Sechzehnender

Abstimmung:
unsere Bewertung::
positivpositivpositivnegativnegativ
Karte:
PDF:

Dauer:
ca. 8,25 h
Entfernung:
ca. 20,00 km
Höhenunterschied:
ca. 620 Meter
beste Reisezeit:
eigentlich immer
Schwierigkeitsgrad:
lang
Untergrund:
Forstweg und asphaltiert Wanderweg und Pfad Treppen
empfohlene Karten:
Rosenthal - Bielatal - Karte 95;
Sachsen Kartographie GmbH Dresden
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Hellendorf - gelber Strich - gelber Punkt - Hartenstein - Zeisigstein - gelber Strich - K-Weg - Mehlsteig - Fichtenwände - Sechzehnender - Richters Schlichte - Grenzweg - Glasergrundweg - gelber Strich - Grenzweg - Ochsensteine - Ostrov - roter Strich - gelber Strich - roter Strich - - Fabriksteig - Himmelreich - Touristenbaude - Tyssaer Wände - gelber Strich - Bürschlitzer Wände - Falkenturm - Bärschlucht - gelber Strich - Raiza - Grenze - Salzweg - gelber Punkt - Wüstung Hammergut Fichte - Peterswalder Straße - Hellendorf - gelber Strich

Beschreibung:

