romantische Täler Böhmen

Abstimmung:
unsere Bewertung::
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Karte:
PDF:

Dauer:
ca. 4,75 h
Entfernung:
ca. 19,50 km
Höhenunterschied:
ca. 550 Meter
beste Reisezeit:
eigentlich immer
Schwierigkeitsgrad:
lang
festes Schuhwerk
witterungsbedingt schwierig
Untergrund:
Forstweg und asphaltiert Wanderweg und Pfad Treppen
empfohlene Karten:
Böhmische Schweiz;
Rolf Böhm Kartographischer Verlag
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Hinterhermsdorf - Haus des Gastes - gelber Strich - Neudorfstraße - Neudorf - Lehmhübelweg - Pöhligstein - Taubensteinweg - Taubenstein - Reißersgrund - Niedermühle - Grenzübergang Hinterdaubitz - blauer Strich - Unterer Weg - Wolfstafel - Schlangenquelle - Schneeberger Grund - Vorderen Lorenzgrund - grüner Strich - Kaltenbach - roter Strich - Khaatal - Touristenbrücke - Grenzübergang Hinterdaubitz - Kirnitzschtal - roter Strich - Liebschenräumicht - Hinterdaubitzer Straße - Hinterhermsdorf - Neudorf - Neudorfstraße - gelber Strich - Haus des Gastes

Beschreibung:

Diese Wanderung durch ein paar romantische Täler der Böhmischen Schweiz ist durch den netten Hinweis eines Lesers entstanden. Ganz besonders wichtig bei dieser Mail war der Hinweis, dass es sich in keiner Weise um Wege in der Kernzone handelt. Mich selber stören ein paar Meter durch die Kernzone nicht, aber bei dieser Wanderung dachte ich bisher, dass der gesamte Bereich zur Kernzone gehören würde. Ein kurzer Blick auf die Karte des böhmischen Nationalparks belehrte mich jedoch eines Besseren.
Also ging es in der Ortsmitte von Hinterhermsdorf los. Vom großen Parkplatz führt die Wanderung nach rechts. ehemaliges_Forsthaus_Hinterhermsdorf_kleinKurz hinter dem Erbgericht stößt die gelbe Wanderwegmarkierung gelber Strich zu Hirsch_am_ehemaliges_Forsthaus_Hinterhermsdorf_kleinWanderung und es geht weiter geradeaus bis zur Neudorfstraße. Hier biegt man nach links in Richtung Neudorf ab. Die Straße ist immer noch mit der gelben Wanderwegmarkierung gekennzeichnet. Nach etwas weniger als 200 Metern fällt auf der linken Straßenseite ein sehr ungewöhnliches Gebäude mit roten Klinkern auf. Dabei handelt es sich um das alte Forsthaus (Baujahr 1898), das heutzutage als Kindergarten und Wohnhaus genutzt wird. Ganz besonders fällt der Hirschkopf mit dem gewaltigen Geweih an der Hauswand auf.
Die Wanderung folgt insgesamt ½ Kilometer der Straße durch das Neudorf, bis der markierte Wanderweg nach rechts bzw. schräg nach vorne weiter geht. Der Wanderweg führt horizontal auf einem Feldweg aus der Ortschaft heraus. Hier kann man noch mal sehr nett auf die Wiesenlandschaft östlich von Hinterhermsdorf blicken. Danach geht es in den Wald hinein, aber selbst dort passiert man nur eine kleine Senke und wandert sehr angenehm weiter in Richtung Kirnitzschtal. Nach einem Kilometer durch den Wald weist ein Schild auf den Aussichtpunkt Taubenstein. Da dieser kleine Abstecher wirklich einfach zu bewerkstelligen ist, sollte man ihn mitnehmen und den Blick in und über das Kirnitzschtal genießen. Unten im Tal kann man die Niedermühle entdecken und dieser Punkt soll auch das nächste Ziel der Wanderung sein.
Dazu geht es weiter auf der gelben Wanderwegmarkierung, aber kurz nach dem Zugang zur Aussicht beginnt der Abstieg. Der Wanderweg führt in einem Bogen um den Breiten Stein und am Ende des Abstiegs erreicht man den Wanderweg im Kirnitzschtal. Hier biegt die Wanderung nach links ab und verläuft, immer noch auf der gelben Wanderwegmarkierung, jetzt wieder sehr angenehm durch das Kirnitzschtal weiter. Nach ein paar Metern erreicht man eine kleine Weggabelung. Der linke Weg mit der Wanderwegmarkierung führt genauso wie der breite Weg an der Kirnitzsch bis zur Niedermühle. Niedermuehle_im_Kirintzschtal_kleinDer linke Weg bietet dadurch, dass er ein paar Meter höher geht, einen netten Blick auf die Niedermühle, der Weg an der Kirnitzsch entlang ermöglicht eine bessere Aussicht auf den Bach und das Stauwehr der Niedermühle. Sehr ungewöhnlich, aber auch erfreulich ist, dass bei dem Augusthochwasser 2010 diese alte Brettmühle und das Stauwehr fast unbeschadet überstanden haben. Nur ein kleiner Teil der Zufahrt ist weggespült worden, aber auch dies wurde inzwischen wieder behoben. So führt die Wanderung zwischen den unterschiedlichen Gebäuden der Niedermühle hindurch. Im Herbst 2011 stand in einem der oberen Giebelfenster eine sehr lebensechte Katze. Ob es eine Plüschkatze oder eine ausgestopfte ist, habe ich nicht so richtig erkannt, aber ich kann mir die Reaktion unserer Kinder auf eine ausgestopfte Katze sehr gut vorstellen. Das könnte für uns Erwachsene sehr unterhaltsam werden.
Auf der anderen Seite der Niedermühle geht es noch ein kleines Stück die Kirnitzsch bachaufwärts bis zur nächsten Kreuzung. Auf der rechten Seite befindet sich ein netter Rastplatz mit einem Rastplatz_mit_Pilsdach_kleinpilzförmigen Dach. Der Weg nach rechts führt zum Grenzübergang und genau der sollte das nächste Ziel der Wanderung sein. Nachdem man die Brücke über die Kirnitzsch und damit die Grenze überquert hat, geht es nach rechts auf der Wanderwegmarkierung blauer Strich blauer Strich weiter. Schon nach ganz wenigen Metern biegt nach links ein Tal ab, das zu einer der ganz traurigen Stellen der deutschen Geschichte führt. Nach 100 Meter stehen in diesem versteckten Tal zwei Gedenksteine zu einem Mord an 8 KZ-Insassen. Wenn man so etwas sieht, kann man nur immer wieder hoffen, dass solche Gräueltaten nie wieder passieren werden, aber die Nachrichten aus der weiten Welt berichten mindestens wöchentlich etwas anderes.
