Silberwand

Abstimmung:
unsere Bewertung::
positivpositivnegativnegativnegativ
Karte:
PDF:

Dauer:
ca. 4,00 h
Entfernung:
ca. 9,50 km
Höhenunterschied:
ca. 489 Meter
beste Reisezeit:
nicht an langen Wochenenden
Schwierigkeitsgrad:
steiler Aufstieg
Untergrund:
Forstweg und asphaltiert Wanderweg und Pfad
empfohlene Karten:
Nationalpark Böhmische Schweiz;
Nationalpark Böhmische Schweiz
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Herrnskretschen - roter Strich - Jungfernquelle - Dürre Biele - Silberwand - Kreuzwege - Birkengrund - Himbeergrund - Herrnskretschen

Beschreibung:

Ich bin schon einige Male mit dem Finger über die Landkarten westlich des Prebischtors gefahren und dachte schon immer, das kann doch gar nicht sein, dass neben einer solch hochfrequentierten Stelle der Sächsischen bzw. Böhmischen Schweiz ein weißer Wanderwegefleck sein kann. Aber erst durch die Anregung von ein paar bekannten Mitwanderern wurde diese Ecke auch wirklich in Angriff genommen. Wir hatten uns an einem verlängerten Wochenende am Parkplatz oberhalb von Hřensko (Herrnskretschen) verabredet. Leider hatten wir nicht bedacht, dass an einem Brückentag noch eine ganze Menge Mitmenschen hinauf auf das Prebischtor wollen und so war der Parkplatz schon kurz nach 10 Uhr voll. Durch ein raffiniertes Parkmanöver wurde der Startplatz um ein paar Meter in die Richtung Janov (Jonsdorf) verlegt. Die Wanderung führte uns erst mal an der Straße in Richtung Mezní Louka (Rainwiese) hoch. Über den relativ hässlichen Straßenrand wandern alle Touristen, die als Ziel das Prebischtor haben. Für die Erkundung der Silberwände mussten wir aber nur ½ Kilometer am Straßenrand entlang gehen, bis die zweite Abbiegemöglichkeit nach links kommt. Dreikoenigsquelle_kleinHier geht es das erste Stück steil den Berg hoch. Auf der linken Wegseite fallen gleich mehrere Quellen auf, die als Jungfernquellen (Panenský pramen) bezeichnet werden. Jede diese Quellen hat einen ziemlich großen Ausstoß Quellwasser. Der Weg geht weiter den Berg aufwärts, bis sich an einem neu angelegten Löschteich der Weg gabelt. Hier geht es nach rechts weiter dem Aufstieg_Duerre_Biele_kleinBach Suchá Belá (Dürre Biele) hinterher. Die ersten paar hundert Meter sind leicht ansteigend, aber die Steigung nimmt zu, bis man nach ziemlich genau einem Kilometer Weg nicht mehr dem Bachlauf folgen kann. An dieser Stelle geht es nach rechts zum Prebischtor; da die Wanderung aber nicht zu diesem Besuchermagnet gehen soll, wandern wir nach links weiter in die Richtung der Silberwand. Nach wenigen Metern erreicht man die ersten hochragenden Felsen und an diesem Felsfuß geht es jetzt auf einem gut sichtbaren Pfad weiter. Start_Silberwand_kleinDer Weg schlängelt sich an der Felswand entlang, man kann gleich an mehreren Stellen beeindruckende Felsformationen bewundern, aber seltsamerweise sieht man überhaupt keine Kletterer. Nach etwas mehr als einem Kilometer soll auf der Felsseite der künstliche Silberwandstollen sein. Diesen 35 Meter langen Stollen sollen Walen und Italiener gegraben haben. Der Stollen ist zwar nur einen Meter hoch, aber an der tiefsten Stelle soll er sogar ein Gipfelbuch enthalten. Das hört sich nach Klettern in einer Höhle an. Leider haben wir den Stollen selbst bei einem zweiten Versuch nicht gefunden. Aber dazu später noch. riesiger_Buchenwaldweg_kleinNach einem netten Geschlängel an der Silberwand entlang stößt man auf einen überraschend breiten Waldweg. Dieser Weg wird anscheinend auch als Holzsammelplatz für den Nutzwald rundherum benötigt. Nach rechts würde der Weg hoch zum Großen Winterberg gehen. Früher war der Durchgang wegen der Grenze verboten, heutzutage ist der Weg nur in den Sommermonaten gesperrt, da hier ein paar seltene Vögel brüten. Die Wanderung geht also nach links auf fast gleichbleibender Höhe weiter. Nach ungefähr 300 Metern kommt die Wanderung an ein Wegekreuz. Hier geht es nach rechts weitere 300 Meter weiter, bis man schon wieder auf ein Wegekreuz stößt. Hier treffen mindestens 5 Wege aufeinander. Auf der großen Wiese hatten wir bei der ersten