Eigentlich wollte ich in den Herbstferien an einer geführten Wanderung der offiziellen  Nationalparkführer teilnehmen. Obwohl davon 3 Stück angeboten wurden, hat es dann aber doch nicht geklappt. Im Forum der Stiegenfreunde (www.sandsteinwandern.de) hatte aber jemand eine äußerst interessante Führung im Bereich des Osterzgebirges angeboten. Ich versuche, diese Wanderung hier möglichst gut zu beschreiben, da es aber zum Teil auf ein paar wirklich kleinen Pfaden durch den Wald ging, muss man vermutlich beim Nachwandern so einigermaßen kreativ und flexibel sein oder dem GPS-Track nachwandern.
Der Startpunkt liegt an der Straße Am Kleppisch in Hellendorf. Von hier geht es die ersten paar Meter auf der gelben Wanderwegmarkierung gelber Strich in Richtung Wald bzw. Ferienanlage Bahratal, bis noch vor der Ferienanlage der gelbe Punkt gelber Punkt nach links abbiegt. Hartenstein_Aussichtsebene_kleinHier folgt man der Ausschilderung Gipfelbuch_Hartenstein_kleinHartenstein auf dem Taubenherdweg. Nachdem man die Ortschaft verlassen hat, erreicht man nach ziemlich genau einem Kilometer einen Felsen mit netter Aussicht. Blöderweise war es bei unserer Wanderung ziemlich diesig, sodass wir nur so ungefähr einen Blick auf Markersbach und die Berge rund um den Augustusberg genießen konnten. Auf jeden Fall war es sehr seltsam, dass man eigentlich davon ausging, in Richtung Süden zu blicken, aber in Wirklichkeit ist es eine Aussicht in nordwestliche Himmelsrichtung.
Das nächste Ziel ist der nur einen Kilometer entfernt liegende Zeisigstein. Dazu folgt man wieder der gelben Aufstieg_Treppe_Zeisigstein_kleinWanderwegmarkierung gelber Punkt, die erst ganz wenige Meter vor dem Gipfel verlassen wird. Der Zugang zum Zeisigstein führt über ein paar angenehme Eisentreppen bis hoch auf das Aussichtsplateau. Es ist schon wirklich komisch, wenn man sich bewusst macht, dass der Zeisigstein 551 Meter hoch ist und damit auf fast der gleichen Höhe wie der höchste Berg der Sächsischen Schweiz ist (Großer Winterberg 556 Meter). Der Zugang zum Zeisigstein ist bei weitem nicht so schweißtreibend und dazu auch noch viel ruhiger. Bei diesem Felsen stimmt dann auch wieder die vermutete Blickrichtung in den Süden und so blickt man über die Grenze nach Petrovice (Peterswald).
Am Fuße des Felsens bietet sich ein Rastplatz an. Gleich neben den beiden Tischen liegt ein 3 Meter hoher Stein, der wirklich zum Draufherumkraxeln verführt. Auch wenn die Felsmurmel schon ziemlich mit Moos überzogen war und das Wetter die Oberfläche noch glatter machte, war das überhaupt kein Hinderungsgrund für unseren jüngsten Mitwanderer, darauf herumzuturnen. Es ist immer wieder schön zu sehen, wie Kinder nicht erst über Probleme nachdenken, sondern einfach ausprobieren. In diesem Fall ging auch alles gut und der kleine Mann war sichtlich stolz, dass die Erwachsenen ihm Respekt zollten. Von dem Rastplatz geht es noch ½ Kilometer auf der gelben Wanderwegmarkierung gelber Strich in Richtung Grenzplatte, bis auf der rechten Wegseite ein historischer Wegweiser (Sandsteinsäule) steht. Hier wird der gut ausgebaute Waldweg verlassen und es geht auf dem K-Weg für einen ¾ Kilometer weiter. Auch dieser Waldweg ist relativ breit, wird aber nur für die Waldpflege genutzt und ist darum mit hohem Gras bewachsen. Nach dem besagten ¾ Kilometer kreuzt der Mehlsteig, auf dem es nach rechts weiter geht. Schon bald steigt der historische Weg durch einen ziemlich angenehmen Grund von den Fichtenwänden ab. Nachdem die Wanderung die Ebene vor dem Felsfuß erreicht hat, gibt es etwas sehr Interessantes zu entdecken. Felsen_Sechzehnender_klein120 Meter rechts von dem Mehlsteig liegt schon an der nächsten Felskante eine Felsmurmel mit einem darauf abgebildeten Hirschgeweih. Unterhalb des Geweihs stehen die Buchstaben C.v.C. und die Jahreszahl 1900. Das dürfte auf den Waldbesitzer im Jahre 1900 hindeuten. C.v.C. dürfte die Abkürzung für Christoph von Carlowitz (1856 – 1933) sein. Er ist einer der Nachfahren von Carl von Carlowitz, dem Erfinder der „Nachhaltigkeit“ und dem es zu verdanken ist, dass das Erzgebirge heutzutage noch einen intakten Wald hat. Ohne ihn wäre der Wald vollständig den Erzgruben und Schmelzhütten zum Opfer gefallen. Was bei dem Geweih als sehr ungewöhnlich auffiel, war die Anzahl Enden. Bei einem normalen Hirschgeweih sind es 8 – 12 Enden, aber in diesem Fall ist ein Sechzehnender dargestellt. Es dürfte sich um ein altes, mächtiges Tier gehandelt haben, auf das der Jäger einfach stolz war und damit der Nachwelt ein Bild hinterlassen wollte.
