Ich weiß, dass es wirklich sonderbar ist, eine
Wanderung Todesmarsch zu nennen, aber ich bin inzwischen an so vielen
Gedenktafeln an diesen Marsch vorbeigekommen, dass ich versuchen möchte,
alle Tafeln auf einmal zusammen zu veröffentlichen. Dazu habe ich den
Startpunkt an die Bushaltestelle der Ortschaft Rugiswalde gelegt. Da es sich
um eine Streckenwanderung handelt, empfiehlt sich die Anreise mit dem Bus
sowieso.
Der Todesmarsch genannte Weg von 600 Konzentrationslagerinsassen ging vom KZ
Schwarzheide über Kamenz, Sebnitz, Saupsdorf, Hinterhermsdorf durch das
Khaatal bis nach Theresienstadt. Unterwegs war die Hälfte der Gefangenen ums
Leben gekommen. Inhaftiert waren im KZ Schwarzheide ca. 1.000
Gefangene, bei denen es sich meistens um tschechische Juden handelte, die
bei der Braunkohlen- und Benzin AG (BRABAG) arbeiten mussten. In diesem Werk
sollte synthetischer Treibstoff hergestellt werden.
In der Ortschaft Rugiswalde steht zunächst ein Gedenkstein mit dem
folgenden Inhalt: "In der gesetzlosen Zeit wurden hier am 15. Mai 1945
erschossen: Willy Trepte, Emma Trepte, Erfried Schuster, Max Thonig, Hans
Winkler, Julius Liebing, Wolfgang Lücke. Gewidmet im Mai 2005". Der
Todesmarsch fand aber in der Zeit vom 18. April 1945 bis zum 08. Mai 1945
statt, somit hat dieser Gedenkstein wohl nichts damit zu tun. Das erste
Denkmal zum Todesmarsch steht an der Zufahrt zur Ortschaft
Rugiswalde.
Es handelt sich um eine sehr aufwändige Tafel. Auf der
Vorderseite befindet sich in Sandstein geschrieben folgender Text: "Am 21.
April 1945 zog hier die Häftlingskolonne aus dem KZ Schwarzheide vorüber,
auch als Todeskolonne bekannt, weil von 600 Antifaschisten etwa 300
umgebracht wurden." Auf der Rückseite der Tafel ist in einer Edelstahlplatte
der Verlauf des Marsches mit den einzelnen Stationen abgebildet. Hier kann
man dann auch deutlich erkennen, dass unsere Wanderung eigentlich nur einem ganz kleinen
Stück des Weges dieser armen Menschen folgt. Insgesamt ist der Todesmarsch etwas mehr als
200 Kilometer lang. Ich vermute, dass damals der Marsch über die normalen
Fahrstraßen erfolgte, was aber natürlich heutzutage überhaupt nicht mehr
möglich ist. Deshalb geht die Wanderung an der Gedenktafel auf dem Fahrrad-/Wanderweg
weiter in Richtung Sebnitz. Der Weg führt durch den Wald und
macht nur einmal einen Schlenker nach rechts, um die
Bahnlinie zwischen Sebnitz und Neustadt zu überqueren. Die nächste Ortschaft,
die man auf dieser Wanderung erreicht, ist Sebnitz. Sebnitz muss einmal
komplett durchquert werden, um auf der südlichen Seite durch den
Ortsteil Hertigswalde weiter zu gehen. Irgendwo in Sebnitz muss eine Gedenktafel
für den Todesmarsch hängen, aber bis heute habe ich sie nicht finden können. Auf der Hertigswalder Straße befindet sich auf der linken
Straßenseite eine Tafel mit der Inschrift: "Am 21. April 1945 verweilte hier
die Todeskolonne aus dem KZ Schwarzheide für Minuten, denn kranke und
hungrige Häftlinge waren zusammengebrochen. Sie wurden blutig geschlagen und
auf die Todeskarren geworfen." Die Strecke geht weiter den Hang hinauf, bis
nach rechts der blau markierte Wanderweg
eine kleine Abkürzung nimmt. Nach wenigen Metern stößt die Wanderung aber
an der Gaststätte Waldhaus schon wieder auf die Fahrstraße. Der damalige Weg
wird ganz sicher die Straße entlang bis nach Saupsdorf gegangen sein, dies
ist aber heutzutage nicht mehr empfehlenswert und deshalb biegt die
Wanderung nach links auf den Prof.-Meiche-Weg ab. Der Weg steigt ziemlich
anstrengend auf den Wachberg hoch, um dann mit dem gelben Strich
wieder runter nach Saupsdorf zu kommen. Im Ortszentrum von Saupsdorf hängt
die nächste Gedenktafel. Der Inhalt dieser Tafel ist: "Vom 21. bis 23. April
1945 lagerten in den Gehöften Sturm, Berger und Henke die KZ-Häftlinge der
Todeskolonne aus Schwarzheide. Der 16 jährige Jaroslav Fried verteilte
Getreidekörner gegen den quälenden Hunger."
