Bielhorn

Abstimmung:
unsere Bewertung::
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Karte:
PDF:

Dauer:
ca. 3,25 h
Entfernung:
ca. 10,00 km
Höhenunterschied:
ca. 390 Meter
beste Reisezeit:
eigentlich immer
Schwierigkeitsgrad:
leicht
Untergrund:
Forstweg und asphaltiert Wanderweg und Pfad Treppen
empfohlene Karten:
Nationalpark Böhmische Schweiz;
Nationalpark Böhmische Schweiz
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Jonsdorf - gelber Strich - Bielhorn - ehemaliges Gasanstalt - Herrnskretschen - gelber Strich - Elisalexfelsen - Jonsdorf

Beschreibung:

Auch wenn ich schon häufiger auf Karten der Böhmischen Schweiz die Aussicht oberhalb von Hřensko (Herrnskretschen) gesehen habe, kam mir nie die Idee, mal dorthin zu gehen. Nachdem aber das Stiegenbuch zur Böhmischen Schweiz im Heimatbuchverlag (www.heimatbuchverlag.de) herauskam und dort das Bielhorn auch erwähnt wurde, musste doch mal eine Erkundungstour unternommen werden. Kleine_Kapelle_Janov_kleinDer Startpunkt liegt in Janov (Jonsdorf) am Golfplatz. Hier befinden sich an dem Altersheim bzw. der Stadtverwaltung einige Parkplätze, die perfekt als Startpunkt funktionieren. Kleine_Kapelle_Janov_Innenseite_kleinVon dort geht es erstmal bis zur Hauptstraße zurück. Dabei passiert man eine nette Sandsteinplastik von zwei Kindern, die hier vor einem ziemlich heruntergekommenen Haus steht. An der Kreuzung mit der Hauptstraße befindet sich die frisch sanierte Kapelle Johannes des Täufers. Hier geht es nach rechts auf der Hauptstraße weiter. Der Verkehr hält sich sehr in Grenzen und ist nicht besonders unangenehm. Nach 100 Metern biegt nach rechts die Wanderwegmarkierung gelber Strich gelber Strich ab. Die ersten paar Meter führen noch durch bebautes Gebiet und dann geht es in einem Bogen um den Golfplatz. Es ist immer wieder interessant, den Golfspielern zuzusehen und selbst wenn keine Kinder mit bei der Wanderung dabei sind, reizt es, nach einem Golfball außerhalb des Golfplatzes zu suchen.
Nachdem man ¼ Kilometer zwischen dem Golfplatz und dem Wald entlang gewandert ist, biegt die Wanderung an der ersten Möglichkeit links in den Wald ab. Hier wandert man 100 Meter in den Wald, um dann wiederum nach links abzubiegen. Der Waldweg ist sehr gut zu erkennen und verläuft ziemlich parallel zum Waldrand. Nach 400 Metern kommt die einzige schwierige Stelle auf der Wanderung. Hier geht es nach rechts den Hang hinunter. Der Weg geradeaus sieht wirklich verführerisch schön aus, aber leider endet er nach etwas weniger als ½ Kilometer im Nichts. Spätestens dann müsste man (wie wir es angestellt haben) kreuz und quer über den Hang absteigen. Deshalb ist es sinnvoller, hier schon den Weg hinunter zu gehen. Nach ein paar hundert Metern leichtem Abstieg erreicht man eine Wegkreuzung, auf der es nach links auf gleichbleibender Höhe weiter geht. Der Weg ist ein Pfad, der aber gut zu riesiges_Rohr_Jonsdorf_kleinerkennen und leicht zu wandern ist. Nach etwas mehr als einem Kilometer wird der Pfad nach links im spitzen Winkel verlassen. Bunker_bei_Jonsdorf_Bielhorn_kleinDie Stelle kann man kaum übersehen, da genau vor einem ein mächtiges Rohr am Hang den Weg versperrt. Der Waldweg steigt durch seine Schräge angenehm an und nach ¼ Kilometer erreicht man eine kleinere Wiese. Hier geht es nach rechts weiter und schon nach ganz wenigen Metern fällt ein ungewöhnlicher Fremdkörper im Wald auf. Hier steht einer der vielen Bunker der Schöberlinie knapp neben dem Waldweg. Diese Ungetüme werden noch viele Jahrhunderte dort verrotten und an einen wirklich schlechten Teil der Geschichte erinnern.
