Die Stadt Bad Schandau hat im Jahre 2007 einen
neuen kleinen Wanderweg zum Thema Hochwasser der Elbe angelegt. Da wir die
beiden Hochwasser von 2002 und 2006 selber mitbekommen, aber zum Glück
unbeschadet überstanden haben, hat uns diese Informationstour doch ziemlich
interessiert und so haben wir uns gleich mal auf den Weg gemacht, die
einzelnen Stationen zu erkunden.
Der
Startpunkt liegt in der Touristeninformation am Bad Schandauer Markt. Hier
gibt es ein Informationsheft zu der Wanderung, das man unbedingt mitnehmen
sollte. In dem Heft sind einige Hintergrundinformationen und alle Stationen
ausführlich beschrieben. Die Informationsbroschüre kann natürlich auch über
die offizielle Internetseite
www.hochwassertour.de herunter geladen werden. Eigentlich sind
Hochwasser an der Elbe bzw. vermutlich an jedem normalen Fluss nichts
Ungewöhnliches. Auch ein Pegelstand wie beim Hochwasser 2002 ist schon einmal
vor 150 Jahren (30. und 31. März 1845) da gewesen, nur damals waren weniger
Anwohner davon betroffen. Früher haben die Häuser, nicht nur in Bad Schandau,
sondern überall an der Elbe, viel weiter oben gestanden und dann wurde in
den neueren Zeiten immer weiter runter an den Fluss gebaut. Diese
Entwicklung kann man sehr schön z.B. in Bad Schandau und Rathen erkennen.
Eigentlich ist diese Entwicklung nicht besonders verwunderlich, denn es ist
nun mal schön, direkt auf die Elbe blicken zu können. In Bad Schandau ist es
so gewesen, dass früher bis an den Markt die Wohnhäuser standen und dahinter
nur noch Hafen- und Brauhäuser waren.
Durch
den Tourismus sind dann aber die Hotels, wie z.B. der große Komplex der
Elbresidenz, und auch noch riesig viele Wohnhäuser in das Hochwassergebiet
gebaut worden. 62 Jahre (am 18. März 1940 stand die Elbe einen Meter hoch in
der Schandauer Kirche) ist das gut gegangen, aber dann kam die
dreckige Pampe wieder angeschwappt. Für Bad Schandau ist die Elbe schon immer
ziemlich wichtig gewesen, da die Stadt die erste Station hinter der
böhmischen Grenze war und damit ein reger Umschlagplatz für Waren in alle
Richtungen. Die Wanderung erreicht den Elbkai.
Hier liegen gleich
mehrere kleine Fähren und manchmal auch große Passagierschiffe. Die beiden
Fähren haben leider beim 2002-Hochwasser ein bitteres Ende gefunden. Beide
Fähren hatten sich mitsamt ihren Anlegestellen losgerissen und waren
flussabwärts getrieben worden. Eine Fähre ist in Königstein gelandet, die
andere ist schon an der Elbebrücke hängen
geblieben, hat aber zum Glück keinen Schaden angerichtet, ganz im Gegensatz
zu mehreren Lastkähnen in Děčín. Durch diese großen Hindernisse bestand
Gefahr für die Elbebrücken und deshalb sind sie gesprengt worden. Das hatte
zur Folge, dass im nächsten Jahr die Elbewiesen mit gelben Rapsblüten
übersäht waren, da einer der Kähne Raps geladen hatte.
Jetzt geht es mit einer neuen Fähre rüber nach Krippen.
Gleich
hinter der Eisenbahnbrücke ist die erste Station in Krippen zu finden. Das
Gebäude steht an dem ehemaligen Standort einer Schlosserei, die aber leider
dem Hochwasser zum Opfer gefallen ist. Dieser rechteckige Kasten ist das
neue Abwasserpumpwerk. Normalerweise werden solche Pumpen in der Erde
versteckt, aber das würde die Gefahr durch Überschwemmung drastisch erhöhen.
Ganz witzig sehen die Schwalbennester an dem Dach des Pumpwerkes aus. Damit
die kleinen Piepmätze die schöne neue Fassade nicht gleich wieder versauen,
ist gleich beim Bau des Gebäudes eine Leiste unterhalb der Schwalbennester
angebracht worden. Als nächstes geht es zuerst über den Krippenbach und dann
an dem Bächelweg von der Elbe weg. In dieser schmalen Straße kann man gleich
an einigen Häusern die Hochwassermarken von 2002 in riesiger Höhe entdecken.
