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Bei
der Beurteilung der Wanderung Gabrielensteigwand haben wir gemogelt. Auch
wenn wir die Wanderung offiziell nur mit zwei Sternen gekennzeichnet haben,
so ist die Wanderung viel besser gewesen. Wir würden entweder
4 oder sogar 5 Sterne geben, aber wir befürchten, damit zu viele Gäste in diese Ecke der
Sächsischen Schweiz zu locken. Jeder Wanderer auf dieser Tour
sollte sich bewusst sein, dass diese Strecke heutzutage nicht mehr gestattet
ist, da Teile der Wanderung durch die Kernzone des Nationalparks Sächsische
Schweiz verlaufen. Wer also von einem Nationalpark-Ranger erwischt wird,
soll bitte nicht uns das Strafmandat schicken.
Der Startpunkt für diese Wanderung liegt im Kirnitzschtal an der
Neumannmühle. Von hier geht es auf der doch ziemlich beliebten Strecke durch
den Großen Zschand. Nach fast 2 Kilometern auf der gelben Wanderwegmarkierung
erreicht man das Zeughaus und damit das Nationalparkinformationshaus und die
Gaststätte.
Beide
sind einen Abstecher wert und komischerweise auch noch zu Zeiten geöffnet,
bei denen wir nicht damit gerechnet hätten. An dem Hang hinter dem
Nationalparkhaus stehen seit einiger Zeit sehr schöne Liegen, von denen
man sehr bequem auf den Großen Teichstein blicken kann. Mit dem Passieren
des Zeughauses wird die gelbe Wanderwegmarkierung verlassen, da es weiter
durch den Großen Zschand gehen soll und man folgt jetzt dem grünen Punkt
.
Ein paar Meter hinter den Gebäuden des Zeughauses passiert man eine große Wiese mit einer offiziellen Feuerstelle im Nationalpark. Obwohl
wird doch schon so einige dieser Stellen entdeckt haben, haben wir
tatsächlich noch nie jemanden bei einem Lagerfeuer gesehen. Vielleicht liegt
das aber auch daran, dass bei so einigermaßen schönem Grillwetter schon die
Waldbrandstufe 1 (geringe Waldbrandgefahr) oder höher erreicht ist und damit
dann das Feuern im Wald verboten ist. Die passende Regel zu den Feuerstellen
heißt immerhin: „Kein Feuer bei Waldbrandstufen!“ Damit würde ich diese
offiziellen Feuerstellen für etwas sehr theoretisches halten, denn den
richtigen praktischen Wert haben diese Einrichtungen dann nicht.
Die Wanderung führt durch den Großen Zschand weiter in die ruhigen
Regionen
der Sächsischen Schweiz. Ungefähr nach einem Kilometer biegt der markierte
Wanderweg nach rechts in die Richter-Schlüchte ab. Am Beginn der Richter- Schlüchte fällt ein uraltes Schild auf der rechten Wegseite auf.
Dieses
Schild scheint schon sehr lange an der Fichte angebracht zu sein, da es
richtig in den Baum bzw. der Baum um das Schild gewachsen ist. Der erste
Kilometer durch den Grund ist sehr angenehm zu wandern, erst kurz vor der
Richtergrotte nimmt die Steigung ordentlich zu und der Untergrund wird
unebener.
Die
Richtergrotte ist eigentlich ein großer Felseinschnitt auf der linken
Wegseite, der erst im Winter richtig toll zur Geltung kommt. Da über die
Felskante ein Minibächlein läuft, entsteht im Winter hier ein richtig langer
Eisfall, der schon ziemlich imposant aussehen kann.
Die
Wanderung führt weiter durch die Richterschlüchte aufwärts. Ungefähr 150
Meter hinter der Richtergrotte biegt der offizielle Wanderweg nach rechts
ab. Ab hier geht es auf dem nicht mehr legalen Weg weiter geradeaus. Ich
gehe seit 1992 in der Sächsischen Schweiz wandern und kenne diese Stelle
noch als legalen Aufstieg zum Großen Winterberg, aber anscheinend hat der
Nationalpark zu große Sorgen, dass sich ein Wanderer auf den historischen
Fremdenweg verirrt. Genau der soll aber das Ziel der Wanderung sein und
deshalb geht es weiter durch die Schlucht aufwärts.
Nach 200 Metern illegalem Aufstieg erreicht man die deutlich sichtbare
Grenze, der man nach links folgt.
