Eigentlich schaue ich mir immer, wenn wir
uns in der Sächsischen Schweiz aufhalten, den Veranstaltungskalender an. Da
aber im November normalerweise keine Veranstaltungen mehr stattfinden, habe
ich diesen Blick diesmal weggelassen und hätte damit beinahe eine
lohnenswerte Wanderführung verpasst. Zum Glück gibt es gleich mehrere
Mitmenschen, die für mich mitdenken und so bin ich doch auf die folgende
Beschreibung auf der Webseite des Nationalparks (www.nationalpark-saechsische-schweiz.de)
gestoßen:
Wegegebot im Nationalpark
In Zusammenarbeit mit den Wander- und Bergsportverbänden wurde eine
Wegekonzeption für den Nationalpark erarbeitet. Nicht jedem sind die
Hintergründe und Zusammenhänge dieser Regelungen bekannt. Vielfach wird
auch Unverständnis gezeigt. Wer mehr über die getroffenen Vereinbarungen
erfahren möchte und spezielle Fragen hat, sollte sich diese Wanderung im
Kleinen Zschand nicht entgehen lassen.
Zeitdauer: ca. 5 Stunden
Besonderes: Trittsicherheit erforderlich
Durchführung: Andreas Knaak und Frank R. Richter
Preis: kostenfrei
Treffpunkt: Kirnitzschtal, Parkplatz Neumannmühle (D)
Uhrzeit: Samstag 05.11.2011 (10:00)
Einerseits empfiehlt es sich natürlich, diese Runde mit den
professionellen Nationalparkrangern zu unternehmen, andererseits ist sie aber auch so
schön, dass man sie auf eigene Faust unternehmen kann. Dann bekommt man zwar
nicht so viel zum Nationalpark erzählt, aber dafür kann man sich die Zeit
selber einteilen.
Zum vereinbarten Termin war ich vollkommen überrascht, wie viele
Teilnehmer mit auf die Wanderung gehen wollten, aber vermutlich lag es auch
einfach daran, dass so viele Mitglieder der neuen Interessengemeinschaft
"Stiegen- und Wanderfreunde" (www.sandsteinwandern.de)
dabei waren. Auf den geführten Wanderungen, die ich bisher mitgemacht
habe, waren maximal 8 Teilnehmer dabei. Auf dieser Runde waren es zumindest
auf den ersten paar Kilometern gut 25 - 30 Wanderer. Der Startpunkt war also
an der Neumannmühle und von hier ging es in den Großen Zschand hinein. Diese
ersten paar Meter sind mit dem gelben Strich
gekennzeichnet. Am Zugang zu den Spitzsteinschlüchten, nach 100 Metern, war
dann auch schon der erste Stopp, an dem die beiden Ranger sich und den
ungefähren Verlauf der Wanderung vorgestellt haben. Durch die
Spitzsteinschlüchte ging
es
dann auch so einigermaßen angenehm aufwärts bis zum Fuße der beiden
Lorenzsteine. Am Konradfels (der ulkiger Weise durch die ersten
Kletterversuche eines Sohnemanns den Namen erhielt) war der nächste
Zwischenstopp, um die Meute wieder zusammen zu bekommen und ein paar
grundsätzliche Dinge über den Nationalpark und die unterschiedlichen Zonen
zu erfahren.
Von den Spitzsteinschlüchten bog die Wanderung also nach links auf den
Knorreweg ab, um auf diesem gut ausgebauten Forstweg ½ Kilometer zu
wandern. Hier wurde der nächste Zwischenstopp eingelegt, um einerseits die
breiten Forsttrassen mit ihren tiefen Spuren und den eigentlichen Waldumbau
zu erklären. Ein sehr interessanten Punkt dabei war, wie ich fand, dass die
Forstarbeiten in Lohnarbeit vergeben werden und den ausführenden Firmen es
vollkommen egal ist, wie vorsichtig mit der Natur umgegangen wird. Höchstens
die Hauptwanderwege werden schnell wieder hergerichtet, aber in den
einzelnen Waldbereichen können schon mal gewaltige Harvesterspuren übrig
bleiben. Aber selbst an solchen tiefen Spuren kann ein Ranger noch etwas
Positives entdecken, da sich in ihnen, im Gegensatz zum Nadelwaldboden,
Pfützen und damit Leben bilden kann.
