Müllerwiese

Abstimmung:
unsere Bewertung::
positivpositivpositivnegativnegativ
Karte:
PDF:

Dauer:
ca. 4,00 h
Entfernung:
ca. 12,50 km
Höhenunterschied:
ca. 620 Meter
beste Reisezeit:
nicht an langen Wochenenden
Schwierigkeitsgrad:
steiler Aufstieg
festes Schuhwerk
Untergrund:
Forstweg und asphaltiert Wanderweg und Pfad Treppen
empfohlene Karten:
Nationalpark Böhmische Schweiz;
Nationalpark Böhmische Schweiz
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Schmilka - Grenze - Elbehang - Hrensko (Herrnskretschen) - Himbeergründel - Kreuzweg - Grenze - gelber Strich - Müllerwiesenweg - Müllerwiese - Großer Winterberg - Eishaus - roter Punkt - grüner Punkt - Wurzelweg - Schmilka

Beschreibung:

Man kann sich im Nationalpark Sächsische Schweiz ganz hervorragend an den Kernzonenschildern orientieren. Jedes Mal, wenn einem so ein Schild begegnet, kann man sicher sein, dass dahinter irgendetwas Interessantes verborgen werden soll. Das funktioniert in der Sächsischen Schweiz ganz hervorragend und in der Böhmischen Schweiz klappt das noch besser. So ziemlich zum Anfang meiner Touren in der Sächsischen Schweiz bin ich zum Großen Winterberg hinaufgekrochen und an der Slalomstrecke stehen gleich mehrere Kernzonenschilder. Wenn man sich diese Stellen auf einer Karte ansieht, dann stellt man ganz schnell fest, dass nur wenige Meter abseits der Straße ein böhmischer Wanderweg verläuft. So etwas muss doch auch mal in der Realität angesehen werden und deshalb gibt es diese sehr nette Wanderung.
Der Startpunkt liegt am großen Wanderparkplatz in Schmilka. Von hier geht es auf dem Bürgersteig in Richtung Tschechien. Als erstes passiert man ein in die Straße ragendes, wieder toll hergerichtete Gebäude. Dieses Haus hatte mich seit Jahrzehnten gestört und ich habe mich immer wieder gewundert, dass es nicht abgerissen wurde. Jetzt ist es von einem mutigen Besitzer super toll saniert worden und es ist eine echte Augenweide und ein Highlight für Schmilka geworden. Eins der besonders tollen Details ist die neu geschaffene Turmuhr. Dass heutzutage in der Zeit der Handyuhren noch jemand eine Turmuhr bauen lässt, ist mit großem Respekt zu würdigen.
Gleich auf den nächsten Metern in Richtung Tschechien fällt ein weiteres Gebäude auf. Die Straße führt komplett hindurch. Dieses Gebäude ist der Grenzübergang gewesen und steht seit der Grenzöffnung nach Tschechien leer. Das ist ganz schön traurig, da das Haus nur wenige Jahre im Einsatz war und man kann nur hoffen, dass sich auch hierfür ein mutiger Investor findet. ausgehoehlter_Steinbruch_Schmilka_kleinSobald man unter dem Gebäude her gegangen ist, fällt eine Zufahrt nach links auf. Es handelt sich zwar nur um einen Parkplatz, aber ursprünglich war es ein Steinbruch und hier kann man sehr gut Spuren der Arbeitsweise der Steinbrecher sehen. Als erstes wurde die Felswand ausgehöhlt und genau das kann man hier noch sehr gut erkennen. neues_Grenzschuetzerhaus_Fangzaun_Schmilka_kleinHeutzutage ist der obere Teil des Steinbruches instabil geworden und deshalb mussten mit großem Aufwand Anker in der Felswand angebracht werden. Für die kleineren Brocken ist zwischen dem ehemaligen Grenzhaus und der Felswand ein massives Fangnetz aufgestellt worden.
