Gründe bei Wehlen

Abstimmung:
unsere Bewertung::
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Karte:
PDF:

Dauer:
ca. 4,50 h
Entfernung:
ca. 10,50 km
Höhenunterschied:
ca. 320 Meter
beste Reisezeit:
eigentlich immer
Schwierigkeitsgrad:
leicht
Untergrund:
Forstweg und asphaltiert Wanderweg und Pfad Treppen
Klettern
empfohlene Karten:
Die Bastei;
Rolf Böhm Kartographischer Verlag
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Stadt Wehlen - Wehlener Grund - roter Punkt - Frendschaftstein - Uttewalder Grund - grüner Strich - Uttewalder Felsentor - Schleifgrund - Großer Sandberg - Wolfsbergweg - Basteistraße - gelber Strich - Wehlstraße - Steinernen Tisch - grüner Strich - Griesgrund - Haldenweg - Schwarzbergweg - Elbe - Mennickestraße - Stadt Wehlen

Beschreibung:

Ich finde es immer wieder sehr interessant, Wanderungen auch mit den offiziellen Nationalparkführern zu unternehmen. Obwohl ich eigentlich davon ausgehe, dass ich die Sächsische Schweiz schon ganz gut kenne, ist bis jetzt jede Wanderung eine Bereicherung gewesen und ich habe immer neue Sachen gelernt. Hoch interessant ist auch, dass jeder der Nationalparkführer einen anderen Schwerpunkt legt und es sich damit auch immer wieder lohnt, eine Runde mit einem unbekannten Führer zu unternehmen.
Auf der Internetseite des Nationalparks Sächsische Schweiz (www.nationalpark-saechsische-schweiz.de) wird/wurde eine Turnuswanderung mit folgendem Text beworben:

Freitag – Wehlener Gründe – es führt Sie Ralf Schmädicke in den Gründen bei Wehlen
Treffpunkt: Stadt Wehlen, Touristinfo am Marktplatz
Uhrzeit:10:30 Uhr
Dauer: ca. 5 h, leichte Tour, die individuell verlängert werden kann
Kosten: 6,00€ Erwachsene, 3,00€ Kinder bis 12 Jahre
Anmeldung: Für diese Wanderung müssen Sie sich nicht anmelden, sondern einfach zum angegebenen Treffpunkt pünktlich erscheinen.

