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Auf diese Wanderung bin ich nicht selber
gekommen, sondern sie stammt aus dem sehr empfehlenswerten Wanderführer
"Wander- und Naturführer Sächsische Schweiz Band 3: Am Rande der Sächsischen
Schweiz" von Dr. Rölke (www.bergverlag-roelke.de). Die Wanderführer von
Dr. Rölke fallen in der Masse der Wanderführer dadurch auf, dass in die
Wanderbeschreibungen immer wieder erstklassige Berichte über irgendwelche
Tier- und Pflanzenvorkommen eingebaut sind. Auch werden besondere Punkte am
Wegesrand sehr ausführlich behandelt, so z.B. auf dieser Wanderung das
Richard Wagner Denkmal, Schloss Lohmen und Carl Heinrich Nicolai.
Die Wanderung startet an einem eher
ungewöhnlichen Punkt, nämlich unterhalb von Liebethal im Liebethaler Grund.
Der erste mögliche Parkplatz befindet sich gleich nachdem man die steile
Straße heruntergefahren kommt auf der linken Seite in einem alten
Steinbruch. Falls dieser Parkplatz voll sein sollte, gibt es ein paar Meter
weiter, auf der anderen Seite des Steinbruchs, noch einen Parkplatz. Von den
Parkplätzen geht es in den Liebethaler Grund der Wesenitz entgegen. Der Weg
ist mit dem blauen Punkt
markiert. Früher sind an der Wesenitz fast
unzählige Mühlen (genauer gesagt waren es 110 Mühlen, Sägewerke und
Schleifen) gewesen. Heutzutage sind davon nur noch Reste übrig
geblieben, aber man nutzt die Wasserkraft gleich an mehreren Stellen,
um Strom zu erzeugen. Eines dieser Wasserkraftwerke sieht man gleich
zum Anfang der Wanderung.
Der Weg geht sehr angenehm dem Bachlauf entgegen
und nach nur wenigen Metern bleibt der Blick an einer Ruine hängen. Dieses
alte Wasserkraftwerk hat schon lange ausgedient, aber irgendwie ist es doch
noch ziemlich interessant, einen Blick in die Ruine zu werfen. Faszinierend
ist, dass bis jetzt noch keiner den alten Schrott abgeholt hat. Wenn ich
überlege, dass an unserer Haustüre mehrere Male die Woche der Schrotthändler
vorbeifährt, und dort liegen noch riesige Eisenstücke herum. Was ich so auf
Anhieb gesehen habe, ist ein riesiger Absperrhahn für ein Rohr von
mindestens einem
halben Meter Durchmesser, mehrere gusseiserne Rohre und das Gehäuse der
Francis-Turbine.
Nur die eigentliche Turbine konnte anscheinend schon
irgendjemand gebrauchen. Von diesem Kraftwerksgebäude bzw. dessen Ruine geht
es weiter an der Wesenitz entlang. Links vom Weg kann man noch an mehreren
Stellen das alte Zulaufrohr für das Wasserkraftwerk sehen.
An mehreren
Stellen ist es inzwischen durchgerostet, aber die riesigen Ausmaße sind
immer noch sehr gut zu erkennen. Am Ende des Rohres erreicht man die
Befestigung des Stauwehres und, viel wichtiger, das größte Richard-Wagner-Denkmal der Welt. Es soll insgesamt 12,5 Meter hoch sein, und
was ich auf jeden Fall sagen kann, es sieht schon ziemlich imposant aus.
Leider hatte ich auf der Wanderung meinen Fotoapparat vergessen und so gibt
es im Moment nur Fotos von so einem krüppligen Fotohandy. Die Aufnahmen
sehen damit so mies aus, aber immerhin ist es besser als kein Foto. Am
unteren Sockel des Denkmals befinden sich gleich zwei Tafeln. Die obere
Tafel auf der Vorderseite hat folgenden Inhalt:
Unter dem Schutze der Amtshauptmannschaft Pirna wurde hier an der
Werdestaette des Lohengrin dem Meister von dankbaren Verehrern das erste
Denkmal in Sachsen errichtet mit freiwilliger Hilfe der werktaetigen Jugend
aus den umliegenden Gemeinden - Muehlsdorf-Lochmuehle / im Wagnerjahr 1933.
Darunter befindet sich noch eine Tafel, die etwas zum Organisator des
Denkmals aussagt:
Schöpfer des Richard Wagner Denkmals Professor Richard Guhr geb. am 30.Sept. 1873 in Schwerin, gest. am 27.Okt 1956 in Hockendorf-
Dresden aus eigenen Mittel erstellt.