Von dem Grenzgebäude geht es ½ Kilometer weiter an der Straße entlang, bis auf der linken Straßenseite ein deutlich sichtbarer Felsbrocken (1 m x 2 m x 1 m) liegt. Auf mehreren alten Wanderkarten sind Aufstiege von der Straße hoch auf den parallel verlaufenden Waldweg eingezeichnet. Blöderweise haben wir bisher nur diesen Weg entdeckt, aber auch hier kommt man ganz gut hoch und es sind auch noch alte Spuren eines Aufstieges zu entdecken. Innerhalb von 100 Metern werden 60 Höhenmeter überwunden, was schon ganz gut anstrengend ist. Verwunderlich an diesem Aufstieg ist, dass er sogar in der offiziellen Karte des Nationalparks Böhmische Schweiz eingetragen ist. Nach dieser ersten Anstrengung wird es wieder sehr angenehm und man folgt dem Waldweg nach rechts. Der Weg schlängelt sich auf ziemlich gleichbleibender Höhe am Hang entlang und man kann deutlich sehen, dass es sich um einen uralten, früher viel benutzten Waldweg handelt. Heutzutage ist dieser Weg nicht mehr ganz so einfach zu erreichen und deshalb fristet er ein etwas verlassenes Dasein. Nach genau einem Kilometer führt der Waldweg über einen zum Teil eingebrochenen Durchlauf. Hier hält man sich erstmal rechts, um ein paar interessante Stellen zu entdecken. Nach 200 Metern erreicht man eine Aussicht, die aus bautechnischen Gründen entstanden ist. An dieser Stelle sind im Jahre 2009 innerhalb von kurzer Zeit gleich zweimal Felsen abgestürzt und dann wurden hier oben riesig viele Felssicherungsmaßnahmen durchgeführt. Blick_auf_Bahnhof_Schoena_kleinDurch das Baumfällen hat man jetzt aber einen uneingeschränkten Blick ins Elbtal und auf den Bereich um den Bahnhof Schöna. Wenn man noch ein paar wenige Meter weiter wandert, erreicht man den vorderen Zipfel oberhalb von Hřensko (Herrnskretschen). historischer_Abstieg_Herrnskretschen_kleinHier führt tatsächlich eine Schlucht ins Elbtal hinunter und man kann deutlich erkennen, dass hier früher ein richtiger Weg abwärts führte. Heutzutage endet der Abstieg an der Rückseite der Verkaufsbuden und dann schauen die Asiaten schon ziemlich verständnislos, wenn die Langnasen von der falschen Seite auftauchen. Buche_am_Stahlseil_Herrnskretschen_kleinIn dieser Schlucht und der Nachbarschlucht sind jeweils mächtige Buchen gefällt und dann seltsamerweise nicht entfernt, sondern stattdessen mit Stahlseilen an anderen Bäumen angebunden worden. Mindestens eine der Buchen liegt genau in der Verlängerung zu dem roten Dach der Verkaufsstände und scheint auch schon ein Stück abwärts gerutscht zu sein, denn das Seil ist jetzt sehr stramm gespannt. Für die Verkaufsbudenbesitzer müssen die beiden Bäume wie ein Damoklesschwert wirken, aber wahrscheinlich sind die Verkäufer auch noch nie dort hinaufgestiegen.
Die Wanderung geht wieder den ¼ Kilometer zurück bis zum bekannten Durchfluss und dann im spitzen Winkel wieder in Richtung Hřensko (Herrnskretschen). Auch dieser Weg ist relativ breit und wäre angenehm zu wandern, wenn nicht die Forstleute Bäume fällen und dann quer auf dem Weg liegen lassen würden. Insgesamt sind es etwas mehr als 100 Meter, die durch Bäume blockiert sind, aber man kann man sie ganz gut umgehen oder übersteigen. Ich finde es immer wieder verwunderlich, warum man solche Bäume nicht abtransportiert, ganz besonders, wenn man sie von oben sehr einfach abholen könnte. Noch mehr kann ich mich aber darüber ärgern, wenn die Waldarbeiter für ihre harte Arbeit Plastikwasserflaschen dabei haben und diese dann einfach im Wald liegen lassen. Dann ist es überhaupt kein Wunder, wenn beim nächsten Hochwasser wieder riesige Müllberge in Bad Schandau am Bootsanleger hängen bleiben.
Der Waldweg wird richtig angenehm und die Wanderung führt Blick_auf_Herrnskretschen_und_Kamnitz_kleinweit oberhalb von Hřensko (Herrnskretschen) am Hang entlang. Insgesamt sind es 2 Kilometer, die auf fast gleichbleibender Höhe gegangen werden. Nur einmal, schon nachdem man in den Malinový důl (Himbeergrund) abgebogen ist (nach 1 ¾ Kilometer), gabelt sich der Weg und hier hält man sich links. Im Malinový důl (Himbeergrund) fallen die unterschiedlichen Wasserwerke auf, die aber heutzutage nicht mehr die große Rolle spielen. Heutzutage liefern die größeren Gebäude zwischen Hřensko (Herrnskretschen) und Mezní Louka (Rainwiese) das Trinkwasser.