Wanderung Rast eingelegt und uns über eine ziemlich sportliche Wanderfamilie gewundert. Da wir uns selber nicht so ganz sicher mit dem weitern Wegverlauf waren, sprachen wir sie an, wohin sie denn so zielstrebig unterwegs wären. Sie meinten: Zum Prebischtor. Oh weia! Also die waren noch viel orientierungsloser unterwegs als wir. Der Grund, warum die Familie falsch unterwegs war, war erstens, dass sie einen Weg zu früh von der Straße zwischen Hřensko (Herrnskretschen) und Mezní Louka (Rainwiese) abgebogen waren und zweitens dann die roten Kringel an den Bäumen für die rote Wanderwegmarkierung hielten. Bis heute ist uns nicht so richtig klar, was diese Markierungen nun wirklich bedeuten. Wir haben es als eine Kernzonenbegrenzung gedeutet.
Die Wanderung geht jetzt nach rechts weiter. Dieser zum Anfang geschotterte Weg wird mit der Zeit immer schmaler und nach 800 Metern erreicht man überraschenderweise ein Hinweisschild des Nationalparks Böhmische Schweiz. Laut gleich mehreren Wanderkarten soll hier ein Pfad weiter auf dem Grat entlanggehen, aber dem ist ganz sicher nicht so. An dem Hinweisschild sollte man nach rechts in Richtung Grenze abbiegen. Dieses kleine Stück hat eher etwas mit Querfeldeinwandern zu tun, aber es gibt gleich mehrere Hilfen: Erstens kann man die rot geringelten Baummarkierungen nach links  (nach dem Abstieg vom Gratweg) verfolgen, in wenigen Metern (50 – 100 Meter) Entfernung sieht man die weißen Grenzsteine und die Richtung steuert auf die Elbe zu. Buche_mit_Inschriften_kleinNach diesem ca. 250 Meter langen Abstieg und Querfeldeinweg erreicht man wieder einen Weg, der parallel zur Elbe verläuft. Wenn man nach links hoch sieht, dann stellt man fest, dass hier bestimmt kein Abstieg vom Gratweg möglich ist. Anscheinend ist der Weg parallel zur Elbe in früheren Jahren ziemlich beliebt gewesen, da die Spuren an der alten Buche ziemlich eindeutig sind. kuenstlicher_Steinhaufen_oberhalb_der_Elbe_kleinHier haben sich schon einige Wanderer verewigt. Auch kann man dem Weg deutlich ansehen, dass es sich nicht nur um einen gewöhnlichen Wanderweg handelt, weil er doch ziemlich deutlich auch für Fahrzeuge oder mindestens Holztransporte ausgebaut worden ist. Dieses Teilstück der Wanderung ist im Gegensatz zum vorhergehenden Teilstück ganz angenehm zu gehen. Auch auf diesem Stück begegnet man nur äußerst selten jemandem. An mehreren Stellen sind kleinere Aussichten ins Elbetal zu finden. Wirklich komisch sehen die Steinhaufen aus. Ich wüsste schon gerne, warum sich die Leute die Mühe gemacht haben, hier diese kleinen Steinberge anzuhäufen. Nach ca. 1,3 Kilometern steuert der Weg auf die erste Aussicht_oberhalb_Hotel_Labe-Hrensko_elbeabwaerts_kleinAussicht_oberhalb_Hotel_Labe-Hrensko_elbeaufwaerts_kleinAbzweigemöglichkeit nach links drauf zu. Hier soll die Wanderung gleich hinauf gehen, aber zuerst geht es noch bis zu einer Aussicht oberhalb von Hřensko (Herrnskretschen). Den Felsen oberhalb des Hotel Labe – Hřensko haben wir schon häufig gesehen, aber noch nie irgendwelche Menschen auf ihm. Wenn man den Pfad bis zur Spitze weiter gewandert ist, dann erkennt man, dass eine Felsspalte den Zugang verwehrt. Trotzdem hat man eine ziemlich ungewöhnliche Aussicht ins Elbetal. Auf der gegenüberliegenden Flussseite sieht man den deutschen Bahnhof Schöna und ein Beispiel für einen aufwändigen Hanggarten. Ich glaube kaum, dass sich heutzutage noch irgendjemand diese Arbeit machen würde, geschweige denn die Erlaubnis dazu erhalten würde.
Bei dem ersten Wanderungsversuch sind wir von dieser Aussicht oberhalb von Hřensko (Herrnskretschen) weiter gegangen. Der Weg läuft ziemlich verführerisch angenehm am Aussicht_Hotel_Labe-Hrensko_Richtung_S-Bahn-Schoena_kleinHang entlang, aber leider steigt der Weg nach ungefähr 700 Metern auf einmal oberhalb der Hřenskoer Feuerwehr ins Tal hinab. Auch das ist eigentlich nur ein begrenztes Problem, aber seltsamerweise endet er genau im Garten der Nationalpark-Informationsstelle. Die Leute dort haben uns leicht irritiert angesehen, der Hund im Garten hat versucht, uns zu beeindrucken, aber der Rückweg war eindeutig zu aufwändig. Also wurde aller Mut zusammengenommen und nach einer freundlichen Frage durch den Garten gelatscht.
