Kleindenkmale

Abstimmung:
unsere Bewertung::
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Karte:
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Dauer:
ca. 4,50 h
Entfernung:
ca. 8,50 km
Höhenunterschied:
ca. 460 Meter
beste Reisezeit:
eigentlich immer
Schwierigkeitsgrad:
leicht
Untergrund:
Forstweg und asphaltiert Wanderweg und Pfad Treppen
empfohlene Karten:
Große Karte der Sächsischen Schweiz;
Rolf Böhm Kartographischer Verlag
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Kirnitzschtal - Neumannmühle - gelber Strich - Buschmühle - Arnstein - Tägers Wonne - Hohes Gewände - roter Strich - Kleinstein - Kleinsteinhöhle - Neuer Weg - Kirnitzschtal - Buschmühle - Neumannmühle

Beschreibung:

Zuerst das Wichtigste vorneweg. Dieses ist keine Wanderbeschreibung im eigentlichen Sinn, sondern ein Erfahrungsbericht zu einer geführten Wanderung durch einen Nationalparkführer. Nachdem ich die ersten guten Erfahrungen mit den Nationalparkführern gemacht habe, war es mal wieder an der Zeit, eine Runde mit einem Profi zu unternehmen. Auf der Internetseite des Nationalparks Sächsische Schweiz (www.nationalpark-saechsische-schweiz.de) habe ich folgende Führung entdeckt und das hörte sich vielversprechend an:

Kleindenkmale am Malerweg
Auf unserem Weg finden wir verschiedene Kleindenkmale wie alte Jahreszahlen, Felsbilder und Salzlecken. Unterwegs bieten sich im Wechsel von Felsen, Wald und Wiesen interessante Ausblicke auf die Bergwelt der Sächsischen Schweiz.
Bitte beachten Sie, dass unterwegs keine Einkehrmöglichkeit besteht.
Treffpunkt: Kirnitzschtal, Parkplatz Neumannmühle
Termine: 11.07.2009 10:15 Uhr
Zeitdauer: ca. 4-5 Std., Trittsicherheit erforderlich
Kosten: Erwachsene 6,- €; Kinder 3,- €
Nationalparkführer: Dieter Wittig

