Nachdem ich im Nationalparkhaus durch Zufall das Buch von Dr. Rölke (www.bergverlag-roelke.de)
über den Pfaffenstein entdeckt hatte und
ich mir kaum vorstellen konnte, dass man über einen einzelnen Felsen ein
ganzes Buch füllen kann, habe ich das Buch gekauft und erstmal gelesen. Nach
der Lektüre musste natürlich die beschriebene Wanderstrecke ausprobiert
werden und für solch eine kleinere Wanderung gibt es keinen besseren
Begleiter als meine große Tochter (2007: 5 Jahre alt).
Die Wanderung startet am großen Wanderparkplatz von Pfaffendorf. Hier lockte
gleich mal der Brunnen zum ersten Wasserspiel. Da die Temperaturen im
Frühjahr 2007 schon hochsommerlich waren, konnte ich meine Tochter nur
schwer davon abbringen, schon vor der Wanderung in dem Brunnen
herumzuplanschen. Die ersten Meter des Aufstiegs erfolgen in Richtung
Pfaffenstein, bis kurz hinter dem Ortsausgang der erste Weg nach links
abbiegt. Der Weg führt zwischen Pfaffenstein und Pfaffendorf auf einem
Feldweg entlang. Nach wenigen Metern auf diesem Weg kann man nach links in die
Richtung der Ortschaft blicken und hier waren über ein Hühnergehege eine
riesige Anzahl gelbe Flatterbänder gespannt. Meine Tochter wollte natürlich
wissen, wozu dieser auffällige Farbtupfer war. Ich war natürlich ganz der
erklärende Papi und hab mir hier was von Greifvögeln aus den Fingern gesogen. Nachdem wir ein Stück weiter
gewandert sind, stand im Wald eine nette
Informationstafel zum
Thema Neuansiedlung der Wanderfalken in der Sächsischen Schweiz. Auf der
Tafel ist auch ein Foto von jungen Wanderfalken in ihrem Nest zu sehen und
was liegt vor denen im Nest: ein paar Hühnerfüße, sogar noch mit Ringen dran. Na,
wenn das mal keine anschauliche Erklärung für die Flatterbänder war. Kurz
nach dem Erreichen des Waldes unterhalb des Pfaffensteins stehen mehrere
ziemlich großen Felsbrocken am Wegesrand, die anscheinend irgendwann mal vom
Pfaffenstein abgebrochen sind. Sie sind so zueinander geklappt, dass
eine Höhle entstanden ist, die den sinnigen Namen Steinerne Scheune hat. Auf
dem weiteren Weg entdeckt man dann auch nach 200 Metern, warum der Waldweg
so ein bisschen ausgefahren aussieht. Hier befindet sich an der rechten
Wegseite die Talstation der Lastenseilbahn. Über diese Seilbahn wird die
Gaststätte auf dem Pfaffenstein versorgt. Neben der Talstation steht noch
eine kleinere Hütte, in der ich vermute, dass dort die Lieferungen zwischengelagert werden. Kurz nach dem Vatertag 2007 sah die Türe dieser Hütte schwer
ramponiert aus. Anscheinend hatten ein paar Männer zu wenig Alkohol
mitgenommen und dachten, sich hier billig eindecken zu können. Die Türe
konnte sich aber des Angriffs erfolgreich erwehren. Ab der Seilbahnstation geht es auf einem Pfad weiter. Nach wiederum 200
Metern teilt sich der Weg und man hält sich rechts. Der Weg führt an einer
Wildwiese vorbei. Hier sollte man unbedingt einen Abstecher auf die andere
Seite der Wiese unternehmen, da man von dort einen sehr schönen Ausblick auf
die südliche Seite des Pfaffensteins und damit natürlich die Barbarine hat.
Für alle, denen der Name Barbarine nichts sagt: Die Barbarine ist ein
Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz, eine sehr markante Felsnadel. Der Sage
nach war die Barbarine ein Mädchen, das lieber in die Heidelbeeren ging als
in die Kirche und das hat die Mutter so geärgert, dass diese sie verwünscht
hat, sie solle zu Stein werden. Tja, so kann's gehen.
Die Wanderung geht weiter im Uhrzeigersinn um den Pfaffenstein herum. Man
erreicht bald den breiteren Wanderweg mit der roten Punkt Markierung
.