Da ich mich nun wirklich nicht mit dieser Variante zufrieden geben wollte, habe ich die Wanderung gleich noch einmal eine Woche später mit meiner Frau unternommen. (Kurzer Einschub der Genannten: Diese Wanderung begann sehr vielversprechend mit folgender Ansage von Ingo: „Oh, heute habe ich überhaupt keine Karte dabei. Na ja, ich weiß so ungefähr, wo es nicht lang geht.“ Nach ein paar Metern kam von links ein Weg den Hang herunter, und Ingo meinte „Hier müssten wir nachher theoretisch wieder runterkommen. Beim letzten Mal hat’s schon mal nicht geklappt.“ Wir sind diesen Weg aber tatsächlich heruntergekommen, aber das kommt erst ganz am Ende.)  Diesmal sind wir also nach der Aussicht über dem Hotel wieder ein Stück zurückgelaufen und den schon erwähnten abzweigenden Weg hoch gewandert. Der Weg ist wirklich einfach zu finden, da er eigentlich der einzige ist, der vom Elbehangweg abzweigt. Dieser Weg verläuft fast parallel zu dem ersten Weg, aber ein ganzes Stück höher am Hang und schwenkt genauso ins Tal der Kamenice (Kamnitz). An diesem Richtungswechsel kommt man an der Antennenanlage des Hotels Labe – Hřensko vorbei. Bei der ersten Wanderung hatten wir uns noch gewundert, was für ein gut verlegtes, dickes Kabel hier den Hang hoch führte. Bei dieser zweiten Runde war es klar, dass das Kabel nicht zu einem ruhigen Waldhaus, sondern nur zu einer günstigen Position einer Antennenanlage führt. Was uns aber trotzdem verwundert, dass in Zeiten von Satellitenschüsseln hier oben noch eine ziemlich neue konventionelle Antenne aufgestellt worden ist. Der Weg verläuft ziemlich gleichbleibend auf einer Höhe, bis es kurz vor dem Malinový důl  (Himbeergrund) an den Abstieg geht. Der Weg geht relativ steil abwärts, wird aber auch von Forstfahrzeugen benutzt und deshalb ist der Abstieg noch ganz gut zu bewältigen. Als wir den Weg gegangen sind, hatten sich anscheinend gerade einige Forstfahrzeuge durch einen feuchten Untergrund gewühlt. Die Furchen waren riesig und der Weg war richtig nett matschig. Was aber wirklich seltsam erschien, dass wir gleich drei unterschiedlichste Schuhe hier neben dem Weg fanden. Einerseits war es ein Schuhsammlung_Malinovy_dul_Himmbeergrund_kleinArbeitsschuh, andererseits ein normaler Herrenstraßenschuh und überraschenderweise ein Schlappschuh, so ein Gummilatsch. Wie auch immer solch ein Schuh hier oben an den Hang kommt, er gibt einem eine kleine Grübelaufgabe auf. Vermutlich wurde dieser parallel zur Straße oberhalb des Grenzüberganges gelegene Weg besonders des Nachts gerne von eiligen Personengruppen genutzt, die keine Zeit hatten, im Matsch steckengebliebene Latschen zu suchen… Nach dem Abstieg erreicht man wieder die Straße zwischen Hřensko (Herrnskretschen) und Mezní Louka (Rainwiese). Auf dieser Straße geht es die letzten paar Meter wieder bis zum Ausgangspunkt zurück.
Damit ist auch diese Region in der Nähe des Prebischtors erkundet. Die Wanderung ist aber nicht gerade zu empfehlen, da es eigentlich keine nennenswerten Aussichten gibt, es wirklich nichts Besonderes zu entdecken gibt und die Wanderung außerdem einen vollkommen unauffindbaren Weg beinhaltet. Das Einzige wirklich Überzeugende bei dieser Wanderung ist die gigantische Ruhe. Außer der verirrten Familie haben wir auf beiden Wanderungen niemanden angetroffen.
Noch ein kleiner Nachtrag:
Inzwischen weiß ich, dass die roten Ringe an den Bäumen die Grenze für die böhmische Kernzone bedeuten. An dem neu angelegten Teich weißt ein Schild auf die Zona 1 (was anscheinend nach dem böhmischen Sprachgebrauch die Kernzone sein soll) hin.

    Anreise:

    Öffentlicher Nahverkehr:
    Anreise mit Bus bis zur Haltestelle Böhmen / Schöna mit dem VVO-Navigator und dann weiter mit dem Tschechischen Navigator (jizdnirady.idnes.cz).
    Auto:
    Empfohlener Parkplatz: Edmundsklamm
    Parkplatzgebühr für die Wanderung: 4,50€

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