Es gibt bestimmte Zeiten im Jahr, da empfinde
ich viele Teile der Sächsischen Schweiz als überlaufen und dann suche ich mir ein
ruhigeres Fleckchen. Solche Zeiten sind die langen Wochenenden und die Zeit um
Ostern herum. Wer in der Zeit schon mal ins Kirnitzschtal gefahren ist und
dort zugesehen hat, wie sich die Autos in dem Tal stapeln, der weiß, was ich
meine. So ein Tag war mal wieder Ostermontag. Die Sonne schien erstklassig
und im Verkehrshinweis wurde von einem 10 Kilometer langen Stau in Pirna
berichtet. Also habe ich mir eine Runde auf der linken Elbeseite ausgesucht.
Auf dem Weg nach Cunnersdorf waren solche Mengen Autofahrer unterwegs, dass
ich schwarz sah für einen brauchbaren Parkplatz und eine einigermaßen ruhige
Wanderung. Aber als ich am Parkplatz vom Cunnersdorfer Freibad ankam, war ich
wirklich positiv überrascht. Der Parkplatz war gerade mal zur Hälfte belegt.
Das deutete auf eine angenehm ruhige Wanderung hin. Also ging es los in die
Richtung Cunnersdorfer Bach. Seltsamerweise ist der asphaltierte Forstweg am
Bach entlang mit keinem Wanderwegzeichen markiert. Aber das ist auch
überhaupt nicht schlimm, da man sich ganz sicher nicht verlaufen kann. Am
Ortsausgang von Cunnersdorf befindet sich auf der linken Seite der
forstliche Ausbildungsbetrieb Cunnersdorf. Das sieht immer ganz witzig aus,
was hier so alles herumsteht. Anscheinend wird geübt,
wie man z.B. einen Hochsitz baut, mit einer Kettensäge ordentlich
rumhantiert und sonst irgendwie Späne produziert. Auf der gegenüberliegenden
Straßenseite befindet sich das Vereinsheim Narrenhäus'l des Cunnersdorfer
Carnevals Club e.V.
Die
Wanderung geht auf dem äußerst angenehmen Weg immer am Bach entlang.
Zwischendurch kommt man an einen etwas größeren Platz vorbei, an dem
anscheinend die zukünftigen Forstwirte von Zeit zu Zeit ihre neugebauten Hochsitze
lagern. Das sieht wirklich witzig aus, wenn an einem Platz 5 - 10 Hochsitze
stehen. Die Wanderung verläuft weiterhin auf dem Forstweg dem Cunnersdorfer
Bach entgegen. Ganz ungewöhnlich finde ich, wie viele kleine Quellen links
und rechts des Baches entspringen. Überall sieht man kleine Bächlein den
Hang herunter laufen. Nach etwas mehr als 2 Kilometern kommt man zu einem
überdachten Rastplatz, der an der ehemaligen Siedlung Steinhütte steht. Insgesamt
hat es in dieser Ecke vom Cunnersdorfer Bach drei Ansiedlungen gegeben. Heutzutage
ist von der Siedlung nichts mehr übrig geblieben, außer vielleicht einem
kleinen Gedenkstein am Wegesrand. Wobei ich fast glaube, dass der Stein
jünger ist als die Siedlung. Auf jeden Fall ist die Inschrift auf dem Stein:
„Hier verunglückte am 22. Mai 1869 J.G.Bollmann”.
Das einzige Störende an diesem Wanderstück sind die Fahrradfahrer, die das
Gefälle in Geschwindigkeit umsetzen. Aber selbst an einem Ostermontag
Nachmittag sind es höchstens 15 Radfahrer gewesen, die mir entgegen kamen. Leider waren es auch zwei kleinere Fahrradmäuse (ich schätze mal 7 - 8
Jahre alt), die viel zu schnell den Berg runter geflitzt kamen. Da in der
Mitte der Straße ein bisschen Splitt lang und eine dieser kleinen
Flitzerinnen über die Mitte fahren musste, hörte ich einige Meter hinter mir
auf einmal ein ziemliches Geheule. Da aber einige Erwachsene dabei waren,
habe ich mich lieber von dannen gemacht. Für solche Fälle bin ich nämlich
die wirklich schlechteste Hilfe, da ich kein Blut sehen kann. Was würde es
schon nützen, wenn sich der große Helfer daneben legt.
