Balzhütte

Abstimmung:
unsere Bewertung::
positivpositivpositivpositivnegativ
Karte:
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Dauer:
ca. 6,00 h
Entfernung:
ca. 22,50 km
Höhenunterschied:
ca. 726 Meter
beste Reisezeit:
nicht an langen Wochenenden
Schwierigkeitsgrad:
lang
viele Höhenmeter
Untergrund:
Forstweg und asphaltiert Wanderweg und Pfad Treppen
empfohlene Karten:
Böhmische Schweiz;
Rolf Böhm Kartographischer Verlag
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Dittersbach - Stammbrückental - gelber Strich - blauer Strich - Balzhütte - Jungferntanne - Jankenwaldweg - grüner Strich - Hinterdittersbach - Böhmerstraße - Müllergrund - roter Strich - Kleines Prebischtor - Hohenleipaer Raubschloss - Hohenleipaer Straße - Jubiläumsweg - Golischt - grüner Strich - Dittersbach

Beschreibung:

Nachdem ich mit der Wanderung Rudolfstein festgestellt hatte, wie schön die Gegend nördlich von Jetřichovice (Dittersbach) ist, sollte es diesmal eine größere Runde werden. Die Runde, wie ich sie gelaufen bin und jetzt hier beschreibe, ist ziemlich genau so auch in dem erstklassigen Wanderführer Böhmische Schweiz von Dr. Rölke (www.bergverlag-roelke.de) beschrieben. Die Wanderung startet im Zentrum von Jetřichovice (Dittersbach). Hier befindet sich gleich eine ganze Ansammlung von Parkplätzen. Es gibt den einen offiziellen Parkplatz rechts neben der Kirche und noch eine ganze Ansammlung im Bereich vor dem Kindererholungsheim bzw. den Gaststätten. Von allen Ausgangspunkten geht es auf jeden Fall nach links auf der Wanderwegmarkierung Kindererholungsheims_in_Dittersbach_kleingelber Strich gelber Strich aus der Ortschaft heraus. Nach wenigen Metern erreicht man das riesige Gelände des Kindererholungsheims mit dem prächtigen Gebäude. Im Gegensatz zur Wanderung Rudolfstein geht es diesmal aber rechts an dem Grundstück entlang, weiterhin auf dem markierten Weg. Die Wanderung passiert noch ein paar kleinere Hütten, die rechts hinten im Grundstück des Kindererholungsheim stehen und dann geht es ins Harový dùl (Stammbrückental) hinaus. Nach wenigen Metern kann man auf der linken Wegseite die deutlichen Spuren des Waldbrandes im Sommer 2006 sehen. Im Jahre 2008 konnte man schon wieder die ersten kleinen Pflänzchen erkennen, die als Pionierpflanzen den Vorreiter für einen neuen Wald spielen. Bis aber diese Narbe wieder zugewachsen ist, werden noch einige Jahre vergehen. Auch wenn es hier durch einen Grund geht, so steigt der Weg mit der Zeit an und erreicht kurz vor der Balzhütte den höchsten Punkt der Wanderung. Hier wechselt man auch auf die Wanderwegmarkierung blauer Strich blauer Strich und folgt dieser Markierung nach links.
Balzhuette_Restaurant_kleinObwohl die Balzhütte ein ganzes Stück von der nächsten Parkmöglichkeit bzw. Zivilisation entfernt ist, ist hier an schönen Tagen schon einiges los. Dass die Balzhütte so weit von jeglichen Ortschaften entfernt ist, liegt an der Geschichte der Siedlung. Im Ursprung ist hier ein Rastplatz für Jäger des Fürsten Kinsky gewesen. In den Wäldern um die Balzhütte wurde Jagd auf Waldvögel und insbesondere auf balzende Auerhähne betrieben und daraus resultiert auch der Name. Schwimmbad_Balzhuette_kleinHeutzutage befindet sich hier eine Gaststätte mit relativ angenehmen Preisen und lädt zum Verweilen ein. Was mir persönlich gut gefällt, ist die Farbe der Gebäude. Dadurch, dass die vier Gebäude schwarz gestrichen sind, passen sie sich ganz gut in den Wald ein und wirken nicht wie ein störender Farbklecks in der Natur. Der einzige leuchtende Farbklecks in diesem Bereich ist das blau gestrichene Schwimmbecken, welches aber nur sichtbar wird, wenn man links auf den Felsen hochsteigt. In den Kopf des Felsen ist eine richtige große Wanne für ein Schwimmbecken eingebaut. Auf dem markierten Weg wird die Siedlung nun wieder verlassen.
