|
Eigentlich mag ich die Bastei im Frühjahr/Sommer, zumindest zu den normalen
Besucherzeiten, überhaupt nicht. Trotzdem habe ich mich an einem
trüben Donnerstag Nachmittag mal wieder zur Bastei aufgemacht. Normalerweise kann man
sich ganz hervorragend an der Füllung der Parkplätze orientieren, um zu
erahnen, mit was für Besuchermassen man rechnen muss. Ich
glaube zwar nicht, dass ich wieder wegfahren würde, wenn der Parkplatz voll ist,
aber zumindest könnte ich mich auf ein paar mehr Besucher einstellen. Als
ich an dem besagten Tag auf den Parkplatz gefahren bin, waren fast keine
Pkws zu sehen, aber eine ganze Reihe Busse. Bis
hierhin war mir noch gar nicht bewusst, dass 10 Busse solche Mengen
Touristen ausspucken können. Das Hochinteressante ist,
dass diese Besucher der Wanderung überhaupt keinen (mit einer kleinen
Einschränkung) Abbruch taten.
Für den Start der Wanderung geht es erst mal auf den Waldweg hinter dem
Parkplatz. Dazu bietet sich am besten der Pfad rechts hinten am Parkplatz
an. Hier verläuft die Wanderwegmarkierung blauer Strich
,
der nach links in Richtung der Schwedenlöcher gefolgt wird.
Komischerweise sind schon hier nur noch höchstens 10% von den Besuchern der Bastei
anzutreffen. In diesen Bereich kommen eigentlich auch nur Wanderer. Der
größte Teil der Bustouristen macht sowieso nur einen Zwischenstopp von
maximal einer Stunde und dann geht es wieder zurück nach Dresden.
Bevor es runter in die Schwedenlöcher geht,
kann noch mal von der anderen
Talseite auf die Felsen des Wehlgrundes geblickt werden.
Dazu geht es über
den Gansweg bis zur Schutzhütte bzw. den größeren Platz im Wald und hier
biegt man rechts ab bis zur Felskante. Die zerklüfteten Felswände des
Talkessels sind schon ziemlich beeindruckend und die Ruhe an dieser Aussicht
ist bemerkenswert in Anbetracht der Nähe der Bastei und des Trubels dort. Jetzt geht es an den Abstieg durch die
Schwedenlöcher. Dazu muss man erst die 100 Meter zurück bis zur Schutzhütte
bzw. dem markierten Wanderweg wandern und von diesem Platz im Wald starten die
Schwedenlöcher. Der Abstieg macht gewaltig viel Spaß und ist ziemlich
abwechslungsreich. Es geht über eine Vielzahl an Stufen abwärts,
aber
dadurch, dass es keine monotone Stufenanlage ist, fällt einem beim Abstieg die
Anzahl kaum auf. Das ist natürlich ganz anders, wenn man durch die
Schwedenlöcher aufsteigt, aber das ist dieser Wanderung zum Glück erspart
geblieben. (Anm. d. Ehefrau: als Kind habe ich immer die Stufen gezählt und
den Entgegenkommenden Wanderern erzählt, wie viele Stufen noch auf sie
warten. Je weiter ich hinunter kam, desto mehr Spaß hat es gemacht.....)
Mindestens an zwei Stellen müssen kleinere Höhlen
unter
umgestürzten Felsen durchquert werden. Der Name der Schwedenlöcher beruht
darauf, dass sich die Bewohner der umliegenden Dörfer hier im
Dreißigjährigen Krieg vor den Schweden in Sicherheit gebracht haben sollen.
Da sich zu der Zeit ganz sicher noch keine gut ausgebaute Straße zur
Bastei hinzog, kann man sich das gut vorstellen. Dadurch, dass die Schlucht
auch ziemlich verschachtelt ist, war es bestimmt ein
ganz ordentliches Versteck.
Heutzutage ist das etwas anders. Als ich durch die Schwedenlöcher abstieg, kam
mir eine Schulklasse entgegen. Wenn die Leute damals hier solchen Lärm
gemacht hätten, dann wäre der Aufwand umsonst gewesen.
Der Weg durch die Schlucht ist ziemlich imposant, da sich an einigen
Stellen 50 Meter hohe Felswände gleich neben dem Pfad hoch strecken. Erst
mit dem Passieren des Schwedenturms weitet sich die Schlucht und nach noch
ein paar Stufen ist eine Wegkreuzung erreicht. Grundsätzlich könnte man hier
jetzt nach links gehen und schon wäre die Wanderung nach ein paar wenigen
Kilometern beendet. Damit es aber noch richtig interessant wird,
biegt die Wanderung nach rechts ab. Obwohl hier immer relativ viele Wanderer
unterwegs sind, ist der Wanderweg seltsamerweise nicht markiert. Zuerst
passiert man am Grünbach ein einfach gehaltenes Kneippbecken und dann
erreicht man eine Brücke mit dem oberen Teil des Amselsees. Über die Brücke
geht es auf die gegenüberliegende Bachseite und dort auf dem unauffälligeren
Waldweg neben dem Amselsee entlang.
