Bei der Runde auf dem Waldlehrpfad
Reinhardtsdorf handelt es sich um einen kleinen Spaziergang, der aber eine
sehr positive Überraschung gewesen ist. Dazu aber später. Die Wanderung
startet an der Minisiedlung Reuterhof, die südlich von Schöna bzw.
Reinhardtsdorf liegt. Der einzige Parkplatz in Reuterhof ist der
Ausgangspunkt der Wanderung. Hier erklärt als erstes eine
Tafel den
Ursprung des Walderlebnispfades Reinhardtsdorf und ein paar eigentlich
selbstverständliche Grundregeln. Es ist egal, in welcher Richtung
man den Lehrpfad läuft. Wir haben die Runde entgegen des Uhrzeigersinns
unternommen, da uns dieser Zugang als erstes auffiel. Die erste Station
besteht aus einer aufgehangenen Baumscheibe, an der es wirklich lohnenswert
ist, zuerst zu schätzen, wie alt der Baum wohl gewesen ist, als er gefällt
wurde, und dann die Jahresringe zu zählen. Neben diesem Baumstück steht
eine dieser sehr hochwertigen Erklärungstafeln und beschreibt anhand der
Baumart Kiefer die vielfältigen Verwendungsformen von Holz. Da es aber eine Vielzahl unterschiedlicher Baum- und Strauchsorten gibt, sind auf der
nächsten Tafel die wichtigsten 27 Bäume bzw. Sträucher abgebildet. Sehr
interessant an dieser Tafel ist, dass man nicht nur die unterschiedlichsten
Wuchsformen sehr gut erkennen kann, sondern auch das stark voneinander
abweichende Aussehen der einzelnen
Baumstämme. Die nächsten beiden Tafeln erreicht
man schon nach wenigen Metern. Hier sind Speisepilze und
Giftpilze in einer erstklassigen Detailtreue gezeichnet worden. Zu jedem
Pilz steht noch eine kurze Erklärung mit dem häufigsten Standort, der
Hauptwuchszeit und besonders auffälligen Merkmalen.
Die nächste Station ist auch die einzige, an der man feststellen kann, dass
man falsch herum gewandert ist.
Zuerst erreicht man die Detailstationen und
dann die Erklärungstafel. Die einleitende Tafel zu dieser Station sagt
folgendes aus: „Bäume wollen hoch hinaus. Kannst Du Dir vorstellen, wie hoch
ein Baum ist, in welcher Höhe Vögel brüten, in welcher Höhe Eichhörnchen
leben? Wenn Du von hier aus weiter läufst, kannst Du Dir vorstellen, einen
Baum entlang nach oben zu laufen. Die Klapptafeln an der Seite verraten Dir,
welche Höhe Du erreicht hast und was es dort zu entdecken gibt.“ Die Tafeln
sind: 5 m Roßameisen, Speisekammer des Schwarzspechtes; 15 m Schlafplatz des
Auerhuhnes; 20 m Nistplatz des Habichts; 25 m Wuchshöhe der Birke,
Zapfenlager des Eichhörnchens; 30 m Singwarte der Singdrossel; 35 m
Wuchshöhe der Kiefer; 50 m Wuchshöhe der Fichte. An dieser Station kann man
sehr gut sehen, dass der Waldlehrpfad nicht nur einmal mit irgendwelchen
Fördergeldern angelegt worden ist, sondern auch noch danach weiter gepflegt
wird. Im Ursprung sind die Schilder als Klappschilder errichtet worden, aber
das hat sich anscheinend nicht als besonders praktisch erwiesen, da
heutzutage neue Minitafeln mit den Höhenangaben vorhanden sind.
An der nächsten kurz darauf folgenden Spielstation kann man mit ein paar
drehbaren Holzklötzchen den Namen von Tieren zusammenpuzzeln. Die
darauffolgende Station ist eine Kontrollstation, ob man auch vorher die
Tafel mit den Baustämmen ordentlich gelesen hat. Die Informationstafel sagt
folgendes aus: „Klappstämme; Am Anfang des Pfades hast Du ein Schild über
verschiedene Holzarten gesehen. An diesen Klappstämmen kannst Du Dein Wissen
noch einmal testen. Versuche erst zu erraten, um welches Holz es sich
handelt. Anschließend kannst Du im Inneren der Stämme nachsehen.“ Heutzutage
befindet sich die Lösung nicht mehr im Inneren der Klappstämme, sondern als
Klappschilder unter den Stämmen, sodass man nicht nur die Rinde, sondern
auch den eigentlichen Stamm zur Wissenskontrolle nehmen kann. Diese Aufgabe
ist selbst für Erwachsene eine sehr gute Herausforderung.
