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Sobald man irgendwo im Bereich von Mittelndorf wandert, fallen einem die
wunderbar aufwändigen Tafeln des Mittelndorfer Rundweges auf.
Viele
Ortschaften in der Sächsischen Schweiz haben mehr oder weniger liebevoll
gestaltete Rundwege, aber der Weg mit den Tafeln in Mittelndorf
fällt dabei ganz besonders positiv auf. Das erste Mal, als wir den
Spaziergang unternommen haben, war im Januar 2012, aber überraschenderweise
waren fast alle Schilder abgeschraubt und entweder zur Überholung oder als
Schutz vor der Winterwitterung in Sicherheit gebracht. Aber zu Ostern
konnten wir den Spaziergang dann mit den schönen Tafeln genießen. Der Startpunkt für
den Rundgang befindet sich rechts neben der Gaststätte & Pension Am Weinberg
(www.pension-weinberg.de).
Hier steht eine Landkarte mit den wichtigsten Wanderwegen rund um
Mittelndorf, eine große Aufreihung der schönsten Wanderziele und ein
Begrüßungsschild. Alle drei haben die gleiche handwerkliche Handschrift wie
die Tafeln des Rundweges und sind genauso toll geschnitzt und angemalt.
Um die erste Tafel des Rundweges zu erreichen, geht es geradeaus über die
Hauptverkehrsstraße und dann ein paar wenige Meter die Dorfstraße hinunter.
Die Tafel Nr. 1 befindet sich auf der linken Straßenseite und erklärt das
uralte Erblehngericht von Mittelndorf. Schräg gegenüber auf der anderen
Straßenseite befindet sich die Tafel Nr. 2 an dem ehemaligen technischen
Stützpunkt der LPG. Auch heutzutage stehen hier immer wieder Traktoren und
landwirtschaftliche Geräte herum, die kleine Jungs und große Männer
erfreuen. Es ist immer wieder verwunderlich, wie gigantisch heutzutage die
Traktoren sind.
Tafel Nr. 3 befindet sich ganz kurz vor dem Panoramaweg und wieder auf der
linken Straßenseite.
Hier
wird der Vierseitenbauernhof, die damals ungewöhnliche Wasserleitung und die
mächtige Linde erklärt. Am auffälligsten ist tatsächlich die Linde mit ihrem
riesigen Stamm und der abgebrochenen oder abgesägten Krone. Die Tafel Nr. 4
steht gleich am Panoramaweg und weist auf die Aussicht dieses Feldweges hin. Der Name Panoramaweg ist
für die gesamte Strecke von Saupsdorf bis nach Bad Schandau zutreffend und
ein netter Wanderweg abseits der normalen Urlauberströme. Wer womöglich
als Urlauber in den Orten an der Hohen Straße weilt, für den ist der
Panoramaweg eine Möglichkeit, eine nette Wanderung durchzuführen, ohne mit dem Auto fahren zu müssen.
Die Wanderung passiert die Gärtnerei von Mittelndorf und am unteren Ende der
Dorfstraße befindet sich die Tafel Nr. 5 am ältesten Bauernhof im Ort. Zwei
Punkte an dem Bauernhof sind aus unserer Sicht bemerkenswert: Einerseits ist
ein Gebäude bzw. ein ganzer Gebäudekomplex aus dem Jahre 1799 schon wirklich
etwas ganz Besonderes und wenn dann im Jahre 1816 als Besitzer ein Herr Glücke
genannt wird und auch der heutige Besitzer immer noch Glücke heißt, ist
das für Bewohner einer Neubausiedlung wie uns doch wirklich sehr
beeindruckend. Gleich
neben dem Bauernhof befindet sich das Gerätehaus der Freiwilligen Feuerwehr,
an dem die Tafel Nr. 6 hängt. Im Verhältnis zu dem Bauernhof ist das
Feuerwehrhaus ein echter Neubau (Baujahr 1969).
Netterweise bleibt der Rundweg auf fast gleichbleibender Höhe, dadurch
muss ein kleiner Bogen um den Mühlberggrund gewandert werden. Die nächste
Tafel (Nr. 7) erklärt, dass der Weg durch den Mühlberggrund runter ins
Kirnitzschtal kurz nach dem 2. Weltkrieg ein beliebter Weg war, um dann mit
der Straßenbahn nach Bad Schandau zu gelangen. Heutzutage wandern nur noch
ganz wenige die Strecke bis hinunter ins Kirnitzschtal, um dann mit der
Straßenbahn weiter zu fahren. Entweder liegt es daran, dass der Weg durch
die 160 Höhenmeter doch
einigermaßen anstrengend ist oder dass das Straßenbahnfahren auch nicht gerade eine besonders billige Verbindung ist.
