Vom Nationalpark Sächsische Schweiz werden
einige geführte Wanderungen angeboten und so habe ich im Juni 2006 auf der
Internetseite des Nationalparks folgende Beschreibung gefunden:
Waldhuschenführung
Im forstgeschichtlichen
Freigelände wird anhand konkreter Beispiele die Waldbewirtschaftung
früher und die Waldpflege heute gezeigt. Dabei können Sie viel über die
Entwicklung des Waldes erfahren. Der spannende Rundgang ist besonders
für Familien geeignet.
Termin: immer
Sonnabend
von April – Oktober,
jeweils 14 Uhr
Treffpunkt: Hinterhermsdorf,
Parkplatz Buchenparkhalle - Eingang Waldhusche
Durchführung: Nationalpark – Ranger
Bei der Waldhuschenführung war es genauso,
wie bei den beiden anderen Führung (Bastei
mit Ranger und Waldkundliche
Führung), dass der Nationalpark Ranger rechtzeitig zum angegebenen
Zeitpunkt am Treffpunkt war, aber außer uns nur noch drei andere Teilnehmer
anwesend waren. Für ein kostenloses Angebot des Nationalparks finde ich das
eigentlich sehr schade. Die Führung startete vom Eingang an der
Buchenparkhalle nach links. Gleich auf den ersten Metern wies uns der
Nationalpark Ranger auf die gefällten Roteichen hin. Da diese Baumsorte
nicht zu den ursprünglichen Bäumen der Sächsischen Schweiz zählt, sind sie
an der Stelle entfernt worden. Gleich an dieser Stelle hat uns der
Nationalpark Ranger ein paar grundsätzliche Informationen zur Waldhusche
gegeben: Die Waldhusche ist 66 Hektar groß, wird vom Nationalpark Sächsische
Schweiz betrieben und verfügt über 4 unterschiedliche Themenwege
(Waldkundeweg, Historischer Waldnutzungsweg, Naturgenussweg und
Waldabenteuerweg).
Der Weg ging nach rechts bis zum Wurzeltunnel. Hier kann
man sehr gut drei unterschiedliche Wurzelformen sehen. So haben z.B. die
Fichten großflächige Tellerwurzeln, die Buchen Herzwurzeln und die Eichen
Pfahlwurzeln. An dieser Station stecken ein paar Bäume falsch herum im Boden, damit die Wurzeln in die Luft ragen,
so kann man die
unterschiedlichen Wurzelformen sehr gut erkennen. Außerdem gibt es einen Wurzeltunnel,
wo man die Wurzeln von unten sehen kann. Selbst kleinste Kinder haben einen riesigen Spaß an dieser Station.
Die Führung ging weiter auf dem Pfad bis zur nächsten Station mit dem Namen
Streunutzung. Hier ist auf einer Fläche von 10 x 10 Meter alles an Nadeln,
Reisig und Blättern in einen Behälter an der Seite zusammengekehrt worden.
Früher wurde häufig alles auf dem Waldboden zusammengekehrt und dann als
Einstreu
für die Viehställe genutzt. Dass in solch einem gefegtem Wald
keine Humusschicht und Naturverjüngung entstehen kann, ist in diesem
abgegrenztem Waldstück sehr gut sichtbar.
Der weitere Weg ging bis zum Pflanzkamp. Hier stehen in einem eingezäunten
Bereich ein paar Reihen neu herangezogene Bäumchen. Diese Pflanzen werden in
dem Bereich erstmal aufgezogen, um dann später in den Wald gepflanzt zu
werden. Man hat es schon versucht junge Bäume aus ganz anderen Regionen von
Deutschland in der Sächsischen Schweiz anzupflanzen, aber durch ein leicht
anderes Klima war dieser Versuch nicht vom Erfolg gekrönt. Der weitere Weg
führte auf dem Waldkundeweg (blaue Markierung) entlang. Es ist ein
schmaler Pfad quer über einen kleineren Hügel. Der Hügel ist in den
letzten Jahren von allen standortuntypischen Pflanzen befreit worden. Jetzt
stehen auf dem Hügel nur noch die Pflanzen, die normalerweise auf einem
Felsriff stehen. Ganz besonders fällt auf, dass sich das Heidekraut in
diesem gelichteten Wald stark vermehrt. Nachdem es über den Hügel hinweg
gegangen ist, haben wir wieder einen Waldweg auf der gegenüberliegenden
Seite erreicht. Diesem sind wir nach rechts gefolgt, um bald an zwei
gewaltigen Buchen den nächsten Halt einzulegen. Hier hat der Nationalpark
Ranger erklärt, dass die eine Buche als Verkehrssicherungsmaßnahme umgezogen
wurde (mit einem Traktor), da sie von einem Pilz befallen war. Die andere Buche
steht noch. Ich kann es mir kaum vorstellen, dass man mit normalen Mitteln
einen solchen riesigen Baum umziehen kann, aber in diesem Fall ist es
tatsächlich so passiert.
