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Die
Wanderung zum Zschandborn ist dadurch entstanden, dass ich mal wieder mit
dem Finger auf der Landkarte (Großer Zschand von Dr. Böhm
www.boehmwanderkarten.de) herumgefahren bin und den Eintrag von der
Quelle gefunden habe. Komisch, ich kenne den Großen Zschand ganz gut, aber
dass es hier auch eine namensgleiche Quelle geben soll, war mir unbekannt.
Ganz besonders seltsam erschien mir das, weil eigentlich erst im unteren
Teil, ungefähr ab dem Zeughaus, überhaupt ein Bachlauf zu sehen ist. Also
musste das gleich mal mit einer Wanderung erforscht werden.
Als Wanderzeitpunkt habe ich einen Nachmittag im Sommer 2010 gewählt. Am
Vormittag hatte es noch in Strömen gegossen, aber ab Mittag sollte es laut
Wettervorhersage aufklaren und so ging es von der Neumannmühle in den Großen
Zschand hinein. Das erste Stück durch die relativ enge Schlucht ist mit der
Wanderwegmarkierung gelber Strich
gekennzeichnet. Normalerweise ist diese Schlucht durch ihr kaltes
Kellerklima besonders auffällig, aber nach den Regenschauern am Vormittag
strömte von allen möglichen und unmöglichen Seiten Wasser herunter. Gleich
neben dem Fahrweg plätscherten diese Wassermassen weiter runter in Richtung
Kirnitzsch. Das sah sehr interessant aus, war aber auch ein Vorgeschmack
darauf, was bei dem August-2010-Hochwasser passiert ist.
Bei
Regenwetter ist der Weg durch den Großen Zschand ein ziemlich trostloses
Unterfangen und hier fing ich schon auf den ersten Metern an, mein Vorhaben,
den Zschandborn zu erkunden, zu bezweifeln. Aber eigentlich war es warm und
so bin ich weiter bergauf gewandert. Auf der gesamten Strecke bis hoch zum
Zeughaus begegneten mir nur zwei Nationalparkranger in ihrem Geländewagen.
Dabei musste ich natürlich schmunzeln, da ich mir nicht ganz so sicher war,
ob die Quelle nicht sogar irgendwie im Bereich der Kernzone liegt. Wenn die
Jungs aber schon aus dem Tal herausfahren, ist die Wahrscheinlichkeit doch
ziemlich gering, dass man noch von einem der Aufpasser ermahnt wird.
Seit dem Jahre 2010 ist am Zeughaus auch eine neue Informationsstelle des
Nationalparks Sächsische Schweiz eingerichtet und da es immer noch regnete,
habe ich gleich mal einen Zwischenstopp hier eingelegt.
Komischerweise
befanden sich in dem Nationalparkhaus mehr Wanderer, als ich auf der
restlichen Wanderung getroffen habe. In dem einzigen Raum dieses Hauses wird
ein sehr gut gemachter Film zur historischen Jagdnutzung über einen Zeitraum
von mehreren Jahrhunderten gezeigt. Dabei wird in dem Film mit echten
Menschen immer wieder eine gezeichnete Person eingeblendet, die an der
Konversation teilnimmt. Bis jetzt war ich von wirklich jedem der
Nationalparkhäuser begeistert und auch in diesem Fall ist es wieder so. In
den einzelnen Häusern ist der Nationalpark immer wieder sehr gut in der
Lage, seine Anliegen herüberzubringen.
Als ich wieder aus der Informationsstelle herausgetreten bin, hatte es
tatsächlich aufgehört zu regnen und so bin ich frohen Mutes weiter in den Großen
Zschand gewandert. Schon nach ganz wenigen Metern passiert die Wanderung die
Gaststätte mit dem netten Biergarten und dann geht es weiter im Tal des
Großen Zschands. Ab dem Zeughaus hat die Wanderwegmarkierung auf den roten
Strich
gewechselt. Noch im Bereich des Zeughauses passiert man einen der offiziellen
Feuerplätze und dann wird die Wanderung wunderbar ruhig. Wenn einem vorher
noch Wanderer begegnet sind, dann ist das im hintersten Teil des Großen
Zschand eine echte Seltenheit. Zwischendurch biegen die Wanderwege nach
links zu den Thorwalder Wänden und nach rechts in die Richter- und
Weberschlüchte ab. Ungefähr einen Kilometer hinter den Weberschlüchten
erreicht die Wanderung eine schmale Wiese im Großen Zschand. Das ist
ziemlich ungewöhnlich, da sonst in dem Tal die Bäume immer bis an den Weg
stehen.