Auch ist die Taktrate für den täglichen Gebrauch vielleicht ein wenig grob.
Tafel Nr. 8 erklärt ein normales Wohnhaus, das aber auch immerhin schon aus
dem Jahre 1832 ist. Sehr unterhaltsam ist, was denn so alles außer den
"normalen" Bewohnern in dem Haus lebte.
Heutzutage
sind ein Schwein und eine
Kuh eher seltene Mitbewohner. Der Rundweg erreicht bald den Abzweig
Niederdorfstraße mit einem beeindruckend schönen Wegweiser. Hier sind nicht
nur die eigentlichen Wegweiser vorhanden, sondern auch noch eine hübsche
Dachverzierung, ein netter Spruch und eine gemalte Blumendekoration. Der
Rundweg geht nach rechts auf der Niederdorfstraße weiter.
Die nächsten
beiden Stationen haben beide einen Bezug zum Wasser. Zuerst wird auf der
Tafel Nr. 9 Schmieds Teich erklärt. Gleich daneben befindet sich hinter
der Holztüre der O-Born. Diese gemauerte Quelleinfassung wurde in den
Ursprüngen des Dorfs zur Wasserversorgung benutzt. Der Name O-Born soll
erklären, dass es sich um Oberflächenwasser handelt und man sich hier
früher seine Wasserration in Holzeimern abschöpfte. Zu der Zeit kam
ganz bestimmt keiner auf die Idee, einen Kubikmeter Wasser zum Blumengießen
oder Graswässern durchlaufen zu lassen.
Rechts neben der Quelle steht ein Umgebindehaus aus dem Jahre 1741. Das Haus
ist so hervorragend hergerichtet, dass man ihm das
hohe Alter überhaupt
nicht ansieht. Würde nicht auf der Informationstafel Nr. 11 auf das
Alter des Hauses und den schönen Blick auf die Hohe und Kleine Liebe
hingewiesen, würde man
beides einfach nur übersehen. Der Spaziergang führt weiter über die
Niederdorfstraße bis zur Oberen Straße. Hier würde eigentlich der
Dorfrundgang nach links weiter gehen, aber am südöstlichen Rand von
Mittelndorf hängt noch die ausführliche Tafel Nr. 12 mit einer Beschreibung
zu den Wäldern und den unterschiedlichsten Besitzern.
Die Tafel hängt gleich
an der großen Linde unterhalb des Panorama-Campingplatzes (www.berg-oase.de)
und ist auch noch mit dem goldenen Mittelndorfer Forstwappen geschmückt.
Von dem kleinen Rastplatz an der Linde hat man wirklich eine tolle Aussicht
auf die Felsen und den Talkessel der Hinteren Sächsischen Schweiz. Damit
dürfte der Campingplatz mit Abstand die schönste Aussicht des Dorfes haben und mit der Lage
am unteren Rand der Ortschaft auch einer der ruhigsten Plätze sein. Am Zaun
des Campingplatzes hängt noch eine weitere Tafel mit der gleichen
handwerklichen Machart wie die Rundwegtafeln, die den Panoramaweg sehr gut
beschreibt und mit einer netten Schnitzerei verschönert ist.

Der weitere Weg auf dem Dorfrundgang führt die Obere Straße aufwärts. Kurz
nachdem man die bekannte Kreuzung mit der Niederdorfstraße passiert hat,
befindet sich auf der linken Seite die Tafel Nr. 13. Der Vierseitenbauernhof
stammt ursprünglich aus dem Jahre 1547 und wurde 1829 noch mal neu gebaut.
Sehr interessant ist der Satz am Ende der Tafel: Füttern der Haustiere, Heu,
Getreide u. Hackfruchternte bestimmten den Tagesablauf - So Gott will - .
Heutzutage ist der Ablauf eines Tages irgendwie anders, meistens kriecht man
irgendwie in Büro, Geschäft oder Betrieb und wenn es nicht so richtig
klappt, dann würde man es heutzutage auch nicht dem lieben Gott zuschreiben.
Die Tafel Nr. 14 steht auf der gegenüberliegenden Straßenseite vor den 5
ziemlich gleichen Häusern. Diese Häuser sind 1975 gebaut worden und sehr
interessant ist der Hinweis auf der Tafel, dass manchmal die
Materialbeschaffung etwas schwerer war. Das kann man sich heutzutage kaum
noch vorstellen, wo man mit dem nötigen Kleingeld alles kaufen kann, was
man sich vorstellt. Die nächste Tafel (Nr. 15) befindet sich dann ein ganzes
Stück weiter die Straße aufwärts und erklärt, dass hier zum Ende des 2.