Von dem Denkmal geht es weiter in die Richtung der nächsten Mühle. Zwischen
dem Wagner-Denkmal und der Lochmühle ist gleich noch eine weitere Tafel in
den Felsen gemeißelt. Ihr Inhalt ist:
Dem Sänger, der im Kunstgesang, vor allem Volk den Preis errang - MCMXXXIII
(ich glaube es soll die Jahreszahl 1933 sein).
An der Lochmühle geht es durch einen Torbogen und dann gleich an der
Hauswand entlang. Die Lochmühle ist früher ein sehr beliebtes Ausflugsziel
gewesen, aber leider ist sie in den letzten Jahren bzw. eigentlich sind es
schon Jahrzehnte in einen Dornröschenschlaf verfallen. Hoffentlich
gehen wenigstens keine von diesen Deppen hin und zerstören das Gebäude
mutwillig. Sehr seltsam finde ich die Wanderkarte, die gleich hinter der
Mühle an der Felswand angebracht ist.
Sie ist tatsächlich zweisprachig und
zwar in Deutsch und Russisch. Das empfinde ich heutzutage als sehr seltsam,
da Russen in der Sächsischen Schweiz nun wirklich zu einer extrem seltenen
Minderheit gehören. Hinter der Lochmühle überquert man auf einer kleineren
Brücke die Wesenitz und es geht auf der andern Bachseite weiter. Spätestens
hier fallen einem die ganzen kleinen Täfelchen an den Felsen auf. Sie
stammen alle von Studenten der Technischen Universität Dresden, die hier
unten ihr Bergfest (also die Halbzeit ihres Studiums) gefeiert haben. In der
Wesenitz kann man noch sehr deutlich das alte Stauwehr der Lochmühle und des
Wasserkraftwerkes sehen. Aber auch hier holt sich langsam die Natur ihr Gebiet
wieder zurück. Im Herbst 2006 war die rechte Seite der Bachbefestigung
abgerutscht und komischerweise hing das Geländer noch in luftiger Höhe
herum. Ungefähr 200 Metern auf der anderen Bachseite erreicht man die
Daubemühle. Diese uralte Mühle erzeugt heutzutage wieder fleißig Strom und
ist eine der wenigen
Ausflugsgaststätten im Wesenitztal. Vor der Gaststätte
liegen noch ein paar alte Zahnräder bzw. Stücke davon herum und eine
Informationstafel erklärt, auch nicht ganz so technisch versierten
Wanderern, worum es sich handelt. Ab der Daubemühle verlässt die Wanderung
die Wesenitz ein kleines Stück, da blöderweise im Tal kein weiterer Weg
verläuft. Es geht nach rechts aus dem Tal der Wesenitz heraus. Nach dem
kurzen Aufstieg erreicht man Lohmen in einem Neubaugebiet. Der Weg ist
weiterhin mit dem blauen Punkt markiert und sehr einfach zu finden.
Insgesamt geht es einen Kilometer durch bewohntes Gebiet und dann unterhalb
des Lohmener Schlosses wieder an der Wesenitz entlang. Der Weg ist sehr
angenehm zu gehen und die Wesenitz bildet ein wildromantisches Tal. Ein paar
Meter hinter dem Lohmener Schloss kommt man zu einer ziemlich seltsamen
Streckenführung, die aber ziemlich einfach ist, wenn man der
Wanderwegmarkierung folgt. Man erreicht den Lohmener Steinbruch und hier
haben wir uns über uns selber amüsiert. Wenn man auf dem markierten Weg
geht, sieht man vor sich die Lkw- Einfahrt zum Steinbruch. Wir sind bis zur
Schranke gegangen und dann haben wir uns nicht weiter getraut, obwohl wir
super gerne mal in einen Steinbruch gesehen hätten. Also haben wir den
Rückzug bis zur Wegmarkierung eingeleitet. Der Weg geht über einen Minipfad
an der Seite der Schranke vorbei und nach wenigen Metern verläuft der
markierte Weg doch tatsächlich über eine der großen Straßen im Steinbruch
bergaufwärts. Hier hat man einen erstklassigen Blick in den ganzen
Steinbruch und an einem Werktag gibt es hier richtig viele interessante
Maschinen zu beobachten. Wenn wir nicht die super Angsthasen gewesen wären,
dann hätten wir auch die Schranke umgehen können und wären gleich links auf
die breite Straße gestoßen.
Hinter dem Steinbruch verläuft der Weg weiter an der Wesenitz entlang. Es geht schon
ein paar Mal den Hang hoch und dann wieder bis fast ans Wasser runter.