Die Wanderung geht über einen gut sichtbaren Pfad auf dem Grat in Richtung Bielhorn. Knapp vor der Aussicht fällt auf der linken Seite ein mächtiges Geländer auf, das hinunter zur Fahrstraße führt. Blick_vom_Bielhorn_auf_Herrnskretschen_kleinZuerst geht es aber bis vor zu Aussicht. Das Bielhorn ist ein wirklich schöner Platz, von dem man hinunter auf den Trubel von Hřensko (Herrnskretschen) blickt, dabei aber hier oben in angenehmer Ruhe sitzt. Die Aussicht am Bielhorn besteht aus einem Rastplatz mit einer Bank und einem gepflegten Geländer. Auffällig an der Aussicht sind Bügel am Felsen, an denen man sehr gut erkennen kann, dass hier früher ein massives Geländer gestanden hat und rechts neben der eigentlichen Aussicht noch ein weiterer Felsen mit Aussicht vorhanden ist.
Jetzt geht es den Zickzackweg mit dem gewaltigen Geländer abwärts. Der Abstieg ist ziemlich schnell geschafft und dann steht man auf der Straße zwischen Janov (Jonsdorf) und Hřensko (Herrnskretschen). deutscher_Grabstein_oberhalb_Herrnskretschen_kleinHier befinden sich gleich einige interessante Stellen. Zuallererst fällt natürlich der Friedhof auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf. Dieser Friedhof war über Jahrzehnte zugewuchert und einfach in Vergessenheit geraten, aber netterweise wurde er Johann_Christoph_Hiebel_Bilder_kleinAnfang 2014 komplett freigeschnitten und damit hat man wieder einen freien Blick über die Gräber. Zunächst soll die Wanderung aber ein paar Meter nach links die Straße hoch gehen. Knapp oberhalb der kleinen Kapelle sind in der linken Felswand die verschnörkelten Initialen JG und die Jahreszahl 1883 mit den Buchstaben LR zu entdecken. Auch wenn diese Jahreszahl schon relativ alt ist, so gibt es nur ganz wenige Meter weiter unter dem Felsüberhang die noch viel ältere Jahreszahl 1737. Die Stelle ist gleich mit vier Gemälden und Ornamenten geschmückt und durch die Inschrift „Johann Christoph Hiebel Anno 1737“ gekennzeichnet. Johann Hiebel (geboren 1681 in Ottobeuren, gestorben 15.06.1755 in Prag) war Kirchenmaler und hat einige Kirchen in Tschechien mit Wand- und Deckengemälden verschönert. Ganz besonders viele Gemälde hat Herr Hiebel in der Jesuitenkirche Maria von Litoměřice (Leitmeritz) erstellt.
Von dieser Stelle wandert man die Straße wieder abwärts. Zuerst passiert man natürlich wieder den Friedhof und dann erreicht man in der nächsten Kurve Baenke_Unteres_Bielhorn_kleindas Untere Bielhorn. Dort fallen die beiden großen steinernen Bänke und die große Gedenksäule auf. Das Denkmal sollte eigentlich an die Opfer des Ersten Weltkrieges erinnern, aber hier sind die ursprünglichen Tafeln verloren gekommen. Von dem massiven Sandsteingeländer hat man einen sehr netten Blick in das Tal von Hřensko (Herrnskretschen) und den Bachlauf der Kamenice (Kamnitz). Es ist schon ganz schön faszinierend, dass dieses Mini- Bächlein aus dem gewaltigen Bachbett ausbrechen und den größten Teil der Ortschaft überfluten kann. Das kann man sehr gut auf der Informationstafel neben der linken Bank erkennen.
Kapelle_oberhalb_Herrnskretschen_kleinDie Wanderung führt wieder auf der Straße ein paar Meter hoch bis zu dem kleinen Parkplatz bzw. der Treppe zum Friedhof. Von den meisten Gräbern sind nur noch die Umrandungen vorhanden, aber auch ein paar Grabsteine stehen und liegen herum. Die Familiennamen, die wir mehrmals auf den Grabsteinen gelesen haben, sind Richter, Fischer und Ettrich. Der Weg über den Friedhof endet auf einem Waldweg mit großen Sandsteinplatten. Auch wenn eigentlich die Wanderung bergab gehen sollte, so weckt eine sehr gut erhaltene Kapelle oberhalb des Friedhofes das Interesse. Wir glauben, dass die Kapelle aus einer späteren Zeit als der Friedhof stammt, da ihr Zustand viel besser ist, aber seltsamerweise kann man keinerlei Namen lesen. Sehr ungewöhnlich ist auch, dass die massive Platte auf der Gruft immer noch unbeschadet aussieht.