Weltkrieges ein gewaltiger Graben gebuddelt war. Wenn die angegebenen Abmessungen von 8
Meter Breite, 6 Meter Tiefe und einmal quer über die Hohe Straße stimmen,
dann verwundert es ziemlich, dass man den Graben heutzutage überhaupt nicht
mehr erkennen kann. Das müssten hunderte Kubikmeter Erde und Felsen gewesen
sein, die ganz bestimmt keiner mehr zurück schaufelt. Eine andere Geschichte
eines Einwohners zu dem Graben ist, dass ein Panzer hinein gefahren (oder gestürzt) ist und dieser und noch eine Anzahl weiterer
transportabler Gegenstände sofort zur neuen provisorische Brücke umgewandelt
wurden. Zwischen Altendorf und Mittelndorf haben danach die polnischen
Soldaten ein Feldlager eingerichtet und den beiden Ortschaften in der Zeit
böse mitgespielt.
Die nächste Tafel (Nr. 16) befindet sich auf der rechten Straßenseite und
erinnert daran, dass hier mal ein Viehtreibeweg und der direkte Weg zur
Kirche in Lichtenhain abgingen. Außer, dass heutzutage sowieso kaum noch ein
Mensch zu Fuß zur Kirche geht, zumindest ortsübergreifend, ist auch der
viel schönere Weg über den Panoramaweg. Schon wenige Meter oberhalb der
letzten Tafel erreicht man die Tafel Nr. 17. Hier wird auf die
unterschiedlichsten Verwendungen eines Hauses auf der rechten Straßenseite
hingewiesen. Zuerst ist dort ab 1880 eine Dreschmaschine, dann eine Bäckerei,
danach der ortseigene Konsum untergebracht gewesen und seit der Wende ist es ein Wohnhaus. Leider gibt es
in den Dörfern an der Hohen Straße kaum noch Lebensmittelläden bzw.
Bäcker. Das ist ziemlich ärgerlich, besonders wenn man sich ansieht, dass die
Bewohner der Ortschaften immer älter werden.
Am Ende der Oberen Straße erreicht man die Durchgangsstraße zwischen
Altendorf und Lichtenhain. Hier geht es nach links weiter. Auf der
gegenüberliegenden Straßenseite führt der grün markierte Trägnerweg hinunter
ins Sebnitztal. Genau zu diesem Weg steht gleich am Straßenrand auch noch
eins von den liebevollen Schildern mit einer geschnitzten Dampflok und einem
Bachlauf mit Fischen.
Das sieht einfach schön aus und es ist wirklich
erfreulich, dass jemand mit so viel Hingabe die Schilder und Tafeln gestaltet.
Um die letzte Tafel des Dorfrundgangs zu erreichen, biegt die Wanderung noch
mal nach links in die Mittelstraße ab.
Die Tafel Nr. 19 befindet sich auf
der rechten Straßenseite und erklärt, dass das Gebäude die ehemalige Mittelndorfer Volksschule gewesen ist. Viel interessanter ist das Gebäude
und das komplizierte Schild auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Es
handelt sich um die alte königliche Försterei. Es ist wirklich
beeindruckend, dass von diesem Haus aus das riesige Waldgebiet bis zum Großen
Winterberg und der Elbe verwaltet wurde.
Eigentlich führt der Spaziergang von hier wieder zurück bis zur
Durchgangsstraße, aber wenn man ein paar Meter die Mittelstraße bzw. hier
unten heißt die Straße Mühlberg weiter abwärts wandert, erreicht man noch
eine nette
Tafel mit einer Beschreibung der ursprünglichen Bewohner von
Mittelndorf. Gleich daneben befindet sich eine Holzhütte mit zwei sehr
gemütlich dreinblickenden Holzfiguren. Damit ist dann der sehr nette
Rundgang durch Mittelndorf am Ende angekommen. Es ist immer wieder schön,
wenn sich einzelne Personen oder auch Gruppen in einer Ortschaft so viel Mühe geben,
das Aussehen ihres Dorfes zu verbessern. Damit lockt man viel einfacher Besucher in einen
Ort als mit noch so aufwändigen Reklameaktionen. Die Übermittlung von
positiven Eindrücken kommt per Sprache einfach viel besser an, als wenn per
Reklame ein guter Eindruck vermittelt werden soll. Das gilt sowohl für
besonders schöne Ortsgestaltungen (z.B. Hinterhermsdorf) oder auch für
gelungene Feste (z.B. das Sonnenwendefest in Altendorf oder das Blumenfest in
Lichtenhain).
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