Nachdem man ca. 300 Meter an der Wiese entlang
gewandert ist, stehen ein paar einzelne Bäume wie eine Insel in der Wiese.
Genau
vor diesen Bäumen geht ein deutlich sichtbarer Pfad nach rechts den Hang
hinauf. Wenn man den Pfad gefunden hat, dann ist es sehr einfach, da man
diesem jetzt
nur weiter aufwärts folgen muss. Nach 160 Metern bzw. 60
Höhenmetern erreicht man eine Felswand, die schon fast wie ein Kessel
ausgeprägt ist.
Geradeaus
geht der Pfad aber trotzdem ganz leicht weiter und auf einmal liegt der
Zschandborn vor einem. Die Quelle ist mit einem Abfluss und einer Inschrift
ausgestattet und so sollte man die Stelle ziemlich einfach finden. Aus der
Quelle treten nicht gerade riesige Wassermassen aus, aber ein Rinnsal ist
deutlich zu erkennen.
Für den weiteren Weg würde ich empfehlen, noch ein kleines Stück aufzusteigen
und dann nach links um den Bergfreundschaftskegel und entlang der Auerhahnwand zu
wandern. Noch bevor der Pfad hinter der Auerhahnwand in einem wilden
Zickzack aufwärts geht, steigt man wieder nach unten ab. Auch hier führt ein
Pfad abwärts, der aber von oben schwieriger zu erkennen ist. Praktisch
gesehen ist es aber auch gar nicht so schwierig, den Abstieg zu finden, da
es einfach nur die nächste Schlucht hinter dem Zschandborn abwärts geht. Der
Abstieg ist genauso einfach wie der Aufstieg beim Zschandborn und man
erreicht wenige Meter neben dem Zugang zur Zschandbornschlucht wieder den
Großen Zschand bzw. den breiten Weg. Die Wanderung geht weiter nach rechts
auf der bekannten roten Markierung
durch den Großen Zschand. Nach einem Ministück verlässt der markierte Weg
das Tal und biegt nach links ab. Früher konnte man geradeaus bis zum
Prebischtor weiter wandern, aber seltsamerweise ist nach der Grenzöffnung
dieser Weg verboten worden. Komisch, überall werden die Grenzen löchriger,
aber hier werden unter dem Deckmantel Naturschutz jahrhundertealte Wege
gesperrt.
Aber das sollte für diese Wanderung auch überhaupt kein Problem sein, da es
jetzt in Richtung Hickelhöhle hoch geht.
Der
Aufstieg bis zu dieser riesigen Höhle ist ziemlich angenehm und auch relativ
schnell geschafft.
Bei
der Hickelhöhle finde ich es immer wieder äußerst unterhaltsam, welche
riesigen Mengen Buchenblätter sich in dem Höhlenbogen sammeln.
Seltsamerweise machen in der Höhle auch immer wieder irgendwelche Wanderer
Rast. Ich kann mir das überhaupt nicht erklären, da die Höhle zwar
schön ist, aber man kann sich nirgendwo ordentlich hinsetzen und eine
Aussicht gibt es auch nicht.
Die Wanderung führt jetzt ein ganzes Stück anstrengender über die
Thorwalder Wände. Dazu steigt man die Treppen gleich neben der Höhle hoch
und, nachdem man die Thorwalder Wände überquert hat, geht es auf der
gegenüberliegenden Seite wieder herunter. Sehr komisch kann es schon sein,
wenn
man bei feuchtwarmem Wetter über die Thorwalder Wände kriecht. Dann kann es
tatsächlich so sein, dass auf der einen Seite klares Wetter ist und auf der
gegenüberliegenden Seite eine richtige Waschküche. So ist es mir jetzt schon
mehrere Male ergangen und diesmal war der Nebel auf der Seite mit dem
Abstieg. Trotzdem lässt sich die riesige Felsnase an der ersten größeren
Felswand ganz hervorragend erkennen. Ich schätze mal, dass die Nase noch
größer ist als die der Freiheitsstatue.