Von Saupsdorf geht der Weg weiter in Richtung Hinterhermsdorf bis zur
Gnauckmühle. Hier hängt an dem Ferienheim eine weitere steinerne Gedenktafel
mit dem Inhalt: "Am 21. April 1945 ermordete hier ein SS-Kommando der
Todeskolonne aus dem KZ Schwarzheide die Antifaschisten Harry Braun, Josef
Lichtenstein, Josef Ruzicka, Paul Polacek, Oskar Sabota und einen
unbekannten Franzosen." An der Gnauckmühle biegt der Marsch
seltsamerweise nach rechts ab und führt runter ins
Räumicht. Am Ende der Straße, noch
unterhalb der SBB-Hütte, befindet sich ein weiterer großer Gedenkstein mit
folgendem Inhalt: "Am 23. April 1945 wurden hier die Häftlinge der
Todeskolonne aus dem Faschistischen KZ Schwarzheide Ernst Stern, Josef Kohut,
Kurt Klauber, Franz Grünfeld, Otto Ledec, Victor Weisel, ein unbekannter
Franzose und ein Pole von SS-Mördern erschossen." Von hier steigt die
Strecke wieder nach Hinterhermsdorf hoch und kurz hinter dem Ortseingang
befindet sich auf der linken Straßenseite eine weitere Tafel, die aber nicht
darauf schließen lässt, ob der Marsch auch hier vorbeigekommen ist. Der
Inhalt ist: "Die SS-Wachmannschaft der Todeskolonne aus dem KZ Schwarzheide
ermordete im April 1945 auf dem Territorium des Kreises Sebnitz 33
Häftlinge. Von 600 Antifaschisten überlebten etwa 300, gerettet durch die
Widerstandsgruppe unter Leitung von Paul Bergmann, Karel Karlovsky, Gilbert
Dupau u.a.". Die Wanderung geht weiter hoch in die Dorfmitte und hier
kann man auf dem
Friedhof neben der Kirche einen einzelnen Grabstein
entdecken, auf dem ein seltsamer Text steht, der darauf hindeutet, dass
hier vier Opfer des Todesmarsches beerdigt sind: "Hier ruhen 4 Opfer des
Faschismus und des Krieges; Johannes Kessler aus Hohen-Leipa CSR; unbekannte
Tote tot aufgefunden; unbekannter Toter Alter etwa 85 Jahre; Walter Wenzel
aus Pöschen Krs. Daula CSR geb. 16.05.1867, am 18.7.1945 tot aufgefunden,
umgebettet am 25.10.1951" Das ganz eigenartige an diesem Grabstein ist, dass die
Anzahl der Toten im Nachhinein geändert worden ist. Anscheinend hat es ein
fünftes Opfer gegen, das in der Mitte des Steines beschrieben war, aber im
Nachhinein entfernt worden ist.
Die letzte Etappe geht runter ins Kirnitzschtal. Dazu bietet sich die
Fahrstraße durch das Neudorf ganz gut an. Der Weg fällt leicht ab und nach
etwas mehr als 2 Kilometern erreicht man die Kirnitzsch. Unterhalb des
Mönchsteins befindet sich gleich neben dem Rastplatz eine weitere Tafel mit
folgendem Inhalt: "In Hinterhermsdorf ermordete die SS-Wachmannschaft der
Todeskolonne aus dem faschistischen KZ Schwarzheide die Antifaschisten Paul
Fischer, Wilhelm Slatin, Herbert Altschul, Friedrich Kaufmann, Erwin
Teichner, Kurt Altschuh, den Polen Matzesky und einen Franzosen." Diese
Tafel ist schon mehrere Male demoliert worden, konnte aber wieder repariert
werden. Die Spuren auf der Tafel sind aber geblieben. Das letzte Stück
der Erkundung führt jetzt über den Grenzübergang nach Tschechien rüber.
