Luchse

Abstimmung:
unsere Bewertung::
positivpositivpositivnegativnegativ
Karte:
PDF:

Dauer:
ca. 3,00 h
Entfernung:
ca. 10,00 km
Höhenunterschied:
ca. 430 Meter
beste Reisezeit:
eigentlich immer
Schwierigkeitsgrad:
leicht
festes Schuhwerk
Untergrund:
Forstweg und asphaltiert Wanderweg und Pfad Treppen
empfohlene Karten:
Bad Schandau;
Rolf Böhm Kartographischer Verlag
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Altendorf - Wiesenweg - gelber Punkt - Panoramaweg - Goldgründel - Parkplatz Kiefricht - Schillerdenkmal - Neuweg - Wieckpromenade - Schloßbasteipromenade - Schloßbastei - Bad Schandau - Marktstraße - Markt - Kirche - B172 - Aufzug - Ostrau - Luchsgehege - Fahrstuhlweg - Ostrauer Ring - Falkenstein-Klinik - Ostrauer Berg - Kirnitzschtal - Niederweg - roter Strich - Straßenbahndepot - Hartungpromenade - Altendorfer Dorfbachklamm - Altendorf - Untere Dorfstraße

Beschreibung:

Mitte letzten Jahres (Juli 2010) bin ich am Luchsgehege beim Bad Schandauer Aufzug vorbeigekommen und habe gestaunt, in welch luftiger Höhe einer der drei Luchse in einem Baum lag. Irgendwie dachte ich mir noch, ob der nicht von dort auch über den Zaun springen könnte und habe den Gedanken sogar noch beschrieben (Stille Affensteine Wanderung), aber dann wegen des doch schon langjährigen Bestehens des Geheges gleich wieder verworfen. Tja, im Herbst 2010 ist der Luchs dann nicht von seinem Schlafplatz gesprungen, sondern heruntergefallen und dabei auf der falschen Seite des Zauns gelandet. So zumindest der Bericht in der Zeitung. Da ich neugierig war, wie es den beiden verbliebenen Katzen geht, bin ich sie mit einer schönen Winterwanderung besuchen gegangen.
Damit es nicht nur ein langweiliger Besuch mit dem Auto wird, habe ich eine Wanderung von Altendorf aus dorthin unternommen. Der Startpunkt liegt an einem der beiden Parkplätze und von dort geht es ein paar Meter auf der Dorfstraße in Richtung Sebnitz bis zur ersten Möglichkeit nach rechts. Bei diesem Abzweig handelt es sich um den Wiesenweg, der parallel zum Dorfrand verläuft. Nach 300 Metern erreicht man den Panoramaweg, der geradeaus (der Wiesenweg macht hier einen Knick nach links) aus dem Dorf auf die Felder hinausgeht. Der Panoramaweg verläuft an dieser Stelle quer über eine große Ebene, die eigentlich ziemlich langweilig zu wandern ist, wäre nicht das schöne Panorama, z.B. auf der linken Seite die Schrammsteine. Ganz besonders schön sehen die Felsen in der Abendsonne oder bei sonnigem Winterwetter aus.
Als ich die Wanderung unternommen habe, war es leider eher ein trüber Tag mit 20 – 30 cm Schnee. Nach einer Strecke von einem Kilometer biegt der Wanderweg im rechten Winkel nach rechts ab. Hier standen bis vor ein paar Jahren ein Hochsitz und ein Wanderweghinweisschild, die aber jetzt verschwunden sind. In der schneefreien Zeit ist das tatsächlich kein Problem, aber bei ordentlich Schnee kann das Finden des Weges schon ein bisschen abwechslungsreich sein. Ich war mir über die richtige Stelle sehr sicher und bin doch zu früh abgebogen. Damit bin ich dann in einer ordentlichen Furche bis über die Knie im Schnee versunken.
Der Panoramaweg geht leicht abfallend und mit ein paar wenigen Stufen in eine bewaldete Senke hinein und auf der anderen Seite wieder heraus. Hinter der Senke geht es wieder am Waldrand entlang. Bald ist der große Parkplatz bei der Kleingartenkolonie Kiefricht erreicht. Eigentlich müsste die Wanderung links hinten in der Ecke (vom Panoramaweg aus gesehen) weiter gehen, aber hier bietet sich ein verborgener Schatz zur Besichtigung an. Wenn man am linken Rand des Parkplatzes entlang wandert, dann führen in der linken vorderen Ecke ein paar Pfade leicht ansteigend von dem Parkplatz weg. winterliches_Schiller-Denkmal_kleinAm höchsten Punkt steht eine Sandsteinsäule mit dem Konterfei von Schiller. In dem alten Schiller- Denkmal befindet sich die Inschrift 18. November 1859. Blöderweise weiß ich nicht, was dieses Datum mit Schiller zu tun hat. Ich vermute, dass es nur das Aufstellungsdatum der Säule ist.
