Ich finde es immer wieder faszinierend, wie
aktiv Teile der Dürrröhrsdorf-Dittersbacher Bewohner sind. Zuerst hat uns ein
freundlicher Mailschreiber auf die Schöne Höhe
aufmerksam gemacht und kurze Zeit später schreibt uns der nächste nette
Mitmensch, ob wir denn schon den Wackelstein kennen würden. Wackelstein? Wir
haben zwar schon so manchen wackeligen Stein in der Sächsischen Schweiz
gesehen und entdeckt, aber so ein unstabiler Koloss wie in dem
mitgeschickten Video war uns bis dahin unbekannt. Also war das Ziel dieser
kleineren Wanderung jene Felsmurmel.
Der Startpunkt ist der kleine Parkplatz von Dürrröhrsdorf gleich an der
Eisenbahnbrücke. Von hier kommt das unangenehmste Stück der Wanderung. Man
muss vom Parkplatz kommend nach rechts ca. 400 Meter auf der Hauptstraße
bis zur Straße Am Breiten Stein wandern, die an der Bushaltestelle nach
rechts von der Hauptstraße abbiegt. Blöderweise fehlt der Hauptstraße
ein kleines Stück Bürgersteig, aber zum Glück fahren hier die meisten Autofahrer
einigermaßen zivilisiert. Auf der Straße Am Breiten Stein geht es in
einem kleinen Zickzack in die Richtung des Waldes. Am Ende der Straße biegt
man nach links ab, um dann die erste Möglichkeit wieder nach rechts weiter
zu wandern. Auch wenn alle diese Straßen ziemlich unterschiedlich aussehen, so
heißen alle Am Breiten Stein. Auch dieser Straße folgt man bis zum Ende, um
dann nach links aus der Ortschaft abzubiegen.
Der Waldweg steigt leicht an und man wandert in die Richtung zum Breiten
Stein. Nach einer Strecke von ungefähr 300 Metern erreicht man eine ziemlich
große Waldkreuzung, an der man geradeaus der Wanderwegmarkierung grüner
Strich
folgt.
Der
Weg führt am Zugang zum Breiten Stein vorbei, der aber auf dem Hinweg
ignoriert wird, und so geht es sehr angenehm durch den Wald. Sehr auffällig
an diesem Waldweg sind einige Grenzsteine, die rechts vom Weg stehen. Auf
den Steinen sind entweder gekreuzte Schwerter oder ein "K" abgebildet. Damit
sind die Grenzsteine als kurfürstliche und königliche Grenzsteine
gekennzeichnet. Das Beeindruckendste ist,
dass
die Steine mehr als 2 Jahrhunderte alt sein können. Unsere Kinder hatten auf
dem Waldweg einen ganz anderen Spaß durch die relativ großen schwarzen
Käfer, die sich am laufenden Bande über den Weg kämpften. Gleich mehreren von
diesen schwarzen Waldmistkäfern (Anoplotrupes stercorosus) wurde auf die
andere Wegseite geholfen und so waren unsere Zwerge mit dem lustigen
Spiel gut beschäftigt.
Nach ziemlich genau einem Kilometer erreicht die Wanderung eine große Wiese,
an der eine Bank zur Rast einlädt. Von der Wiese geht es wieder ein
Ministück von 10 Meter zurück, bis nach links ein breiter Waldweg abbiegt.
Der Weg führt auf ziemlich gleich bleibender Höhe in den Wald. Nach einer
Strecke von 100 Metern fallen ein ehemaliger kleiner Steinbruch auf
der rechten Wegseite und ein Hochsitz auf. Von diesem Punkt wandert man noch
ziemlich genau 50 Meter weiter, um dann nach links abzubiegen. Hier ist kein
brauchbarer Pfad oder Weg zu erkennen, aber im Frühjahr 2011 war auf der
rechten Wegseite ein Baum mit beschädigter Rinde, die irgendjemand mit
schwarzer Farbe versiegelt hatte, zu sehen. Die Wanderung steigt den leicht
abfallenden Hang ungefähr 60 Meter abwärts. Hier stehen zwei mächtige Buchen
und der Wackelstein befindet sich rechts von ihnen. Es ist schon ziemlich
gemein, in einem Felsenmeer eine einzelne Murmel zu suchen, aber zumindest
Mitmenschen mit einem GPS-Gerät können wir eine kleine Hilfe liefern. Die
Koordinaten des Felsen sind Nord: 51,01285 Ost: 14,00788. Der Wackelstein
ist eine dicke Murmel von 2 x 2 Meter Größe und einer Höhe von etwas mehr
als 1 Meter. Solche Murmeln gibt es in der Sächsischen Schweiz natürlich zuhauf, dass so ein Felsen aber so wunderbar schaukelt, ist eine echte
Seltenheit. Selbst unsere zwei kleinen Töchter haben den Felsen in ein
gleichmäßiges Schaukeln versetzt und es macht wirklich Spaß, darauf
herumzuturnen.

