Zuerst das Wichtigste vorneweg. Dieses ist
keine Wanderbeschreibung im eigentlichen Sinn, sondern ein Erfahrungsbericht
zu einer geführten Wanderung durch einen Nationalparkführer. Nachdem ich die
ersten guten Erfahrungen mit den Nationalparkführern gemacht habe, war es
mal wieder an der Zeit, eine Runde mit einem Profi zu unternehmen. Auf der
Internetseite des Nationalparks Sächsische Schweiz (www.nationalpark-saechsische-schweiz.de)
habe ich folgende Führung entdeckt und das hörte sich viel versprechend an:
Auf
den Spuren Napoleons Das Gebiet zwischen Lilien- und Hohnstein
geriet im Sommer 1813 in den Blickpunkt der Weltgeschichte. Napoleonische
Truppen und die Bewohner des Landstrichs errichteten Bauwerke für den
militärischen Erfolg des Kaisers. Diese Spuren sind heute noch gut erhalten.
Wir werden einige von ihnen entdecken und Sie werden erfahren, ob die
damaligen Anstrengungen von Erfolg gekrönt waren. Gönnen Sie sich einen
faszinierenden Tag im Elbsandsteingebirge. Erleben Sie das spannende
Kriegsgeschehen von 1813 an Originalschauplätzen und lauschen Sie den
Geschichten rund um den Kaiser der Franzosen. Ich freue mich auf Sie! Es
besteht die Möglichkeit des Besuches des Freigeländes der
Nationalparkbildungsstätte am Lilienstein. Termin: Fr
29.09.2006 10.00 Uhr Anmeldung: erforderlich Treffpunkt: Treffpunkt: Panoramahotel Lilienstein Königstein -
Halbestadt Zeitdauer: ca. 4 Stunden; je nach Leistungsvermögen Konzept und Durchführung: Nationalparkführer: Christian Neumann Preis: Erw. 6,- €; Kinder 3,- €
Schon bei der Anmeldung hörten wir, dass Hr.
Neumann extra für uns diese Wanderung durchführte, da bis abends sich noch
kein anderer Teilnehmer angemeldet hatte.
Da es aber keine
Mindestteilnehmerzahl gab und Hr. Neumann auch nicht den Eindruck machte, als
wenn ihm das unangenehm wäre, haben wir uns auf dem Parkplatz unterhalb des
Liliensteins verabredet.
Wir waren etwas vor dem vereinbarten Termin vor Ort
und haben mit jedem ankommenden Besucher gerätselt, ob es Hr. Neumann wäre,
bis auf einmal ein wirklich freundlich dreinschauender Mitmensch auf den
Parkplatz bog. Es war unser Nationalparkführer für diese Runde. Pünktlich
zum Termin startete unsere Privatführung und gleich auf den ersten Metern
erlebten wir das erste Aha- Erlebnis. Der Weg ging vom Parkplatz durch den
Wald am Fuße des Liliensteins entlang in die Richtung Sellnitz. Nach nur
wenigen hundert Metern erreichten wir die erste Schanze aus der Zeit von
Napoleon. Obwohl ich über diesen Waldweg schon einige Male gewandert war
und uns Hr. Neumann im Vorhinein schon drauf hingewiesen hatte, dass etwas in
den nächsten Metern kommen würde, hatten wir das alte Bauwerk nicht erkannt.
Es befindet sich auf der rechten Wegseite, zwischen Weg und Lilienstein. Wenn man drauf hingewiesen wird, dann kann man die beiden
Erdwälle sehr gut erkennen und wenn man sich den Wald vor der Schanze
wegdenkt, kann man sich vorstellen, warum genau diese Position gewählt
worden ist. Vor der Schanze befindet sich eine große Ebene, die angeblich
eine strategische Bedeutung hatte. Auf jeden Fall ging über diese Ebene die alten Heerstraße. Der Wanderweg ging ein paar Meter weiter in Richtung Sellnitz. Wieder auf der rechten Seite befindet sich eine Quelle mit dem
Namen Franzosenborn. Auch hier war es
mal wieder sehr schön, einen erfahrenden Führer dabei zu haben. Ich habe diese Quelle schon zweimal vorher gesehen, aber mir ist nie die
Pferdetränke ein paar Meter davor aufgefallen. Dieser kleinere Steintrog ist
wirklich deutlich zu sehen, aber trotzdem ist er mir nicht aufgefallen. Der
Franzosenborn hat zu den Zeiten von Napoleon zwei Schanzen mit frischem
Quellwasser versorgt. Die zweite Schanze befindet sich gleich am Elbehang
und hat so riesige Ausmaße, dass wir auch sie im ersten Anlauf übersehen
haben. Der äußere Erdwall hat bestimmt einen Durchmesser von 100 Metern und
liegt heute links unterhalb des Wanderweges. Auf dieser Schanze haben drei
bis vier Kanonen den ganzen Bereich der Ebene und der Elbe abgedeckt bzw.
eigentlich sagte man "bestrichen".