Die nächste Station liefert für sehr viele
Mitmenschen aus der heutigen Zeit eine Überraschung. Es handelt
sich um einen Fühlpfad, bei dem man mit den Füßen erspüren soll, auf welchem
Untergrund man gerade geht. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie gleich eine ganze Horde
Mitmenschen mit den Argument Fußpilz kommen und eine sehr nette Erfahrung
damit verpassen. Hier sollte jeder die Schuhe und Socken ausziehen und über
die einzelnen Felder wandern. Es ist beeindruckend, wie gut Fußsohlen
ertasten können, dass es sich um Gehäckseltes, Tannenzapfen, Heidelbeeren, Rinde oder Moos handelt. Als nächstes erreicht man einen
kleinen Rastplatz, an dem mit einem gemalten Schild drauf hingewiesen wird,
dass man seinen Müll doch bitte wieder selber mitnehmen soll. Eigentlich
sollte das eine Selbstverständlichkeit sein, aber so mancher Rastplatz sieht
eben nicht so aus. Nach dieser kleinen Rast geht es weiter und man erreicht den
Riesteich, wo den Wanderer gleich viele Informationen erwarten. Das Erste ist eine dieser
hochwertigen Tafeln mit einem wunderbaren Gemälde über das ökologische Leben
im und am Bach. Ein paar Tiere am Bachlauf werden auf der Tafel namentlich
erwähnt und die Besonderheiten eines Bachlaufes erklärt. Gleich am Teichrand
steht eine Station, an der durch ein paar kleinere Fenster verdeutlicht
wird, dass es Tiere gibt, die nicht alle Farben sehen können. Sobald man
durch die Öffnungen blickt, erscheint der Teich im unterschiedlichsten
Aussehen. Bei dieser Station fehlt leider der Hinweis, welches Tier welche
unterschiedliche Farberkennung hat.
Die nächsten Tafeln handeln wieder von dem Wald bzw. den Bäumen. Zuerst wird
sehr ausführlich der Plenterwald (ein stetig verjüngender Dauerwald) erklärt und dann die
Geschichte einer
alten Tanne. Passend zu dieser sehr netten Geschichte der alten Tanne
befindet sich wiederum ein paar Meter daneben eine Tafel,
die das Leben
eines Baumes sehr gut beschreibt. Zwischen diesen beiden Tafeln ist eine
neue Tanne gepflanzt worden, die aber noch durch einen Zaun vor
Wildverbiss geschützt wird. Die nächste Tafel erklärt den Umbau eines
Fichtenwaldbestandes in einen Laubmischwald. Als nächste Station erreicht
man wieder eine Spielstation. Auf der erklärenden Tafel steht folgendes:
„Das Baumtelefon. Mit einem Baumstamm telefonieren? Probier´s mal aus! Wenn
man an der einen Seite des Stammes klopft oder kratzt …..kannst Du es am
anderen Ende hören. Du wirst feststellen: Holz leitet Töne erstaunlich gut.
Diese Eigenschaft wird von einigen Tieren genutzt. Z. B. findet der Specht
dadurch seine Nahrung - Maden im Holz und das Eichhörnchen hört einen sich
nähernden Fressfeind, wie den Baummarder, durch die Kratzgeräusche der
Krallen am Baum."
Auch bei der nächsten Station handelt es sich um eine
Spielstation, bei der man anhand einer Sprungbahn, die sehr schön mit Baumgehäckseltem gefüllt ist, die gewaltige Sprungkraft von so manchen
Tieren verdeutlicht bekommt.
Am Rande der Bahn sind kleine Hinweisschilder
angebracht, die die entsprechenden Weiten verdeutlichen: Floh Sprungweite:
0,6 m, Das ist das 200 fache seiner Körperlänge; Waldmaus Sprungweite: 0,7 m
Das ist das 8 fache ihrer Körperlänge; Heuschrecke Sprungweite: 2 m Das ist
das 30 fache ihrer Körperlänge; Fuchs Sprungweite: 2,8 m Das ist das 2 – 3
fache seiner Körperlänge; Känguru Sprungweite: 8 m Das ist das 7 fache
seiner Körperlänge; Rothirsch Sprungweite: 11 m Das ist das 4,5 fache seiner
Körperlänge; (Geierküken Sprungweite: 20 cm Das ist 1/5 seiner Körperlänge).
Bei der nächsten Station handelt es sich um einen Schnitt durch den Waldboden.