Für die weitere Wanderung geht es wieder zurück auf den Waldweg und dann
nach links weiter. Der Weg wird mit der Zeit schmaler und ist nach ein paar
hundert Metern nur noch ein Pfad. Trotzdem ist der Wanderverlauf gut zu
erkennen.
Rechts
neben dem Pfad liegt nach ein paar hundert Metern ein Felsen mit deutlichen
Spuren von Kletterern. Seltsamerweise haben hier die Kletterer Magnesia benutzt und so sind die Griffe und Löcher mit den
typischen weißen Spuren gekennzeichnet. Sehr schön, dass irgendwann in weit
vergangenen Zeiten (genauer gesagt, seit 1913) die sächsische Kletterregel
das Magnesia verboten hat. So bleiben die hässlichen Spuren den Felsen
erspart.
Der Pfad stößt wenige Meter vor dem Zugang zum Breiten Stein wieder auf den
grün markierten Waldweg. Zum Breiten Stein sollte man unbedingt einen
Abstecher unternehmen. Der Aufstieg wird Breiter-Stein-Steig genannt. Es handelt es sich um 50 Stufen, die sogar mit einem ordentlichen
Geländer ausgestattet sind.
Auf
dem Felsen steht eine Schutzhütte mit zwei
Hinweistafeln und vor der Hütte
befindet sich noch eine separate Bank.
Die
Aussicht ist ein bisschen zugewachsen, aber man kann immer noch ganz gut in
die hügelige Landschaft des Porschendorfer Beckens und den Rand der
Ortschaft Dürrröhrsdorf blicken. Die Aussicht ist wirklich schön und ein
angenehmes ruhiges Plätzchen. Bevor man den Breiten Stein wirklich verlässt,
sollte man noch mal einen Bogen (linksherum ist der bessere Weg)
um
den Stein unternehmen. An der südlichen Seite kann man sehr gut erkennen,
dass der Felsen, wie auf der Informationstafel beschrieben ist, ziemlich
zermahlen wurde. Durch die Felswand führen eine Vielzahl an Rissen.
Wenn
man auf die gegenüberliegende Seite des Aufstiegs gegangen ist, kann man
die Zwergenhöhle und die darin enthaltende Boofe entdecken. Auch in der
Boofe sind deutliche Spuren von einer Felsverschiebung zu erkennen. Solche
sogenannten Harnische sind Sandstein-Platten, die über die Granitschicht der Lausitzer Verschiebung geschabt
und dabei ganz glatt gerieben worden sind.
Um die Wanderung fortzusetzen, muss man die paar Meter bis zum grün
markierten Waldweg
zurückgehen, um dort nach links in Richtung Dürrröhrsdorf weiter zu
wandern. Nach ein paar wenigen Metern erreicht man wieder die große
Waldkreuzung, an der es diesmal aber nach links den Hang abwärts geht. Der
Waldweg ist immer noch markiert und überquert nach ein paar hundert Metern
die Bahnlinie Stolpen - Lohmen. Auf der anderen Seite der Bahntrasse
erreicht man einen Radweg, den man nach rechts weiter wandert. Dieser Radweg
steigt in Richtung Dürrröhrsdorf leicht an, so dass die schnelleren
Radfahrer einem entgegen kommen. Zum Glück sind auf dem Radweg viel
weniger Radfahrer als auf dem Elberadweg unterwegs, sodass man sehr angenehm
bis nach Dürrröhrsdorf zurück wandern kann. Der Weg stößt gleich am
Parkplatz wieder auf die Hauptstraße. Damit ist eine sehr nette kleine
Wanderung zu Ende gegangen, die alle Kriterien für eine tolle Runde erfüllt:
nette Aussicht, Felsen, irgendetwas Besonderes und Ruhe. Herzlichen Dank
nach Dürrröhrsdorf-Dittersbach für diese tolle Empfehlung.
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