Speisekammerstiege

Abstimmung:
unsere Bewertung::
positivpositivpositivpositivnegativ
Karte:
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Dauer:
ca. 6,00 h
Entfernung:
ca. 8,00 km
Höhenunterschied:
ca. 305 Meter
beste Reisezeit:
nicht im Winter
Schwierigkeitsgrad:
steiler Aufstieg
Kletterabschnitte
Untergrund:
Forstweg
Wanderweg und Pfad Treppen
Klettern mit Klammern
empfohlene Karten:
Brand – Hohnstein;
Rolf Böhm Kartographischer Verlag
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Polenztal - Frinzthalmühle - Tiefer Grund - blauer Strich - Brandstufen - Speisekammer - Speisekammerstiege - Brandstraße - blauer Strich - Brand - blauer Strich - Brandstraße - Schulzengrund - roter Strich - Polenztal - Waltersdorfer Mühle - roter Punkt - Polenztalweg - Frinzthalmühle

Beschreibung:

Dies ist keine der typischen Wanderbeschreibungen, sondern eher ein Erfahrungsbericht zu einer geführten Wanderung. Da ich die Runde aber ganz hervorragend fand, beschreibe ich sie hier, damit sie jeder nachwandern kann. Hinzu zum Wanderweg kommen noch ein paar Kommentare aus der Wanderung.
Inzwischen hat es sich eingebürgert, dass einmal im Jahr eine besondere Wanderung vom Nationalpark angeboten wird, die ganz besonders gerne von den Stiegenfreunden besucht wird. Dabei handelt es sich um eine von Mitarbeitern des Nationalparks geführte Wanderung, die vom Nationalpark organisiert, immer in anderen Gebieten der Sächsischen Schweiz durchgeführt und gleich an mehreren Stellen beworben wird. Die Beschreibung auf der Webseite des Nationalparks war wie folgt:

Wegekonzeption im Nationalpark
Naturschutz und Tourismus – wie geht das?
In Zusammenarbeit mit den Wander- und Bergsportverbänden wurde eine Wegekonzeption für den Nationalpark erarbeitet. Nicht jedem sind die Hintergründe und Zusammenhänge dieser Regelungen bekannt. Vielfach wird auch Unverständnis gezeigt. Wer mehr über die Vereinbarungen erfahren möchte und spezielle Fragen hat, sollte sich diese Wanderung nicht entgehen lassen.
Der Treffpunkt „Polenztal, Parkplatz Frinzthalmühle“ kann mit dem Bus „Nationalparkexpress“ erreicht werden.
Durchführung: Nationalparkmitarbeiter Andreas Knaak und Frank Rainer Richter
Hinweise: Trittsicherheit unbedingt notwendig.
Keine Anmeldung erforderlich.
Preis: kostenfrei
Ort: Polenztal, Parkplatz Frinzthalmühle (D)
Uhrzeit: Samstag 13.10.2012 (10:00)