Nicht nur diese Säule versteckt sich hier ganz hervorragend, sondern gleich unter der Säule befindet sich auch noch eine kleine Grotte. winterliche_Grotte_unter_Schiller-Denkmal_kleinDiese erreicht man 10 Meter neben der Säule von der Kirnitzschseite. Die Grotte ist 2 x 2 Meter groß und hat eine interessante bogenförmige Decke. Ziemlich seltsam war, dass hier im Herbst 2010 ein paar richtig teure Wanderschuhe stehen geblieben sind. Wer schafft es, solche Schuhe hier zu vergessen? Wenn ich meine Treter ausgezogen habe und dann wieder loslaufe, dann merke ich das ganz sicher. Seltsam.
Von diesem Punkt geht es wieder auf den offiziellen Panoramaweg zurück. Dafür geht es an der Stirnseite des Parkplatzes in Richtung der Kleingartenanlage. An der ersten Möglichkeit geht es nach links auf dem breiten betonierten Weg leicht abfallend hinunter. Es wirkt schon ziemlich komisch, dass der Waldweg hier so gigantisch ausgebaut ist, aber das liegt daran, dass sich am Ende dieses Weges die Gaststätte Schlossbastei befand. Das Gasthaus gibt es schon lange nicht mehr, aber der betonierte Weg hält noch gut. Das erste Stückchen des Weges heißt Neuweg. Hier hat man im Winter durch die Bäume nach ca. 300 Metern einen ganz hervorragenden Blick auf die Kirnitzschtal-Klinik und auf den Stadtpark von Bad Schandau. Die Wanderung geht weiter in nördliche Richtung auf dem betonierten Weg. Blick_auf_winterliches_Bad_Schandau_kleinDer Name des Weges ändert sich von Neuweg in Wieckpromenade und endet an einem ehemaligen Parkplatz. Hier steigen ein paar Stufen zu einer schönen Aussicht über Bad Schandau hinunter. Die Aussicht besteht aus zwei Ebenen und war im Ursprung das Gelände der Gaststätte Schlossbastei. Diese Gaststätte war ein sehr beliebtes Tanzlokal und weit über die Grenzen von Bad Schandau bekannt. Eigentlich muss einen das bei dieser Lage nicht wundern. Schade, dass sie heutzutage nicht mehr vorhanden ist, aber wenigstens ist die schöne Aussichtsterrasse geblieben.
Für die weitere Wanderung geht es wieder auf den ehemaligen Parkplatz hoch und dann nach links. winterliche_Kletteranlage_Bad_Schandau_kleinDie sogenannte Zaukenpromenade verläuft vollkommen horizontal oberhalb von Bad Schandau entlang. Mit der Zaukenpromenade ist man auch wieder auf dem Panoramaweg, der nach ca. 100 Metern nach links abbiegt und über ein paar Stufen runter ins Zentrum von Bad Schandau führt. Wenige Meter bevor man die Häuser erreicht befindet sich ein kleiner ehemaliger Steinbruch, in dem eine Vielzahl Klettergriffe angeschraubt worden sind. Hier kann man mit ausreichender Vorsicht versuchen, den ersten Meter hochzuklettern. Danach wusste ich, warum die Kletterer immer so drahtige Männer und Frauen sind.
Nachdem man die Poststraße erreicht hat, müsste eigentlich die Wanderung nach links gehen, aber es empfiehlt sich, erst mal auf der Marktstraße geradeaus zu wandern. Schon nach ein paar Metern erreicht man den Markt. Hier sind gleich drei Besonderheiten zu entdecken. Zuallererst ist es das neu sanierte Hotel (www.elbresidenz-bad-schandau.de). Dass tatsächlich jemand den Mut hatte, die vielen verschachtelten und verfallenen Gebäude am Markt so toll wiederaufzubauen, winterlicher_halber_Sendig-Brunnen_kleinverdient großen Respekt. Vor dem Hotel steht der Sendig-Brunnen. Dieser Brunnen wird gerade wieder neu aufgebaut und ersetzt den komischen neumodischen Brunnen. Zu guter Letzt ist noch die schöne Kirche, in die man einen kurzen Abstecher unternehmen sollte. Nur von innen kann man erahnen, was die Hochwasser 2002 und 2006 in der Stadt Bad Schandau angerichtet haben.