Als nächstes wurden wir alle überrascht von dem Parkranger. Er hatte uns
irgendwie schon einige Male etwas vom Borkenkäfer erzählt und jetzt
verschwand er hinter einem Stamm mit dem Hinweis, dass er hier zwei
Borkenkäfer abgelegt hätte. Irgendwie konnten wir uns nicht beherrschen und
mussten ihn fragen, ob die kleinen Dinger den Befehl "Sitz" oder "Platz"
befolgen. Er kam mit einem kleinen Becher inklusive Lupe wieder hervor und
darin befand sich ein kleines Stück Rinde und tatsächlich zwei Käfer. Der
eine Käfer hatte sich schön wieder in die Rinde reingefressen und schaute
nur noch mit dem Hinterteil heraus. Das war sehr nett vorbereitet und damit
hatte jeder einmal einen dieser kleinen Störenfriede gesehen. Was irgendwie
verwunderlich war, dass der Ranger danach den Becher mit den beiden Käfern
in seiner Hosentasche spazieren trug. Ob er sich nicht traute, die Käfer
einfach nur wieder in den Wald zurück zu werfen oder vor uns die Viecher
irgendwie in die ewigen Jagdgründe für Borkenkäfer befördern? Aber
vermutlich brauchte er sie noch für eine weitere Führung als
Anschauungsobjekt.
Der weitere Weg führte vorbei am Waldhuschenkreisverkehr mit seinen
Holzlagerplatz und dann auf dem historischen Waldnutzungsweg (orange
Wegmarkierung) bis zur Waldhusche. Hier war extra für diese Führung ein
Stapel Baumstämme aufgetürmt. Nachdem der Nationalpark Ranger die Sicherung
gegen Herunterwerfen am Holzstapel und in der Rutsche entfernt hatte, konnte
der Spaß beginnen.
Die dicken Baumstämme wurden mit Schwung in die Rutsche
geworfen und schossen mit ziemlicher Geschwindigkeit ins Tal. Der Ranger
meinte, bei nassem Wetter würden die Stämme so einen Schwung bekommen, dass
sie bis zur Prallwand am unteren Ende fliegen würden. Das war in unserem
Fall nicht so und der letzte Stamm war sogar auf den letzten Metern hängen
geblieben. Die Rutsche wurde wieder verschlossen und es ging parallel zur
Rutsche den Hang hinunter. Gleich links vom Teich befindet sich der neu
eingerichtete Holzkohlemeiler. Damit man sich besser vorstellen kann, wie
solch ein Meiler aufgebaut ist, hat man ein tortenförmiges Stück in diesem
Hügel ausgelassen. In der Hinteren Sächsischen Schweiz soll es an sehr
vielen Stellen (50 Stück) Holzkohlemeiler gegeben haben. Sehr
interessant an der Erklärung des Parkrangers war, dass, während der Meiler
angezündet war, die ganze Zeit (zwischen 8 und 14 Tage), auf den Meiler
aufgepasst werden musste, da nur eine sehr begrenzte Menge Luft bis zur Glut
kommen durfte. Da der Meiler aber durch den Brennvorgang mit der Zeit
schrumpfte, musste am laufenden Bande die Außenschicht nachgestampft werden.
Vom Holzkohlemeiler ging es wieder zurück den Berg hoch bis zum
Waldhuschenkreisverkehr.
Hier oben inspizierte die Gruppe die
nachgebaute
Brettsäge. Dieses voll funktionstüchtige Sägegatter durfte von jedem
ausprobiert werden, aber irgendwie waren alle zu faul, um an der riesigen
Säge Hand anzulegen.
Der weitere Weg ging rechts neben der Säge auf dem
Waldabenteuerweg (rote Kennzeichnung) bis zum Kreuzspinnennest. Dieses
riesige Spinnennetz ist ein willkommenes Spielgerät für Kinder. Obwohl ich
dieses Spielgerät jetzt schon einige Male gesehen hatte, war mir noch nicht
das Prinzip aufgefallen, welches hier dargestellt werden sollte. Wenn
irgendein Kind in dem Netz herumturnt, dann kann man an der Spinne, durch
ihre elastische Aufstellung, erkennen in welchem Bereich das spielende Opfer
ist. Auch wenn ich Spinnen normalerweise überhaupt nicht mag, so finde ich
dieses Spielzeug wirklich sehr gelungen und es kommt bei allen Kindern sehr
gut an. Von dieser Attraktion geht es weiter in die Richtung des
Parkplatzes. Nach ein paar Metern auf dem Waldweg kommt auf der linken
Seite eine Station, die Lohrindengewinnung heißt. Wenn man ohne Waldhuschenführer unterwegs ist, könnte man die Station für eine Hundehütte
aus Baumrinde halten. Hier soll verdeutlicht werden,
dass früher zum Gerben
von Ledern und Häuten Rinde benötigt wurde. Aus der Rinde wurde Gerbsäure
gewonnen und darin wurden die Häute gelegt. Wenn die Häute in dieser Suppe
lange genug gelagert wurden und danach eine weitere Nachbehandlung
durchgeführt wurde, entstand Leder. Die kleine "Hundehütte" ist nur dazu da,
die Rinde möglichst schnell zu trocknen, ohne dass die Gerbstoffe aus der
Innenseite der Rinde ausgespült werden. Von dieser Station verlief die Führung die
letzten paar Meter bis zum Ausgangspunkt zurück.
Diese Führung hat, wie alle anderen Führungen, die ich bis jetzt vom
Nationalpark mitgemacht habe, viel Spaß gebracht und war sehr informativ.
Ein ganz besonderer Höhepunkt war, die Waldhusche tatsächlich mal in Aktion
zu sehen. Leider habe ich mir den Namen des Nationalpark Ranger nicht
gemerkt, aber er hat eine sehr nette Führung veranstaltet und besonders gut
hat mir gefallen, dass er nicht nur vorbeikommt und die Führung abhält,
sondern dieses sogar vorbereitet hat.
Nachtrag: Da der Nationalpark Sächsische Schweiz auch meine
Internetseite ließt, habe ich durch einen netten Hinweis den Namen des
Nationalpark Rangers erfahren. Der sehr gute Nationalparkführer heißt
Wolfgang Meißner.
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