Hierzu sind wieder zwei Erklärungstafeln aufgestellt worden. Die eine Tafel
erklärt das Leben im Waldboden anhand eines dieser tollen Gemälde. Dabei ist
ein Maulwurf zu sehen, wie er sich durch das Erdreich buddelt, eine
Rötelmaus, die eine Speisekammer anlegt oder auch wie eine große Anzahl Käfer in der
oberen Schicht lebt. Die zweite Tafel an der Station wird mit der
Überschrift Bodenschaufenster beschrieben: „ An diesem Bodenschaufenster
kannst Du den Aufbau des Waldbodens erkennen: Ganz oben befindet sich eine
Schicht aus unverrotteten Material, z.B. Blätter und Nadeln. Danach folgt
eine Humusschicht. Die nächste Schicht enthält nur wenig Humus, deswegen ist
sie auch heller. Der Humus, der hier vorhanden ist, wird durch Regenwasser
eingespült oder durch Regenwürmer eingearbeitet. Die letzte Schicht unter
dem Boden ist das Grundgestein." Dann geht es ein Stückchen weiter und man
erreicht eine Tafel, an der eine riesige Zahl von Kleinsäugern im Wald
vorgestellt werden. Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie perfekt
mache Menschen malen können. Solche Gemälde müssen doch eine riesige Zeit in
Anspruch nehmen und dann sind auf dieser Tafel gleich 16 dieser Gemälde
abgebildet. Wenn man dann auf den
Internetseiten der Herstellerfirmen
sieht, dass so eine Tafel im Bereich von wenigen hundert € kostet, dann bin
ich immer wieder verwundert. An der nächsten Station, die die Wanderung
erreicht, haben die Kinder wieder etwas zu spielen. An dieser Station hängen
mehrere unterschiedlich lange Holzstücke, an denen man seine musikalische
Begabung erproben kann.
Auf der gegenüberliegenden Wegseite erklärt eine Tafel an einem Laubbaum und
einem Nadelbaum die Stufen eines Waldschadens. Dabei werden die drei
Krankenstände kränkelnd, krank und absterbend mit einer ganzen Reihe an
Erkennungsmerkmalen beschrieben. Zum Glück ist es heutzutage so, dass sich
der Wald wieder erholt, aber das geht leider sehr langsam, sodass wir noch
eine ganze Weile diese unterschiedlichen Zustände im Wald erkennen können.
Wieder gleich in der Nachbarschaft der gerade beschriebenen Tafel befindet
sich der Eisenhübel. Der eigentliche Berg fällt überhaupt nicht auf, da die
ganze Umgebung ziemlich hügelig ist, aber der Zugang zum
Basaltabbau ist als
ein deutlicher Einschnitt zu erkennen. Wenn man wenige Meter nach links in
den Einschnitt hinein geht, dann kann man noch deutlich die sechseckigen
Säulen im Erdreich stecken sehen. Nach ein paar Metern weiter auf dem
Walderlebnispfad Reinhardtsdorf erklärt eine Tafel den Monokultur- Buchen-
bzw. Fichtenwald. Im Sommer 2008 stand auf der linken Wegseite ein Wildzaun
mit einem putzigen kleinen Durchgang (30 cm hoch, 50 cm breit) in Bodenhöhe.
Der Durchgang war sogar mit ein paar Ästen umrandet, das sah richtig lustig
aus. Aber leider stand hier keine Erklärung dabei. Die nächsten Tafeln auf der Wanderung beschäftigen sich mit den
unterschiedlichen Vogelwelten im Sommer und im Winter. Mir war es überhaupt
nicht bewusst, dass so viele Vogelsorten jahreszeitabhängig in unseren
Wäldern herumschwirren. Nachdem vor einigen Stationen die Füße tasten
durften, sind an der nächsten Station die Hände dran. Dazu sind am Wegesrand
einige Kisten mit Öffnungen angebracht, in denen man zum Teil wirklich überraschende Waldgegenstände finden kann. Die Kisten kann man auf der
Vorderseite öffnen und damit kontrollieren, ob das Ertastete mit der
Realität übereinstimmt. Die beiden letzten Informationstafeln auf dieser
Wanderung handeln von der Lebensgemeinschaft in einem Laubmischwald und sind eine
sehr gute Erklärung zum Ökosystem Wald.
Damit ist die Wanderung dann fast
geschafft. Auf den letzten paar Metern vor der asphaltierten Straße passiert
man noch ein einzelnes kleines Waldhäuschen mit dem netten Namen Waldhäusel
Steffi. Nach dem Erreichen der asphaltierten Straße biegt die Wanderung nach
links ab und man erreicht bald den Ausgangspunkt.
Uns hat die Wanderung bzw. bei der Länge spricht man vermutlich eher von
einem Spaziergang riesig viel Spaß gemacht. Sehr erfreulich ist, dass der
Walderlebnispfad Reinhardtsdorf anscheinend immer mal wieder vom Forstamt
Reinhardtsdorf gepflegt und gewartet wird. Alle Stationen sind sehr
informativ und für jede Altersgruppe ist etwas dabei. Komischerweise ist es
hier wie
mit fast allen Lehrpfaden: die Besucher der Sächsischen Schweiz ignorieren
sie und deshalb muss man auch nicht mit riesigen Besuchermassen rechnen.
Anfahrtsbeschreibung:
Es gibt sehr gute Bahnverbindungen nach Bad
Schandau. Man kann von Dresden aus aber auch die S-Bahn nehmen, wenn man
anderswo Übernachten will.
Auto:
Bis Bad Schandau über die B172, am Bahnhof von Bad Schandau nach rechts Richtung Krippen, Reinhardtsdorf und dann Schöna.
Empfohlener Parkplatz:
Reuterhof
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