Die Wanderung geht wieder auf den Mehlsteig zurück und dann 150 Meter parallel zu den Fichtenwänden. Dann fällt nach links vorne eine breite Schlucht durch die Felswände auf. Hier führt ein Pfad durch die Richters Schlichte wieder aufwärts. Der Aufstieg ist relativ angenehm und man sollte sich in der breiten Schlucht ein bisschen rechts halten. Hier stehen der Klettergipfel Pascher und gleich daneben ein Felsen mit einer zweistufigen Boofe. Die untere Etage ist am Felsfuß und dann ist noch eine in luftiger Höhe zu entdecken. Zwischen diesen beiden Felsen geht es aufwärts und schon bald (nach 50 Metern) entdeckt man die ersten Grenzsteine. Dadurch, dass Landesgrenzen so einigermaßen gepflegt werden, kann man hier auf einem Pfad nach links (Osten) wandern. Als Wegorientierung funktionieren die Grenzsteine ganz hervorragend. Gleich zum Anfang des Grenzweges stehen rechts des Pfades ein paar Felsen, an denen man eine Besonderheit der böhmischen Kletterei entdecken kann. Im Gegensatz zu den sächsischen Kletterregeln darf in Böhmen auch an einem Massiv, also einem Felsen, der auch von der ebenen Rückseite erreicht werden kann, geklettert werden. So kommt man hier auch als normaler Wanderer an die dicken Abseilösen und die Gipfelbücher. Es ist ganz schön komisch, wenn man hier auf einem ähnlichen Pfad wie dem Fremdenweg/Grenzweg beim Prebischtor, aber ganz legal unterwegs ist. Ganz besonders ungewöhnlich ist, dass auf der rechten, also der böhmischen Seite, die Ringe an den Bäumen eine Kernzone kennzeichnen aber eigentlich ist dort gar kein Nationalpark und somit eigentlich auch keine Kernzone. toller_Rastplatz_Boehmen_Grenze_Tyssa_kleinNach 1 ¼ Kilometer quert der Glasergrundweg, der ein Ministück (200 Meter) nach rechts gegangen wird. Hier wird die Wanderwegmarkierung gelber Strich gelber Strich und ein typischer schöner, böhmischer Rastplatz mit Erklärungstafel erreicht. Die Wanderung geht nach links weiter. Schon nach sehr wenigen Metern ist wieder die Grenze erreicht, auf der es noch mal ein kleines Stück weiter geht. Wir sind mit unserer Wandertruppe nach rechts an einer weißen Strich-Markierung (es soll eine Rückegasse der Waldarbeiter sein) abgebogen und 400 Meter dem Waldweg gefolgt. Man hätte der Einfachheit halber auch der gelben Wanderwegmarkierung folgen können, aber dann entgehen einem ungewoehnlicher_Wald_bei_Ostrov_kleinein netter Platz im Wald und eine Aussicht. Wir haben uns ziemlich kreuz und quer nach links durch den Wald geschlagen und sind oberhalb von Ostrov (Eiland) auf ein Waldstück stoßen, das nur aus Kiefern bestand. Der Wald sieht irgendwie ganz besonders aus und der gesamte Boden ist mit langen Nadeln bedeckt. Der Waldboden ist hier so weich, dass man fast auf Wolken wandert.
Der Abstieg in die Ortschaft ist schnell geschafft und eigentlich wollten wir hier unten einkehren. Insgesamt gibt es dazu drei Möglichkeiten, aber die erste war wegen Renovierung geschlossen, die zweite war so voll, dass wir mit der gesamten Gruppe keinen Platz bekommen haben und die dritte Möglichkeit ist das Vier-Sterne-Hotel, das aber einen zu feinen Eindruck für eine Meute wie uns machte. Also haben wir uns auf den weiteren Weg gemacht und sind in die Richtung Tiské Stěny (Tyssaer Wände) weitergewandert. Auf der roten Wanderwegmarkierung roter Strich geht es in südliche Richtung auf dem Tovární stezka (Fabriksteig) ins Himmelreich. Wenn man von unten in den Talkessel namens Himmelreich kommt, dann wirken die Felsen ganz besonders toll und noch toller, wenn im Herbst oder Winter die Birken keine Blätter mehr haben.