Die Wanderung führt wieder das kurze Stück aus dem Tal heraus und dann nach links der blauen Wanderwegmarkierung blauer Strich weiter hinterher. Der Waldweg steigt mehr oder weniger steil an und komischerweise befinden sich nur auf der rechten Wegseite die roten Ringe um die Baustämme. Diese Kringel signalisieren die Kernzonen im Böhmischen Nationalpark und werden in folgender Form gedeutet: Wenn man zwei Streifen sieht, dann darf man in das Gebiet nicht hineingehen. Von der anderen Baumseite ist nur ein Streifen zu sehen und damit weiß man, dass man die Kernzone verlässt. Bis zu dieser Wanderung war es mir nicht bewusst, dass die Kernzone in diesem Bereich nur ein ganz schmaler Streifen an der Kirnitzsch entlang ist. Das ist sehr Schutzhaeuschen_Natterborn_kleingut für diese Wanderung, denn nach 2 Kilometern ist auf der linken Wegseite der Hadí pramen (Natterborn oder auch Schlangenquelle genannt) ausgeschildert. Hier verlässt die Wanderung den blau markierten Wanderweg und geht in Richtung der kleinen Quelle. Der Hadí pramen (Natterborn) ist unübersehbar und für so eine kleine Quelle im Wald ungewöhnlich gut ausgebaut. Gleich daneben steht eine Bank, eine Holztreppe führt hin und das Quellwasser wird in eine Rinne geführt.
Mir war bis zu dieser Wanderung noch nicht aufgefallen, dass der Zugang zum Hadí pramen (Natterborn) auch noch weiter in den Wald führt. Genau auf diesem Weg geht es noch ein paar Meter weiter, um 100 Meter hinter der Quelle nach rechts abzubiegen. Es geht ein paar wenige Meter in die Senke, um dann gegenüber auf dem gut sichtbaren Waldweg aufzusteigen. Der Waldweg ist gut ausgebaut für die Forstwirtschaft, aber seltsamerweise vollkommen ohne jegliche Fahr- und Wanderspuren. Hier wächst richtig nett Moos und Gras auf dem Weg und es geht mit einer einigermaßen angenehmen Steigung aufwärts. Zugang_Felsenkessel_oberhalb_Natterborn_kleinZwischendurch passiert man eine Art Felsenkessel, der sich hier oben richtig nett versteckt. Auch der weitere Weg aus dem Kessel heraus ist eindeutig zu finden und nach einem kurzen Restaufstieg erreicht man einen breiten Waldweg zwischen den beiden Steinen Pytlak (Bittler) und Dravci skala (Käs und Brot). Pfad_durch_Schneeberger_Grund_kleinBeide Richtungen des Waldweges sehen äußerst verführerisch fürs Weiterwandern aus, aber es geht geradeaus in die Senke, quer durch Farn und kleine Fichten. Die Senke heißt Sneznicky důl (Schneeberger Grund) und je weiter man runter kommt, desto besser kann man den Pfad auch wieder erkennen.
Nach etwas weniger als einem Kilometer durch den Sneznicky důl (Schneeberger Grund) befindet sich auf der linken Seite ein im spitzen Winkel abbiegendes Tal, von dem ich keinen Namen weiß. Es geht leicht ansteigend in diesem Grund für 400 Meter aufwärts und genauso wie der Sneznicky důl (Schneeberger Grund) liegen hier auch immer wieder ein paar Bäume quer. Aber das sollte für die meisten Wanderer kein allzu großes Problem darstellen. Was schon ein bisschen mehr Sabotage an der Wanderung sein könnte, ist die Feuchtigkeit der Gründe. Zwischendurch stehen schon mal ein paar Pfützen und man versinkt ein wenig, aber dafür wandert man durch überraschend unberührte Täler. Es ist wirklich verwunderlich, dass dieses Gebiet nicht zur böhmischen Kernzone dazugezählt wird. Auch auf der deutschen Seite des Nationalparks sind mir solche romantischen Täler, zumindest legale, unbekannt.
