Ich finde es immer wieder sehr interessant,
Wanderungen auch mit den offiziellen Nationalparkführern zu unternehmen.
Obwohl ich eigentlich davon ausgehe, dass ich die Sächsische Schweiz schon
ganz gut kenne, ist bis jetzt jede Wanderung eine Bereicherung gewesen und
ich habe immer neue Sachen gelernt. Hoch interessant ist auch, dass jeder
der Nationalparkführer einen anderen Schwerpunkt legt und es sich damit auch
immer wieder lohnt, eine Runde mit einem unbekannten Führer zu unternehmen.
Auf der Internetseite des Nationalparks Sächsische Schweiz (www.nationalpark-saechsische-schweiz.de)
wird/wurde eine Turnuswanderung mit folgendem Text beworben:
Freitag - Wehlener Gründe - es führt Sie Ralf Schmädicke in den
Gründen bei Wehlen
Treffpunkt: Stadt Wehlen, Touristinfo am Marktplatz
Uhrzeit:10:30 Uhr
Dauer: ca. 5 h, leichte Tour, die individuell verlängert werden kann
Kosten: 6,00€ Erwachsene, 3,00€ Kinder bis 12 Jahre
Anmeldung: Für diese Wanderung müssen Sie sich nicht anmelden, sondern
einfach zum angegebenen Treffpunkt pünktlich erscheinen.
Also habe ich mich zum bekannten Treffpunkt begeben und Herr Schmädicke
war schon anwesend. Blöderweise war ich tatsächlich der einzige Teilnehmer
an dieser Wanderung. Für mich war es natürlich sehr angenehm, so
an einer exklusiven Führung teilzunehmen, aber für den Nationalparkführer ist es
nicht so richtig effektiv. Obwohl ich es sehr gut verstehen würde, wenn eine Mindestteilnehmerzahl
(z.B. mindestens 3 oder 5 Erwachsene) verlangt würde, hat bis heute jeder Nationalparkführer die
Wanderung auch mit wirklich armseligen Besucherzahlen durchgeführt. Dieses
ist eine nachträgliche Schilderung der geführten Wanderung, die man zwar
auch nach dieser Beschreibung wandern könnte, aber eigentlich sollte man sie
besser mit Herrn Schmädicke unternehmen. Er liefert bei weitem mehr
Informationen, als mir in diesem Bericht möglich ist.
Die ersten paar Meter erfolgten schräg über den Marktplatz. In
der Ecke, in der sich normalerweise das leere Bachbett des Wehlener Grundes befindet, haben wir an einer Hochwassermarke den ersten Zwischenstopp
eingelegt. Auch wenn man eigentlich das Gefühl hat, dass die Elbe-Hochwasser
in den letzten Jahren zugenommen haben, ist auf dieser Skala eine Häufung im
19. Jahrhundert zu erkennen. Die Elbe ist aber auch nur eine der Gefahren durch
Hochwasser. Die zweite, unscheinbarere Gefahr kommt aus den Gründen oberhalb
von Stadt Wehlen. Dass aus diesen Schluchten gewaltige Wassermassen kommen
können, entdeckt man auf den nächsten Metern der Wanderung. Es geht auf der
Wanderwegmarkierung roter Punkt
in Richtung des Wehlener Grundes. Links neben dem Wanderweg befindet
sich der tiefe und breite Graben, um die Wassermassen aufzunehmen. Eigentlich
ist nie ein Tropfen in dem Bachbett zu sehen, aber immer mal wieder kommt es
durch Gewitter und Starkregen zu großen Wassermengen. Ganz extrem ist es im
August 2010 gewesen und dabei sind das Bachbett und ein paar Teile der
Stützmauer sehr in Mitleidenschaft gezogen worden.
Gleich am Abzweig nach rechts hoch zum Steinrückenweg gab es den nächsten
Zwischenstopp.
Hier
stehen ein alter und ein neuer Wegweiser nebeneinander, die Herr Schmädicke zum Anlass
nahm, ein bisschen zum Tourismus von früher und heute zu erklären. Zum
Schmunzeln haben uns die gewöhnungsbedürftigen Abkürzungen auf den neuen
Schildern gebracht: Ghs = Gasthaus und AP = Aussichtspunkt. Wenn man es
einmal weiß, dann ist es verständlich, aber so mancher Wanderer hat bestimmt
schon gerätselt, was das denn bedeuten soll.