Da durch das Hochwasser in der Elbe der Krippenbach nicht mehr ablaufen konnte,
hat
er sich von oben kommend aufgestaut und das Elbewasser ist zusätzlich immer weiter in
den Bachlauf reingelaufen. Früher haben am Krippenbach vier Mühlen
gestanden, heute erinnert ein schöner neuer Springbrunnen mit vier
Mühlsteinen an diese Gebäude. Dadurch, dass das Tal sehr flach nach hinten
verläuft, steigt das Wasser bei jedem Hochwasser bis weit nach hinten an.
Selbst an der ehemaligen Grundschule, die immerhin schon 450 Meter von der
Elbe entfernt steht, stand das Wasser noch einen Meter hoch auf dem
Schulhof.
Von hier geht die Wanderung wieder zurück in Richtung Elbe, aber
über den Berghangweg. Dieser Weg verläuft in einem Bogen (wie über einen
Hügel), sodass bei dem Hochwasser die Anwohner von der Außenwelt
abgeschnitten waren. Am höchsten Punkt führt zwar noch ein Fußweg hoch zur
Carolahöhe, aber dieser ist für Rettungskräfte nicht passierbar und so
mussten diese Häuser auch ohne direkten Hochwasserkontakt geräumt werden.
Nicht ganz so schlimm war es in der Ortschaft Ostrau oberhalb von Bad
Schandau. Hier gibt es eigentlich auch nur eine Ortszufahrt, die
überschwemmt war, aber
zum Glück führt von der Rückseite ein befahrbarer Waldweg durch den Nationalpark bis an
den Ort. Die Wanderung erreicht an der ersten Kreuzung den
Kindergarten
von Krippen. Hier hängt eine wirklich nett anzusehende Sonnenuhr an der
Hauswand. Diese Sonnenuhr gehört zum SonnenUhrenWeg von Krippen und zeigt
die Vielfalt der möglichen Sonnenuhren. Es geht nach rechts weiter zwischen
dem Bahndamm
und dem Hang. Dieser sehr schmale Graben hat einen ganz gravierenden
Nachteil, wenn größere Mengen an Regen niederfallen. Ganz oben auf der Ebene
oberhalb des Hanges
befinden sich Ackerflächen, die zur Elbe hin geneigt sind. Kommt es zu einem
Starkregen, stürzen große Wassermassen mit einer Menge an Geröll den Hang
hinunter und sammeln sich hinter dem Bahndamm. Die Abflussmöglichkeiten sind
hier beschränkt und beim Hochwasser 2002 verstopft gewesen. Damit sind die
Gebäude hinter dem Bahndamm nicht nur mit Dreckwasser, sondern auch noch mit
Geröll gefüllt worden. An den dunkelgrauen Bundesbahngebäuden kann man heute
immer noch den Wasserstand von 2002 deutlich erkennen. Die hellere
Unterseite ist der Wasserstand gewesen. Wenige Meter hinter den großen
Gebäuden biegt nach links eine Durchfahrt unter der Bahntrasse ab. Hier
hätte eigentlich das Wasser durchfließen können, würde dahinter nicht wieder
der Weg ansteigen. Jetzt ist dahinter ein mächtiges Rohr verbuddelt worden,
damit wenigstens das meiste Wasser abfließen kann.
Auf dem Elbeweg geht es nach rechts bis zur Ziegelscheune. Hier haben leider
die Modernisierungsmaßnahmen eine fatale Wirkung gehabt. In die
mehrschichtige Wärmeisolierung ist das Wasser eingedrungen, das Gebäude ließ
sich nur durch Abtragen der Isolierschichten wieder trockenlegen. Das Gasthaus an der Ziegelscheune (www.ziegelscheune-krippen.de)
bietet sich ganz hervorragend an, auf der Terrasse draußen zu sitzen und den
Elbestrom zu beobachten. Jetzt geht die Wanderung wieder zurück zur
Fähranlegestelle. Dazu bietet sich der gerade Pfad knapp vorm Wasser an.
Nach ziemlich genau einem Kilometer erreicht man den Schiffsanleger und
fährt mit
der Fähre auf die gegenüberliegende Seite.