Zwischendurch kommt man dann auch mal wieder an einem Wasserkraftwerk
vorbei, das in Betrieb ist und mit einem riesig langen Kanal in Viaduktform
versorgt wird.
Am Kraftwerksgebäude befindet sich ein Leistungszeiger, der
die aktuelle Leistungsabgabe anzeigt. Im Herbst 2006 war es, bei relativ
wenig Wasser in der Wesenitz, 36,8 kW.
Von dem Kraftwerk geht es nochmals
aus dem Tal heraus und wieder herunter. Die gelbe Wanderwegmarkierung
stößt auf den Wanderweg und ihr folgt man weiter nach links. Es geht auf
einer Holzbrücke über die Wesenitz und dann zum letzten Mal aus dem
Wesenitztal heraus. Nachdem man die Ebene oberhalb der Wesenitz erreicht
hat, könnte man einfach nur gerade aus auf dem markierten Weg weiter gehen.
Wer aber über einen wunderbar ruhigen Waldweg wandern möchte, sollte nach
links abbiegen. Dieser Weg führt in einem Bogen immer an der Kante des Wesenitztals entlang. Ca. 700 Meter nachdem man den markierten Weg verlassen
hat, verlässt man den Wald und zumindest auf der rechten Wegseite befindet
sich eine Weidefläche. Am Ende des Weidezauns geht es den Hügel hoch und
hier überrascht ein wirklich gigantischer Blick rüber nach Pirna. Was an
der Stelle auch noch besonders schön ist, dass man den Ausblick fast immer
ganz alleine genießen kann. Wenn man den Weg ein paar Meter weiter wandert,
dann kommt man wieder auf den gelb markierten Weg und diesen verfolgt man
dann nach links. Auf der rechten Wegseite befindet sich ein kleiner
Rastplatz mit zwei Bänken. Ganz interessant ist das seltsame Gebilde
zwischen den Bänken. Es soll drauf hinweisen, dass ein paar Meter in
Richtung Wesenitz einer der Kreuzungspunkt der geographischen Längen- und
Breitengrade (51° N / 14° O) ist. Die Wanderung geht weiter bis man eine
Fahrstraße erreicht. Hier bietet sich ein kleiner Abstecher nach rechts zum
Antoniuskreuz an. Wir hatten in dem Wanderführer von Dr. Rölke von diesem
Kreuz gelesen und so sind wir frohen Mutes die Straße entlang gewandert. Da
auf unserer Wanderkarte das Kreuz auf der rechten Seite eingezeichnet ist,
haben wir also ganz verbissen nach rechts ins Unterholz geblickt.
Nach einer
Strecke von ungefähr
einem ¼ Kilometer haben wir tatsächlich ein Kreuz im Wald entdeckt und uns
gefreut. Erst zu Hause ist ins dann aufgefallen, das ein
Antoniuskreuz aber normalerweise wie ein großes "T" aussieht.
Nach einer
kurzen Internetrecherche ist dann herausgekommen, dass tatsächlich an fast
der gleichen Stelle, nur auf unterschiedlichen Straßenseiten, zwei
unterschiedliche Kreuze im Wald herumstehen. Hätten wir mal die
Wanderbeschreibung von Dr. Rölke ordentlich gelesen, dann wäre uns dieser
Fehler nicht unterlaufen. Die weitere Wanderung geht jetzt wieder ein
kleines Stück zurück, um dann nach rechts auf der asphaltierten Straße
weiter bis nach Liebethal zu gehen. Der markierte Weg verlässt die
Wanderroute zwischenzeitlich, da ich nur in seltenen Ausnahmen eine Strecke
zweimal auf einer Wanderung gehen möchte. In diesem Fall ist es nicht so
besonders schlimm, auf der Straße weiter zu gehen, da uns auf den 2
Kilometern gerade mal 3 Autos begegnet sind. Die Ortschaft Liebethal
erreicht man im oberen Teil und hier erhält man den ersten sehr positiven
Eindruck der Ortschaft. Der Ort sieht sehr ordentlich aus, die kleine Kirche
steht sehr würdevoll mitten in der Ortschaft und das sehr gepflegt wirkende
Jugendgästehaus Pirna-Liebethal (www.liebethaler.de).
Hinter dem Jugendgästehaus geht es auf der Fahrstraße wieder runter zum
Liebethaler Grund und damit zum Ausgangspunkt der Wanderung.
Damit ist eine sehr schöne Wanderung zu Ende gegangen, bei der das Teilstück
bzw. eigentlich waren es sogar zwei Teilstücke auf der Straße überhaupt
nicht unangenehm aufgefallen sind.
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