Nach ungefähr 3,3
Kilometern teilt sich der Weg und es geht weiterhin auf dem asphaltierten
Weg nach links in die Richtung des Taubenteiches. Der Weg ist ab hier mit
dem grünen Strich
markiert. An dieser Weggabelung befindet sich rechts
eine Sandsteinbrücke, und wenn man nach links weiter wandert,
weist eine
Hinweistafel drauf hin, das hier die notwendigen Sandsteine 1856 gebrochen
worden sind. Zweimal ist die Jahreszahl 1856 mit jemals den Namenskürzeln
eingeschlagen. Etwas höher sieht man auch noch mal die Jahreszahl 1863 mit
der Inschrift Gut Heil! Dass die kleine Brücke schon so alt ist, sieht man
ihr nicht an. Der Weg geht immer weiter mit der recht angenehmen Steigung den
Hang hinauf, bis man den Taubenteich erreicht. Dieser Stauweiher aus
Kurfürstlichen Zeiten ist in der letzten Zeit grundlegend saniert worden und
lädt heutzutage zu einer schönen Rast ein. Was ganz besonders ist, dass man
anscheinend auf der Staumauer sogar ein Lagerfeuer machen darf. Hier ist ein
richtiger Feuerplatz mit einigen Sitzmöglichkeiten drum herum angelegt.
Eine kleine Schutzhütte lädt auch bei schlechterem Wetter zum Genießen
der Ruhe ein.
Nachdem man sich ein wenig ausgeruht hat, geht es an der linken Seite des
Taubenteichs auf der asphaltierten Forststraße das steilste Stück der
Wanderung berghoch. Nach ungefähr 550 Metern zweigt nach links der grün
markierte Weg auf den Taubenbrandweg ab. Also wenn man am Cunnersdorfer- und
Taubenbach schon kaum einen anderen Wanderer trifft, so ist die
Wahrscheinlichkeit, auf diesem Weg irgendjemanden zu treffen, ziemlich gering.
Die Wanderung verläuft sehr angenehm auf einer gleich bleibenden Höhe über
einen Waldweg. Nach einer Wanderstrecke von ca. 2 Kilometern erreicht man
eine relativ große Buche mit einer Tafel zur ehemaligen Ortschaft
Kühlemorgen. Der Inhalt der Tafel ist:
Hier stand bis ungefähr 1700 das Dorf Kühlemorgen das vermutlich
durch Pest und Abwanderung wegen Arbeitsmangel nach vollendeter
Aufforstung des Grenzwaldes aufgegeben wurde.
Warum der Wald aufgeforstet werden musste, kann man erst auf einer
weiteren Informationstafel kurz vor der Ortschaft Cunnersdorf lesen:
Forstort Brand
Durch Brandrodung im 16. Jahrhundert landwirtschaftlich nutzbar
gemachtes Waldgrundstück. Nach Auslaugung des Bodens innerhalb weniger
Jahre wurde der Ackerbau aufgegeben und es entstand wieder Wald.
Aha. Hier hat also der Mensch mal wieder herumgefummelt und sich
gewundert, dass es doch nicht so klappt wie er sich es vorstellt. Von der
ehemaligen Ortschaft Kühlemorgen geht es weiter auf dem markierten
Wanderweg. Der nächste Kilometer verläuft auf einem Weg mit dem seltsamen
Namen Gebackenebirnstraße. Der Name hört sich irgendwie ein bisschen seltsam
an, aber netterweise steht an der Matthias-Otto-Eiche auch hierzu eine
Erklärungstafel. Ihr Inhalt ist:
Gebackenebirnstraße
Alte Handelsstraße - gebaut im 16. Jahrhundert möglicherweise von Pirna
nach Tetschen. Der Name kann folgendermaßen gedeutet werden: Gebackene…
=> gepackte (von Packlager) birn… => abgeleitet aus dem sorbischen Lokativ pern = Stein, also gepackte Steinstraße.
Der Weg verläuft weiterhin äußerst angenehm durch den Wald. Was an dem
Wald sehr auffällig ist, sind die großen Mengen jagdlicher Einrichtungen. So
kann man die normalen Futterkrippen sehen, eine große Anzahl Hochsitze und
ein paar Jagdhütten. Diese auffällige Häufung liegt an der Vergangenheit
des Waldes.
Zu
DDR-Zeiten ist dieser Wald als so genannte Staatsjagd betrieben worden. Das
bedeutet, dass der Zutritt in den Wald für normale Bürger gesperrt war und
sich die privilegierte Staats- und Parteikaste mit der Jagd auf gezüchtetes Wild
vergnügte. Heutzutage kann man z.B. einen Kilometer hinter der
Cotta-Eiche
auf der linken Wegseite eine rot-braune Hütte im Wald entdecken.
Normalerweise sind solche Hütten nichts Besonderes in einem Wald, wären da
nicht doch ein paar Besonderheiten. Ich habe bis heute noch keine
Waldarbeiterhütte mit einem separaten Toilettenhäuschen gesehen, rechts
neben der Hütte ist eine Lichtung mit einem Hochsitz und außerdem wird kein
Forstarbeiter eine Lebensbaumhecke in den Wald pflanzen. Aber auch heute
wird auf der Lichtung noch Wild mit Mais angefüttert. Die Wanderung geht
weiter auf dem grün markierten Weg. Nach einem weiteren Stück durch den
ruhigen Wald erreicht man den Waldrand oberhalb von Cunnersdorf. Hier wird
auf der gerade schon angesprochenen Informationstafel die Brandrodung aus
dem 16. Jahrhundert erklärt.
