Nachdem ich innerhalb von kurzer
Zeit mehrere Male angeschrieben worden bin, wo man denn in der
Sächsischen Schweiz mit Kinderwagen wandern/spazieren gehen kann, fiel mir
ein, dass auf der offiziellen Webseite des Nationalparks (www.nationalpark-saechsische-schweiz.de)
ein paar Empfehlungen zu Wanderungen mit Kinderwagen bzw. Rollstuhl
zu lesen sind. Seltsamerweise nennt sich der Bereich beim Nationalpark
"Barrierefrei" und hierunter werden auch die Radfahrer mit gerechnet.
Zum Beispiel der Weg von
Stadt Wehlen hoch zur Bastei wird als Radweg geführt, ist aber unserer
Erfahrung nach auch für Kinderwagenweg sehr gut geeignet. Hier kommt die
passende Beschreibung für diese Kinderwagenwanderung.
Die Wanderung startet auf dem Parkplatz von Stadt Wehlen. Von hier müssen
ein paar Meter auf der Zufahrtsstraße von Stadt Wehlen aufwärts gegangen
werden, bis nach ¼ Kilometer der Wehlener Grund beginnt. Die ersten
paar Meter durch den Grund mit dem riesigen Bachlauf sind noch unmarkiert,
aber dann stößt die Wanderwegmarkierung roter Punkt
in den Grund und auf dieser geht es ganz leicht ansteigend aufwärts. Der Weg
durch den Wehlener Grund ist sehr einfach zu gehen bzw. mit einem
Kinderwagen/Rollstuhl zu fahren und nach einem Kilometer passiert man auf
der linken Wegseite eine Gedenktafel an den Erforscher der Gegend Friedrich
Märkel. Als Herr Märkel vor mehr als 150 Jahren hier durch die tiefen Gründe
gewandert ist, hat das Tal bestimmt noch viel verwunschener ausgesehen. Aber
selbst heute sind die vielen unterschiedlichen Gründe westlich der Bastei
noch in einem ganz besonderen urtümlichen Zustand. Je weiter man in den
Gründen hoch steigt, desto enger und natürlicher wird die Umgebung.
Das kann man sehr schön an der Stelle mit der Gedenktafel feststellen. Bis
hierher kann man noch von Zeit zu Zeit Fahrzeuge antreffen, die zu
den wenigen Häusern oberhalb des Wehlener Grundes fahren. Danach ist der
Grund bis zum Freundschaftsstein zwar immer noch befahrbar, aber nur
vom Wirt und evtl. Lieferanten der Gaststätte Waldidylle. Die Gaststätte liegt im
Uttewalder Grund kurz vor dem
Felsentor, die aber beide auf dieser Wanderung nicht besucht
werden, sondern
die Wanderung biegt am Freundschaftsstein nach rechts ab. Der Name des jetzt
beschrittenen Tales ändert sich in Zscherregrund und die Felsen stehen
schon ziemlich nah beieinander. Durch den Grund schlängelt sich weiterhin ein
schmaler Forstweg und genau dadurch wirkt die Schlucht noch viel interessanter.
Auf der rechten Wegseite kann man unter einem Felsüberhang ein paar
Inschriften entdecken.
Zu allererst ist es ein relativ großer Vogel mit
Trauben, dann ein nettes Herz mit der Jahreszahl 1950, aber die besonderste
Inschrift dürfte die Jahreszahl 1792 sein. Diese Jahreszahl ist mit
Schnörkeln umgeben, aber gemeiner Weise von einem B. Herman aus Bautzen
überschrieben worden. Trotzdem ist die Jahreszahl noch ganz gut zu
erkennen.
Auch wenn die Wanderwegmarkierungen bald den Grund verlassen, geht es
unmarkiert weiter durch das sehr angenehme Tal, dessen Name sich schon wieder
ändert. Bis zum nächsten Rechtsknick wird der Grund Kohlgrund
genannt. Das letzte Stück dieses langgezogenen Grundes heißt dann Reingrund.
Im Reingrund merkt man schon, dass die Ebene vor der Bastei fast
erreicht ist und so stößt man auch bald auf den typischen Laubwald. Die
Basteistraße muss für diese Wanderung nur überquert werden und auf der
gegenüberliegenden Straßenseite erreicht man nach wenigen Metern die
Wanderwegmarkierung gelber Strich
.
Auf diesem sehr bequemen Waldweg geht es nach rechts parallel zur
Basteistraße weiter. Je länger man auf dem Waldweg unterwegs ist, desto größer
werden die Besucherzahlen. Spätestens ab dem Basteiparkplatz ist die
Ruhe der vorhergehenden Gründe vorbei,
da
die Basteibrücke und die tollen
Aussichten ziemlich viele Besucher anlocken. Das letzte Stückchen der
Wanderung bis zur ersten Basteiaussicht erfolgt auf der Fahrstraße, die aber
in diesem Bereich höchstens noch vom Lieferverkehr und ein paar Gästen des
Basteihotels befahren wird. Eine kleine Ausnahme können noch die
Pferdegespanne sein, die die Gäste vom Parkplatz bis zum Hotel fahren.
