Brandführung

Abstimmung:
unsere Bewertung::
positivpositivpositivnegativnegativ
Karte:
PDF:

Dauer:
ca. 7,00 h
Entfernung:
ca. 12,50 km
Höhenunterschied:
ca. 270 Meter
beste Reisezeit:
eigentlich immer
Schwierigkeitsgrad:
Spaziergang
leicht
Untergrund:
Forstweg
Wanderweg und Pfad
empfohlene Karten:
Brand – Hohnstein;
Rolf Böhm Kartographischer Verlag
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Parkplatz Hockstein - Hocksteinweg - blauer Strich - Hockstein - Polenztal - Schindergraben - Hohnstein - grüner Strich - Gautschgrotte - Halbenweg - Steinbruch - Räumichtweg - Brandstraße - blauer Strich - Brand - Aussicht Hafersäcke - roter Strich - Brandstraße - Schulzengrund - Waltersdorfer Mühle - Polenztal - roter Punkt - Polenztalweg - Frinzthalmühle

Beschreibung:

Hier beschreibe ich erstmals eine von zertifizierten Nationalparkführern durchgeführte Wanderung. Ich war einfach mal neugierig, wie diese ihre Wanderungen organisieren. Hierbei muss man aber zwei Nationalparkführertypen unterscheiden. Es gibt die Nationalparkwacht, die beim Nationalpark Sächsische Schweiz angestellt ist und ihre Führungen kostenlos anbietet, und es gibt die ausgebildeten Nationalparkführer, die sehr viele Führungen im Bereich der Sächsischen Schweiz anbieten und als Selbstständige unterwegs sind. Welche Führungen angeboten werden und wie viel sie kosten, kann man der Internetseite des Nationalparks (www.nationalpark-saechsische-schweiz.de) entnehmen. Genau über diese Internetseite habe ich mir dann auch diese Führung herausgesucht. Den Abend vorher habe ich mich unter der angebenden Telefonnummer bei der Nationalparkführerin angemeldet. Hier gab es die ersten zwei erfreulichen Überraschungen. Einerseits wurde die Wanderung von zwei Nationalparkführern begleitet und zweitens wurden einige Teilnehmer mit dem Privatwagen der Nationalparkführer abgeholt. Burg_Hohnstein_vom_Hockstein_aus_kleinDa es sich um eine Streckenwanderung handelte, waren mehrere Autos notwendig, damit auch irgendwie der Hin- und Hertransport funktionierte. Der vereinbarte Termin wurde äußerst genau eingehalten und so ging es in einem kleinen Autokonvoi von drei Fahrzeugen zum Endpunkt. Hier haben wir ein Auto stehen gelassen und sind weiter zum Ausgangspunkt der Wanderung an der Hocksteinschänke gefahren. Hier haben sich mir die beiden Nationalparkführer kurz vorgestellt. Den restlichen Teilnehmern der Führung brauchten sich die beiden nicht mehr vorstellen, da sie schon die ganze Woche mit ihnen unterwegs waren. Es waren Irina und Holger Natusch aus Dresden (www.iodnatusch.com).
Vom Parkplatz gingen wir bis zum Hockstein. Kurz vor dem Hockstein gab es auf der kleinen steinernen Brücke, der Teufelsbrücke, die erste ausführliche Erklärung dazu und dass diese auf mehreren Bildern von Malern in der Sächsischen Schweiz zu sehen ist. Nach wenigen weiteren Wandermetern erreichten wir dann die Hocksteinaussicht. Hier wies Hr. Natusch auf das kleine in den Felsen geritzte Muehlespiel_auf_Hockstein_kleinMühlespiel hin. Ich habe dieses Brettspiel auch schon mehrere Male gesehen und immer gedacht, dass es eine andere Variante von normalen Spuren der Touristen ist. Aber da habe ich wohl falsch gelegen. Es kann sich auch um ein 600 Jahre altes Überbleibsel der Burgwarte Hockstein handeln. Hier haben anscheinend die Wachen auch noch andere Beschäftigungen verfolgt, als das Tal zu bewachen. Ganz genau weiß man es aber nicht. Vom Hockstein ging es durch die Wolfsschlucht runter ins Polenztal. Diese Schlucht soll dem Librettisten Kind des Freischütz als Inspiration zur Wolfsschluchtszene gedient haben. Obwohl unsere gesamte Gruppe nur 7 Leute umfasste, zog sich der Abstieg doch ziemlich in die Länge. Kein Wunder, denn die enge Wolfsschlucht bietet doch fürs Auge und die anderen Sinne so viele Eindrücke von „schön bis schaurig“, so dass die entgegenkommende Gruppe sich in Geduld üben musste.
