Schmugglerweg

Abstimmung:
unsere Bewertung::
positivpositivpositivpositivnegativ
Karte:
PDF:

Dauer:
ca. 4,50 h
Entfernung:
ca. 19,00 km
Höhenunterschied:
ca. 810 Meter
beste Reisezeit:
eigentlich immer
Schwierigkeitsgrad:
lang
viele Höhenmeter
Untergrund:
Forstweg und asphaltiert Wanderweg und Pfad Treppen
empfohlene Karten:
Sebnitz und Umgebung - Karte 90;
Sachsen Kartographie GmbH Dresden
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Saupsdorf - roter Strich - Wachbergstraße - Wachberg - Prof. Alfred-Meiche Weg - Hinterhermsdorf - Alte Nixdorfer Straße - Weifberg - Schäferräumicht - Folgenweg - gelber Strich - Bämmelweg - Weißbachtal - Grenze - grüner Strich - Schmugglerweg - blauer Strich - Kirchsteig - Kalkstraße - Diebstraße - Thomasdorf - Grenze - Waldhaus - blauer Strich - Prof. Alfred-Meiche Weg - gelber Strich - Kirchberg - Saupsdorf

Beschreibung:

Diese Wanderung ist durch die ungewöhnliche Anfrage entstanden, ob ich vielleicht wüsste, wohin die grüne Wanderwegmarkierung im Weißbachtal führen würde. Da genau für diesen Bereich gerade eine nagelneue Karte von Rolf Böhm (www.boehmwanderkarten.de)  herausgekommen ist und in dem beschriebenen Bereich weit und breit nichts von einem Weg eingetragen war, konnte dort eigentlich auch kein markierter Wanderweg sein. Aber sicherheitshalber musste natürlich gleich mal ein Ausflug dorthin unternommen werden. Da ich mal wieder ein Stück länger wandern wollte, liegt der Startpunkt in Saupsdorf. Der große Vorteil ist, dass man hier auf dem großen Parkplatz am Ortseingang kostenlos parken darf, aber dafür startet die Runde gleich mal mit einem ordentlichen Aufstieg hoch zum Wachberg. herbstlicher_Blick_vom_Wachberg_auf_Saupsdorf_kleinVon dem Parkplatz geht es ein paar wenige Meter nach rechts bis zur abknickenden Vorfahrtsstraße. Hier biegt nach links die Wachbergstraße und damit die Wanderwegmarkierung roter Strich roter Strich ab. Auf dieser Dorfstraße geht es erst ein paar Meter aufwärts und dann auf einem kleineren Weg weiter bis hoch auf den Wachberg. Der Berg wird auch die Krone der Sächsischen Schweiz genannt und die Aussicht von hier oben ist wirklich sehr nett.
Nach diesem ersten Aufstieg geht es auf der Rückseite bzw. der östlichen Seite, weiterhin auf dem roten Strich, den Berg wieder hinunter. Die Wanderung folgt dem Prof.-Alfred-Meiche-Weg am Waldrand entlang und auch hier wird eine nette Aussicht mit einer Schutzhütte passiert. herbstlicher_Weifberg_mit_Turm_kleinAuf der linken Wegseite fallen immer mal wieder vereinzelt Grenzsteine auf, ganz besonders an der Senke des Grenzbachs. herbstlicher_Weifbergturm_kleinDer rot markierte Wanderweg führt auf der Rückseite des Weifbergs in Richtung Hinterhermsdorf. Wenn man schon so nah an dem Weifberg bzw. dem Weifbergturm ist, sollte man unbedingt einen Abstecher hinauf unternehmen. Die rote Wanderwegmarkierung führt auch einmal quer über den Berg und so folgt man dieser einfach nur. Die 173 Treppenstufen des Turmes sind relativ schnell bewältigt und dann wird man mit einer sehr schönen Rundumaussicht belohnt. Wirklich verwunderlich ist, dass diese Holzkonstruktion bei Wind viel stabiler ist als z.B. der vergleichbare Eisenturm in Janov (Jonsdorf).
Der Weg führt auf der östlichen Seite vom Berg herunter und am Waldrand wird der schöne Rastplatz Kaltenbergblick passiert. Die Wanderung folgt immer noch dem roten Strich und es geht in eine der ruhigsten Ecken der gesamten Sächsischen Schweiz. Am nächsten Waldrand wird das Schäferräumicht passiert und dann wandert man auf einem schnurgeraden Waldweg für einen Kilometer leicht abfallend bis zum Heidelbach. Hier trennen sich die gelbe und die rote Wanderwegmarkierung und es geht auf dem gelben Strich gelber Strich nach links weiter. Als nächstes werden mit dem Bammelweg noch ein paar Höhenmeter (60 Höhenmeter) überwunden, bis man die Kalkstraße erreicht und direkt auf der gegenüberliegenden Wegseite geht es hinunter in das