Ihr folgt man nach rechts, bis man zum Hintereingang des Pfaffensteins
kommt. Hier kreuzen sich gleich drei unterschiedliche Wanderwegmarkierungen:
grüner Strich, grüner und roter Punkt. Es geht wieder mal nach rechts. Die
ersten paar Meter bis zum Fuße des Felsens erfolgen mit einer leichten
Steigung. Auffällig, wenn man es weiß, ist der bronzezeitliche Wall. Zum Glück steht
kurz vor dieser uralten Wallanlage eine
Informationstafel. Am Felsen angekommen, steht man in einem
innenhofähnlichen Kessel mit gleich
mehreren auffälligen Punkten. Zuerst fällt einem die Bank auf, die in den
Felsen gemeißelt ist. Wenn ich das richtig verstanden habe, dann ist sie zur
Erinnerung an das 25-jährige Bestehen des Alpenklubs Dresdener Tannhäuser.
Dieses Jubiläum ist aber schon 8 Jahrzehnte her. Die Jahreszahl auf der
Rückseite der Bank sind 1904 - 1929. Warum auch immer ein Trottel genau eine
Zahl aus dieser Tafel herausgekratzt hat, entzieht sich leider meinem
Verständnis. Das zweite Auffällige an der Felswand ist eine markante
Gedenktafel mit der Inschrift "Dem Erschließer und Hüter des Pfaffenstein´s
Herrn Karl Gottlob Jäckel gewidmet vom Vaterländ. Gebirgsv. Saxonia den
2.Oktober 1881". Um auf den Pfaffenstein hoch zu kommen, gibt es von dieser Stelle zwei
Möglichkeiten. Einerseits über den so genannten bequemen Weg oder durch die
Felsschlucht. Auch die Felsschlucht ist meiner Ansicht nach ein sehr bequemer Weg
und deshalb empfehle ich diesen Aufstieg. Der Aufstieg erfolgt über einige
Stufen durch die Schlucht.
Sehr interessant finde ich die Felsbrocken, die
in weit vergangenen Zeiten in die Schlucht gefallen sind und jetzt oberhalb
des Weges fest hängen. Am Ende des Aufstiegs erreicht man die Gaststätte
oben auf dem Felsen. Bevor man sich aber hier oben niederlässt, sollte man
erstmal nach rechts in die Richtung der Barbarine wandern. Der Weg führt
über den ganzen Pfaffenstein, und an einer Stelle geht es durch eine recht enge
Felsgasse bis kurz vor die Barbarine. Am südlichen Ende des Pfaffensteins
befindet sich eine große Aussicht, die zum Verweilen einlädt. Die Aussicht
zur Barbarine lässt sich durch eine weitere Felsgasse links von der großen Aussicht
erreichen.
Sie ist relativ klein und dadurch bei
etwas größerem Besucherandrang schnell überfüllt. Trotzdem sollte man sich
diese Felsnadel ansehen, da es doch ganz faszinierend ist, wie so ein
weiches Gestein in solch einer Form stehen bleiben kann.
Eine
Tafel informiert über schon
mehrere Rettungsaktionen des Felsens. Der Rückweg bis zur Gaststätte erfolgt
über die gleiche Felsgasse. Zwischendurch sollte man an der Aussicht auf
halber Strecke einen kurzen Halt einlegen. Wenn man von der Aussicht nach
links an der Felswand entlang sieht, dann kann man ganz gut zwei Nester in
der Mitte der Felswand entdecken. Hier brüten die eben schon erwähnten
Falken. Bei unserem Zwischenstopp an der Aussicht hatten wir das riesige
Glück, dass einer dieser Raubvögel ganz knapp an uns vorbei flog. Damit war
die Erklärung für die Flatterbänder am Anfang der Wanderung perfekt. Die nächste Station auf der Pfaffensteinerkundung war wenige Meter hinter
der Gaststätte auf der linken Seite des Weges. Hier geht es zum
"Briefbeschwerer", zum "Rittersitz" und zu mehreren
"Opferkesseln". Auch wenn man sich
zum Anfang kaum vorstellen kann, diese Punkte tatsächlich zu finden, so ist
es, wenn man die Felsen sieht, sofort eindeutig. An den Opferkesseln hat man
eine sehr schöne und seltsamerweise auch ziemlich ruhige Aussicht in