Der Knorreweg endet auf der Zeughausstraße, auf der für 150 Meter nach rechts
weiter gewandert wird. Im Gegensatz zu den bisher begangenen Wegen ist die
Zeughausstraße schon eine ganz andere Klasse. Nach den besagten
150 Metern biegt die Wanderung nach links auf einen viel angenehmeren
Waldweg ab. Der Weg steigt in Richtung der Bärenfangwände an und auf der
Höhe des Felsens Wartburg wurde der nächste Stopp eingelegt. Das Thema dieses
Halts war, dass der Nationalpark bzw. die Förster eine Wegsicherungspflicht
haben und damit so mancher Baum gefällt werden muss, auch wenn man
eigentlich den Wald in Ruhe lassen möchte. Es wurden auch gleich zwei Beispiele
genannt, etwa das einer Frau, die zu Schaden gekommen war,
aber zum Glück (für den Nationalpark) konnte nachgewiesen werden, dass der Weg gerade eine Woche
vorher begutachtet worden war und der zweite Fall war ein Schadensfall beim
Abstieg in der Häntzschelstiege. Dieser Fall hatte zwar nicht direkt mit dem
Wald zu tun, aber mit der Wegesicherung und den Aufgaben des Nationalparks.
An den Bärenfangwänden angekommen, geht es nach rechts den nächsten ½
Kilometer auf der Wanderwegmarkierung roter Strich
weiter,
bis
nach links der Pfad zur Marienhöhle abbiegt. Dieser Aufstieg ist mit dem
grünen Pfeil für einen Bergpfad gekennzeichnet und es sah schon ganz lustig
aus, wie die gesamte Gruppe im Gänsemarsch bis zur riesigen Marienhöhle hoch
wanderte. An der Marienhöhle machte die gesamte Gruppe Rast und es
entstanden ein
paar
sehr interessante Gespräche. Obwohl ich schon einige Jahre in der
Sächsischen Schweiz wandern gehe, war mir z.B. nicht bewusst, dass ich im
Bereich außerhalb der Kernzone alle sichtbaren Wege und Pfade und in der
Kernzone jeden markierten (inklusive den Kletterzugängen) Weg benutzen darf.
Nachdem sich fast alle mit der Standard-Wanderrastnahrung, einem Knacker,
gestärkt hatten, ging es noch ein kurzes Stückchen den Hang hinauf, um dann
nach rechts auf den gehackten Weg abzubiegen. Diesem Weg folgt die Wanderung
½ Kilometer, bis der Waldweg, der hier nur noch mit dem schwarzen
Pfeil (Kletterzugang) gekennzeichnet ist, durch quer gefällte
Bäume versperrt ist. Hier wurde der nächste Halt eingelegt und erklärt,
warum
gerade dieser Weg gesperrt worden ist. Der Grund soll ein kleines
Rückzugsgebiet für die Natur sein. Dieses Gebiet befindet sich in der
Schlucht Försters Loch und hat ungefähr die Abmessungen ½ Kilometer x ¾
Kilometer. Leider führen zwei uralte historische Wege durch dieses Gebiet und
so wählt doch noch so mancher Wanderer den schönen Aufstieg.
Natürlich steuerte die geführte Wanderung nicht dort entlang, sondern
bog nach rechts auf den Kletterzugang ab. Sehr überraschend war, dass der
Pfad auf das Bärenhorn tatsächlich mit dem schwarzen Pfeil gekennzeichnet,
aber nicht auf der Wanderkarte von Rolf Böhm eingezeichnet war.