obere Weißbachtal. neuer_Grenzuebergang_oberes_Weissbachtal_kleinSobald man den Weißbach bzw. die Grenze erreicht hat, startet tatsächlich auf der gegenüberliegenden Bachseite die grüne Wanderwegmarkierung grüner Strich. Mit einem Schritt sind der Bach und damit die Grenze übersprungen und der neue Wanderweg schlängelt sich den Hang hinauf. Sehr ungewöhnlich ist, dass der Pfad mit wirklich vielen Wegkennzeichen markiert wurde. Zumindest auf den ersten paar hundert Metern wurde jeder fünfte Baum mit dem Strich gekennzeichnet. Hohlweg_Schmugglerweg_kleinSchon nach weniger als ¼ Kilometer wird ein gut ausgebauter Waldweg mit dem Namen Pašerácká stezka (Schmugglerweg) erreicht, dem man nach links folgt. Hier verläuft der Waldweg zum Teil durch einen ziemlich ausgefahren Hohlweg und der alte Wald besteht noch aus dem typischen Fichtennutzwald. Hier in Tschechien wird der Wald in Feldstreifen gefällt, aber in den gerodeten Stücken kann man einen sehr netten neuen Mischwald entdecken. Damit wird auch hier der Wald bald zu einem schöneren Fleck und auf jeden Fall widerstandfähiger.
Nach einem Kilometer auf dem doch ziemlich abseits liegenden Pašerácká stezka (Schmugglerweg) erreicht man eine größere Kreuzung. Hier wird die grüne Wanderwegmarkierung verlassen und es geht nach links auf dem blauen Strich blauer Strich weiter. Anhand des Wegweisers lässt sich sehr gut erkennen, wann die beiden Wanderwege (grüner und blauer Strich) angelegt wurden. Auf den schönen Blechschildern in der Böhmischen Schweiz steht immer links unten das Herstellungsjahr und hier ist die Jahreszahl 2014 zu entdecken. Also ist es überhaupt kein Wunder, dass Rolf Böhm diesen Wanderweg noch nicht in seiner Khaatalkarte eingetragen hatte.
Der blaue Strich führt über den Kostelní Stezka (Kirchsteig) in Richtung Tanečnice (Tanzplan). Ganz schön komisch ist, dass auf den Schildern der Hraniční bzw. Hančův vrch (Hantschberg) in einem Kilometer ausgeschildert ist. Dieser Berg ist aber auf der Rückseite des Weifbergs und damit schon auf der Luftlinie 2 Kilometer entfernt. Hier hat sich der Schildermaler irgendwie vertan, aber der Hügel ist sowieso vollkommen unauffällig. Der Wanderweg ist sehr angenehm zu gehen. Als ich die Runde gegangen bin, passierte an einer großen Wildwiese mit Futterkrippe etwas komisches. Auf einmal kam aus dem Lagerraum hinter der Futterkrippe ein Mann und ging dann die Wiese hinunter. Er sah in keiner Weise wie irgendeiner der Menschen aus, die man sonst so typischerweise im Wald trifft. Er trug einen blauen Jogginganzug und schaute sich mehrmals nach mir um. Als er die Mitte der Wiese erreichte, frage er mich in Englisch nach einer Zigarette, mit der ich als Nichtraucher aber nicht dienen konnte. Zuerst dachte ich, es könnte sich um einen Flüchtling in Richtung Deutschland handeln. Dann fiel mir ein Fahndungsplakat, das ich zwei Tage vorher im Tschechischen gesehen hatte, ein. In dem Moment bekam die Wanderung eine ungewöhnliche psychologische Komponente. Ganz besonders gemein ist das, wenn man in so einer einsamen Ecke wie dem Wald zwischen Hinterhermsdorf und Mikulášovice (Nixdorf) unterwegs ist.
Wenn man dem blau markierten Wanderweg schön weiter folgt, dann gelangt man nach 2½ Kilometern auf die Alte Nixdorfer Straße. Hier steht auf der rechten Seite eine Art Ortseingangsschild, das aber mit Ústecký kraj (Aussiger Region) eine der 14 Regionen (so eine Art Bundesland) von Tschechien beschreibt. Gedenkstein_Franz_Schneider_kleinAuch wenn die Wanderung eigentlich, weiterhin mit dem blauen Strich, die Alte Nixdorfer Straße überqueren soll, kann man gleich auf der gegenüberliegenden Wegseite einen uralten Gedenkstein entdecken. Der Gedenkstein erinnert an Franz Schneider aus Mikulášovice, der hier durch Blitzschlag im Jahre 1885 getötet wurde. Soweit sollte es lieber mal nicht kommen und deshalb sollte man sich immer daran erinnern, was man den Kindern schon in jungen Jahren beibringt: Der Wald und besonders hohe Stellen sind bei Gewitter wirklich sehr ungünstig und sollten gemieden werden.