Tja, leider hatte das mit dem vorherigen Anmelden nicht geklappt, da wir uns viel zu spät entschieden hatten, an der Wanderung teilzunehmen. Da der Sohn des Nationalparkführers am Telefon aber meinte, wir sollten einfach mal zum angegebenen Treffpunkt gehen, Herr Wittig würde dort schon hinkommen, haben wir uns dann doch auf den Weg gemacht. Als wir gerade den Parkplatz an der Neumannmühle betreten hatten, meinte meine Frau, wie man wohl in dem Gewusel an Menschen den Nationalparkführer erkennen könnte. Es waren an jenem Samstag tatsächlich kurz nach 10:00 Uhr schon eine Vielzahl an Besuchern auf dem Parkplatz. Netterweise entdeckten wir an der Einfahrt des Parkplatzes auf einem Stein die typische Plakette der Nationalparkführer und so war die Erleichterung groß, dass die Wanderung vielleicht doch stattfinden würde. Der Nationalparkführer wiederum war überrascht, dass doch Gäste zu seiner Führung kamen, da er die Runde dieses Jahr schon mehrere Male angeboten hatte, aber sich bis dahin noch kein Wanderer eingefunden hatte. Wir waren also die ersten und auch einzigen Wanderer für diese Runde und nachdem wir sicherheitshalber noch den Linienbus abgewartet hatten (möglicherweise hätten da ja noch Mitwanderer mitkommen können), konnte es losgehen. Überraschend war aus unserer Sicht, dass solch eine Wanderung selbst mit dieser Minibesucherzahl von 2 Leuten stattfand.
Vom Parkplatz der Neumannmühle ging es ein paar Meter auf der Kirnitzschtalstraße bachaufwärts. Zuerst passierten wir die Buschmühle und erreichten nach ein paar Metern den Abzweig Ottendorf. Rechts neben der Straße befindet sich ein unscheinbarer, aber beschilderter Pfad, der zum Arnstein hinauf führt. Gekennzeichnet ist der Aufstieg gleich mit drei Wanderwegmarkierungen, die Wanderung folgt dem gelben Strich gelber Strich. Der Pfad steigt ziemlich hubbelig aufwärts und erreicht nach ¼ Kilometer bzw. 60 Höhenmetern einen breiteren Waldweg. Hier geht es weiterhin auf dem gelben Strich nach links weiter Richtung Arnstein. Nach ein paar Metern erreicht man auf der rechten Wegseite eine Felswand mit der Jahreszahl 1887. Diese Jahreszahl hat natürlich nichts mehr mit dem darüber liegenden Raubschloss zu tun, sondern ist vermutlich eher das Jahr, in dem der Waldweg angelegt wurde.
Nach wieder mal ¼ Kilometer biegt nach rechts ein Pfad zum Arnstein ab. Der Pfad führt unmarkiert über ein paar Naturstufen (also in den Felsen gehauene Stufen) hoch. Wenn man den Felsenfuß erreicht hat, wird erst ein kleiner Schlenker nach links ganz kurz um die Felsennase unternommen. Dreifachkreuz_am_Arnstein_kleinHier sind eine seltsame Skizze von einem Haus und ein Dreifachkreuz in den Felsen eingeritzt. Bei dem Haus handelt es sich bestimmt nicht um das ehemalige Raubschloss, denn wer seinem Angreifer einen Plan seiner Burg auf den Felsen malt, wäre ein recht dummer Ritter oder Räuber gewesen. Spuren_von_Gebaeude_am_Arnstein_kleinDie Wanderung führt wieder zurück auf die nordwestliche Seite des Felsens. Wenn man ein paar Meter an dem Aufstieg zum Arnstein vorbei wandert, dann findet man in der nächsten Felsecke einige unnatürliche Löcher im Felsen. Hieran kann man deutlich erkennen, dass an der Stelle ein Gebäude unterhalb der eigentlichen Befestigung gestanden hat. Da die Löcher über mehrere Meter verteilt sind, ist es vermutlich sogar ein Gebäude mit zwei Etagen gewesen. Weihbecken_am_Arnstein_kleinLinks von dieser Stelle ist ein kleines Becken in den Felsen gearbeitet, über dem sich noch eine weitere Aussparung befindet. Es könnte sich um ein Weihbecken mit einer Heiligenfigur in der kleinen Nische gehandelt haben.