Zum
Glück war Rolf auch mit bei der Wandergruppe dabei und sofort wurde ein
Hinweis in seine Skizzenkarte eingetragen. Sehr unterhaltsam war die kleine
Klettereinlage von dem oberen Felsplateau auf das darunterliegende
Felsenband. Irgendwie ist an der Stelle, oder war es schon ein paar Meter
davor beim Überqueren der ½ Meter Felsspalte, ein Teil der Gruppe verloren
gekommen. Herr Richter hat aber auf jeden Fall alle übrig gebliebenen
Teilnehmer spitzenmäßig mal mit Worten oder auch einer Fußführung den
Abstieg erleichtert. Für mich war die große Überraschung, dass sich dann auf
dem Felsenband die riesige Siebenschläferboofe befand. Die Boofe
unterteilt sich tatsächlich in zwei ziemlich große Räume und hat eine sehr
interessante Geschichte.
So
sollen sich zwei junge Männer am Ende des 2. Weltkrieges hier vor ihrer
Einberufung versteckt haben. In der Zeit bis zur Auflösung der Boofe durch
den Nationalpark war sogar eine Art Außenwand aus Baumstämmen vorhanden.
Neben der Boofe befindet sich eine horizontale Felsspalte, die hässlicherweise
heutzutage als Müllschlucker benutzt wird. Der Müll verschwindet aber leider
nicht wie in einem Müllschlucker und so sieht es überhaupt nicht schön aus.
Hier halten sich anscheinend einige Besucher nicht an die Regel, dass
eine Boofe in einem sauberen Zustand verlassen wird, wie man sie angetroffen
hat.
Von der Boofe geht es auf die knapp darüber liegende Aussichtsebene,
die
durch die vielen Felsspalten
ganz besonders interessant aussieht. Die
Felsspalten sind alle nicht besonders breit (< 50 Zentimeter), aber dafür
ordentlich tief (mindestens 5 Meter). Von der Aussicht kann man sehr schön
auf den Kleinen Winterberg, den Beginn des Heringslochs, das Felsental der
Hinteren Sächsischen Schweiz und die gegenüberliegenden Felswände blicken.
Alleine für diese beeindruckende Aussicht hätte sich die Wanderung gelohnt,
aber
netterweise kamen ja noch ein paar interessante Informationen und ein
abwechslungsreicher Weg dazu. Von dem Bärenhorn geht es auf der der Boofe
gegenüberliegenden Seite abwärts. Die Hindernisse bei diesem
Abstieg waren eine schmalere Felsspalte und herbstliches Laub auf dem
steilen Pfad. Trotzdem haben es alle mit mehr oder weniger guten
Haltungsnoten geschafft und am Felsfuß gab es dann auch den letzten Stopp.
Hier wurde noch mal das Thema Boofen und die Geschichte der Siebenschläferboofe erklärt.
Danach startete der eigentliche Rückweg zum Ausgangspunkt über die
Wanderwegmarkierung
roter
Strich
bzw. nach ¼ Kilometer grüner Strich
.
Der Weg durch den Quenengrund und den Kleinen Zschand wurde noch reichlich
zum Gedankenaustausch über z.B. empfehlenswerte Wanderwege oder GPS Geräte
genutzt. Da im Herbst 2011 die Kirnitzschtalstraße vollständig durch
Baumaßnahmen gesperrt war, konnten die letzten paar Meter bis zum
Ausgangspunkt durch das Tal absolviert werden. Wenn denn der Straßenverkehr
wieder stärker wird, dann bietet sich hier der Pfad auf dem Flößersteig bis
zum Ausgangspunkt an.
Diese geführte Wanderung hat mir und auch den restlichen Teilnehmern ganz
hervorragend gefallen. Ich war überrascht, dass die beiden Ranger uns
ausgerechnet zu einer heute verbotenen Boofe geführt haben, aber gerade das
machte diese Wanderung besonders reizvoll. Der Auf- und Abstieg auf
das Bärenhorn und die Aussicht von dem Stein hat die Wanderung ein wenig
spannend gestaltet und das eigentliche Ziel der Wanderung, das
Wegekonzept des Nationalparks zu erklären, wurde aus meiner Sicht
vollständig erreicht.
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