Richtung Festung Königstein. Es geht wieder zurück auf den Hauptweg des
Pfaffensteins und dann nach links die nächsten 50 Meter. Diesmal biegt man nach rechts
ab. Auch dieser Weg führt wieder zu einer Aussicht, aber natürlich
in östliche Richtung. Was aber viel interessanter ist, dass man kurz vor der
Aussicht nach links in einer Felsschlucht absteigen kann. Der Weg führt über
eine raffinierte Treppe herunter. Man sollte ein bisschen aufpassen, da
mindestens ein unscheinbares Loch ziemlich tief nach unten führt. Wenn man
den Weg bis ans Ende wandert, dann erreicht man die Goldschmidthöhle. Hier
hat sich vor langer Zeit ein Geldfälscher namens Goldschmidt versteckt,
nachdem sein Handwerk aufgeflogen war. Der Wirt der Gaststätte auf dem
Pfaffenstein hat ihn gedeckt und mit Lebensmitteln versorgt, nachts durfte
er wohl auch im Gasthaus schlafen. Leider ist er doch gefunden worden, dem
Wirt hat das 8 Jahre Gefängnis gebracht, dem Goldschmidt wohl mehr. Das ist
übrigens eine wahre Geschichte. Auch
wenn die Höhle schon zu den etwas größeren Höhlen der Sächsischen Schweiz
zählt, so kann ich es mir nur schwer vorstellen, dass man sich hier über längere Zeit
aufhalten kann. Der ganze Bereich der
Goldschmidthöhle
ist umgeben von weiteren Höhlen, Grotten und Spalten. Es macht ziemlich viel
Spaß, einfach mal in die dunklen Löcher zu blicken, die sich überall zeigen.
An manchen Stellen erlebt man richtige Überraschungen in Bezug auf die Größe
bzw. die Tiefe von Spalten. Nach dieser kleinen Erforschung geht es wieder
zurück zur Aussicht und dann zum Hauptweg. Nur alleine oben auf dem Plateau
des Pfaffensteins kann man schon so viele interessante Stellen finden, die alle
im Buch von Dr. Rölke beschrieben sind, dass man die Wanderung locker um
mehrere Stunden erweitern kann. So bietet sich der Aussichtsturm oder z.B.
auch die Ruine an. Die Wanderung geht auf jeden Fall nach rechts auf dem
Hauptwanderweg in die nördliche Richtung. Der Abstieg erfolgt über den Weg
mit dem aussagekräftigen Namen Nadelöhr. Die ersten paar Meter des Abstieg
erfolgen über eine Treppe und dann durch eine wirklich enge Stelle. Diese
Engstelle passiert man über eine sehr robuste Leiter. Danach geht es
über einige Treppenstufen bis runter vom Felsen. Am Fuße angekommen befindet
sich einer dieser überdachten Rastplätze und eine weitere grundlegende
Informationstafel zum Pfaffenstein und der Barbarine. Das letzte Stück
der Wanderung geht dann der Weg bis zum Parkplatz zurück.
Jetzt endlich durfte auch meine Tochter nach Herzenslust in dem kühlen Nass
am Brunnen neben dem Parkplatz planschen. Sehr interessant an diesem Brunnen
ist, dass das Wasser aus einem ziemlich langen Stollen (fast 100 Meter lang)
oberhalb des Parkplatzes kommt. Dieser über 200 Jahre alte Stollen liefert
heute nur noch das Wasser für diesen kleinen Brunnen. Ich würde damit
vermuten, dass das Wasser in einer erstklassigen Quellenqualität ist. Auf
jeden Fall ist das Wasser genauso kalt und damit erfrischend, wie man sich
Quellwasser vorstellt.
Damit ist eine schöne Wanderung/Erkundung beendet und aus meiner Sicht hat
sich die Investition in das Buch von Dr. Rölke gelohnt.
Anfahrtsbeschreibung:
Öffentlicher Nahverkehr: Buslinie 244a
(Königstein - Kurort Gohrisch)
Auto:
B172 - Königstein - Pfaffenstein (großer kostenpflichtiger Parkplatz am Weg zum Pfaffenstein).
Empfohlener Parkplatz:
Pfaffenstein
; Parkplatzgebühr für die Wanderung:
2 €
GPS Daten:
geplanter Track
aufgezeichneter Track
geplante Route
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