Die Wanderung folgt also dem blauen Strich auf der Zlodějská stezka (Diebstraße) weiter in Richtung Wiese_an_der_Diebstrasse_kleinTanečnice (Tanzplan). Die nächsten 3 Kilometer sind sehr angenehm zu gehen und wechseln sich ab mit Waldstücken und Wiesenflächen. Zwischendurch ist nach links der Wachberg ausgeschildert. Hier könnte man die Wanderung abkürzen und den Weg über den Wachberg hinunter nach Saupsdorf gehen. Altar_Kapelle_Thomasdorf_kleinDiese Abkürzung ist aber nicht der ursprüngliche Plan zu dieser Wanderung und deshalb geht es bis zur asphaltierten Zufahrt von Tomášov (Thomasdorf). Die Minisiedlung ist links schon zu sehen und auf der Straße geht es durch die Ortschaft. Zuerst wird eine Ferienanlage mit so einigen Hütten und einem Restaurant passiert. Gleich dahinter steht auf der linken Wegseite eine kleine Kapelle mit einigen Heiligenbildern und einem reichlich gefüllten Altar. Hier scheint sich ein guter Geist liebevoll um den Schmuck inklusive frischer Blumen zu kümmern.
Die Wanderung folgt nun der Wanderwegmarkierung gelber Strich gelber Strich in Richtung der Grenze, welche schon nach etwas mehr als ½ Kilometer erreicht ist. Der Grenzübergang ist immer noch ordentlich Fussgaengeruebergang_Waldhaus_kleinverbarrikadiert und nur für Fahrradfahrer oder Wanderer zu passieren. Der Wanderweg führt danach auch weiterhin sehr angenehm in Richtung Waldhaus. Auf der linken Wegseite fällt ein komischer Hügel hinter einem Zaun auf. Dabei handelt es sich um eine versiegelte Müllkippe aus längst vergangenen Zeiten (letzte Nutzung 1998). Auch wenn eine Müllverbrennungsanlage nicht immer auf Freunde stößt, so kann man hier sehr gut sehen, dass auch das Vergraben von Müll noch riesige Mengen Geld kostet. So hat das Abdecken und der erste Bau der Gasentsorgung 2 ½ Millionen gekostet und der weitere Betrieb über 30 Jahre liegt noch mal bei dem gleichen Betrag. Schön, dass man in Deutschland lebt und der Müll nicht nur verbuddelt wird und damit aus den Augen verschwindet, sondern dann auch noch weiter nachversorgt wird.
Am Ende des Waldweges erreicht man die Gaststätte Waldhaus und hier geht es nach links auf der Wanderwegmarkierung blauer Strich blauer Strich weiter. Die nächsten 400 Meter führen leider auf der Landstraße zwischen Blick_von_Schutzhuette_auf_Saupsdorf_kleinSebnitz und Saupsdorf entlang, aber dann geht es nach links wieder auf den schon bekannten Prof.-Alfred-Meiche-Weg. Die Wanderung verläuft zuerst ein Stück horizontal und hinter der Waldmühle sogar bergab, aber dann geht es noch einmal den Wachberg hinauf. Ganz kurz bevor man den Gipfel bzw. die Gaststätte Natursteinmauer_am_Puttrichberg_kleinerreicht hat, biegt man nach rechts auf die Aussicht_vom_Puttrichberg_kleingelbe Wanderwegmarkierung gelber Strich ab und es geht nach Saupsdorf hinunter. Bevor man die Ortschaft erreicht, hat man noch mal einen sehr schönen Blick auf die Hintere Sächsische Schweiz bis weit vor in den Bereich des Liliensteins. Der gelbe Wanderweg führt genau bis zum Ausgangspunkt.
Auch wenn der eigentliche Grund für diese Wanderung nur ein ganz kleines Stück war, so ist dadurch eine sehr nette Runde entstanden, die auch ohne Probleme bei Hochbetrieb in der restlichen Sächsischen Schweiz unternommen werden kann.
Da ich von sehr vielen Dingen, die mir auf den Wanderungen begegnen, Fotos mache, hatte ich auch von dem Fahndungsbild ein Aufnahme gemacht und so konnte ich gleich zu Hause nachsehen, ob der Mann im Wald womöglich der Gesuchte sein könnte. Natürlich war er es nicht und so konnte ich den Abend ohne weitere Aufregung wie z.B. einem Besuch auf dem Polizeirevier genießen.

    Anreise:

    Öffentlicher Nahverkehr:
    Anreise mit Bus bis zur Haltestelle Saupsdorf Am Wachberg mit dem VVO-Navigator
    Auto:
    Empfohlener Parkplatz: Saupsdorf

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