Schon
nach wenigen Metern fällt rechts vom Weg (also auf der tschechischen Seite) ein
durchgeforsteter Wald auf. Komisch, der Nationalpark erzählt doch immer, dass
in der Kernzone die Natur in Ruhe gelassen wird und hier haben ein paar
Waldarbeiter die Hälfte aller Bäume niedergemacht. Sehr interessant ist, wie
gut sichtbar der Pfad ausgelatscht ist, aber eigentlich muss einen das auch nicht
wundern, weil es sich immerhin um einen historischen Wanderweg handelt, der
seit mindestens
200
Jahren begangen wird. Auch Götzinger beschreibt 1812 die Stelle des
Fremdenweges bzw. Entenpfützenweges mit den Worten: „…so was noch nie gesehn
und nie geglaubt zu haben, daß so etwas Schönes in der Natur sey.“ Der Weg
an den Grenzsteinen entlang ist sehr angenehm zu wandern und nach 1 ½
Kilometern könnte man theoretisch nach rechts zum Prebischtor abbiegen, aber
praktisch ist heutzutage der rückseitige Zugang so ordentlich verbaut, dass
sich der Abstecher dorthin nicht mehr lohnt. Deshalb wandert man noch ein
Ministück von 150 Metern weiter,
bis
auf der rechten Seite eine unübersehbare Aussicht kommt. Diese Aussicht hat
die Ausmaße und den gleichen Charakter wie die Aussicht bei der Breiten
Kluft in der Nähe der Schrammsteine und wird Kanapee genannt. Als wir die Wanderung unternommen
haben, zogen hier dicke Nebelfelder vorbei und trotzdem war der Blick in die
Landschaft immer mal wieder möglich. Dadurch, dass hier oben außer uns keiner
unterwegs war, konnten wir diesen Anblick richtig lange genießen und es war
ein echter Wohlgenuss.
Die Wanderung folgt weiter der Grenze und nach ½ Kilometer erreicht
man noch eine nette Aussicht,
die
aber nicht mit der letzten mithalten kann. Dafür ist sie kleiner und ein
bisschen zurückgezogener. Von dieser Aussicht hat man aber einen
netten Blick an der Flügelwand entlang bzw. zu den Felsen davon. Die
Wanderung geht von dieser Aussicht noch 150 Meter weiter an der Grenze entlang, um
dann nach links auf einen Pfad abzubiegen. Falls man diesen unscheinbaren
Weg verpasst hat, dann stößt man nach 50 Metern auf den auffälligen
Grenzstein 7/28. Spätestens hier weiß man, dass man 50 Meter zu weit
gelaufen ist und für die weitere Wanderung umkehren sollte. Nachdem man
100 Meter auf dem unscheinbaren Querweg nach links gewandert ist, biegt man
nach rechts ab und hier beginnt der Abstieg.
Komischerweise
ist der Weg nach unten hier in diesem Teil gar nicht so schwierig und das
einzige Störende sind die paar absichtlich in den Weg gefällten Bäume.
Praktisch sind diese Minihindernisse keine echte Behinderung. Nach ¼
Kilometer und 80 Höhenmetern Abstieg wird der Weg ungewöhnlich angenehm und
man kann am Untergrund erkennen, dass hier eine alte Wegbefestigung durch
einen Knüppelweg gelegen hat.
Nach ein paar hundert angenehmen Metern durch die Schwarzen Schlüchte wird
der Weg doch noch mal ziemlich eng, da er von den Seiten von einem jungen Fichtenwald zugewuchert
wird. Der Weg ist aber sehr leicht zu finden, es geht einfach
immer weiter bergabwärts und nach insgesamt einem Kilometer Abstieg stößt
man
ziemlich unvermittelt auf den Weg im Großen Zschand.
Der Weg hier durch den Großen Zschand ist auch seit einigen Jahren gesperrt,
aber eigentlich sieht das eher nach einem Schildbürgersteich aus.
Wer
sich
einerseits die Fußspuren ansieht und andererseits die Ergebnisse der
Zählautomaten (an manchen Tagen sind hier 120 Grenzgänger gezählt worden)
glaubt doch nicht, dass irgendjemand diese seltsamen Verbotsschilder ernst
nimmt. Hier sollten sich die beiden Nationalparks mal ernsthaft fragen, ob
nach der Aufhebung der Grenze bzw. der Einführung des Schengener Abkommens
wirklich auf einer Wegsperrung bestanden werden muss.
Die Wanderung führt jetzt super angenehm den Großen Zschand wieder herunter.
Nach 100 Metern stößt von rechts kommend die Wanderwegmarkierung roter
Strich
auf den Weg und mit ihr geht es leicht abfallend in Richtung Zeughaus.
Im Laufe der nächsten 2 ½ Kilometer passiert man den bekannten Zugang zu den
Richter-Schlüchten und man erreicht das Zeughaus. Hier hat man endlich mal
wieder die Chance einzukehren oder dem Nationalparkhaus den geplanten, aber
noch nicht durchgeführten Besuch abzustatten. Man muss den
Nationalpark-Mitarbeitern ja nicht gerade auf die Nase binden, wo man gerade
wandern gewesen ist. Vielleicht wären die Leute dann doch etwas sauer.
Für das letzte Stück der Wanderung geht es auf dem bekannten Weg durch den
Großen Zschand bis zum Ausgangspunkt der Wanderung. Nur zwischendurch
wechselt dann noch einmal die Wanderwegmarkierung auf den gelben Strich
.
Am Ende des Großen Zschand erreicht man den Parkplatz und damit auch das
Technische Denkmal Neumannmühle(www.neumann-muehle.de).
Da der Eintritt nur einen symbolischen Betrag kostet, empfehlen wir, dort
einen kurzen Zwischenstopp einzulegen, da es doch ganz interessant ist, wie
früher gesägt und Holzschliff erzeugt wurde.
Damit ist eine sehr nette Wanderung zu Ende gegangen, die einen ganz
gravierenden Nachteil hat: Sie ist nicht mehr legal zu begehen und deshalb
eigentlich nicht mehr zu empfehlen.
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