Der Abstieg erfolgt zuerst über einige Stufen, dann nimmt aber das Gefälle
ab und spätestens in den Pechschlüchten ist es ein sehr angenehmer Wanderweg.
Am Ende des Abstiegs erreicht die Wanderung den Stinnersdorfer Weg, den man
nach links noch leicht abfallend für ½ Kilometer verfolgt. Hier ist
der Wanderweg super angenehm zu gehen und nur ganz selten trifft man in
dieser Region auch andere Wanderer. Das wird aber noch extremer, wenn man
nach dem besagten ½ Kilometer nach links auf den Matthiasbergweg abbiegt.
Dieser steil ansteigende Waldweg wird von Wanderern nur ganz selten
begangen. Die Steigung ist zwar steil, da aber auch Fahrzeuge dort
hochfahren können, geht es noch so gerade. Nachdem der Matthiasberg
überquert wurde, geht es auf der gegenüberliegenden Seite wieder herunter,
bis der Waldweg auf einem gut ausgebauten Forstweg endet.
Dabei handelt es sich um den Hinteren Thorwaldweg, der nach links weiter
verfolgt wird.
Schon
nach wenigen Metern erreicht man auf der linken Wegseite eine weitere
Quelle.
Dabei
handelt es sich um die Thorwaldquelle, die ein bisschen stärker als die
Zschandquelle sprudelt. Ganz lustig ist die Tasse unter dem Ablauf. Dieses
stabile Steingutding steht schon seit einigen Jahren hier und sieht immer
noch nagelneu aus. Auch wenn der Teich vor der Quelle nicht gerade den
klarsten Eindruck macht, so ist das Wasser aus der Quelle ziemlich
erfrischend.
Die Wanderung führt noch ungefähr 200 Meter weiter auf dem Hinteren Thorwaldweg, bis eine relativ große Wildwiese erreicht wird. Hier biegt die
Wanderung nach rechts ab und es geht einmal auf die andere Seite der Wiese.
Besonders auffällig an der Wiese ist, dass in der Mitte ein paar Fichten
stehen, die aber für den besseren Überblick in der unteren Hälfte keine Äste
haben. Neben diesen paar Bäumen geht es leicht ansteigend auf die andere
Seite der Wiese. Auch wenn es im ersten Moment nicht so aussieht, so geht
hier aber doch ein Waldweg weiter.
Die Wanderung geht auf der Rückseite der Thorwalder Wände bzw. dem
Auerhahnstein sehr angenehm entlang, man muss nur
wenige Höhenmeter absolvieren. Ungefähr 400 Meter hinter der Wildwiese passiert man
eine kleinere Senke, in der der Wanderweg auf der gegenüberliegenden Seite
weiter geht. Nach links würde man sonst auf die Thorwalder Wände hoch
wandern, was anscheinend doch ein paar Leute unternehmen, nach rechts würde
man ins Kirnitzschtal geführt. Das soll aber erst viel später wieder
betreten werden.
Zwischendurch passiert die Wanderung eine Kreuzung, an der nach rechts ein
Waldweg mit dichtem Grasbewuchs abzweigt. Es geht aber geradeaus weiter.
