Der linkselbische Teil der Nationalparkregion Sächsischen
Schweiz wird geografisch von Tafelbergen geprägt. Einer der markantesten ist der
als Naturschutzgebiet ausgewiesene Pfaffenstein in der Nähe der Stadt und der
Festung Königstein. Das aus der Ferne kompakt wirkende Massiv zeigt sich in der
Nähe als stark zerklüftet. Alle großen und kleinen Formen und Prozesse der
Veränderung des Elbsandsteingebirges können wir hier beobachten. Davon zeugen
verschiedene Höhlen und Klüfte, aber auch einzeln stehende Klettergipfel. Deren
Berühmter – die Barbarine – als ein Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz gilt.
Dem Artenspektrum der Pflanzen- und Tierwelt und der kulturgeschichtlichen
Bedeutung wird der Pfaffenstein gern als „Sächsischen Schweiz im Kleinen“
bezeichnet.
Die Erschließung des Pfaffensteins hat eine lange Tradition. Durch Funde von
Materialien und Ausgrabungen, die der Jungsteinzeit und der Bronzezeit
zuzuordnen sind, wurde der Nachweis einer Besiedlung der Pfaffensteins erbracht.
Ein noch heute sichtbarer Beweis ist das Fragment eines bogenförmigen
Verteidigungswalls am Beginn des bequemen Aufstieges am Fuß des Berges.
Carl Gottlob Jäckel (1803 – 1882) gilt als „Touristischer Erschließer“ des
Pfaffensteins. Schon im Alter von 10 Jahren hat er in seiner Eigenschaft als
Hütejunge den Berg für sich erforscht. Dank seiner guten Orts- und
Detailkenntnisse erlang er schnell den Ruf eines sicheren Führers auf den damals
als gefährlich geltenden Berg. So wurde er im Volksmund bald als „Berggeist“
oder „Rübezahl vom Pfaffenstein“ bezeichnet. Der „Kuhstall“ (Gabelung
Klammweg/bequemer Aufstieg), eine Höhle, entdeckt durch C. G. Jäckel, diente den
Pfaffendorfer Bauern in den Kriegsjahren, letztmals 1813, als Versteck für ihr
Hab und Gut. Durch ihn selbst und unter seiner Anleitung wurden die ersten
Maßnahmen zur Wegbefestigung durchgeführt. Ihm zur Ehre wurde 1881 an dem nach
ihm benannten Felsen eine Marmormedallion mit seinem lebensgroßen Brustbild
angebracht.
Carl Gottlieb Kuemann errichtete 1852 den ersten Ausschank in
Form einer einfachen Rindenhütte und erschloss einige Aussichtspunkte. Da
Kuemann den Geldfälscher Friedrich Eduard Goldschmidt nach seiner Flucht aus dem
Königsteiner Gefängnis auf dem Pfaffenstein (Goldschmidt Höhle) versteckte und
zum weiteren Fälschen von anhaltinischen- dessauschen Fünfguldenscheine
anstiftete, wurde nach deren beider Verhaftung die Rinderhütte auf behördlichen
Beschluss abgerissen.
Die eigentliche Gaststätte entstand 1891 mit dem Bau eines kleinen
Fachwerkhauses, am jetzigen Standort. Von 1895 – 1990 bewirtschaftete die
Familie Keiler in drei Generationen dieses Anwesen, welches nach und nach
erweitert wurde. Der 1904 entstandene, fast 40 Meter hohe Aussichtsturm kann als
krönender Abschluss der Baumaßnahmen bezeichnet werden. 1992 verkaufte die
Erbengemeinschaft Keiler ihren Besitz an die Schutzgemeinschaft Sächsischen
Schweiz e.V., einem gemeinnützig arbeitenden Naturschutzverein/ Regionalgruppe
des Naturschutzbundes Deutschland e.V. Die finanziellen Mittel für für den Kauf
wurde durch eine Zuwendung des Sächsischen Staatsministeriums für Umwelt und
Landesentwicklung bereit gestellt. Die Wiederinbetriebnahme des Objektes als
Gaststätte ist nach heutigen gesetzlichen Vorschriften nicht ohne Investitionen
in Millionenhöhe möglich, so dass durch den Verein Schutzgemeinschaft
Sächsischen Schweiz e.V. ein neues alternatives Nutzungskonzept zu erstellen
war.