Der weitere Weg führte dann auf der Vorderseite des Liliensteins entlang.
Hier kann man tatsächlich noch alte Fundamente von Lagerstellen der
Wachmannschaften für die Schanzen im Wald finden.
Heutzutage sind es zwar
nur noch einzelne Mauersteine, die aber deutlich in Form eines Gebäudes im
Wald herumliegen. Auf der Vorderseite des Liliensteins sind wir dann auf den
blau markierten Wanderweg
gestoßen und den haben wir dann quer über die Ebenheit, vorbei am
Panoramahotel Lilienstein, bis runter zur Elbe verfolgt. Auf dem Elberadweg
angekommen ging es flussabwärts bis zur Hausnummer 28. Dieses unscheinbare,
aber sehr schön hergerichtete Haus in der zweiten Reihe ist weit über 400
Jahre alt (genauer gesagt ist es Baujahr 1575). Da es genau zwischen den
beiden Pontonbrücken von Napoleon steht, ist es gut möglich, dass es bei den
beiden Überquerungen von Napoleon sogar von ihm selber benutzt worden ist.
Selbst wenn es nicht so ist, dann ist es immer noch ein Wunder, dass ein so
uraltes Haus dort steht. Was auf jeden Fall auffällig ist, dass die älteren
Häuser immer ein Stückchen weiter oben stehen und damit von einem Hochwasser
nicht so betroffen sind. Sollten sich die Leute damals mehr Gedanken gemacht
haben als heutzutage?
Die weitere Wanderung führte zuerst am alten Hafen von Königstein vorbei.
Über die Halbinsel des Hafens führte eine der Pontonbrücken,
auf der ein
Teil der Truppen von General Vandamme die Elbe überquert hat und dann in
Richtung Dresden weiter gezogen ist. Fast die gesamten Truppen sind damals
über eine Straße vom Lilienstein den Hang hinunter gekommen, die heutzutage
ein extrem ruhiges Dasein fristet. Wir sind diese Straße wieder hinauf
gewandert und haben uns sehr über die angenehme Steigung gefreut.
Die Straße
musste aber eine einigermaßen kleine Steigung bzw. Gefälle haben, da über
sie die Geschütze ins Tal transportiert werden sollten. Sehr deutlich sind
auf der Straße noch die großen Sandsteinbrocken zu sehen, die als
Straßenbelag verarbeitet worden sind. Der Aufstieg erreicht die Ebenheit in
der Nähe der alten Napoleonstraße. Damit wir nicht über eine Fahrstraße
wandern mussten, sind wir links davon auf einem Weg am Waldrand, bis fast
wieder zum Ausgangspunkt der Wanderung, gegangen. Von hier aus ging es dann
auf den Lilienstein hoch. Leider gibt es auf den Lilienstein keinen Weg mit
einer angenehmen Steigung, und so ging es über die Treppen nach oben. Der
Lilienstein ist eine wunderschöne Aussicht, die auch ganz besonders gut
geeignet ist, einen Überblick über den Streckenverlauf von Napoleons Truppen
zu erhalten. Selbst 200 Jahre nach den Truppenbewegungen lässt sich gut
erahnen, warum Napoleon genau diesen Weg gewählt hat. Auf dem Lilienstein
haben wir eine kleine Rast eingelegt und sind dann,
nach einem kurzen Blick von allen Aussichten, auf der gegenüberliegenden
Seite des Liliensteins wieder abgestiegen.
Netterweise hat Hr. Neumann dann mit uns noch einen kleinen Abstecher zur
Nationalpark-Bildungsstätte Sellnitz unternommen. Hier versucht man Kindern und
Jugendlichen die Natur etwas spielerisch näher zu bringen. Dieses erfolgt im Bereich Sellnitz durch die Sensibilisierung der Sinne in Form mehreren
Außenstationen. Nach diesem Abstecher ging es die letzten paar Meter zurück
bis zum Ausgangspunkt der Wanderung. Damit war eine sehr informative
Wanderung zu Ende, die uns so viel Spaß gemacht hat, dass wir gleich ein
paar Tage danach mit Hr. Neumann noch eine geführte Runde zum Thema "Bruno
Barthel" unternommen haben.
Nachtrag: H. Neumann hat inzwischen eine eigene Internetpräsenz (www.nationalparkfuehrer-christian-neumann.de),
auf der man alle seine geführten Wanderungen aufgelistet sind.
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