Nach ungefähr 300 Metern macht der Weg einen Knick nach rechts und links
biegt ein Pfad ab. Bei dem Pfad handelt es sich um den Saugrund, der hoch
zu den Honigsteinen und den Feldsteinen führt. Auf ziemlich genau halber
Strecke bis zum Felsfuß muss man sich an einer Weggabelung rechts halten. Die Steigung nimmt mit der Zeit zu und kurz
vorm Ende werden die letzten Höhenmeter über eine Hühnerleiter absolviert.
Wenige Meter hinter dem Erosionsschutz (der Hühnerleiter) erreicht man den
Bergsattel zwischen Honigsteinen und
Feldsteinen. Da es hier ganz sicher noch nicht auf der gegenüberliegenden
Seite wieder hinunter gehen soll, wird der Aufstieg nach links fortgesetzt.
Nach dem ersten kleineren Aufstieg gabelt sich der Weg ganz verführerisch
und man sollte den unscheinbareren Weg nach links wählen. Hier heißt es so
manches Mal, den Weg zu suchen, aber wenn man weiß, dass man den Honigstein
überqueren kann, dann sollte es kein Problem sein. Nach ein paar Metern (ca.
150 Meter) über die Felsen gibt es zwei unterschiedliche
Weiterwandermöglichkeiten. Entweder nimmt man den etwas aufregenderen Weg
nach links über das Felsband oder man steigt nach rechts durch die
Felsspalte auf. Beide Möglichkeiten sind technisch nicht so besonders
schwer, aber beim Weg über das Felsband kann der Kopf schon mal ein bisschen verrückt spielen. Wer also lieber die Nerven schonen möchte, sollte den Weg
durch die Felsspalte wählen.
Beide Möglichkeiten enden an der gleichen Stelle und es geht auf einer
kleinen Ebene weiter.
Vor einem ragt dann noch eine Felsgruppe auf, bei
der ich bis jetzt immer links herum gewandert bin. Hier bieten sich schon
die ersten Möglichkeiten einer netten Aussicht auf die Lokomotive und die
Basteibrücke. In dem Moment wusste ich auf jeden Fall, wo die Menschen
aus den Bussen hin waren. Auch wenn die Sicht an dem Tag ziemlich schlecht war, standen auf der Brücke und der oberen Aussicht so ein paar
hundert Besucher und ich freute mich darüber, dass ich hier oben auf dem
Honigstein der Einzige war.
Nachdem die Felsen umrundet sind, erreicht man den Abstieg, der aber noch
eine Weile ignoriert wird, da es zuerst noch ein paar tolle Aussichten zu
besuchen gibt. Dazu wandert man ein kurzes Stück weiter und erreicht den Dom und die Lokomotive. Komischerweise hätte ich eigentlich vermutet,
dass an den Felsen häufiger Kletterer herumturnen,
aber seltsamerweise
habe ich hier erst einmal Felsakrobaten getroffen. Die Aussicht von hier
oben finde ich ganz besonders herausragend. So sieht man den wild
zerklüfteten Wehlener Grund, den Ausblick raus zu Königstein und Lilienstein
und zu Füßen der Felsen befindet sich der langgezogene Amselsee. Schön, dass
man sich mit dem Schutz und Erhalt der beiden Felsen (Dom und
Lokomotive) mit mehreren Plomben viel Mühe gegeben hat, so befindet man sich
vor einer schönen Kulisse mit einem echten Felsentor. Wenn ich mir auf
einer ordentlichen Wanderkarte (also der von Dr. Böhm
www.boehmwanderkarten.de) den Bereich des Honigsteins ansehe, dann muss
ich immer wieder über die Felsenbezeichnungen schmunzeln: Imker,
Bienenkorb, Storchennest. Bei diesen Felsen kann ich allerdings nicht so ganz den
Zusammenhang zwischen dem Aussehen und den Namen erkennen. Das ist bei der Lokomotive
natürlich ganz anders. Dieser Felsen sieht tatsächlich genauso aus wie eine
alte Dampflok.