Nachdem wir das bewohnte Gebiet von Stadt Wehlen verlassen hatten, ging es
weiter durch den Wehlener Grund. Die weiteren Gesprächsthemen waren der neue
Malerweg, das ungewöhnliche Klima in den Gründen und die unterschiedlichsten
Felsinschriften. Das Thema mit den Inschriften kann man auch sehr schön am
Freundschaftsstein erkennen. Hier sind wir auch ein kurzes Stück (200 Meter)
in den Zscherregrund hineingewandert. Auch auf diesen 200 Metern lassen sich
einige Inschriften entdecken. So kann man z.B. einmal die Jahreszahl 1797
und einen großen Vogel mit Trauben, dem Wort Moldova und die Jahreszahl
1990 entdecken. So etwas lädt natürlich zum Spekulieren ein.
Wenige Meter hinter dieser Inschrift zweigt nach rechts eine Schlucht ab. Obwohl ich schon einige
Male
durch den Zscherregrund gewandert bin und auch diesen tiefen Einschnitt
gesehen habe, bin ich noch nie hineingegangen. Diesen kurzen Abstecher
haben wir auf der Wanderung unternommen und festgestellt, dass man hier
wunderbare Ruhe in einer verwunschenen Schlucht findet. Der Felseinschnitt
heißt Broschengrund oder manchmal wird er auch Nickels Grund genannt.
Insgesamt kann man nur wenige Meter in die Schlucht hineinwandern, dann
stehen die Felswände schon direkt senkrecht neben einem und nach
vorne macht es auch den Eindruck, dass es nicht weiter geht.
Also geht es wieder zurück in den breiten Zscherregrund und hier zurück bis zum
Freundschaftsstein. Die Wanderung biegt nach rechts in den Uttewalder Grund
und damit auf die Wanderwegmarkierung grüner Strich
ab. Schon nach ein paar hundert Metern (500 Metern) erreicht man die
Gaststätte Waldidylle, in der man nett einkehren kann. Auf der der
Gaststätte
gegenüberliegenden Wegseite befindet sich ein kleineres
Gebäude mit ein paar Erklärungen zum historischen Malerweg. Auf diesen
Tafeln kann man erkennen, dass der historische Malerweg in den größten Teilen dem heutigen Malerweg
entspricht. Nur der Weg auf der linken Elbeseite ist bei dem historischen
Malerweg nicht enthalten, dafür das Prebischtor.
Einer der wichtigsten Punkte bei beiden
Malerwegen
ist das Uttewalder Felsentor und genau dieses wird als nächstes auf der
Wanderung angesteuert. Dazu geht es von der Gaststätte weiter in den
hinteren Teil des Uttewalder Grundes. Das Felsentor ist ziemlich schnell
erreicht und es sieht schon sehr interessant aus, wie dieser Felsklotz in
die Schlucht gestürzt und so hängen geblieben ist, dass man darunter durchgehen kann. Diese Stelle ist ziemlich häufig von Malern dargestellt worden und ein wirklich schöner
Platz in der
Felsenlandschaft der Sächsischen Schweiz.
Spätestens wenn man das Felsentor passiert hat, wird es im Uttewalder Grund
vollkommen ruhig. Wenn überhaupt, dann trifft man noch Wanderer, die von der
Ortschaft Uttewalde herunter kommen, aber normalerweise ist man in der
Schlucht alleine unterwegs. Die Wanderung steigt relativ leicht an und der
Name des Grundes ändert sich in Schleifgrund. Nach einem Kilometer verlässt
die Wanderung den grün markierten Wanderweg und biegt nach rechts aufwärts
ab. Hier haben wir auf der Wanderung einen Nationalparkranger getroffen und
die beiden (der Ranger und mein Führer) haben sich darüber unterhalten, dass das
nächste Ziel unserer Wanderung der Wald der Zukunft und der Vergangenheit
sei. Im Laufe des Aufstiegs hat Herr Schmädicke mir sehr anschaulich die
Unterschiede der beiden Waldformen in der Natur gezeigt und es ist wirklich
sehr schön zu sehen, wie ein Mischwald mit unterschiedlichen Etagen viel
schöner aussieht als ein dunkler
dichter
Fichtenwald. Nachdem wir den Fichtenwald auf der rechten Seite passiert hatten,
ging es angenehm weiter auf der Ebene. Im nächsten Mischwald stehen links
vom Weg ein paar Douglasien (Pseudotsuga menziesii), die eigentlich nicht
besonders auffallen, aber deren Zapfen ungewöhnlich aussehen.