Nach dieser Erkundung unterhalb des Raubschlosses geht es durch die enge Felsspalte hoch auf den Felsen. Felszeichnung_Gesicht_am_Arnstein_kleinZuerst kommt man zwischen den Felsen unterhalb der Treppe heraus. Hier befindet sich ein Gesicht auf der rechten Felsseite. Nach links kann man durch die Felsspalte gehen, dann erreicht man eine künstlich vergrößerte Höhle (Arnsteinhöhle) und kann eine vermutete Signalstelle im Felsen entdecken. unterer_Raum_Arnstein_kleinNach diesem kleinen Abstecher in den Norden des Arnsteins geht es wieder zurück durch die Felsspalte und über die Treppe nach oben. Hier erreicht man zuerst einen ausgearbeiteten Raum mit einer weiteren Steintreppe und dann das obere Plateau des Arnsteins. Felszeichnung_Krieger_am_Arrnstein_kleinIn der Mitte des Plateaus befindet sich ein Felshubbel, auf dessen linker Seite ein Krieger in den Felsen geritzt ist. In dem Felsplateau fällt natürlich sofort die rechteckige Zisterne auf. Das Loch scheint sehr dicht zu sein, da hier immer eine ziemlich dreckige Brühe drin steht. Mann_mit_Hirtenstab_am_Arnstein_kleinVom Arnstein hat man eine sehr schöne Aussicht in den Bereich der Wildensteine und Affensteine. Auf den Arnstein steigen relativ wenige Besucher, aber von den wenigen entdecken noch weniger die Felszeichnung an der nordöstlichen Felswand. Wenn man im Nordosten das oberste Plateau auf dem schmalen Pfad durch die Heidelbeeren verlässt, stößt man nach ein paar Metern zuerst auf einen weiteren ausgearbeiteten Raum und gleich daneben befindet sich ein Bildnis eines Mannes mit einem Hirtenstab (so zumindest die Deutung).
Um wieder vom Arnstein herunter zu kommen, muss man erst wieder auf das Plateau hoch steigen und dann auf dem bekannten Weg absteigen. Der Abstieg erreicht die bekannte Wanderwegmarkierung gelber Strich gelber Strich und dieser geht es nach rechts hinterher. Der Wanderweg steigt angenehm an und nach einer kurzen Strecke erreicht man gleich mehrere Stellen, die als Aussichtsplatz oder Rastplatz gut zu gebrauchen sind. Kurz nachdem sich die gelben Wanderwegmarkierungen (gelber Punkt und Strich) getrennt haben und man dem gelben Strich weiter folgt, Salzlecke_oberhalb_des_Arnstein_kleinist nach 50 Metern auf der rechten Seite ein Steintrog im Wald zu sehen. Es handelt sich um eine uralte Salzlecke. Diese Salzlecke steht ca. 50 Meter neben dem Weg und auf der Längsseite steht die Jahreszahl 1895. Solche Salzlecken sind früher mit einem Salz-Lehm-Gemisch gefüllt worden. Damit wurde das Wild mit Salz für z.B. die Förderung des Knochen- und Geweihaufbaus unterstützt. Heutzutage werden die Salzlecken nicht mehr genutzt, da sie einerseits unter Denkmalschutz stehen und es andererseits viel einfacher ist, einen Salzklotz auf einen abgesägten Baum zu stellen.
Felszeichnung_Gesicht_kleinDie Wanderung führt also weiterhin auf der gelben Markierung in Richtung Saupsdorf. Nach ¼ Kilometer befindet sich auf der linken Wegseite ein kleinerer Sandstein, der beim genaueren Betrachten wieder so ein Gesicht wie am Arnsteinaufstieg hat. Spätestens hier ist klar, dass das Gesicht am Arnstein nicht wie z.B. der Medusakopf auf der Festung Königstein erschrecken soll, sondern mehr aus Langeweile der Burgbesatzung entstanden ist. Die Wanderung kommt auf einen ganz geraden Waldweg, der runter in eine Senke führt. Mit dem Erreichen der Senke wechselt das Aussehen des Waldes. Der Bewuchs ändert sich von Fichten in Buchen und das liegt ganz einfach daran, dass genau hier die Grenze der Lausitzer Verschiebung verläuft. Blick_von_Hohe_Gewaende_auf_Saupsdorf_kleinDer Untergrund wechselt also von Sandstein zu Granit. Bald tritt die Wanderung auch aus dem Wald heraus und führt mitten durch ein Feld vor Saupsdorf hindurch. Wenn man über das linke Feld hinweg sieht, kann man Saupsdorf und den darüber liegenden Wachberg entdecken.