Jetzt kommt ein hässliches Stück der Wanderung, da man am Rande an der Bundesstraße in Richtung Schmilka/Tschechien (also von der Kirche kommend nach rechts) wandern muss. winterlicher_Aufzug_Bad_Schandau_kleinZum Glück hat die Straße einen ordentlichen Bürgersteig und so erreicht man nach ½ Kilometer den Aufzug. winterlicher_Blick_vom_Aufzug_kleinEs ist ein Wohlgenuss, zumindest für den Menschen, der Technik und Landschaft liebt, mit dem gläsernen Aufzug nach oben zu schweben und dabei auf Bad Schandau und das Elbtal zu blicken. Diese Aussicht kann man nach der Ankunft noch länger genießen, da der Steg zum Aufzug auch noch mal zum Verweilen einlädt.
Am Ende des Steges befindet sich das sanierte Luchsgehege und zwei Informationstafeln erklären erst mal ein paar grundlegende Punkte zu dieser Katzenart. Luchsnachwuchs_im_Schnee_kleinDanach geht das Suchspiel los. Wenn man Glück hat, dann sind beide verbliebenen Luchse gut sichtbar, aber es kann auch vorkommen, aufmerksamer_Luchs_kleindass der Papaluchs faul in seiner Hütte liegt. Was bei den Tieren besonders auffällt, sind die lustigen Pinselohren, der komisch kurze Schwanz und die ungewöhnlich großen Füße. Wenn man liest, dass der Luchs in einer Entfernung von 50 Metern noch eine Maus laufen hört, dann kann man sich gut vorstellen, dass man neben dem Gehege keinen Radau machen muss, um auf sich aufmerksam zu machen.
Nach dem Besuch bei den beiden Luchsen geht es weiter aufwärts. Denkmal_Rudolf_Sendig_Luchsgehege_klein Hier erinnern zwei Gedenktafeln an Rudolf Sendig (www.rudolf-sendig.de). Ihm verdankt Bad Schandau z.B. den Aufzug, den Brunnen am Markt, mehrere herausragende Gebäude und eine besondere Attraktion in Ostrau. Die Wanderung über den Fahrstuhlweg ist ganz angenehm und am Ende erreicht man die Häuser von Ostrau. Hier kann man erst mal staunen, was für ungewöhnliche Häuser hier oben stehen. Es handelt sich nicht um Allerweltshäuser, sondern um schicke große Holzhäuser, die hier schon länger als ein Jahrhundert stehen. winterliche_Sendig-Villa_Ostrau_kleinDiese Villen hat Rudolf Sendig in einer Art Fertighaus-Methode bauen lassen und selbst heute stehen, bis auf eine Ausnahme, alle Häuser noch in einem spitzenmäßigen Zustand am Elbhang. Abrisshaus_Ostrauer_Ring_kleinEs gibt einige Bilder als Zeitzeugen, auf denen man deutlich erkennen kann, dass früher an dem Hang die Bäume gerodet waren und damit diese Häuser eine tolle Aussicht runter ins Elbtal hatten. Ich könnte mir sehr gut vorstellen, dass die heutigen Hausbesitzer diese Aussicht bestimmt gerne wieder hätten.
Um die Sendig-Villen führt der Ostrauer Ring und als Wanderer ist es eigentlich egal, welche Richtung man einschlägt. Die rechte Seite an der Talkante ist wegen den schönen Häuser interessanter. Beide Straßen erreichen aber das große Gebäude der Falkenstein-Klinik. Hier befindet sich eine Aussicht über die Ebene vor Ostrau auf die Schrammsteine bzw. den Falkenstein. Nun folgt man ¼ Kilometer der Wanderwegmarkierung grüner Punkt grüner Punkt bis zur Dorfstraße. Diese ist mit der Wanderwegmarkierung roter Strich roter Strich gekennzeichnet, auf der man nach links weiterwandert. Schon nach wenigen Metern passiert man die Ostrauer Jugendherberge, die sich auf der rechten Seite ein paar Meter von der Straße entfernt versteckt. Ich bin immer wieder überrascht, dass „Jugend“herberge nicht unbedingt mit jungen Leuten zu tun hat, da hier oben von den sehr netten Herbergseltern auch ältere Semester superfreundlich empfangen und betreut werden. Dieses Haus ist vor ein paar Jahren saniert worden und hat keine Ähnlichkeit mehr mit den Ferienaufenthalten während meiner Schulzeit in anderen Jugendherbergen.