Nach den besagten 400 Metern biegt man nach rechts ab in das letzte der schönen Täler. Es handelt Pfad_durch_Vorderen_Lorenzgrund_kleinsich um den Přední Lorencův důl (Vorderen Lorenzgrund). Dieser zieht sich insgesamt 1 ¾ Kilometer sehr angenehm ansteigend durch die Felsenlandschaft und trotzdem hat man am Ende des Grundes 120 Höhenmeter bewerkstelligt. Am Ende dieses wirklich sehr schönen Tales erreicht man die Zivilisation in Form eines breiten Wald- bzw. Radweges (Nr. 3031). Diesem Weg folgt man 400 Meter nach rechts, bis nach links die Wanderwegmarkierung grüner Strich grüner Strich abbiegt. Damit noch ein paar Höhenmeter zusammen kommen, geht es hier wieder auf einem unterschiedlich hubbeligen Pfad bergab. Auf der linken Wegseite stehen gleich mehrere Grenzsteine, die irgendwie alle durchnummeriert sind und seltsamerweise die Inschrift CSR haben.
Am unteren Ende des Grundes erreicht die Wanderung die Kirnitzsch bzw. im Tschechischen heißt der Bach Křinice. Dem Bachlauf folgt man nach links auf einem sehr angenehmen Waldweg, auf dem einem manchmal Radfahrer begegnen können. Der Weg durch das Kyjovské údolí (Khaatal) ist bei den tschechischen Radfahrern ziemlich beliebt, aber auch für Wanderer ist er sehr schön. Nach einem ¾ Kilometer erreicht man den Rastplatz Turistický most (Touristenbrücke), an dem schon seit mehreren Jahrhunderten einige Wanderwege aufeinander treffen. Heutzutage ist der Name Turistický most (Touristenbrücke) etwas seltsam, da es zwar immer noch eine Brücke über die Křinice (Kirnitzsch) gibt, die aber überhaupt nichts mehr mit dem zierlichen Steg von damals gemeinsam hat. Heutzutage könnten sich auf der Betonbrücke zwei Holztransporter gegenseitig überholen.
Die Wanderung geht weiter das Kyjovské údolí (Khaatal) abwärts und es macht immer wieder Spaß, dem Bach zuzusehen, Fichten_auf_Felsklotz_in_Kirnitzsch_kleinwie er die Felsen und das Bachbett formt. Mindestens an zwei Stellen stehen auch Felsen mitten im Bachlauf und ulkigerweise wachsen auf diesen Felsmurmeln mehrere Fichten. Gedenktafel_Johann_Hille_Khaatal_kleinWenige Meter bevor auf der rechten Seite die deutsche Grenze sichtbar wird, hängt in luftiger Höhe an einer Felswand links des Weges eine Gedenktafel an Dr. Johann Hille (1852 – 1925). Die Tafel ist in den letzten Jahren erneuert worden und inzwischen auch zweisprachig. Die Grenze verläuft noch eine Weile in der Mitte des Baches. Bei der ersten Möglichkeit geht es wieder über eine Brücke auf die deutsche Seite zurück. Dieser Grenzübergang für Wanderer und Radfahrer ist schon vom Hinweg bekannt und so geht es bis zum Rastplatz mit dem Pilzdach ein kleines Stück auf dem gleichen Weg entlang.
Hinter dem Rastplatz wird der bekannte Wanderweg nach rechts verlassen und es geht für 150 Meter auf der Wanderwegmarkierung roter Strich roter Strich weiter. Dann biegt nach links die Hinterdaubitzer Straße ab. Wie der Name der Straße sagt, ist es die ehemalige Verbindungsstraße zwischen Hinterhermsdorf und der ehemaligen Siedlung Hinterdaubitz. Sehr interessant ist, dass früher sogar ein Bus die Strecke von Hinterhermsdorf runter ins Kirnitzschtal und dann weiter bis nach Kyjov (Khaa) gefahren ist. Durch die Grenze war einerseits die Buslinie unmöglich geworden und andererseits hatten die Gaststätte und das Hotel in Hinterdaubitz keine Kunden mehr.
Die Hinterdaubitzer Straße führt mit einer sehr angenehmen Steigung bis hinauf nach Hinterhermsdorf Neudorf. Heimatmuseum_Hinterhermsdorf_kleinEin paar Meter hinter dem Ortseingang stößt die bekannte gelbe Wanderwegmarkierung gelber Strich auch noch auf die Straße, die hier oben Neudorfstraße genannt wird. Am Ende der Straße muss man noch einmal rechts abbiegen und passiert das liebevoll gestaltete Heimatmuseum von Hinterhermsdorf. Damit ist dann auch bald der Ausgangspunkt dieser sehr schönen Wanderung erreicht. Ich war wirklich von den schönen Tälern und Gründen überrascht und es ist beeindruckend, dass hier kaum Spuren von anderen Wanderern zu sehen sind.

    Anreise:

    Öffentlicher Nahverkehr:
    Anreise mit Bus bis zur Haltestelle Hinterhermsdorf Erbgericht mit dem VVO-Navigator
    Auto:
    Empfohlener Parkplatz: Hinterhermsdorf Ortsmitte
    Parkplatzgebühr für die Wanderung: 4,00€

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