Im Polenztal sind wir ein kurzes Stück bachabwärts bis zum Schindergraben gewandert und dann durch diese Schlucht wieder aus dem Tal heraus gestiegen. Am Ende der Schlucht erfolgte eine ausführliche Erklärung zum ehemaligen Bärengarten und der Gedenktafel für Wilhelm Leberecht Götzinger. Kurz oberhalb der Gedenktafel erreichten wir den Weg, der sich oberhalb des Polenztales entlang schlängelt. Diesem sind wir dann nach rechts in Richtung Brandaussicht gefolgt. Nach ein paar Metern auf dem Weg haben wir noch einen Abstecher zur Gautschgrotte unternommen. Diese Schichtfugenhöhle ist ganz besonders interessant im Winter, wenn sich durch das kleine Rinnsal ein mächtiger Eiszapfen bildet. An ähnlichen Eisbildungen nahe Hohnsteins können sich dann die ganz besonders mutigen Kletterer im Eisklettern übern. Auch in der Grotte fiel mal wieder ein Spezialgebiet von Hr. Natusch auf. Er kennt sich gut mit allen möglichen alten Inschriften an Felsen in der Sächsischen Schweiz aus. In der Gautschgrotte war einmal eine Tafel angebracht, die aber leider verloren gegangen ist. Ihre Umrisse sind aber auch heute noch sehr deutlich zu sehen und genau auf solche Sachen hat Hr. Natusch auf der gesamten Führung sehr nett hingewiesen. Auf dem weiteren Weg von der Gautschgrotte in Richtung Brandaussicht sind solche Mengen an größeren und kleineren Inschriften in den Felsen zu sehen, dass ich wirklich sprachlos war. Zum Teil sind es Inschriften in Form eines Namens und einer Jahreszahl, dazu würde man heute sehr wahrscheinlich Inschrift_E_Simchen_1901_kleinGraffiti sagen, oder es sind richtig ausführliche Inschriften, die an irgend etwas Besonderes erinnern sollen. So befindet sich eine Inschrift auf einem Felsen, der gleich neben dem Weg liegt, die nur einen Namen (E. Simchen) und die Jahreszahl (1901) enthält. Eine weitere Inschrift befindet sich auf der linken Seite in einem Irina_und_Holger_Natusch_Inschrift_kleinFelsendurchbruch. Auch diese Inschrift ist nur eine Name, diesmal aber von einer russischen Stadt, ich glaube es war Wolgograd. Weiter ging es auf dem Weg mit der grünen Wegmarkierung grüner Strich immer in gleich bleibender Höhe in Richtung Brandaussicht. Erst als wir die Brandstraße erreicht haben, sind wir nach rechts abgebogen und bis vor zur Brandaussicht weiter gegangen. Hier hatten wir das riesige Glück, dass kaum ein anderer Wanderer da war und wir gleich zwei Tische in Beschlag nehmen konnten. Von der Brandaussicht haben wir den Ausblick bei herrlichem Sonnenschein und einem leckeren Eis genossen. So kann man sehr gut verstehen, warum diese Aussicht auch noch den Beinamen „Balkon der Sächsischen Schweiz“ trägt. Hoch interessant war die Information, dass ab dem Frühjahr 2007 hier oben eine weitere Informationsstelle des Nationalparks Sächsische Schweiz öffnet. Heutzutage fällt schon der sanierte Zustand des Gebäudes auf. Was dem gegenüber leider noch ein bisschen fehlt. Schade, dass die jetzigen Pächter der Gaststätte ihren sehr freundlichen Service einstellen. Es soll aber schon ein Nachfolger in den Startlöchern stehen. Hoffentlich ist er auch so freundlich wie die jungen Leute, die bis jetzt die Gaststätte betrieben haben.