Der Weg geht runter in die Ortschaft Cunnersdorf. Noch vor der Hauptstraße
erreicht man die Straße die nach links wieder zum Freibad zurückführt. Auf
dieser Straße geht es das letzte Stück bis zum Parkplatz zurück. Die Straße
ist nur wenig befahren und bietet mit einigen Informationstafeln eine ganz
nette Unterhaltung. Zuallererst erreicht man das alte Floßwehr von 1840.
Dieses
Floßwehr ist nicht so groß wie die Dinger in der Kirnitzsch, aber auch hier
kann man sehr gut erkennen, wie früher der Bach gestaut wurde, um dann durch
eine Flutwelle die Baumstämme bis nach Königstein zu spülen. Genau zu diesem
Zweck sind auch die beiden Staubecken Tauben- und Fuchsteich errichtet
worden. Zumindest den Taubenteich hat man auf der Wanderung an der Grenze
schon gesehen. An dem Floßwehr erinnert auch eine weitere Informationstafel
an ein schlimmes Hochwasser in Cunnersdorf von 1981. Der Inhalt der Tafel
ist:
Vom 19.07.-22.07.1981 wurde Cunnersdorf durch lang und stark anhaltende
Regenfälle zum wiederholten Mal von einer Hochwasserkatastrophe
heimgesucht. Dabei wurden:
1800 m² Bach- und Straßenstützmauer mitgerissen
1500 m² Straßendecke beschädigt
1 Straßen- und 3 Fußgängerbrücken vernichtet
1 Sägewerksteil zerstört
6 Wohnungen überflutet
8 Familien wurden evakuiert und viel Holz und Gerätschaften wurden
fortgerissen.
Kameraden der Feuerwehr, Einsatzkräfte der ZV und viele Einwohner
halfen, um schlimmeres zu verhindern.
Nach wenigen Metern erreicht man die nächsten Informationstafeln zu einer
besonderen Persönlichkeit der Ortschaft Cunnersdorf:
Herr Gerd Neumann
01.09.1900 - 16.04.1994
Als 2. Sohn der Familie Neumann wurde am 01.09.1900 Gerd in Königstein
(Schulhaus) geboren. Er besuchte das Lehrerseminar in Pirna und wirkte
als Pädagoge an Schulen im Umkreis von Königstein.
In Cunnersdorf wirkte Herr Neumann besonders als Heimatforscher, Dichter
und Volkskünstler. Seine Tätigkeit fand landesweit Anerkennung. Die
Auszeichnung mit dem Nationalpreis und der Johannes- R. Becher Medaille
in Silber und Gold zeugen davon.
Seine Begabung als Pädagoge spiegelt sich in vielen Schriften,
Zeichnungen und Holzschnitten wieder. Hervorzuheben sind dabei die
Heimatbroschüre zur 600 - Jahrfeier der Gemeinde, das Naturlehrpfad-
Heft sowie den mit Erfolg herangebildeten Schnitzernachwuchs.
Die grenzenlose Liebe zum Ort und seine Heimatverbundenheit kommen im
Heimatlied zum Ausdruck.
Ihm sei Dank und ehrendes Gedenken
Seine Heimatfreunde
Die letzten nächsten beiden Informationstafeln handeln vom Trinkwasser in
Cunnersdorf. Die
größere Tafel erklärt, wie die erste Wasserleitung die Ortschaft Cunnersdorf
mit Trinkwasser versorgte. Faszinierend ist, was für ein seltsames
Wasserrohr das gewesen ist, aber den Gegebenheiten von 1930 entsprach es bzw.
dem Bauzeitraum von 1927 - 1929. Immerhin sind 1930 mit dieser
Trinkwasserleitung 15 Häuser bzw. Bauernhöfe versorgt worden. Die zweite
Tafel erklärt, woher das Trinkwasser kam:
Quellgebiete
Entlang des Cunnersdorfer Baches gibt es eine ganze Anzahl von Quellen.
Die hier benannte Quelle, zum früheren Hering´schen Gut gehörend, wurde
bis etwa 1951 in Holzröhren nach dem Gehöft geleitet. Das überschüssige
Wasser sammelte sich in dem darunterliegenden Teich, um dann in den
Cunnersdorfer Bach zu fließen.
Die letzten Meter gehen bis zum Ausgangspunkt der Wanderung. Damit ist
eine Wanderung zu Ende, die ruhiger nicht sein kann. Selbst an einem
wunderschönen Ostertag sind mir auf der ganzen Runde nur ungefähr 10 Wanderer
und 15 Radfahrer begegnet. Wenn ich die gleiche Strecke irgendwo im
Nationalpark veranstaltet hätte, dann wären mir sicher 10 bis 100 mal so
viele Wanderer begegnet.
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