Wir waren neugierig, wie die Obere Schleuse von
Hinterhermsdorf im Winter aussieht. Unsere Vermutung war, dass das
zugeschneite Kirnitzschtal im Bereich der Bootsstationen besonders
winterlich aussehen müsste. Wir waren uns auch ganz sicher, nicht die ersten
mit dieser Idee zu sein und so hofften wir, dass der Weg hinunter und dann
wieder aufwärts schon so einigermaßen "gespurt" wäre.
Also ging es an einem winterlichen Tag in Richtung Hinterhermsdorfer
Buchenparkhalle. Als wir an dem Parkplatz ankamen, war nur noch ein anderes
Auto zu sehen und vielleicht hätte uns das schon zu denken geben sollen.
Aber was soll´s, ein bisschen durch den Schnee stampfen kann ja gar nicht so
schlimm sein. Vom Parkplatz geht es neben der Buchenparkhalle auf dem
schnurgeraden Weg in die Richtung der Oberen Schleuse. Der Wanderweg ist
hier mit der Wanderwegmarkierung blauer Strich
gekennzeichnet und verläuft neben einigen Schrebergärten entlang. Gleich
mehrere dieser Gärten sind ganz abwechslungsreich verziert. Mal stehen ein
paar Skier herum, mal kann man eine ganze Kulisse aus geschnitzten Figürchen
entdecken.
In der normalen Besuchersaison fährt hier eine Pferdekutsche bis hinunter
zur Oberen Schleuse. Anscheinend kann man die Pferde auch im Winter für
einzelne Fahrten mieten. Dann ist aber anstelle des normalen Anhängers ein
Schlitten hinter die Pferde gespannt. Die Pferde verlassen nach ½ Kilometer
den Wanderweg, der aber immer noch geradeaus in Richtung Obere Schleuse
verläuft. Bei unserer Wanderung war der Weg bis hierhin nur leicht glatt und
vom Schnee geräumt. Ab der Kreuzung wechselte das Glatteis in tiefen Schnee
mit einem fest getrampelten Pfad. Ziemlich komisch war es, wenn man neben
den Pfad trat, dann versank man ordentlich im Schnee.
Nach einem ¾ Kilometer verlässt der markierte Wanderweg den gut ausgebauten
Waldweg und es geht nach schräg links abwärts. Eigentlich müssten hier
einige Stufen den Hang hinunterführen, aber irgendwie haben wir bei dem
vielen Schnee keine mehr entdeckt. Wenn wir hier neben den getrampelten Pfad
traten, ging es gleich bis an die Knie in den Schnee. Damit mussten wir ein
bisschen mehr darauf achten, wo wir hintraten, aber das ging noch ganz gut.
Erst mit dem nächsten Forstweg (Neuer Hohweg) wurde es wieder ein Stückchen
schwieriger. Nachdem
wir den Forstweg überquert hatten, konnten wir deutlich sehen, dass hier
noch weniger Wanderer unterwegs waren und so folgten wir nur noch einzelnen
Fußabdrücken abwärts. Von den Felswänden links und rechts des Weges wachsen
zum Teil schon ziemlich große Eiszapfen und an der Dachshöhle (150 Meter
hinter dem Neuen Hohweg) fließt das Wasser über den Felsen und bildet damit
ganz eigenwillige gefrorene Bächlein.
Auf dem weiteren Abstieg wird wieder die Forststraße mit den Pferdespuren
erreicht und auf dieser bis ganz kurz vor der Oberen Schleuse entlang
gewandert. In
der Hauptsaison fährt die Kutsche bis 100 Meter vor die Obere Bootsstation
und von dort geht es auch jetzt über eine etwas steilere Rampe in Richtung
Kirnitzsch. Dass man in einem wirklich reichen Land ist, kann man daran
erkennen, dass hier unten ein super stabiles Toilettenhäuschen gebaut wurde
und selbst die drei Autostellplätze für die Flößer ein Schild mit einer
genauen Parkplatzordnung bekommen haben.
Im Winter herrscht hier unten an der Ticket-Würsten-Bier-Verkaufsstelle
vollkommene Ruhe. Als wir die Wanderung unternommen haben, fing es hier
unten an, auf den Schnee zu regnen und damit rutschte immer mal wieder ein
bisschen Schnee von den Bäumen oder Felsen ins Tal herunter. Trotzdem gibt
es hier gleich eine Vielzahl an sehr interessanten Sachen zu sehen. So
erklärt eine große Tafel
die historische Kahnfahrt, ein kleines
Schild die heutige Kahnfahrt, zwei Inschriften erinnern an besondere
Persönlichkeiten
(Zum
Andenken an Julius Greiff; den verdienstvollen Pfleger und Förderer
der Bootsfahrten auf der Oberen Schleuse. Section Dresden; Gebirgs-Vereins
f.d. Sächsische Schweiz; 1901 - und - Zur Erinnerung an den
Mitbegründer dieser Bootsfahrten 1876; Theodor Schäfer; 1850 - 1932;
Gebirgsverein für die Sächsische Schweiz 1936) und mehrere kleine
Schilder zeigen Wasserstände bei besonderen Hochwassern an. Hier fällt das
neue Schild vom 07.08.2010 18:00 mit dem höchsten Wasserstand ganz besonders
auf. Was auch sehr nett aussieht, ist der Briefkasten an der oberen
Bootsstation.