Aus dem Himmelreich führt ein aufwändig mit großen Steinplatten angelegter Weg aufwärts in Richtung der Tiské Stěny (Tyssaer Wände). Restaurant_Tyssaer_Waende_kleinNach einem relativ angenehmen Aufstieg geht es noch ein Stück horizontal, bis die Wanderung die östliche Ecke der Tiské Stěny (Tyssaer Wände) und damit die Gaststätte Turistická chata (Touristenbaude) erreicht. Hier sind wir dann auf unserer Wanderung endlich eingekehrt und waren sehr positiv überrascht über die Freundlichkeit der Bedienung, die Geschwindigkeit und den für einen Touristenmagneten ungewöhnlich billigen Preis.
Nachdem wir gut gestärkt waren, ging es an den Nachhauseweg. Da der Nachmittag schon ziemlich vorgerückt war, haben wir die Tiské Stěny (Tyssaer Wände) ausgelassen und sind gleich von der Gaststätte nach links auf der gelben Wanderwegmarkierung gelber Strich losgezogen. Ungefähr nach 350 Metern auf dem gelben Strich, kurz hinter der Wasserwirtschaftlichen Einrichtung, haben wir den breiten Wanderweg verlassen und sind nach links in die erste deutlich sichtbare Schlucht abgestiegen. Überraschenderweise erreicht man nach 300 Metern auf dem Pfad einen breiten Waldweg, auf dem man nach rechts unterhalb der Bürschlické Stěny (Bürschlitzer Wände) entlang wandert. Am nordöstlichen Ende der Wände steht noch der Rest vom Neuberova věž (Neuberturm), der 1981 eingestürzt ist. Auch wenn nur wenige Meter neben dem Waldweg die Zufahrt nach Rájec (Raiza) verläuft, geht es aber erst noch mal nach oben auf die Felsen vor der Ortschaft. Hier hat man eine gute Aussicht auf ein ziemlich großes bewaldetes Tal zwischen Tísa (Tyssa) und Petrovice (Peterswald). Auch hier sind an der Felskante wieder die bekannten dicken Abseilösen zu entdecken. Insgesamt ist es etwas mehr als ½ Kilometer auf der Felsenebene, Falkenturm_kleinbis so ziemlich das Ende erreicht ist und ein freistehender Felsen mit einer tschechischen Fahne auffällt. Es handelt sich um den Sokolí věž (Falkenturm). Auch wenn die drei großen Löcher, der Name des Felsens und die weißen Spuren darauf hindeuten, dass es sich um Nester von Raubvögeln handelt, so sind es in der Realität ganz gewöhnliche Krähen, die hier ihren Nachwuchs aufziehen. Besonders faszinierend ist, dass der Felsen gleich an zwei Stellen eine weiche Sandsteinschicht hat und damit genau dort auf der gesamten Fläche ausgehöhlt ist. Es ist wirklich verwunderlich, dass auf den paar Spitzen der mächtige Felsen stehen bleiben kann. Bei dem Abstieg durch die Rájecké údolí (Bärschlucht) ist uns dann bei der Wanderung ein kleines Missgeschick passiert. Die letzten beiden Wanderer aus unserer Gruppe haben leider den Anschluss verpasst und sind den Stimmen gefolgt. Blöderweise gehörten die aber einer Gruppe Tschechen, die in Rájec (Raiza) vergnügt Fußball spielten. Zum Glück gibt es Handys und sogar die Akkus waren noch geladen und die gegenseitige Telefonnummer bekannt.
Damit startete der letzte Teil der Wanderung von Rájec (Raiza) in nördliche Richtung. Im Gegensatz zu der restlichen Strecke war dieser Waldweg schon fast langweilig, aber immerhin erreichten wir noch vor der Dunkelheit die Grenze und damit den Salzweg nach Hellendorf. Die ehemalige Siedlung Wüstung Hammergut Fichte haben wir schon bei ziemlicher Finsternis passiert und dann ging es die letzten paar Meter auf der gelben Wanderwegmarkierung gelber Strich bis zum Ausgangspunkt zurück. Damit ist eine wirklich interessante Wanderung zu Ende gegangen, die so manche Neuigkeit enthielt und im Gegensatz zu den offiziellen geführten Wanderungen eine tolle Alternative für Insider war. Die Gruppe war sehr angenehm und dem Organisator Markus gehört ein dickes Dankeschön für diese Wanderung.

    Anreise:

    Öffentlicher Nahverkehr:
    Anreise mit Bus bis zur Haltestelle Hellendorf Grenzlandstraße mit dem VVO-Navigator
    Auto:
    Empfohlener Parkplatz: Hellendorf

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