem gegenüber leider noch ein bisschen fehlt.
Schade, dass die jetzigen Pächter der Gaststätte ihren sehr freundlichen
Service einstellen. Es soll aber schon ein Nachfolger in den Startlöchern
stehen. Hoffentlich ist er auch so freundlich wie die jungen Leute, die bis
jetzt die Gaststätte betrieben haben.
Von der Brandaussicht sind wir noch kurz zur Hafersackaussicht gegangen.
Diese Aussicht ist, wenn man von der Brandaussicht kommt, rechts zu finden.
Hier hat man einen prächtigen Blick auf den Tiefen Grund. Von der Aussicht
ging es dann wieder das kleine Stück bis zur Brandstraße zurück. Die
Brandstraße haben wir dann ungefähr 250 Meter bis zur Abzweigung in den
Schulzengrund
verfolgt. Der Abstieg durch den Schulzengrund ist mit dem roten Strich
markiert und gehört für mich zu einem der schönsten Wege. Man hat zwar keine
Aussicht, was bei einem Grund nicht wirklich ungewöhnlich ist, aber dafür
sieht er genau so aus, wie ich mir eine Kernzone im Nationalpark vorstelle.
Hier ist die Natur sich wirklich selber überlassen worden. Es liegen und
stehen mächtige Buchen kreuz und quer herum. Das sieht wirklich toll aus und
hier kann man sich sehr gut vorstellen, wie ein Urwald entsteht (falls man
in Westeuropa überhaupt von Urwald sprechen kann). Wenn man sich einen von
den umgefallenen Riesen näher ansieht, dann entdeckt man Tausende von
kleinen Löchern. Hier haben die Holzwürmer angefangen, die erste sichtbare
Zersetzung des Baumes zu beginnen. Ich fand es sehr überzeugend, was ich mal
von einem Nationalparkranger gehört habe, dass ein Baum nach seinem Tod mit
dem zweiten Leben anfängt. Das kann man im Schulzengrund sehr schön sehen.
Über so einen Baum machen sich Tausende von Tieren und natürlich auch einige
Pflanzen bzw. Pilze her und damit bietet der tote Baum dann noch eine
weitere Lebensgrundlage. Der Abstieg von der Brandebene durch den
Schulzengrund ist durch ein geringes Gefälle sehr angenehm. Am Ende des
Grundes erreicht man das Polenztal in der Nähe der alten Waltersdorfer
Mühle. Früher soll die Waltersdorfer Mühle ein äußerst beliebtes
Ausflugslokal gewesen sein. In den letzten Jahren ist das Anwesen ziemlich
heruntergekommen, aber erfreulicherweise kann man jetzt (2006) wieder
Sanierungstätigkeiten und mindestens am Wochenende einen kleinen
Gaststättenbetrieb erkennen. Die letzten
3 Kilometer der Führung gingen an der linken Bachseite der Polenz entlang.
Kurz vor dem Parkplatz an der Frinzthalmühle haben wir noch einen kleinen
seitlichen Abstecher zum Fangrechen gemacht.
Hier
war gerade ein ganz seltsamer Bagger damit beschäftigt, im Flussbett und
neben dem Fangrechen herumzuwurschteln. Wie ich jetzt im Nachhinein gelernt
habe, handelt es sich bei diesem Bagger um einen so genannten Schreitbagger,
der mit einer gewaltigen Geländegängigkeit aufwartet. Die letzten paar Meter
bis zum Parkplatz haben wir in aller Ruhe absolviert und damit war die
Führung dann auch zu Ende. Jetzt mussten nur noch die beiden Autos am
Ausgangspunkt wieder abgeholt werden und damit war eine sehr informative
Runde abgeschlossen. Es hat sehr viel Spaß gemacht, mit den beiden
Nationalparkführern Irina und Holger Natusch zu gehen, und obwohl die Runde
viel länger gedauert hat als zum Anfang angegeben, so ist sie an keiner
Stelle langweilig gewesen. Jetzt verstehe ich auch, warum die restlichen
Teilnehmer schon eine ganze Woche mit den beiden unterwegs waren.