Sehr überraschend fand ich gleich am Startpunkt, dass richtig viele Teilnehmer bei der Wanderung mitgehen wollten. Startgruppe_Frinzthalmuehle_kleinSchätzungsweise 40 Interessierte waren dabei, wobei der größte Teil zu der Interessengemeinschaft Stiegenfreunde (www.sandsteinwandern.de) gehörte, ein einzelner Herr hatte in der Zeitung davon gelesen und auch eine Familie mit einem Jungen war dabei. Die beiden Nationalparkmitarbeiter haben sich ganz kurz vorgestellt und dann startete die Wanderung auf der blauen Wanderwegmarkierung blauer Strich in Richtung Tiefer Grund. Hier erklärte Herr Knaak sehr nett, Entenmarsch_durch_den_Tiefen_Grund_kleinwie stolz man auf den neuen Weg durch den Tiefen Grund ist. Bis vor ein paar Jahren verlief hier der offizielle Wanderweg auf der Straße, was aber bei dem dichten Verkehr wirklich nicht angenehm war. Mit Erreichen der Brandstufen haben wir einen längeren Halt eingelegt und hier wurde sehr deutlich, dass der weitere Weg hinauf zum Waitzdorfer Dorfgrund leider nicht so einen schönen separaten Wanderweg bieten kann. Das lässt sich landschaftstechnisch nicht bewerkstelligen, sodass der Malerweg hier tatsächlich ein paar wenige hundert Meter auf der Straße verlaufen muss.
Die geführte Wanderung geht hier aber nicht auf der Straße entlang weiter, sondern führt die Brandstufen hoch. Hier dachte ich mir, dass das aber überhaupt keine gute Streckenplanung ist, weil die Aufstieg_Brandstufen_Nationalparkwanderung_kleinBrandstufen eine der längsten Treppenanlagen der gesamten Sächsischen Schweiz sind und aufwärts einfach keinen Spaß machen und super anstrengend sind. Auf halber Strecke haben wir dann aber erst mal wieder einen Informationsstopp eingelegt und über die eigenmächtige Wegmarkierung des letzten Jahres am Frinzberg gesprochen. Hier hatte jemand ohne jegliche Erlaubnis mit viel zu großen Zeichen einen neuen Streckenverlauf gekennzeichnet. So etwas kann der Nationalpark natürlich nicht tolerieren und deshalb wurden diese auch wieder entfernt. Ohne dass es von irgendeinem Teilnehmer angesprochen wurde, sagte Herr Knaak, dass die Kletterhilfe am Großen Dom bis Ende Oktober vom Nationalpark angebracht werde. Dies löste eine kleinere Diskussion aus, die aber überraschend harmlos verlief und durch das Versprechen der Neuinstallation stark abgeschwächt war. Als wir dort standen und diskutierten, tauchte aus Richtung Frinzberg ein Vater mit zwei kleineren Kindern auf. Dadurch, dass die Kinder wie typische Kinder eben laut schnatternd durch den Wald zogen, musste das wirklich jedermann mitbekommen. Obwohl es deutlich zu sehen war, dass die drei irgendwie einen illegalen Weg entlang kamen, haben beide Nationalparkleute darüber hinweggesehen und damit bei allen Teilnehmern der Wanderung Pluspunkte gesammelt.
Nach noch ein paar wenigen Stufen aufwärts war der eigentliche Felsfuß des Brands erreicht und hier kam für mich die große Überraschung, weil wir nach rechts abbogen. In dem Besucherlenkungszaun ist an dieser Stelle eine Aussparung, welche auch von fast allen Teilnehmern unbeschadet überwunden wurde. Danach ging es auf einem Pfad unterhalb der Felsen entlang, der mit dem schwarzen Pfeil und damit als Zugang zum Kletterfelsen gekennzeichnet ist. Der Pfad war überraschend einfach zu gehen und selbst Mitmenschen mit Höhenangst haben Felssturz_Eingang_Speisekammer_kleinden Blick nach rechts in den Tiefen Grund gut überstanden. Der Pfad schlängelt sich auf gleichbleibender Höhe entlang, bis nach ca. 600 Metern eine breite große Schlucht auftaucht. Hier war zumindest im Herbst 2012 ein deutlicher Felssturz zu erkennen und auch mal wieder der nächste Zwischenstopp angesagt. Diesmal ging es um das Thema temporäre Wegsperrung wegen Vogelbrutzeit. Eine echte Diskussion kam auch hier nicht auf, weil wirklich jeder einsieht, dass man nicht durch die Kinderstube der Uhus oder Wanderfalken gehen muss und damit eine zeitlich begrenzte Sperrung respektiert wird.
Nach dieser Station wurde es lustig. Es ging den Grund nach links in die Speisekammer hinein. Zuerst musste eine kleinere Felsstufe auf der linken Grundseite überwunden werden, die aber für untere_Ebene_Spesekammer_kleinkeinen der Teilnehmer ein Problem war. Danach ging die Wanderung in eine kleine Klettereinlage über. Ob dieser Aufstieg wirklich Speisekammerstiege heißt, war und ist mir nicht bekannt, aber immerhin haben mehrere Teilnehmer sie so genannt. Auf der Brandkarte von Dr. Böhm (www.boehmwanderkarten.de) ist die Stelle immerhin mit Spesekammerstiege_mit_Wanderergruppe_kleinzwei Ausrufezeichen gekennzeichnet. Anscheinend hat aber irgendjemand die Stelle entschärft und komische Stifte im Felsen verankert. Diese Dinge finde ich als Kletterhilfen allerdings ziemlich unpassend, da sie zum Festhalten schlechter als die Bügel sind und beim Draufsteigen zum Runterrutschen neigen. Im Zusammenspiel aus der Kette, den Stiften und ein paar helfenden