Jetzt geht es an den gerade schon gesehenen Abstieg. Der Weg vom Honigstein
hinunter ist an dieser Stelle viel einfacher als der Aufstieg an der südlichen
Seite. Nach ein paar gut ausgebauten Stufen und einem angenehmen Grund
erreicht man den Pionierweg. Hierbei handelt es sich um einen ziemlich langweiligen Forstweg. Der Wanderweg ist mit dem grünen Strich
markiert und eigentlich folgt diese Wanderwegmarkierung dem Pionierweg. An
der Stelle, an der der Abstieg vom Honigstein endet, verlässt der markierte
Weg auf der gegenüberliegenden Seite die Forststraße und nimmt eine
Abkürzung. Nach einigen Treppenstufen stoßen die beiden Wege aber wieder
aufeinander und es geht bis zur bekannten Brücke am Amselsee hinunter. Mit
dem Erreichen des Grünbaches muss man tatsächlich mal etwas machen, was ich
beim Wandern eigentlich überhaupt nicht mag: es geht ein Stückchen von 350
Metern auf dem schon bewanderten Weg zurück.
Hier erreicht man die bekannte
Wanderwegmarkierung blauer Strich
,
der man jetzt weiter bergauf in Richtung Amselfall folgt. Der Weg bis zum
Amselfall ist sehr gut zu gehen,
auch wenn er mit der Zeit an Steigung
zunimmt. Vom
Amselfall sollte man, wie bei allen Wasserfällen der Sächsischen Schweiz,
nicht allzu große Erwartungen haben. Hier stürzt von Zeit zu Zeit ein Eimer
Wasser herunter. Im Gegensatz zu allen anderen Wasserfällen kann man den
Zeitpunkt dieses Spektakels aber durch einen Miniobulus selber bestimmen. Am
Amselfall befindet sich auch eine der Informationsstellen des Nationalparks
Sächsische Schweiz. Man kann ja über den Nationalpark denken, was man
möchte, aber jede dieser Informationsstellen ist einen Abstecher
wert.
Die Wanderung geht hinter dem Amselfall weiter durch den Grund des
Grünbaches aufwärts. Auch wenn dieses Teilstück des Wanderweges nicht mehr
von Fahrzeugen befahren werden kann, ist der Weg ganz angenehm zu gehen.
Besonders auffällig ist, dass mit dem Passieren des Amselfalls die
Besucherzahlen schlagartig abnehmen. Es scheinen doch ziemlich viele
Besucher von Rathen bis zum Wasserfall zu spazieren und dann die gleiche
Strecke zurück zu laufen. Unsere Wanderung geht aber noch ein kurzes Stück
(½ Kilometer) hinter dem Amselfall weiter, um dann an der ersten
Möglichkeit im spitzen Winkel nach links abzubiegen. Ab hier müssen keine
ernsthaften Höhenmeter mehr absolviert werden. Die ersten paar Meter
verlaufen noch oberhalb des Grünbachtales und dann biegt der Waldweg nach
rechts ab. Ziemlich seltsam ist, dass man auf diesem Weg nur ganz selten
andere Wanderer trifft. Das kann man ganz gut beobachten, da der Waldweg
etwas mehr als ½ Kilometer schnurgerade durch den Wald geht.
Nach der besagten Strecke erreicht man den ersten deutlich sichtbaren
Wanderweg (vorher biegen nur zugewachsene Forstwege ab, die aber alle nach
kurzer Strecke aufhören). Dieser Weg ist mit dem gelben Strich
markiert, aber irgendwie habe ich bei meiner Wanderung an dieser Kreuzung
keine der offiziellen Wanderwegmarkierungen entdeckt. Aber spätestens
nachdem man links weiter gewandert ist, findet man die hilfreichen Zeichen
wieder.
Jetzt geht es an das letzte Stückchen der Wanderung. Dazu wandert man
parallel zur Basteistraße. Den größten Teil der Strecke ist die Straße weit
genug vom Wanderweg entfernt, sodass es überhaupt nicht störend ist. Der
markierte Wanderweg führt einmal ziemlich direkt auf die Basteistraße drauf
zu und schlägt dann ein paar Meter davor einen Haken. Von hier aus sind es
nur noch wenige Meter, bis der Wanderweg die bekannte Rückseite des
Basteiparkplatzes erreicht.
Wer noch große Lust auf eine tolle Aussicht hat, der wandert noch nach vorne
zur Basteiaussicht. Damit ist dann eine sehr schöne Wanderung zu Ende
gegangen, die wirklich alles einer perfekten Runde enthielt: typische Felsen
der Sächsischen Schweiz, tolle Ausblicke, ein bisschen Nervenkitzel und
eigentlich ziemlich viel Ruhe. Also alles in allem eine spitzenmäßige
Wanderung.
|