Nach etwas weniger als einem Kilometer (hinter der Senke) endet der
Wanderweg auf einem breiten Waldweg. Hier könnte man nach links zum Zeughaus
abbiegen oder nach rechts in Richtung Teichstein bzw. Flügel E. Da ich
ganz sicher nicht den gleichen Weg zurück gehen möchte, geht es nach rechts
weiter. Der gut ausgebaute Waldweg führt einmal um den unauffälligen Hochhübel herum. Bei diesem Berg auf der linken Wegseite handelt es sich um
einen Basaltberg, der aber durch seine fehlende Aussicht ein vollkommen
langweiliger Hügel ist. Wenige Meter, bevor man den Saupsdorfer Weg erreicht,
fällt eine ganz komische Streckenführung auf. Eigentlich müsste man
geradeaus den Hang (ca. 150 Meter) hinunter wandern, aber irgendwie ist hier
der Waldweg absichtlich verschandelt worden, sodass man dazu gebracht werden
soll, einen Bogen nach rechts zu wandern. Auf jeden Fall muss man zu der
Kreuzung der beiden breiten Forstwege und dort geht es auf dem, der
keine Wanderwegmarkierung hat, weiter. Der Weg ist sehr angenehm
zu wandern und passiert schon nach ¼ Kilometer eine weitere Wildwiese
mit einem dieser super stabilen Hochsitze. Noch ein paar Meter weiter
erreicht man einen weiteren markierten Wanderweg (grüner Strich und
Malerweg), der aber nur überquert wird.
Da
die Wanderung bis hierhin noch keinerlei Aussicht hatte, dieses aber zu
einer ordentlichen Wanderung dazugehört, geht es gleich mal auf den
Teichstein. Der Teichstein ist ein überraschend langer Felsen, der jetzt bis
zur Vorderseite entlang gewandert wird. Im Gegensatz zu vielen
Aussichtszugängen ist der Pfad schon ein bisschen anspruchsvoller, da es
doch ziemlich hoch und runter geht und auch zwischendurch ein steilerer
Anstieg enthalten ist. Bei diesem Anstieg hilft aber eine Kette am Felsen,
an der man sich ganz gut festhalten kann. Die Aussicht von der Vorderseite
ist ziemlich gut und es macht immer wieder Spaß, dem Treiben unten beim
Zeughaus zuzusehen.
Für die weitere Wanderung muss man wieder zurück über den Teichstein bis zum
markierten Wanderweg gehen. Hier folgt man nach links dem gut ausgebauten
Flügel E. Wer auch immer auf diesen einfallsreichen Namen gekommen ist, aber
vielleicht hängt es einfach damit zusammen, dass der Weg auch nicht gerade ein besonders erwähnenswerter ist. Nach einem ¾ Kilometer
biegt nach links ein leicht ansteigender Waldweg ab. Hier sieht man immer
irgendwelche Fahrzeugspuren, da sich schon nach wenigen Metern einerseits
eine Wildwiese mit einem Hochsitz befindet und außerdem in dem Waldstück
ein Forschungsgelände untergebracht ist. Man könnte dem Waldweg einfach nur
folgen und würde nach ein paar hundert Metern wieder auf dem Flügel E
landen. Dann würde aber ein langweiliges Stück über diesen Forstweg kommen
und deshalb wird der Waldweg gleich am Ende der Wildwiese am Hochsitz nach
links verlassen. Dieser unscheinbare Waldweg steigt noch ein Stück leicht an
und geht südlich des Neunstelligen Hübels entlang. Komisch, obwohl ich sehr
gerne im Bereich des Großen Zschands wandere, ist mir bis dahin dieser Weg
noch nicht aufgefallen. Er ist sehr angenehm ruhig und man kommt ohne
sonderliche Schlenker vom Teichstein runter in den Großen Zschand.
Zwischendurch
überquert man noch einen Waldweg mit einer gut erhaltenen Salzlecke und dann
steht man auf einmal am Ende des Flügel E. Hier muss man noch ein paar Meter
weiter nach links wandern und schon ist der Beginn der Engstelle des Großen
Zschand erreicht. Nach dem letzten Kilometer durch den Großen Zschand
(bekannte gelbe Wanderwegmarkierung
)
abwärts ist man am Ausgangspunkt der Wanderung angekommen.
Damit ist eine Erkundungstour zum Zschandborn zu Ende gegangen, bei der es
mal wieder deutlich zu sehen war, dass die Sächsische Schweiz auch nach ein
paar hundert Wanderungen immer noch Geheimnisse enthält, die es wert sind,
entdeckt zu werden.
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