Im Bereich der Bastei befinden sich drei Stellen, die sehr gut mit einem
Kinderwagen/Rollstuhl erreicht werden können. Zu allererst sind es die Restaurants
für das leibliche Wohl, dann die Informationsstelle des Malerweges im
Schweizerhaus (rechts neben dem Hotel) und der wichtigste Punkt ist
natürlich die
Basteiaussicht. Auf dem ersten Aussichtspunkt hinter dem Restaurantkomplex
kann es sich schon mal ziemlich knubbeln, aber die Aussicht ins Elbtal ist
auch wirklich imposant. Leider ist die Basteibrücke durch einige
Stufen für Kinderwagen und Rollstuhlfahrer nur sehr schwer zu erreichen. Was
mich aber tatsächlich auf dieser Wanderung überrascht hat ist, dass die Bastei
tatsächlich über einen super angenehmen Weg aus dem Elbtal heraus zu
erreichen ist. Bis zu diesem Wanderzeitpunkt kannte ich nur die Treppen-
oder sehr steilen Aufstiege von Rathen bzw. Wehlen hoch zur Bastei. Oben an
der Bastei sieht man schon häufiger "Gehandicapte", die aber den Parkplatz
als Startpunkt gewählt haben. Diese Form des Besuches der Bastei ist
dann mehr ein Spaziergang oder Ausflug, aber keine Wanderung und das war
schließlich das Ziel
dieser Runde.
Um wieder zurück zum Ausgangspunkt zu kommen, geht es jetzt auf genau
dem selben Weg wieder zurück. Dazu wird also der Bereich der Bastei über die
ersten Meter der Basteistraße verlassen. Noch vor dem ersten Parkplatz auf
der rechten Seite verlässt die Wanderung die Fahrstraße und es geht über den
Waldweg mit der gelben Wanderwegmarkierung
weiter. Die Wanderung folgt dem Waldweg und umrundet die Parkplätze. Erst
die zweite Möglichkeit hinter den Parkplätzen verlässt die Wanderung den
markierten Waldweg und es geht nach links, um die Basteistraße ein letztes
Mal zu überqueren. Jetzt geht es wieder durch die Kette an Gründen abwärts.
Diesmal ist die Reihenfolge natürlich anders herum.
Zuerst kommt der
Reingrund, dann der Kohlgrund und der Zscherregrund. Noch bevor man den
Freundschaftsstein erreicht, aber nachdem die rote Wanderwegmarkierung
wieder in den
Grund stößt, kann man auf der linken Wegseite einen Strudeltopf im Bachlauf
entdecken. Wenn man dieses Loch nur so neben dem Weg sieht, dann ist eher
die Vermutung, dass hier irgendeine große Maschine ein Loch gebohrt hat. Dass
die Natur so ein rundes Loch und dann auch noch so tief hin bekommt, das ist
nur schwer vorzustellen.
Hinter dem Freundschaftsstein geht es auf das letzte Stückchen durch den
Wehlener Grund. Auch wenn es sich bei dieser Runde schon um eine relativ
große Wanderung, zumindest für eine Kinderwagen-/Rollstuhlwanderung,
handelt, so ist dieses letzte Stück ungewöhnlich schnell
erledigt
und der Ausgangspunkt ist wieder erreicht. Ich
kann sagen, dass der Nationalpark vollkommen recht hat, dass man diese Runde sehr
gut mit dem Fahrrad unternehmen kann. Wir können uns außerdem gut
vorstellen, dass man diese Runde mit einem Kinderwagen absolvieren kann.
Leider können wir nicht beurteilen, ob die Runde auch für Rollstuhlfahrer
ohne fremde Hilfe möglich ist. Von der Wegbeschaffenheit sollte die Strecke
funktionieren, aber der Anstieg hoch zur Bastei verläuft doch über so einige
Kilometer und hier weiß ich leider nicht, wie stark die Armmuskulatur eines
Rollstuhlfahrers ist. Vermutlich dürfte das Leistungsspektrum aber auch sehr
unterschiedlich ausfallen. Auf jeden Fall ist der Weg durch die vielen
unterschiedlichen Gründe und die dann erarbeitete Basteiaussicht ziemlich
schön und die Mühe lohnt sich auf jeden Fall.
Anfahrtsbeschreibung:
Öffentlicher Nahverkehr:
Die Stadt Wehlen hat einen eigenen Bahnhof, an dem die S-Bahnlinie von
Dresden nach Bad Schandau anhält.
Auto:
Von Bad Schandau immer in die Richtung Bastei, an der Bastei vorbei Richtung Lohmen, vor der Stadt Lohmen links Richtung Dorf Wehlen/Stadt Wehlen. In Stadt Wehlen den Parkplatzschildern folgen.
Empfohlener Parkplatz:
Wehlen Elbe - Stadt Wehlen
; Parkplatzgebühr für die Wanderung:
2 €
GPS Daten:
geplanter Track
aufgezeichneter Track
geplante Route
MapSource
Google Earth
Dateigröße:
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