Lehrpfad Reinhardtsdorf

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unsere Bewertung::
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Karte:
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Dauer:
ca. 1,75 h
Entfernung:
ca. 2,40 km
Höhenunterschied:
ca. 92 Meter
beste Reisezeit:
eigentlich immer
Schwierigkeitsgrad:
Spaziergang
Untergrund:
asphaltiert
Wanderweg und Pfad Treppen
empfohlene Karten:
Große Karte der Sächsischen Schweiz;
Rolf Böhm Kartographischer Verlag
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Reinhardtsdorf/Schöna - Reuterhof - grüner Querstrich - Baumhöhen - Klappkästen - Riesteich - Alte Tanne - Rindenhäuschen - Dreibuchenweg - Baumtelefon - Tierweitsprung - Waldboden - Waldkonzept - Tastkästen - Fühlpfad - Marktweg - Reuterhof

Beschreibung:

Bei der Runde auf dem Waldlehrpfad Reinhardtsdorf handelt es sich um einen kleinen Spaziergang, der aber eine sehr positive Überraschung gewesen ist. Dazu aber später. Die Wanderung startet an der Minisiedlung Reuterhof, die südlich von Schöna bzw. Reinhardtsdorf liegt. Der einzige Parkplatz in Reuterhof ist der Ausgangspunkt der Wanderung. Hier erklärt als erstes eine Tafel den Ursprung des Walderlebnispfades Reinhardtsdorf und ein paar eigentlich selbstverständliche Grundregeln. Es ist egal, in welcher Richtung man den Lehrpfad läuft. Wir haben die Runde entgegen des Uhrzeigersinns unternommen, da uns dieser Baumscheibe_Kiefer_kleinZugang als erstes auffiel. Die erste Station besteht aus einer aufgehangenen Baumscheibe, an der es wirklich lohnenswert ist, zuerst zu schätzen, wie alt der Baum wohl gewesen ist, als er gefällt wurde, und dann die Jahresringe zu zählen. Neben diesem Baumstück steht eine dieser sehr hochwertigen Erklärungstafeln und beschreibt anhand der Baumart Kiefer die vielfältigen Verwendungsformen von Holz. Da es aber eine Vielzahl unterschiedlicher Baum- und Strauchsorten gibt, sind auf der nächsten Tafel die wichtigsten 27 Bäume bzw. Sträucher abgebildet. Sehr interessant an dieser Tafel ist, dass man nicht nur die unterschiedlichsten Wuchsformen sehr gut erkennen kann, sondern auch das stark voneinander abweichende Aussehen der einzelnen Baumstämme. Die nächsten beiden Tafeln erreicht man schon nach wenigen Metern. Hier sind Speisepilze und Giftpilze in einer erstklassigen Detailtreue gezeichnet worden. Zu jedem Pilz steht noch eine kurze Erklärung mit dem häufigsten Standort, der Hauptwuchszeit und besonders auffälligen Merkmalen.
Die nächste Station ist auch die einzige, an der man feststellen kann, dass man falsch herum gewandert ist. Baeume_wollen_hoch_hinaus_kleinZuerst erreicht man die Detailstationen und dann die Erklärungstafel. Die einleitende Tafel zu dieser Station sagt folgendes aus: „Bäume wollen hoch hinaus. Kannst Du Dir vorstellen, wie hoch ein Baum ist, in welcher Höhe Vögel brüten, in welcher Höhe Eichhörnchen leben? Wenn Du von hier aus weiter läufst, kannst Du Dir vorstellen, einen Baum entlang nach oben zu laufen. Die Klapptafeln an der Seite verraten Dir, welche Höhe Du erreicht hast und was es dort zu entdecken gibt.“ Die Tafeln sind: 5 m Roßameisen, Speisekammer des Schwarzspechtes; 15 m Schlafplatz des Auerhuhnes; 20 m Nistplatz des Habichts; 25 m Wuchshöhe der Birke, Zapfenlager des Eichhörnchens; 30 m Singwarte der Singdrossel; 35 m Wuchshöhe der Kiefer; 50 m Wuchshöhe der Fichte. An dieser Station kann man sehr gut sehen, dass der Waldlehrpfad nicht nur einmal mit irgendwelchen Fördergeldern angelegt worden ist, sondern auch noch danach weiter gepflegt wird. Im Ursprung sind die Schilder als Klappschilder errichtet worden, aber das hat sich anscheinend nicht als besonders praktisch erwiesen, da heutzutage neue Minitafeln mit den Höhenangaben vorhanden sind.