Der markierte Wanderweg verlässt bald die Ortschaft Ostrau und steigt über den Waldweg mit dem Namen Ostrauer Berg ins Kirnitzschtal ab. Auf der linken Wegseite befindet sich wenige Meter hinter dem Ortsrand eine Quelleneinfassung mit der Jahreszahl 1809. Wenn man den Meter Aufstieg bis zur Tür der Quelle unternimmt, dann kann man glasklares Wasser in dem Sammelbecken entdecken. Nachdem man noch ein paar Meter abwärts gestiegen ist, dann erreicht man ein Geländer auf der rechten Wegseite. Hier konnte man noch im Winter 2010/2011 deutliche Spuren des August-Unwetters erkennen. Das Regenwasser, das hier von der Ostrauer Scheibe herunter lief, hat sich vor dem Geländer einen Weg gefräst und einen tiefen Graben hinterlassen. Für Wanderer ist diese Stelle ohne Problem zu bewältigen, aber Fahrzeuge kommen hier nicht mehr vorbei.
Nachdem man fast unten im Tal angekommen ist und schon die ersten Häuser von Bad Schandau passiert hat, biegt nach rechts der Niederweg ab. Hier stehen gleich einige sehr schöne Häuser, die man bestaunen kann. Der Niederweg endet ein paar Meter vor dem Straßenbahndepot. Hier muss man die Straße überqueren und auf der gegenüberliegenden Seite sind auf der Höhe der winterliche_Kirnitzschtalbahndepot_kleinAusweichstelle mehrere Aufstiege (6 – 7 Höhenmeter) zur Hartungpromenade. Diese ist auch wieder mit der bekannten Wanderwegmarkierung roter Strich roter Strich gekennzeichnet. Der Weg über diese Promenade ist sehr angenehm zu wandern und wenn man Glück hat, dann fährt unten auf der Straße eine der Straßenbahnen vorbei. Das sieht irgendwie immer wieder nett romantisch aus und hoffentlich wird die Straßenbahn noch lange erhalten bleiben.
½ Kilometer hinter dem Straßenbahndepot ist es mit dem angenehmen Wandern in der Horizontalen zu Ende und es geht nach links aus dem Kirnitzschtal heraus. winterlicher_Dorfbachklamm_Altendorf_kleinDer Aufstieg durch die Altendorfer Dorfbachklamm erfolgt über einige Stufen. Vollkommen unauffällig versteckt sich unter der großen Eisentreppe eine 33 Meter lange und 19,5 Meter tiefe Höhle. Diese Höhle ist selbst bei Altendorfern unbekannt. Als ich sie mit unserer großen Tochter das erste Mal besucht habe, war der Eingang mit einem ordentlichen Spinnennetz versperrt. Das kommt bei blonden Mädels überhaupt nicht gut an… (Anm. d. Mutter des blonden Mädels: igelige graublonde Papis sind auch nicht tapferer bei den Achtbeinern!)
Der Aufstieg durch die Altendorfer Dorfbachklamm ist selbst im Winter mit reichlich Schnee kein größeres Problem als im Sommer. Man muss bis zum Ende der Klamm ungefähr 100 Höhenmeter überwinden. Noch vor dem Ortsrand erreicht man eine Bank mit einer Gedenktafel an den Heimatforscher und Dorflehrer Hermann Lemme. Herr Lemme hat mindestens zwei Wanderführer zur Sächsischen Schweiz herausgebracht, ganz besonders tolle Naturbeobachtungen dokumentiert und ein gigantisches Register seiner eigenen Wanderungen (fast 4.000 Wanderungen) erstellt. Da müssen wir noch ein paar Jahrzehnte weiter wandern, um auf so eine riesige Zahl zu kommen.
Von dieser Stelle geht es jetzt einfach immer nur den Weg bzw. die Untere Dorfstraße aufwärts. Nachdem man ½ Kilometer durch Altendorf gewandert ist, erreicht man die Sebnitzer Straße, die nach links bis zum Ausgangspunkt gewandert wird. hoelzerner_Luchs_am_Luchsgehege_kleinDie Wanderung hat mir sehr gut gefallen und der Gedanke, dass irgendwo da draußen so eine große Katze durch den Wald streift, ist ziemlich interessant. Hoffentlich überlebt der Luchs möglichst lange und schafft es, einen Partner zu finden. Vielleicht gibt es dann nicht nur die schönen hölzernen Luchse, sondern das scheue Tier auch so vereinzelt im Wald.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.