Da zu dieser Jahreszeit die Obere Schleuse abgelassen ist und damit keine
Boote fahren, heißt es für die weitere Wanderung, an der rechten Bachseite
weiter zu gehen.
Schon
nach wenigen Metern auf diesem Pfad, der immer noch mit dem blauen Strich
markiert ist, geht es an einem Schuppen vorbei, in dem die Boote ihren
Winterschlaf
verbringen. Danach schlängelt sich der Pfad eigentlich ganz angenehm neben
der Kirnitzsch entlang. Zu unserem Wanderzeitpunkt waren schon mehrere
Lawinen den Hang zwischen den Felsen hindurch herunter gerutscht. Diese
Lawinen haben natürlich nichts mit den gewaltigen Schneemassen aus den
Alpen
zu tun, aber trotzdem mussten wir über oder durch einen Meter hohen Schnee
und viel schlimmer war immer die Befürchtung, dass noch weitere
Schneebretter herunter rutschen könnten. Der konstante Nieselregen
verbesserte die Lage auch nicht.
Nach 700 Metern an der Oberen Schleuse erreicht man die
Staumauer
und ein paar Meter dahinter geht es auf der roten Wanderwegmarkierung
aus dem Tal wieder heraus. Um von der Kirnitzsch hinauf zum Hermannseck zu
gelangen, gibt es zwei unterschiedliche Wege. Der schmale Weg gleich an der
Aussicht durch die Felsspalte ist im Winter bzw. bei Schnee
nur
sehr schwierig zu passieren und deshalb empfehlen wir den bequemeren
Aufstieg. Auch dieser Aufstieg ist im Winter ein bisschen komplizierter als
im Sommer, da der Schnee sich
ziemlich
gemein auf die Treppenstufen legt und man ihn erst herunter treten muss,
damit man die Stufen (runde Balken) erahnen kann. An der Aussicht
Hermannseck hat man einen schönen Blick über das Kirnitzschtal auf die
gegenüberliegende Hangseite. Falls das Wetter mal wieder ganz besonders mies
sein sollte, dann kann man sich hier oben auch in die kleine Schlegelhütte
setzen und ein paar Inschriften studieren.
Vom Hermannseck geht es auf dem Schleusenhornweg weiter. Hier konnten wir im
Winter 2010/11 an den Bäumen deutliche Spuren von Rehen erkennen, die
anscheinend gewaltigen Hunger hatten.
Gleich
von einer ganze Reihe Bäume war die Rinde abgeknabbert. Ob das schmeckt?
Nach einem Kilometer auf der roten Wanderwegmarkierung erreicht man einen
der vielen Wettinplätze in der Sächsischen Schweiz. Auch wenn man den
Gedenkstein im Schnee normalerweise nicht sieht, so handelt es sich um eine
größere Kreuzung mit einer weiteren Schutzhütte. Hier wird die rote
Wanderwegmarkierung verlassen und es geht auf der Wanderwegmarkierung grüner
Strich
dem sehr gut ausgebauten Forstweg hinterher. Nach einem ¾ Kilometer biegt
der grüne Strich nach rechts ab, die Wanderung bleibt aber auf dem
angenehmen Wanderweg und geht weiter in Richtung Buchenparkhalle. Bei dem
gut ausgebaute Forstweg handelt es sich um den Neuen Hohweg, der schon auf
dem Hinweg überquert worden ist und damit stößt man dann auch wieder auf den
schnurgeraden Waldweg neben den Schrebergärten.
Damit ist eine eigentlich schöne Winterwanderung zu Ende gegangen, die nur
bei uns durch das hässliche Nieselwetter getrübt war. Wenn man diese
Wanderung bei Neuschnee oder blauem Himmel unternimmt, dann ist es ganz
bestimmt eine spitzenmäßige Runde.
Anfahrtsbeschreibung:
Öffentlicher Nahverkehr:
Es gibt sehr gute Bahnverbindungen nach Bad Schandau. Von Bad Schandau mit
dem Bus R-241.
Auto:
Über die B172 bis Bad Schandau. Bitte den Weg über Sebnitz wählen, da die Strecke durch Kirnitzschtal quer durch den Nationalpark führt. Von Bad Schandau weiter nach Sebnitz und dann über Saupsdorf nach Hinterhermsdorf. In Hinterhermsdorf den Schlidern "Obere Schleuse" folgen.
Empfohlener Parkplatz:
Hinterhermsdorf Buchenparkhalle
; Parkplatzgebühr für die Wanderung:
3 €
GPS Daten:
geplanter Track
aufgezeichneter Track
geplante Route
MapSource
Google Earth
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