Also habe ich mich zum bekannten Treffpunkt begeben und Herr Schmädicke war schon anwesend. Blöderweise war ich tatsächlich der einzige Teilnehmer an dieser Wanderung. Für mich war es natürlich sehr angenehm, so an einer exklusiven Führung teilzunehmen, aber für den Nationalparkführer ist es nicht so richtig effektiv. Obwohl ich es sehr gut verstehen würde, wenn eine Mindestteilnehmerzahl (z.B. mindestens 3 oder 5 Erwachsene) verlangt würde, hat bis heute jeder Nationalparkführer die Wanderung auch mit wirklich armseligen Besucherzahlen durchgeführt. Dieses ist eine nachträgliche Schilderung der geführten Wanderung, die man zwar auch nach dieser Beschreibung wandern könnte, aber eigentlich sollte man sie besser mit Herrn Schmädicke unternehmen. Er liefert bei weitem mehr Informationen, als mir in diesem Bericht möglich ist.
Die ersten paar Meter erfolgten schräg über den Marktplatz. In der Ecke, in der sich normalerweise das leere Bachbett des Wehlener Grundes befindet, haben wir an einer Hochwassermarke den ersten Zwischenstopp eingelegt. Auch wenn man eigentlich das Gefühl hat, dass die Elbe-Hochwasser in den letzten Jahren zugenommen haben, ist auf dieser Skala eine Häufung im 19. Jahrhundert zu erkennen. Die Elbe ist aber auch nur eine der Gefahren durch Hochwasser. Die zweite, unscheinbarere Gefahr kommt aus den Gründen oberhalb von Stadt Wehlen. Dass aus diesen Schluchten gewaltige Wassermassen kommen können, entdeckt man auf den nächsten Metern der Wanderung. Es geht auf der Wanderwegmarkierung roter Punkt roter Punkt in Richtung des Wehlener Grundes. Links neben dem Wanderweg befindet sich der tiefe und breite Graben, um die Wassermassen aufzunehmen. Eigentlich ist nie ein Tropfen in dem Bachbett zu sehen, aber immer mal wieder kommt es durch Gewitter und Starkregen zu großen Wassermengen. Ganz extrem ist es im August 2010 gewesen und dabei sind das Bachbett und ein paar Teile der Stützmauer sehr in Mitleidenschaft gezogen worden.
Gleich am Abzweig nach rechts hoch zum Steinrückenweg gab es den nächsten Zwischenstopp. neuer_und_alter_Wegweiser_kleinHier stehen ein alter und ein neuer Wegweiser nebeneinander, die Herr Schmädicke zum Anlass nahm, ein bisschen zum Tourismus von früher und heute zu erklären. Zum Schmunzeln haben uns die gewöhnungsbedürftigen Abkürzungen auf den neuen Schildern gebracht: Ghs = Gasthaus und AP = Aussichtspunkt. Wenn man es einmal weiß, dann ist es verständlich, aber so mancher Wanderer hat bestimmt schon gerätselt, was das denn bedeuten soll.
Nachdem wir das bewohnte Gebiet von Stadt Wehlen verlassen hatten, ging es weiter durch den Wehlener Grund. Die weiteren Gesprächsthemen waren der neue Malerweg, das ungewöhnliche Klima in den Gründen und die unterschiedlichsten Felsinschriften. Das Thema mit den Inschriften kann man auch sehr schön am Freundschaftsstein erkennen. Hier sind wir auch ein kurzes Stück (200 Meter) in den Zscherregrund hineingewandert. Auch auf diesen 200 Metern lassen sich einige Inschriften entdecken. So kann man z.B. einmal die Jahreszahl 1797 und einen großen Vogel mit Trauben, dem Wort Moldova und die Jahreszahl 1990 entdecken. So etwas lädt natürlich zum Spekulieren ein.
Wenige Meter hinter dieser Inschrift zweigt nach rechts eine Schlucht ab. Obwohl ich schon einige Zugang_Broschegrund_kleinMale durch den Zscherregrund gewandert bin und auch diesen tiefen Einschnitt gesehen habe, bin ich noch nie hineingegangen. Diesen kurzen Abstecher haben wir auf der Wanderung unternommen und festgestellt, dass man hier wunderbare Ruhe in einer verwunschenen Schlucht findet. Der Felseinschnitt heißt Broschengrund oder manchmal wird er auch Nickels Grund genannt. Insgesamt kann man nur wenige Meter in die Schlucht hineinwandern, dann stehen die Felswände schon direkt senkrecht neben einem und nach vorne macht es auch den Eindruck, dass es nicht weiter geht.
Also geht es wieder zurück in den breiten Zscherregrund und hier zurück bis zum Freundschaftsstein. Die Wanderung biegt nach rechts in den Uttewalder Grund und damit auf die Wanderwegmarkierung grüner Strich grüner Strich ab. Schon nach ein paar hundert Metern (500 Metern) erreicht man die Gaststätte Waldidylle, in der man nett einkehren kann. Auf der der Gaststätte gegenüberliegenden Wegseite befindet sich ein kleineres Gebäude mit ein paar Erklärungen zum historischen Malerweg. Auf diesen Tafeln kann man erkennen, dass der historische Malerweg in den größten Teilen dem heutigen Malerweg entspricht. Nur der Weg auf der linken Elbeseite ist bei dem historischen Malerweg nicht enthalten, dafür das Prebischtor.
Einer der wichtigsten Punkte bei beiden Uttewalder_Felsentor_von_vorne_kleinMalerwegen ist das Uttewalder Felsentor und genau dieses wird als nächstes auf der Wanderung angesteuert. Dazu geht es von der Gaststätte weiter in den hinteren Teil des Uttewalder Grundes. Das Felsentor ist ziemlich schnell erreicht und es sieht schon sehr interessant aus, wie dieser Felsklotz in die Schlucht gestürzt und so hängen geblieben ist, dass man darunter durchgehen kann. Diese Stelle ist ziemlich häufig von Malern dargestellt worden und ein wirklich schöner Platz in der Felsenlandschaft der Sächsischen Schweiz.