Jetzt beginnt ein längeres Stück Waldwanderung, das mit einer überraschenden Ruhe aufwartet. Hubertusbuche_kleinDer gut ausgebaute Waldweg schlängelt sich am Felsfuß der Hohen Wand entlang und ist sehr angenehm zu wandern. Hubertusbuche_Gemaelde_kleinNach etwas mehr als 2 Kilometern auf diesem Weg steht auf der rechten Wegseite die Hubertusbuche mit einem Gemälde in ca. 4 Meter Höhe. Auf dem Bild ist deutlich zu sehen, dass genau diese Buche dort gemalt ist. Das Gemälde der Hubertusbuche (buk sv. huberta) ist mit sehr kräftigen Farben gemalt und sieht so aus, als wenn es entweder in der letzten Zeit erst erstellt oder restauriert wurde. Die Wanderung geht weiter auf dem blau markierten Wanderweg bis zur sogenannten Jungferntanne. Im Bereich dieser Wegkreuzung soll in weit vergangenen Zeiten ein Mädchen vor einem Jäger bei einem Köhler Unterschlupf gefunden haben. Zum Andenken daran soll an der Tanne ein Bildnis gehangen haben, aber leider hat sich das Bild in Luft aufgelöst. Genauso geht es den vielen mächtigen Tannen, die in dieser Ecke der Böhmischen Schweiz gestanden haben sollen. Vielleicht ist der Köhler dran schuld gewesen.
Die Wanderung verlässt die blaue Markierung und biegt nach links auf die grüne Markierung grüner Strich ab. Auch dieser Weg führt ziemlich einsam durch den Wald und spätestens hier weiß man, dass es gut ist, wenn man keine Kinder mit bei der Wanderung dabei hat. So ein Weg, der einfach nur durch den ruhigen Wald führt, ist überhaupt nicht das richtige für das wandernde Jungvolk. Selbst mir wurde dieses Teilstück schon ein wenig langweilig, da ich diese Wanderung alleine unternommen hatte. Auf dem Stück ging mir schon durch den Kopf, mit wie viel Sternchen ich die Wanderung bewerten wollte und das Ergebnis war nicht wirklich positiv, aber es sollte noch anders kommen. Was die Meinung zu dieser Wanderung hier noch verschlechterte, war, dass mich ein übelster Regenschauer erwischt hatte und jetzt noch ein körperliches Unwohlsein dazu kam. Nach einer Strecke von 3 Kilometern erreicht man die Kirnitzsch bzw. den Grenzübergang rüber nach Hinterhermsdorf. Hier hat bis nach dem 2. Weltkrieg die Ortschaft Zadní Jetřichovice (Hinterdittersbach) gestanden. Es gibt einige Webseiten (z.B. www.hinterdittersbach.de), auf denen alte Bilder dieser Siedlung zu sehen sind. Anscheinend haben hier unten im Kirnitzschtal bis kurz nach dem 2. Weltkrieg 7 größere Häuser gestanden. Im Ursprung ist sogar die Planung gewesen, dass die Kirnitzschtalbahn bis hier hinten fahren sollte. Das wäre dann eine Straßenbahnstrecke von insgesamt 20 Kilometer geworden und damit das dreifache von der heutigen Strecke. Ob diese Ausbaustufe der hinteren Sächsischen Schweiz gut getan hätte, bezweifele ich, zumindest wären damit die Besucherzahlen im hinteren Kirnitzschtal viel höher geworden. Bis 1945 führte die Böhmerstraße quer zwischen den Häusern hindurch und außerdem kreuzten sich hier gleich mehrere Wanderwege, so dass früher in diesem tiefen Tal weitaus mehr Betrieb geherrscht hat als jetzt. Heutzutage kann man von dieser ehemaligen Siedlung nur noch kleine unauffällige Spuren erkennen.