Durch den Malinový důl (Himbeergrund) geht es aufwärts, bis man eine große Wiese erreicht. In der Sommerzeit steht hier massig Farn, aber man kann die Fläche auch ganz gut links und dann oberhalb umrunden. Das Ziel ist auf jeden Fall die rechte obere Ecke. Hier startet ein netter Grund, der wirklich angenehm aufwärts führt. Nach etwas weniger als ½ Kilometer durch das Tal erreicht man einen Waldweg, der nur überquert wird und dann geht es auch gleich in der Verlängerung des Tales (leicht rechts) weiter. Dieser Weg ist eher eine Schneise, aber man kann deutlich sehen, dass sie von einigen Mitmenschen als Verbindungsweg benutzt wird. Nach 300 Metern kommt man an einem großen zentralen Platz an, der als Holzsammelplatz und als Parkplatz (Forst und Nationalpark) genutzt wird. Wenn hier ein Nationalparkrangerauto steht, dann sollte man auf dem nächsten Teilstück Obacht geben. Wir haben genau aus diesem Grunde die Wanderung schon einmal hier abgebrochen und sind an der tschechischen Kernzonengrenze nach links gewandert. Im Winter 2014 konnte man hier ziemlich unverständliche Fahrzeugspuren entdecken. Die tschechische Kernzonengrenze ist mit roten Ringen an den Bäumen gekennzeichnet und knapp neben der großen Fläche führten einige Fahrwege in den geschützten Bereich. Die Fahrzeuge hatten sich durch ihr Gewicht und den fehlenden Frost ordentlich in den Waldboden eingegraben. So etwas ist aus Sicht von Fußgängern vollkommen unverständlich, denn bis Wanderer solche Spuren hinterlassen, müssten die Besucher von mehreren Fußballstadien hier oben lang trampeln.
Die Wanderung passiert also das Kernzonenschild und breiter_Waldweg_Richtung_Winterberg_kleinrechts hinter diesem geht ein riesig breiter Waldweg in Richtung Grenze. Warum auch immer hier oben solch eine riesige Fläche angelegt worden ist, es könnte eine Vorbereitung für einen Autobahnzubringer auf den Großen Winterberg sein. Nach etwas weniger als 200 Metern ist auf der linken Wegseite ein deutlich sichtbarer Trampelpfad zu entdecken. Eigentlich müsste man hier von dem breiten Forstweg senkrecht wegwandern, aber der größte Teil der Wanderer möchte anscheinend zum Winterberg und so steigt der Pfad leicht rechts hoch. Wenige Meter neben dem breiten Waldweg verläuft parallel dazu eine große Wiese, die nicht so ganz zu meiner Vorstellung von Kernzone passt. Wenn man auf der Wiese aufwärts (also rechts hoch) wandert, befindet sich links davon die Grenze und in wenigen Metern Entfernung die Zufahrtsstraße zum Großen Winterberg. Nachdem man diese Straße mit ihren Serpentinen erreicht hat, kann man auch hier die Kernzonenschilder entdecken. Neben so ziemlich jedem dieser Schilder findet man auch Trampelpfade. Wildwiese_Grenze_Grosser_Winterberg_kleinEs ist ganz schön verwunderlich, warum die 400 Meter von dem Holzsammelplatz in Tschechien zu den Serpentinen in Deutschland nicht freigegeben werden. Wenn man dann auch noch die 150 Meter von der seltsamen Wiese abzieht, dann kann man sich kaum vorstellen, dass der Buchenwald irgendeinen Schaden erleiden könnte.
Auf den Serpentinen geht es auf jeden Fall der Wanderwegmarkierung gelber Strich gelber Strich nach oben hinterher. Blick_vom_Kipphorn_auf_Elbe_Lilienstein_kleinAuch wenn es eigentlich eine Zufahrtsstraße ist, so dürfen hier nur die Wirtsleute vom Großen Winterberg und die Nationalparkranger fahren. Schon bald biegt die gelbe Wanderwegmarkierung nach rechts auf den Müllerwiesenweg ab. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite könnte man noch einen kurzen Abstecher (150 Meter) zur lohnenswerten Kipphornaussicht unternehmen.