Die
Beschreibung von Herrn Schmädicke ist: Tannenzapfen mit Mäuseschwänzen. Das ist ganz
bestimmt nicht besonders wissenschaftlich, aber dafür behält man die
Beschreibung sehr gut. Im Sommer 2011 war an einer der Douglasien eine riesig
lange Leiter von geschätzten 15 Metern angebunden und noch weit oberhalb der
Leiter hingen im Wipfel weiße Tüten. Mit den Tüten werden die Samen des
Baumes aufgefangen, aber wie mutig müssen die Zapfensammler sein, in diese
luftige Höhe zu klettern?
Die Wanderung führt in Richtung Basteistraße, die auch bald
überquert wird. Auf der anderen Seite der Basteistraße sind wir ein kurzes
Stück (¾ Kilometer) auf der gelben Wanderwegmarkierung
gewandert, bis nach rechts der Steinerne Tisch ausgeschildert ist. Über den
Waldweg mit dem Namen Wehlstraße geht es ungefähr ½ Kilometer bis zum
Steinernen Tisch und der gleichnamigen Gaststätte. Hier haben wir uns zum
Nachfüllen des Flüssigkeitshaushaltes kurz im Biergarten niedergelassen,
aber irgendwie wollten die Wespen unbedingt den Freischwimmer in unseren
Bieren machen.
Also haben wir uns wieder auf den Weg gemacht. Herr Schmädicke hat mich hier
gefragt, ob ich lieber eine schöne Aussicht oder einen besonderen Grund sehen
wolle. Da die Wanderung Wehlener Gründe heißt, war die
Antwort
sehr einfach und so sind wir gleich gegenüber der Gaststätte in den
Griesgrund abgestiegen. Es ist wirklich beeindruckend, wenn man die
Besuchermassen um die Bastei herum sieht und dann hier unten in dem Grund
den ganzen Tag noch kein Wanderer unterwegs war. Zumindest haben wir nach
dem Regenfall der Nacht die nicht vorhandenen Spuren im Sand so gedeutet.
Wie in vielen Gründen der vorderen Sächsischen Schweiz kann man auch hier
sehr schön erkennen, dass feuchte Hänge mit den unterschiedlichsten
Moossorten und warme Sandsteinwände knapp nebeneinander oder gegenüber
stehen können. Der Abstieg war nicht besonders schwierig und nur an ein paar
wenigen Stellen waren etwas größere Stufen zu überwinden.
Am Ende des Griesgrundes sind wir nach rechts auf dem Haldenweg weiter
gewandert. Hier befinden sich einige sehr abgelegene Häuschen, die zum Teil
ziemlich verwunschen und exotisch aussehen. Nach ein paar hundert Meter
erreicht man ein seltsames Schild mit dem Inhalt: Achtung Felssturzgefahr,
Haldenweg gesperrt. Begehen nicht gestattet. Sächsisches Oberbergamt. Das
würde ich doch mal wieder für eine nette deutsche Lösung halten. Da gibt es
einmal im Jahr ein Problem in der Form eines Felsens von oben und schon wird
der Weg oder die Straße komplett gesperrt. Das Komischste ist, dass der
Felsen weit abseits von dem Wanderweg herunter gepurzelt ist. Dass hier
tatsächlich das Sächsische Oberbergamt noch nach einem Jahrhundert des
Stillstandes im Steinbruch verantwortlich ist, hat mich gewaltig
gewundert.
Die Wanderung führt also vorsichtig weiter über den Haldenweg, bis der
Schwarzberggrund und damit der Malerweg erreicht wird. Hier geht es
abwärts bis runter zur Elbe. Die letzten paar Meter erfolgen auf der kleinen Mennickestraße bis vor zum Wehlener Marktplatz. Damit ist eine sehr schöne
Wanderung zu Ende gegangen. Obwohl ich schon wirklich jeden der
begangenen Wege gewandert war, habe ich wieder mal eine Vielzahl an Sachen
erfahren und mit Herrn Schmädicke einen sehr angenehmen Gesprächspartner
gehabt. Diese geführte Wanderung kann ich uneingeschränkt empfehlen.
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