An der nächsten kurz darauf folgenden Spielstation kann man mit ein paar drehbaren Holzklötzchen den Namen von Tieren zusammenpuzzeln. Die darauffolgende Station ist eine Kontrollstation, ob man auch vorher die Tafel mit den Baustämmen ordentlich gelesen hat. Die Informationstafel sagt folgendes aus: „Klappstämme; Am Anfang des Pfades hast Du ein Schild über verschiedene Holzarten gesehen. An diesen Klappstämmen kannst Du Dein Wissen noch einmal testen. Versuche erst zu erraten, um welches Holz es sich handelt. Anschließend kannst Du im Inneren der Stämme nachsehen.“ Heutzutage befindet sich die Lösung nicht mehr im Inneren der Klappstämme, sondern als Klappschilder unter den Stämmen, sodass man nicht nur die Rinde, sondern auch den eigentlichen Stamm zur Wissenskontrolle nehmen kann. Diese Aufgabe ist selbst für Erwachsene eine sehr gute Herausforderung.
Die nächste Station liefert für sehr viele Mitmenschen aus der heutigen Zeit eine Überraschung. Es handelt sich um einen Fühlpfad, bei dem man mit den Füßen erspüren soll, auf welchem Untergrund man gerade geht. Ich kann mir sehr gut vorstellen, wie gleich eine ganze Horde Mitmenschen mit den Argument Fußpilz kommen und eine sehr nette Erfahrung damit verpassen. Hier sollte jeder die Schuhe und Socken ausziehen und über die einzelnen Felder wandern. Fuehlpfad_kleinEs ist beeindruckend, wie gut Fußsohlen ertasten können, dass es sich um Gehäckseltes, Tannenzapfen, Heidelbeeren, Rinde oder Moos handelt. Als nächstes erreicht man einen kleinen Rastplatz, an dem mit einem gemalten Schild drauf hingewiesen wird, dass man seinen Müll doch bitte wieder selber mitnehmen soll. Eigentlich sollte das eine Selbstverständlichkeit sein, aber so mancher Rastplatz sieht eben nicht so aus. Nach dieser kleinen Rast geht es weiter und man erreicht den Riesteich, wo den Wanderer gleich viele Informationen erwarten. Das Erste ist eine dieser hochwertigen Tafeln mit einem wunderbaren Gemälde über das ökologische Leben im und am Bach. Ein paar Tiere am Bachlauf werden auf der Tafel namentlich erwähnt und die Besonderheiten eines Bachlaufes erklärt. Gleich am Teichrand steht eine Station, Fehlfarbenspiel_Riesteich_kleinan der durch ein paar kleinere Fenster verdeutlicht wird, dass es Tiere gibt, die nicht alle Farben sehen können. Sobald man durch die Öffnungen blickt, erscheint der Teich im unterschiedlichsten Aussehen. Bei dieser Station fehlt leider der Hinweis, welches Tier welche unterschiedliche Farberkennung hat.