Die Wanderung steigt nach diesem überraschenden Platz weiter hinunter ins Tal. Ziemlich am Ende Haus_zur_Acetylenherstellung_Herrnskretschen_kleindes Grundes erreicht man ein sehr ungewöhnliches Gebäude. In dem Komplex wurde Anfang des 20. Jahrhundert Acetylen für die Beleuchtung hergestellt. Dabei wurde Calciumcarbid und Wasser gemischt und daraus entstand das sehr explosive Gas. Damit die Bevölkerung nicht schon bei der Produktion gefährdet wurde, hatte man damals dieses ungewöhnliche Haus in der Schlucht errichtet. Die Beleuchtung ist natürlich durch Strom ersetzt worden und so kann man das Gebäude heutzutage als Ferienhaus mieten. Ganz schön lustig sehen die ganzen Trolle aus, die aus allen möglichen und unmöglichen Felsspalten vor dem Haus herausblicken.
Die Wanderung führt die paar Meter bis zur Hauptstraße in Hřensko (Herrnskretschen) hinunter. Hier geht es nach links das Tal der Kamenice (Kamnitz) abwärts. Die Straße rechts vom Bachlauf ist viel interessanter, da dort so einige Restaurants und Verkaufsstände ihre Waren anbieten. Die Straße endet an der Elbe und hier geht man ganz wenige Meter nach links bis zum Ende der Verkaufsstände (ca. 50 Meter). Dort steigt eine hölzerne Treppe aus dem Elbtal hinaus. Obwohl er ein gekennzeichneter Wanderweg gelber Strich ist, ist der Pfad ist im Sommer häufig ziemlich zugewuchert, aber normalerweise kommt man trotzdem ganz gut aufwärts. Blick_Elbeabwaerts_vom_Elisalexfelsen_kleinNach ein paar hundert Metern Wanderweg und 35 Höhenmetern Blick_vom_Elisalexfelsen_ins_Kamnitztal_kleinerreicht man den Elisalexfelsen, auf dem mal eine Burg in Planung war. Eigentlich ist es wirklich schade, dass vor der Realisierung das Geld knapp geworden ist, aber so darf wenigsten jeder die Aussicht auf die Elbe und das Treiben in Hřensko (Herrnskretschen) genießen. Der Platz ist ganz hervorragend geeignet, nach den ersten paar Höhenmetern eine Verschnaufpause einzulegen. Auch ist es ganz lustig, die Aussicht auf dem Bielhorn zu suchen. Der Platz müsste eigentlich von hier zu sehen sein, aber in der Praxis versteckt er sich ganz hervorragend.
Danach geht es weiter auf der gelben Wanderwegmarkierung. Hinter der Aussicht verläuft der Weg zuerst noch ein kurzes Stück auf dem verwachsenen Pfad, aber dann geht es immer angenehmer weiter in Richtung Janov (Jonsdorf). tolle_Flaschenbruecke_Jonsdorf_kleinZwischendurch passiert man an einer Wegkreuzung einen der historischen Wegweiser, der ganz bestimmt schon so manches miterlebt hat. So steht auch hier knapp oberhalb der Sandsteinsäule wieder mal einer der Bunker am Hang. Der Wald wird mit zunehmender Nähe zur Ortschaft lichter und der Wanderweg wird breiter. Gleich am Ortsrand steht zwischen ein paar hohen Bäumen der Grundkörper einer Windmühle,  aus der, nachdem sie lange als Ruine herumstand, jemand ein sehr ansehnliches Gebäude gemacht hat. Gleich neben der Windmühle befindet sich ein Teich, der mindestens im Sommer mit einer super interessanten Brückenkonstruktion ausgestattet wird. Die Brücke bzw. der Steg führt quer über den Teich und erhält seinen Auftrieb aus ganz vielen Plastikflaschen. Diese Konstruktion haben wir jetzt schon im zweiten Jahr gesehen und zumindest an heißen Sommertagen ist sie ein willkommener Spielplatz für Kinder.
Die gelbe Wanderwegmarkierung erreicht die Hauptstraße ziemlich in der Mitte des Orts und hier geht es nach rechts auf dem bekannten Weg bis zum Ausgangspunkt. Es war mal wieder ziemlich überraschend, dass man nach so vielen Wanderungen in der Sächsischen bzw. Böhmischen Schweiz noch so einen netten Platz wie das Bielhorn und so interessante Stellen wie den deutschen Friedhof entdecken kann. Das einzige wirklich Schwierige an der Runde ist, den Weg zwischen dem Golfplatz und dem Gratweg zu finden. Hier sollte man sich wirklich nicht von dem schicken Weg am Waldrand verführen lassen, sondern wie erwähnt den Abstieg nehmen.

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