Spätestens wenn man das Felsentor passiert hat, wird es im Uttewalder Grund vollkommen ruhig. Wenn überhaupt, dann trifft man noch Wanderer, die von der Ortschaft Uttewalde herunter kommen, aber normalerweise ist man in der Schlucht alleine unterwegs. Die Wanderung steigt relativ leicht an und der Name des Grundes ändert sich in Schleifgrund. Nach einem Kilometer verlässt die Wanderung den grün markierten Wanderweg und biegt nach rechts aufwärts ab. Hier haben wir auf der Wanderung einen Nationalparkranger getroffen und die beiden (der Ranger und mein Führer) haben sich darüber unterhalten, dass das nächste Ziel unserer Wanderung der Wald der Zukunft und der Vergangenheit sei. Im Laufe des Aufstiegs hat Herr Schmädicke mir sehr anschaulich die Unterschiede der beiden Waldformen in der Natur gezeigt und es ist wirklich sehr schön zu sehen, wie ein Mischwald mit unterschiedlichen Etagen viel schöner aussieht als ein dunkler Zapfen_der_Douglasie_kleindichter Fichtenwald. Nachdem wir den Fichtenwald auf der rechten Seite passiert hatten, ging es angenehm weiter auf der Ebene. Im nächsten Mischwald stehen links vom Weg ein paar Douglasien (Pseudotsuga menziesii), die eigentlich nicht besonders auffallen, aber deren Zapfen ungewöhnlich aussehen. Zapfensammlerleiter_an_Douglasie_kleinDie Beschreibung von Herrn Schmädicke ist: Tannenzapfen mit Mäuseschwänzen. Das ist ganz bestimmt nicht besonders wissenschaftlich, aber dafür behält man die Beschreibung sehr gut. Im Sommer 2011 war an einer der Douglasien eine riesig lange Leiter von geschätzten 15 Metern angebunden und noch weit oberhalb der Leiter hingen im Wipfel weiße Tüten. Mit den Tüten werden die Samen des Baumes aufgefangen, aber wie mutig müssen die Zapfensammler sein, in diese luftige Höhe zu klettern?
Die Wanderung führt in Richtung Basteistraße, die auch bald überquert wird. Auf der anderen Seite der Basteistraße sind wir ein kurzes Stück (¾ Kilometer) auf der gelben Wanderwegmarkierung gelber Strich gewandert, bis nach rechts der Steinerne Tisch ausgeschildert ist. Über den Waldweg mit dem Namen Wehlstraße geht es ungefähr ½ Kilometer bis zum Steinernen Tisch und der gleichnamigen Gaststätte. Hier haben wir uns zum Nachfüllen des Flüssigkeitshaushaltes kurz im Biergarten niedergelassen, aber irgendwie wollten die Wespen unbedingt den Freischwimmer in unseren Bieren machen.
Also haben wir uns wieder auf den Weg gemacht. Herr Schmädicke hat mich hier gefragt, ob ich lieber eine schöne Aussicht oder einen besonderen Grund sehen wolle. Da die Wanderung Wehlener Gründe heißt, war die Griesgrund_von_oben_gesehen_kleinAntwort sehr einfach und so sind wir gleich gegenüber der Gaststätte in den Griesgrund abgestiegen. Es ist wirklich beeindruckend, wenn man die Besuchermassen um die Bastei herum sieht und dann hier unten in dem Grund den ganzen Tag noch kein Wanderer unterwegs war. Zumindest haben wir nach dem Regenfall der Nacht die nicht vorhandenen Spuren im Sand so gedeutet. Wie in vielen Gründen der vorderen Sächsischen Schweiz kann man auch hier sehr schön erkennen, dass feuchte Hänge mit den unterschiedlichsten Moossorten und warme Sandsteinwände knapp nebeneinander oder gegenüber stehen können. Der Abstieg war nicht besonders schwierig und nur an ein paar wenigen Stellen waren etwas größere Stufen zu überwinden.
Am Ende des Griesgrundes sind wir nach rechts auf dem Haldenweg weiter gewandert. Hier befinden sich einige sehr abgelegene Häuschen, die zum Teil ziemlich verwunschen und exotisch aussehen. Nach ein paar hundert Meter erreicht man ein seltsames Schild mit dem Inhalt: Achtung Felssturzgefahr, Haldenweg gesperrt. Begehen nicht gestattet. Sächsisches Oberbergamt. Das würde ich doch mal wieder für eine nette deutsche Lösung halten. Da gibt es einmal im Jahr ein Problem in der Form eines Felsens von oben und schon wird der Weg oder die Straße komplett gesperrt. Das Komischste ist, dass der Felsen weit abseits von dem Wanderweg herunter gepurzelt ist. Dass hier tatsächlich das Sächsische Oberbergamt noch nach einem Jahrhundert des Stillstandes im Steinbruch verantwortlich ist, hat mich gewaltig gewundert.
Die Wanderung führt also vorsichtig weiter über den Haldenweg, bis der Schwarzberggrund und damit der Malerweg erreicht wird. Hier geht es abwärts bis runter zur Elbe. Die letzten paar Meter erfolgen auf der kleinen Mennickestraße bis vor zum Wehlener Marktplatz. Damit ist eine sehr schöne Wanderung zu Ende gegangen. Obwohl ich schon wirklich jeden der begangenen Wege gewandert war, habe ich wieder mal eine Vielzahl an Sachen erfahren und mit Herrn Schmädicke einen sehr angenehmen Gesprächspartner gehabt. Diese geführte Wanderung kann ich uneingeschränkt empfehlen.

    Anreise:

    Öffentlicher Nahverkehr:
    Anreise mit S-Bahn bis zur Haltestelle Stadt Wehlen mit dem VVO-Navigator
    Auto:
    Empfohlener Parkplatz: Wehlen II Bahnhof
    Parkplatzgebühr für die Wanderung: 2,00€

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