Von der Brandaussicht sind wir noch kurz zur Hafersackaussicht gegangen. Diese Aussicht ist, wenn man von der Brandaussicht kommt, rechts zu finden. Hier hat man einen prächtigen Blick auf den Tiefen Grund. Von der Aussicht ging es dann wieder das kleine Stück bis zur Brandstraße zurück. Die Brandstraße haben wir dann ungefähr 250 Meter bis zur Abzweigung in den Baumstumpf_Schulzengrund_kleinSchulzengrund verfolgt. Der Abstieg durch den Schulzengrund ist mit dem roten Strich roter Strich markiert und gehört für mich zu einem der schönsten Wege. Man hat zwar keine Aussicht, was bei einem Grund nicht wirklich ungewöhnlich ist, aber dafür sieht er genau so aus, wie ich mir eine Kernzone im Nationalpark vorstelle. Hier ist die Natur sich wirklich selber überlassen worden. Es liegen und stehen mächtige Buchen kreuz und quer herum. Das sieht wirklich toll aus und hier kann man sich sehr gut vorstellen, wie ein Urwald entsteht (falls man in Westeuropa überhaupt von Urwald sprechen kann). Wenn man sich einen von den umgefallenen Riesen näher ansieht, dann entdeckt man Tausende von kleinen Löchern. Hier haben die Holzwürmer angefangen, die erste sichtbare Zersetzung des Baumes zu beginnen. Ich fand es sehr überzeugend, was ich mal von einem Nationalparkranger gehört habe, dass ein Baum nach seinem Tod mit dem zweiten Leben anfängt. Das kann man im Schulzengrund sehr schön sehen. Über so einen Baum machen sich Tausende von Tieren und natürlich auch einige Pflanzen bzw. Pilze her und damit bietet der tote Baum dann noch eine weitere Lebensgrundlage. Der Abstieg von der Brandebene durch den Schulzengrund ist durch ein geringes Gefälle sehr angenehm. Am Ende des Grundes erreicht man das Polenztal in der Nähe der alten Waltersdorfer Mühle. Früher soll die Waltersdorfer Mühle ein äußerst beliebtes Ausflugslokal gewesen sein. In den letzten Jahren ist das Anwesen ziemlich heruntergekommen, aber erfreulicherweise kann man jetzt (2006) wieder Sanierungstätigkeiten und mindestens am Wochenende einen kleinen Gaststättenbetrieb erkennen. Die Floessrechen_im_Polenztal_kleinletzten 3 Kilometer der Führung gingen an der linken Bachseite der Polenz entlang. Kurz vor dem Parkplatz an der Frinzthalmühle haben wir noch einen kleinen seitlichen Abstecher zum Fangrechen gemacht. Wanderergruppe_Fangrechen_kleinHier war gerade ein ganz seltsamer Bagger damit beschäftigt, im Flussbett und neben dem Fangrechen herumzuwurschteln. Wie ich jetzt im Nachhinein gelernt habe, handelt es sich bei diesem Bagger um einen so genannten Schreitbagger, der mit einer gewaltigen Geländegängigkeit aufwartet. Die letzten paar Meter bis zum Parkplatz haben wir in aller Ruhe absolviert und damit war die Führung dann auch zu Ende. Jetzt mussten nur noch die beiden Autos am Ausgangspunkt wieder abgeholt werden und damit war eine sehr informative Runde abgeschlossen. Es hat sehr viel Spaß gemacht, mit den beiden Nationalparkführern Irina und Holger Natusch zu gehen, und obwohl die Runde viel länger gedauert hat als zum Anfang angegeben, so ist sie an keiner Stelle langweilig gewesen. Jetzt verstehe ich auch, warum die restlichen Teilnehmer schon eine ganze Woche mit den beiden unterwegs waren.

    Anreise:

    Öffentlicher Nahverkehr:
    Anreise mit Bus bis zur Haltestelle Hocksteinschänke mit dem VVO-Navigator
    Auto:
    Empfohlener Parkplatz: Hockstein

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