Händen überwand jeder Teilnehmer die Kletterstelle und dann ging es ein paar wenige Meter weiter aufwärts. Da es doch eine Weile dauerte, bis die gesamte Gruppe die Speisekammerstiege bewältigt hatte, sammelten sich die oben Angekommenen neben dem Kletterfelsen namens August. Hier war das Thema die Forstarbeiten im Lindigtgründel bzw. die Borkenkäferplage in Fichtenmonokulturen. Auch bei diesem Thema tauchten die zwei Hauptargumente Geld und Wegesicherungspflicht wieder auf. So wurden z.B. die gigantischen Furchen der Forstmaschinen mit der kostendeckenden Arbeit erklärt. Dass diese beiden Argumente immer wieder angebracht wurden, fand ich das einzige Negative auf der gesamten Wanderung. Manchmal erschien es mir, als wenn diese Argumente einfach nur zum Erschlagen der Gegenseite benutzt wurden. Das Thema Borkenkäfer ist irgendwie ein zweischneidiges Schwert. Natürlich sieht ein Wald mit Borkenkäferbefall super hässlich aus, aber ich möchte auch nicht, dass die riesigen Forstmaschinen sich durch den Wald wühlen. Eine Alternative wäre, die Bäume absterben zu lassen und dann umzulegen. Dann stehen die hässlichen abgestorbenen Bäume nicht mehr in der Landschaft, die Wegesicherungspflicht ist gewahrt und der Wald regeneriert sich sehr schön. Das kann man z.B. sehr gut an dem Borkenkäferwald an den Thorwalder Wänden im Großen Zschand sehen. Ein zweites Thema bei dieser Rast waren die durch den Zwischenstopp_oberhalb_Speisekammerstiege_kleinNationalpark ausgestellten Strafmandate. Insgesamt sind 2011 37 Strafzettel verteilt worden, wobei 30 auf dem Fremdenweg und 3 im Polenztal verteilt wurden. Komisch, warum es dann unsere Familie ausgerechnet im Polenztal erwischt! Das Argument, dass nur uneinsichtige Wanderer eine Strafe bezahlen müssen, stimmt mindestens in diesem Fall nicht. Eine Mutter mit zwei Mädchen knapp neben dem offiziellen Weg ist ganz bestimmt kein uneinsichtiger Querfeldeinwanderer.
Von diesem Rastplatz ging die Wanderung weiter in Richtung Brandstraße, die überraschend schnell erreicht war. Die Brandstraße ist wieder mit dem blauen Strich blauer Strich gekennzeichnet. Hier zogen wie gewohnt bei einem schönen Wochenendtag große Mengen Besucher entlang. Wir sind vor bis zur Brandaussicht gewandert, was aber bei den Besuchermassen keine wirklich gute Idee war. Hier waren alle Bänke besetzt und vor der Theke stand eine ordentliche Schlange. Zuerst haben sich noch ein paar Wanderteilnehmer in diese Schlage eingereiht, aber auch ganz schnell wieder aufgegeben.
So sind wir wieder ein kurzes Stück auf der Brandstraße zurück gewandert, bis nach links der erste markierte Wanderweg abbiegt. Hier ging es auf der roten Wanderwegmarkierung roter Strich zuerst ein paar Meter horizontal durch den Wald und dann in den Schulzengrund hinunter. Seltsamerweise hat sich bei dem Abstieg die Gruppe riesig auseinander gezogen, mobile_Nationalpark_Informationsstelle_kleinsodass an der Polenz erst mal wieder ein Stopp eingelegt werden musste. Da die Versorgung an der Brandgaststätte nicht so richtig geklappt hatte, wurde jetzt die Waltersdorfer Mühle angesteuert. Im Moment kann man die Waltersdorfer Mühle zwar überhaupt nicht mit der Brandgaststätte vergleichen, aber immerhin kann man sich zu sehr angenehmen Preisen mit Wandernahrung stärken.
Irgendwie hatten sich auf der gesamten Strecke immer wieder Mitwanderer von der Gruppe verabschiedet, sodass das letzte Teilstück von der Waltersdorfer Mühle bis vor zur Frinzthalmühle nur noch 9 Leute unternahmen. Diese letzten 3 Kilometer sind mit dem roten Punkt roter Punkt gekennzeichnet. Da die wichtigsten Themen der Wanderung abgehandelt waren, wurde zwar noch sehr nett auf dem Weg geredet, aber es kam nicht mehr zu einem weiteren Zwischenstopp. Erst am Ausgangspunkt wurden noch mal ein kurzer Halt eingelegt, um sich ehrlich für die Zeit der beiden Nationalparkmitarbeiter und die doch sehr ehrlichen Diskussionen zu bedanken. Ich bin immer wieder verwundert, dass die beiden jedes Jahr wieder diese Wanderung anbieten und vermutlich deshalb schätzen auch die meisten Kritiker diese beiden Nationalparkmitarbeiter sehr. Auf jeden Fall ist deutlich geworden, dass erstens diese Wanderung für Kinder vollkommen ungeeignet ist, da diese keine Lust haben, den Diskussionen zu folgen, zweitens der Nationalpark Sächsische Schweiz gerne jeglichen Einsatz von Großgeräten hinter der kostendeckenden Arbeit versteckt und drittens man auch als erfahrener Wanderer immer noch neue Wege entdecken kann. Die Wanderung hat mir super viel Spaß gemacht und ein ganz dickes Dankeschön an Herrn Knaak und Herrn Richter vom Nationalpark Sächsische Schweiz.

    Anreise:

    Öffentlicher Nahverkehr:
    Anreise mit Bus bis zur Haltestelle Porschdorf mit dem VVO-Navigator
    Auto:
    Empfohlener Parkplatz: Polenztal Frinzthalmühle
    Parkplatzgebühr für die Wanderung: 3,00€

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