In
Postelwitz hat das Hochwasser eine riesige Zahl an Häusern geflutet. Dabei
waren auch die Sieben-Brüder-Häuser ziemlich betroffen, aber diese Häuser
haben schon so manches Hochwasser ertragen und auch diesmal sind sie alle
wieder wunderbar hergerichtet worden. Die Wanderung führt aber in die andere
Richtung, also Elbe abwärts, bis zur Mündung der Kirnitzsch. Hier verlässt
die Hochwassertour die Elbe und geht ein kleines Stück auf dem uralten
Flößersteig entlang. Die Flößer haben früher das Frühjahrshochwasser richtig
ausgenutzt, um mit dem erhöhten Wasserstand der Kirnitzsch ihr Holz zur Elbe
herunter zu spülen. Als nächste Station wird der Stadtpark von Bad Schandau
erreicht. Da der gesamte Park ziemlich tief liegt, wird er mit jedem etwas
größeren Hochwasser überflutet. Für den Park ist das nicht ganz so schlimm,
aber zum Teil sind die Häuser links und rechts auch davon betroffen. Ganz
deutlich kann man aber an den älteren Häusern sehen, dass die untere Etage
eher wie ein Keller aussieht, oder sogar ein richtiger höher gelegter Garten
das Gebäude umrahmt. Auch beim Hotel Lindenhof (www.lindenhof-bad-schandau.de)
ist es so, dass das eigentliche Gebäude ein ganzes Stück höher steht
und sich dadurch ein netter Restaurant-Garten vor dem Eingang befindet. Beim
2006-Hochwasser hatte die freiwillige Feuerwehr aber trotzdem die Aufgabe,
den Keller wasserfrei zu halten, da sonst die Kühleinrichtungen hier unten
abgesoffen wären. Auch wenn das im Verhältnis zu einem Wohnraum nur ein
kleines Übel ist, so sollte es verhindert werden und das ist erfolgreich
geschafft worden.
Nach einer kleinen Runde durch den Stadtpark geht es wieder zurück in die
Richtung des Marktes. Am Ende des Parks befindet sich rechts die Poststraße.
Diese Straße gilt eigentlich als so einigermaßen hochwassersicher. Beim
Hochwasser 2002 hat das Wasser zwar zum Teil die sichtbaren Gebäude
verschont, aber z.B. in dem ehemaligen Postamt ist das Wasser in den Keller
gelaufen und hat hier den Öltank angehoben und die stinkige Brühe ist ins
Mauerwerk gezogen. Damit ist dann ein ziemlicher Schaden entstanden, da das
Heizöl auch noch nach Jahren ausdämpft.
Die
Wanderung geht über die Kirchstraße bis zum Markt und dann im Uhrzeigersinn
um die Kirche herum. Auf der Rückseite sieht man in der Verlängerung
zwischen den ehemaligen Schulgebäuden das Schwimmbad Toskana-Therme (www.toskanaworld.net).
Dieses Schwimmbad hat das 2002- Hochwasser äußerst schlimm erwischt. Das neue
Bad war gerade ein halbes Jahr eröffnete, da stieg die Elbe bis unter das Dach
und zerstörte so ziemlich alles an Technik und Einrichtung.
Die
Sanierung des Bades hat genau zwei Jahre gedauert und jetzt ist das
Bad mit einer mobilen Schutzwand ausgestattet, die das Schwimmbad beim 2006-Hochwasser erfolgreich geschützt hat. Die
letzte Station ist die Kirche von Bad Schandau. In der Kirche sind an der
rechten Wand eine große Zahl Bilder von dem Hochwasser zu sehen. Hier kann
man so ungefähr erkennen, wie die Elbe eine stinkige braune Brühe in die
Ortschaften getrieben und riesige Schäden hinterlassen hat. Auf den
Fotos kann man aber auch deutlich sehen, wie gigantisch die
Hilfsbereitschaft von wildfremden Menschen war und was für einen
wahnsinnigen Einsatz so mancher gezeigt hat. Ich fand es beeindruckend, dass
die Aufräummaßnahmen die ganzen Nächte über gingen und es ist erfreulich,
dass nach wenigen Jahren fast nichts mehr auf
diese Katastrophe hinweist.
Anfahrtsbeschreibung:
Öffentlicher Nahverkehr:
Es gibt sehr gute Bahnverbindungen nach Bad Schandau. Vom Bahnhof sind es
aber noch mal 1,5 Kilometer mehr bis zum Startpunkt.
Auto:
Über die B172 bis Bad Schandau und dann weiter in die Richtung Sebnitz. 200 Meter nachdem man die B172 verlassen hat, kann man auf der linken Seite mit Parkscheibe parken.
Empfohlener Parkplatz:
Bad Schandau Hohnsteiner Straße
GPS Daten:
geplanter Track
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