Wenige Meter (120 Meter) hinter dem Grenzhäuschen befinden sich in einem
rechten Seitental des
Khaatals ein großer neu errichteter Gedenkstein und
eine kleinere Holztafel. Früher hat hier zur Erinnerung an die Toten ein
großes Holzkreuz gestanden, das aber auch zerstört worden ist. Die hölzerne
Tafel hat folgenden Inhalt: "NA TOMTO MISTE BYLI 23.DUBNA 1945 PRI POCHODU
SMRTI ZABITI; PAUL FISCHER 85343; MATEJSKY/POLAK/114137; WILHELM SLATIN
85956; HERBERT ALTSCHUL 85180; ERWIN TEICHNER 86070; FRIEDRICH KAUFMANN
85857; KURT ALTSCHUL 85878; NEZNAMY FRANCOUZ; CEST JEJICH PAMATGE; KAMATNIK
OBNOVIL; KCT KRASNA LIPA 1998; SPD 05." Neben dieser Tafel steht
ein richtig
großer Gedenkstein aus schwarzem Granit.
Auch dieser ist in Tschechisch
geschrieben und der Inhalt ist wie folgt: "Památce oběti nacismu; Na prahu
svobody, dne 23.dubna 1945 zahynuli na tomto mistě zločinnou rukou stráži
SS, na pochodu smrti z koncentračniho tábora Schwarzheide / pobočky
Sachsenhausenu / v Německu tito tehdejši vězni: Kurt Altschul nar. 31.5.1918
z Prahy; Herbert Altschul nar. 26.4.1924 z Prahy; Pavel Fischer nar.
31.10.1902 z Havličkova Brodu; Bedrich Kaufmann nar. 25.11.1911 z Prahy;
Vilém Slatin nar. 16.10.1921 z Prahy; Karl Teichner nar. 16.12.1910 z Česke
Skalice; vězeň Meciejski z Polska; netnámý vězeňz Francie; Necht jsou jejich
duše zapsány do knihy života."
Damit ist die eigentliche Wanderung beendet. Dass man von diesem Endpunkt
wieder zurück nach Hinterhermsdorf zur Bushaltestelle muss, sollte jedem klar sein und so geht
es wieder über den Weg in Richtung Neudorf bzw. Hinterhermsdorf zurück.
Ich habe schon so einige Wanderungen durchgeführt, die einfach nur schief
gelaufen sind oder einfach keinen Spaß gemacht haben, aber diese Wanderung
schlägt wahnsinnig aufs Gemüt. Durch die vielen Tafeln kann man sich so
einigermaßen in die Lage dieser armen Menschen rein versetzten und es
entsteht ein Bild vorm Auge, das einen sehr traurigen Eindruck macht. Ich
kann immer nur wieder hoffen, dass so ein Mist nie wieder in Deutschland
oder von deutschem Boden aus passiert. Eigentlich sollte so etwas auch nie
wieder in der Welt passieren, aber dem widerspricht schon der Blick in die
Tageszeitung. Diese Wanderung ist überhaupt nicht zu empfehlen, da sie
leider nichts mit einer schönen Erholung in einer wunderbaren Landschaft zu
tun hat.
Anfahrtsbeschreibung:
Öffentlicher Nahverkehr:
Mit dem Bus R-261
entweder von Sebnitz oder von Dresden zur Haltestelle Rugiswalde
Auto:
Von Sebnitz Richtung Neustadt. Bis zur Kreuzung nach Rugiswalde. In Rugiswalde kann man ganz hervoragend am Straßenrand oder auf dem Parkplatz am Sportplatz parken.
Empfohlener Parkplatz:
Rugiswalde Sportplatz
GPS Daten:
geplanter Track
aufgezeichneter Track
geplante Route
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