Die nächsten Tafeln handeln wieder von dem Wald bzw. den Bäumen. Zuerst wird sehr ausführlich der Plenterwald (ein stetig verjüngender Dauerwald) erklärt und dann die Geschichte einer alten Tanne. Passend zu dieser sehr netten Geschichte der alten Tanne befindet sich wiederum ein paar Meter daneben eine Tafel, Junge_Tanne_im_Waldlehrpfad_kleindie das Leben eines Baumes sehr gut beschreibt. Zwischen diesen beiden Tafeln ist eine neue Tanne gepflanzt worden, die aber noch durch einen Zaun vor Wildverbiss geschützt wird. Die nächste Tafel erklärt den Umbau eines Fichtenwaldbestandes in einen Laubmischwald. Als nächste Station erreicht man wieder eine Spielstation. Auf der erklärenden Tafel steht folgendes: Baumtelefon_klein„Das Baumtelefon. Mit einem Baumstamm telefonieren? Probier´s mal aus! Wenn man an der einen Seite des Stammes klopft oder kratzt …..kannst Du es am anderen Ende hören. Du wirst feststellen: Holz leitet Töne erstaunlich gut. Diese Eigenschaft wird von einigen Tieren genutzt. Z. B. findet der Specht dadurch seine Nahrung – Maden im Holz und das Eichhörnchen hört einen sich nähernden Fressfeind, wie den Baummarder, durch die Kratzgeräusche der Krallen am Baum.“
Auch bei der nächsten Station handelt es sich um eine Spielstation, bei der man anhand einer Sprungbahn, die sehr schön mit Baumgehäckseltem gefüllt ist, die gewaltige Sprungkraft von so manchen Tieren verdeutlicht bekommt. Geierkuekenweitsprung_kleinAm Rande der Bahn sind kleine Hinweisschilder angebracht, die die entsprechenden Weiten verdeutlichen: Floh Sprungweite: 0,6 m, Das ist das 200 fache seiner Körperlänge; Waldmaus Sprungweite: 0,7 m Das ist das 8 fache ihrer Körperlänge; Heuschrecke Sprungweite: 2 m Das ist das 30 fache ihrer Körperlänge; Fuchs Sprungweite: 2,8 m Das ist das 2 – 3 fache seiner Körperlänge; Känguru Sprungweite: 8 m Das ist das 7 fache seiner Körperlänge; Rothirsch Sprungweite: 11 m Das ist das 4,5 fache seiner Körperlänge; (Geierküken Sprungweite: 20 cm Das ist 1/5 seiner Körperlänge).
Bei der nächsten Station handelt es sich um einen Schnitt durch den Waldboden. Hierzu sind wieder zwei Erklärungstafeln aufgestellt worden. Die eine Tafel erklärt das Leben im Waldboden anhand eines dieser tollen Gemälde. Dabei ist ein Maulwurf zu sehen, wie er sich durch das Erdreich buddelt, eine Rötelmaus, die eine Speisekammer anlegt oder auch wie eine große Anzahl Käfer in der oberen Schicht lebt. Die zweite Tafel an der Station wird mit der Überschrift Bodenschaufenster beschrieben: „ An diesem Bodenschaufenster kannst Du den Aufbau des Waldbodens erkennen: Ganz oben befindet sich eine Schicht aus unverrotteten Material, z.B. Blätter und Nadeln. Danach folgt eine Humusschicht. Die nächste Schicht enthält nur wenig Humus, deswegen ist sie auch heller. Der Humus, der hier vorhanden ist, wird durch Regenwasser eingespült oder durch Regenwürmer eingearbeitet. Die letzte Schicht unter dem Boden ist das Grundgestein.“ Dann geht es ein Stückchen weiter und man erreicht eine Tafel, an der eine riesige Zahl von Kleinsäugern im Wald vorgestellt werden. Ich finde es immer wieder beeindruckend, wie perfekt mache Menschen malen können. Solche Gemälde müssen doch eine riesige Zeit in Anspruch nehmen und dann sind auf dieser Tafel gleich 16 dieser Gemälde abgebildet. Baumstammmusizieren_kleinWenn man dann auf den Internetseiten der Herstellerfirmen sieht, dass so eine Tafel im Bereich von wenigen hundert € kostet, dann bin ich immer wieder verwundert. An der nächsten Station, die die Wanderung erreicht, haben die Kinder wieder etwas zu spielen. An dieser Station hängen mehrere unterschiedlich lange Holzstücke, an denen man seine musikalische Begabung erproben kann.