Von hier geht es auf den Rückweg. Die nächsten paar Meter vom Grenzübergang wieder zurück ins Böhmische sind weiterhin mit dem grünen Strich markiert. Nach einer Strecke von einem ¾ Kilometer biegt der markierte Wanderweg nach rechts ab, die Wanderung bleibt aber noch ein kleines Stück auf dem breiten Weg im Tal. Teich_am_Muellergrund_kleinDie nächsten 400 Meter geht es auf dem Waldweg, der auch als einer der gut ausgebauten Radwege markiert ist, weiter, bis gegenüber des Tümpels der Mlýnská rokle (Müllergrund) abbiegt. Eine kleine Schranke dient zur Besucherlenkung, vermutlich soll aber nur verhindert werden, dass durch den Grund Radfahrer oder andere Fahrzeuge fahren. Es ist aber erlaubt, die Strecke zu Fuß zu bewältigen und wirklich lohnenswert. Muellergrund_aufwaerts_kleinDer Mlýnská rokle (Müllergrund) ist ein wunderbar natürlicher Weg mit einer extremen Ruhe. Auf der linken Wegseite befinden sich gleich einige Brücken, die zwar so gebaut sind, als wenn hier Forstfahrzeuge drüber fahren sollten, aber inzwischen sehen die Brücken eher so aus, dass man auch als Fußgänger lieber außen herum geht. Seitental_Muellergrund_kleinAber die Wanderung führt sowieso nur den Mlýnská rokle (Müllergrund) weiter aufwärts. Auf der rechten Seite zweigen mehrere romantische Gründe ab, die aber auch alle so aussehen, als wenn sie ins Nichts führen. Der Weg durch den Grund steigt kaum merklich 100 Höhenmeter an, bis wieder ein markierter Wanderweg erreicht wird. Dieser roten Wanderwegmarkierung roter Strich folgt man nach links. Hier erreicht man nach ein paar Metern einen asphaltierten Waldweg. Warum auch immer dieser Waldweg so luxuriös ausgebaut ist, auf jeden Fall führt er leicht ansteigend bis zum Kleinen Prebischtor. Das Kleine Prebischtor ist sehr leicht auf der rechten Seite zu erreichen und es ist im Gegensatz zum Großen Prebischtor sogar erlaubt, oben auf den Felsbogen drauf zu steigen.
Von hier geht es weiter, jetzt aber abwärts, auf der roten Wanderwegmarkierung zum nächsten Ziel, dem Hohenleipaer Raubschloss. Dieses Raubschloss auf dem Saunstein ist immer wieder einen Aufstieg wert. Die einzigen beiden Gründe dagegen wären besonders große Besuchermassen, die im schmalen Aufstieg fest hängen, oder dichter Nebel. Zu allen anderen Zeiten sollte man unbedingt durch die Felsspalte auf den Felsen hoch kraxeln. Vom Saunstein geht es weiter den Berg hinunter, bis zur alten Hohenleipaer Straße bzw. später wechselt der Straßenname in Böhmerstraße. Die Wanderung folgt dieser Straße nach links, weiterhin mit der roten Wanderwegmarkierung. Heutzutage ist die Straße für den Verkehr gesperrt, aber man kann deutlich dem Untergrund ansehen, dass es sich früher um eine normale Verbindungsstraße gehandelt hat. Dieser Straße folgt man ein kleines bisschen mehr als 1 Kilometer, um dann mit der Wanderwegmarkierung nach rechts abzuzweigen. Jetzt geht es noch die ersten paar Meter auf einem angenehmen Waldweg entlang, der aber bald über ein paar ausgewaschene Stufen aufwärts strebt. Der Aufstieg wird aber bald belohnt, da es am Fuße des Koliště (Golischt) über den Jubiläumsweg mit einer sehr netten Aussicht entlang geht. Nach einer Strecke von 1 ½ Kilometern verlässt die Wanderung die rote Wanderwegmarkierung und biegt nach rechts auf die grüne Markierung grüner Strich ab. Jetzt kommt das letzte Stück der Wanderung und dazu muss man natürlich wieder den Hang absteigen. Dieses erfolgt über einen sehr angenehmen Forstweg, an dem man deutlich erkennen kann, dass es relativ viel Arbeit war ihn anzulegen. Nachdem man fast im Tal angekommen ist, wandert man ein paar Meter über einen Waldweg mit einer richtig hohen Sandschicht, die von den Forstfahrzeugen immer mal wieder umgepflügt wird. Kurz hinter diesem großen Sandkasten müssen die letzten 10 Höhenmeter überwunden werden und dann erreicht man eine Marienfelsen_von_unten_kleingroße Wiese mit einem sehr guten Blick von unten auf den Mariina skála (Marienfelsen). Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie die Hütte auf diesen Felsen gebaut wurde. Die Wanderung erreicht die Ortschaft Jetřichovice (Dittersbach) wieder am Kindererholungsheim und damit ist eine ganz nette Runde zu Ende gegangen. Das erste Stück war durch den riesig langen Waldweg ein wenig langweilig (zumindest Besucher der Sächsischen Schweiz sind solche langen Waldwege ohne Aussicht nicht gewohnt), aber dafür wurde das zweite Stück umso besser und damit ist dann doch noch eine richtig hochwertige Wanderung entstanden.

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