Noch bevor man den Ortsrand erreicht hat, verlässt die Wanderung die gelbe Wanderwegmarkierung und es geht nach rechts auf der roten Markierung roter Strich in Richtung Kleinsteinhöhle zurück. Zuerst führt der Wanderweg am Waldrand entlang und kurz bevor man die erste Aussicht oberhalb der Kleinsteinhöhle erreicht, wird ein Waldstück passiert. Von der Aussicht hat man einen Blick_ueber_Kleinsteinhoehle_hinweg_kleinschönen Blick über die Höhle hinweg auf das Kirnitzschtal. Von der oberen Aussicht kann man in die Senke der Hinteren Sächsischen Schweiz bis zum Bloßstock blicken. Wenn man eine Etage tiefer auf die Aussicht geht (immer noch oberhalb der Höhle) ändert sich der Blickwinkel. Die Kirnitzsch kann man zwar immer noch nicht sehen, aber dafür die Felsen links (die beiden Pohlshörner) und rechts (Heulenberg und Teichstein) vom Tal.
Der markierte Wanderweg führt weiter runter ins Tal und nach einem kurzen Abstieg erreicht man den Zugang zur Kleinsteinhöhle. Dadurch, dass die Höhle nicht so besonders groß ist, wirkt es schon manchmal relativ voll, wenn eine Handvoll Wanderer oder Kletterer sich in ihr aufhalten. Von Zeit zu Zeit sieht man hier ein paar Kletterer durch den Kamin nach oben streben. Sehr nett war, dass unserer Nationalparkführer ein passionierter Kletterer war und wir so doch einiges von den anderen Besuchern der Sächsischen Schweiz erfahren haben. Irgendwie ist es so, dass beide Gruppen (Wanderer und Kletterer) kaum Berührungspunkt miteinander haben und so auch nicht besonders viel vom anderen wissen. Für uns war es wirklich interessant zu hören, dass es eigentlich über eine sehr lange Zeit nur sieben Schwierigkeitsstufen von Kletterwegen gab, die dann aber sprungartig erweitert wurden, als, besonders durch Bernd Arnold, immer schwierigere Wege gemeistert wurden. Sehr interessant war auch, mit welcher Ehrfurcht über Bernd Arnold gesprochen wurde. Wir wussten zwar, dass er ein besonderer Kletterer sein muss, aber uns war es nicht bewusst, dass er so ein Supertalent ist. Was auch sehr unterhaltsam war, wie uns die unvorstellbare Zahl (es wird von 17.000 Wegen und Varianten gesprochen) an Kletterwegen erklärt wurden. Im Zugang der Höhle befindet sich einer der Sicherungsringe, die darauf hindeuten, dass hier ein Kletterweg ist. An den Moosspuren auf dem Felsen war aber deutlich zu sehen, dass diesen Weg schon seit mehreren Jahren keiner mehr aufgestiegen ist. Aber dieser Aufstieg wird trotzdem als eingetragener Kletterweg geführt. Offenbar gibt es etliche Aufstiege, die außer der zur Eintragung in den Kletterführer führenden Erstbesteigung nie wieder begangen worden sind.
Die Wanderung führt über ein paar Stufen weiter hinunter, bis unten der breite Forstweg erreicht wird. Felszeichnung_Gesicht_Neuer_Weg_kleinHier folgt man weiterhin der roten Wanderwegmarkierung nach rechts. Dieser Waldweg ist sehr angenehm zu gehen und seltsamerweise trifft man nur selten andere Wanderer. Nach einer Strecke von 700 Metern befindet sich auf der rechten Wegseite noch eine weitere Felsmurmel mit einem eingeritzten Gesicht. Auch dieses Gesicht sieht sehr ähnlich aus wie die beiden vorhergehenden Gesichter. Wir vermuten, dass es von dem gleichen „Künstler“ stammt. Die Wanderung geht noch ein ganzes Stück weiter auf dem Waldweg, bis nach links der bekannte Pfad ins Kirnitzschtal absteigt. Jetzt ist es nur noch ein kurzes Stück bis zum Ausgangspunkt der Wanderung.
Obwohl wir diese Wanderung genau so schon mehrere Male gelaufen sind, haben wir eine ganze Menge Neuigkeiten gesehen und noch viel mehr interessante Themen gehört. Am besten haben uns die Themen Wegekonzept des Nationalparks und Klettern gefallen. Ein dickes Dankeschön an Herrn Wittig.

    Anreise:

    Öffentlicher Nahverkehr:
    Anreise mit Bus bis zur Haltestelle Kirnitzschtal Neumannmühle mit dem VVO-Navigator
    Auto:
    Empfohlener Parkplatz: Neumannmühle
    Parkplatzgebühr für die Wanderung: 3,00€

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