Auf der gegenüberliegenden Wegseite erklärt eine Tafel an einem Laubbaum und einem Nadelbaum die Stufen eines Waldschadens. Dabei werden die drei Krankenstände kränkelnd, krank und absterbend mit einer ganzen Reihe an Erkennungsmerkmalen beschrieben. Zum Glück ist es heutzutage so, dass sich der Wald wieder erholt, aber das geht leider sehr langsam, sodass wir noch eine ganze Weile diese unterschiedlichen Zustände im Wald erkennen können. Wieder gleich in der Nachbarschaft der gerade beschriebenen Tafel befindet sich der Eisenhübel. Der eigentliche Berg fällt überhaupt nicht auf, da die ganze Umgebung ziemlich hügelig ist, aber der Zugang zum Basaltsaeulen_am_Eisenhuebel_kleinBasaltabbau ist als ein deutlicher Einschnitt zu erkennen. Wenn man wenige Meter nach links in den Einschnitt hinein geht, dann kann man noch deutlich die sechseckigen Säulen im Erdreich stecken sehen. Nach ein paar Metern weiter auf dem Walderlebnispfad Reinhardtsdorf Wildzauntor_kleinerklärt eine Tafel den Monokultur- Buchen- bzw. Fichtenwald. Im Sommer 2008 stand auf der linken Wegseite ein Wildzaun mit einem putzigen kleinen Durchgang (30 cm hoch, 50 cm breit) in Bodenhöhe. Der Durchgang war sogar mit ein paar Ästen umrandet, das sah richtig lustig aus. Aber leider stand hier keine Erklärung dabei. Die nächsten Tafeln auf der Wanderung beschäftigen sich mit den unterschiedlichen Vogelwelten im Sommer und im Winter. Mir war es überhaupt nicht bewusst, dass so viele Vogelsorten jahreszeitabhängig in unseren Wäldern herumschwirren. Ertasten_mit_Haenden_kleinNachdem vor einigen Stationen die Füße tasten durften, sind an der nächsten Station die Hände dran. Dazu sind am Wegesrand einige Kisten mit Öffnungen angebracht, in denen man zum Teil wirklich überraschende Waldgegenstände finden kann. Die Kisten kann man auf der Vorderseite öffnen und damit kontrollieren, ob das Ertastete mit der Realität übereinstimmt. Die beiden letzten Informationstafeln auf dieser Wanderung handeln von der Lebensgemeinschaft in einem Laubmischwald und sind eine sehr gute Erklärung zum Ökosystem Wald. Waldhaeusel_Steffi_kleinDamit ist die Wanderung dann fast geschafft. Auf den letzten paar Metern vor der asphaltierten Straße passiert man noch ein einzelnes kleines Waldhäuschen mit dem netten Namen Waldhäusel Steffi. Nach dem Erreichen der asphaltierten Straße biegt die Wanderung nach links ab und man erreicht bald den Ausgangspunkt.
Uns hat die Wanderung bzw. bei der Länge spricht man vermutlich eher von einem Spaziergang riesig viel Spaß gemacht. Sehr erfreulich ist, dass der Walderlebnispfad Reinhardtsdorf anscheinend immer mal wieder vom Forstamt Reinhardtsdorf gepflegt und gewartet wird. Alle Stationen sind sehr informativ und für jede Altersgruppe ist etwas dabei. Komischerweise ist es hier wie mit fast allen Lehrpfaden: die Besucher der Sächsischen Schweiz ignorieren sie und deshalb muss man auch nicht mit riesigen Besuchermassen rechnen.

    Anreise:

    Öffentlicher Nahverkehr:
    Anreise mit Bus bis zur Haltestelle Schöna Dorfplatz mit dem VVO-Navigator
    Auto:
    Empfohlener Parkplatz: Reuterhof

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