Der Müllerwiesenweg ist ein schmaler Waldweg, auf dem im Frühjahr 2014 PKW- und Traktorspuren zu sehen waren. Wildwiese_Grenze_Grosser_Winterberg_kleinNach 300 Metern fallen auf der rechten Wegseite die Müllerwiese und ein Hochsitz auf. Hierher führten auch die Traktorspuren, weil der Traktor die gesamte Wiese von Maulwurfhaufen des Winters befreite und damit die Wiese wieder so einigermaßen eben ist. Irgendwie ist es schon sehr komisch, wenn der gesamte Bereich des Großen Winterbergs in der höchste Schutzklasse (im Sprachgebrauch der Sächsischen Schweiz Kernzone) liegt und man an allen möglichen Stellen darauf hingewiesen wird, dass man nur auf markierten Wegen unterwegs sein darf und dann fährt hier der Traktor im Zickzack über die Wiese und gleich nebenan steht ein Hochsitz, der bestimmt auch nicht nur zum Tiere beobachten ist. Durch solche Stellen, die gut sichtbar neben dem offiziellen Wanderweg liegen, lässt es sich überhaupt nicht mehr vermitteln, dass man als normaler Wanderer nicht auch mal vom Weg abweichen darf. Und lieber Nationalpark, kommt mir bitte nicht wieder mit dem seltsamen Argument der unterschiedlichen Waldpflegezonen bzw. Naturzonen um die Ecke. Die Zone heißt Kernzone und wenn kein Wanderer den Wald betreten darf, dann sollte auch kein Forstfahrzeug oder Traktor darin herumfahren und auch der Jäger sollte dann dort nichts zu suchen haben.
Auf dem Müllerwiesenweg geht es noch ein Stück weiter, bis nach links der blaue Strich blauer Strich zum Großen Winterberg abbiegt. Nationalparkinfohaus_Winterberg_Eishaus_kleinDer Aufstieg ist schnell geschafft und als erstes erreicht man das Nationalparkhaus Eishaus. Auch wenn es von außen nur relativ klein aussieht, so ist drinnen eine sehr gelungene Ausstellung des Nationalparks Sächsische Schweiz zum Thema Tourismus im Bereich der beiden Winterberge und über die Waldwirtschaft. Das nächste Gebäude ist die Gaststätte und der Hotelbetrieb Großer Winterberg. Hier kann man sich gut mit etwas Trinkbarem und sehr lecker schmeckendem Essen stärken. Vielleicht sollte man, noch bevor man sich den Bauch vollschlägt, einmal auf den Aussichtsturm hinauf steigen. Von der oberen Plattform hat man einen netten Blick über den Buchenwald hinweg.
Die Wanderung führt auf jeden Fall auf der nördlichen Seite vom Großen Winterberg herunter. Der Abstieg ist immer noch mit dem blauen Strich gekennzeichnet und am Untergrund kann man gut sehen, dass der Winterberg ein Granitberg (im Gegensatz zum restlichen Sandsteingebirge) ist. Schlucht_Wurzelweg_kleinNach fast einem Kilometer verlässt man den blauen Strich und biegt nach links auf den grünen Punkt grüner Punkt ab. Der Abstieg erfolgt 1 ½ Kilometer auf dem Wurzelweg. Wie der Name des Weges erahnen lässt, ist es kein besonders ebener Waldweg, sondern mit so einigen Stufen und Wurzeln ausgestattet. Das wird nach den besagten 1 ½ Kilometern wieder anders, weil dann die bekannte Zufahrtstraße zum Großen Winterberg erreicht wird. Hier geht es auf der Wanderwegmarkierung gelber Strich gelber Strich bzw. kurz vor der Ortschaft auf dem roten Punkt roter Punkt bis zum Ausgangspunkt zurück.
Die Wanderung hat wirklich viel Spaß gemacht und es ist kein Wunder, dass an der Zufahrtsstraße des Großen Winterbergs so viele Kernzonenschilder auf die verbotenen 400 Meter hinweisen. Der Weg über die Grenze ist wirklich viel zu einfach. Immer wieder verwunderlich ist, dass die beiden Nationalparks (Sächsischer wie auch Böhmischer Nationalpark) zwar ihren Besuchern sehr restriktive Regeln auferlegen, sich aber zumindest aus Sicht der Besucher selber nicht daran halten.

    Anreise:

    Öffentlicher Nahverkehr:
    Anreise mit S-Bahn bis zur Haltestelle Schmilka Grenzübergang mit dem VVO-Navigator
    Auto:
    Empfohlener Parkplatz: Schmilka Ortmitte
    Parkplatzgebühr für die Wanderung: 5,00€

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.