Staatsforst

Abstimmung:
unsere Bewertung::
positivpositivpositivnegativnegativ
Karte:
PDF:

Dauer:
ca. 3,25 h
Entfernung:
ca. 13,50 km
Höhenunterschied:
ca. 285 Meter
beste Reisezeit:
eigentlich immer
immer, auch an Wochenenden empfehlenswert.
Schwierigkeitsgrad:
leicht
Untergrund:
Forstweg und asphaltiert Wanderweg und Pfad
empfohlene Karten:
Große Karte der Sächsischen Schweiz;
Rolf Böhm Kartographischer Verlag
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Cunnersdorf - Freibad - Cunnersdorfer Bach - Steinhütten - Taubenbach - grüner Strich - Grenze - Taubenteich - gelber Strich - Taubenbrandweg - grüner Strich - Gebackene Birnstraße - Matthias Otto Eiche - Auf dem Schießhaus - Cotta Eiche - Lindhornweg - Brand - grüner Strich - Cunnersdorf - Viehbig - Freibad

Beschreibung:

Es gibt bestimmte Zeiten im Jahr, da empfinde ich viele Teile der Sächsischen Schweiz als überlaufen und dann suche ich mir ein ruhigeres Fleckchen. Solche Zeiten sind die langen Wochenenden und die Zeit um Ostern herum. Wer in der Zeit schon mal ins Kirnitzschtal gefahren ist und dort zugesehen hat, wie sich die Autos in dem Tal stapeln, der weiß, was ich meine. So ein Tag war mal wieder Ostermontag. Die Sonne schien erstklassig und im Verkehrshinweis wurde von einem 10 Kilometer langen Stau in Pirna berichtet. Also habe ich mir eine Runde auf der linken Elbeseite ausgesucht. Auf dem Weg nach Cunnersdorf waren solche Mengen Autofahrer unterwegs, dass ich schwarz sah für einen brauchbaren Parkplatz und eine einigermaßen ruhige Wanderung. Aber als ich am Parkplatz vom Cunnersdorfer Freibad ankam, war ich wirklich positiv überrascht. Der Parkplatz war gerade mal zur Hälfte belegt. Das deutete auf eine angenehm ruhige Wanderung hin. Also ging es los in die Richtung Cunnersdorfer Bach. Seltsamerweise ist der asphaltierte Forstweg am Bach entlang mit keinem Wanderwegzeichen markiert. Aber das ist auch überhaupt nicht schlimm, da man sich ganz sicher nicht verlaufen kann. Am Ortsausgang von Cunnersdorf befindet sich auf der linken Seite der forstliche Ausbildungsbetrieb Cunnersdorf. Das sieht immer ganz witzig aus, was hier so alles herumsteht. Anscheinend wird geübt, wie man z.B. einen Hochsitz baut, mit einer Kettensäge ordentlich rumhantiert und sonst irgendwie Späne produziert. Auf der gegenüberliegenden Straßenseite befindet sich das Vereinsheim Narrenhäus’l des Cunnersdorfer Carnevals Club e.V.
Rastplatz_Fliegenklatsche_kleinDie Wanderung geht auf dem äußerst angenehmen Weg immer am Bach entlang. Zwischendurch kommt man an einen etwas größeren Platz vorbei, an dem anscheinend die zukünftigen Forstwirte von Zeit zu Zeit ihre neugebauten Hochsitze lagern. Das sieht wirklich witzig aus, wenn an einem Platz 5 – 10 Hochsitze stehen. Die Wanderung verläuft weiterhin auf dem Forstweg dem Cunnersdorfer Bach entgegen. Ganz ungewöhnlich finde ich, wie viele kleine Quellen links und rechts des Baches entspringen. Überall sieht man kleine Bächlein den Hang herunter laufen. Nach etwas mehr als 2 Kilometern kommt man zu einem überdachten Rastplatz, der an der ehemaligen Siedlung Steinhütte steht. Insgesamt hat es in dieser Ecke vom Cunnersdorfer Bach drei Ansiedlungen gegeben. Heutzutage ist von der Siedlung nichts mehr übrig geblieben, außer vielleicht einem kleinen Gedenkstein am Wegesrand. Wobei ich fast glaube, dass der Stein jünger ist als die Siedlung. Auf jeden Fall ist die Inschrift auf dem Stein: Gedenkstein_Bollmann_klein„Hier verunglückte am 22. Mai 1869 J.G.Bollmann”.
Das einzige Störende an diesem Wanderstück sind die Fahrradfahrer, die das Gefälle in Geschwindigkeit umsetzen. Aber selbst an einem Ostermontag Nachmittag sind es höchstens 15 Radfahrer gewesen, die mir entgegen kamen. Leider waren es auch zwei kleinere Fahrradmäuse (ich schätze mal 7 – 8 Jahre alt), die viel zu schnell den Berg runter geflitzt kamen. Da in der Mitte der Straße ein bisschen Splitt lang und eine dieser kleinen Flitzerinnen über die Mitte fahren musste, hörte ich einige Meter hinter mir auf einmal ein ziemliches Geheule. Da aber einige Erwachsene dabei waren, habe ich mich lieber von dannen gemacht. Für solche Fälle bin ich nämlich die wirklich schlechteste Hilfe, da ich kein Blut sehen kann. Was würde es schon nützen, wenn sich der große Helfer daneben legt. Steinbruch_Fuchsbachbruecke_1_kleinNach ungefähr 3,3 Kilometern teilt sich der Weg und es geht weiterhin auf dem asphaltierten Weg nach links in die Richtung des Taubenteiches. Der Weg ist ab hier mit dem grünen Strich grüner Strich markiert. An dieser Weggabelung befindet sich rechts eine Sandsteinbrücke, und wenn man nach links weiter wandert, Steinbruch_Fuchsbachbruecke_2_kleinweist eine Hinweistafel drauf hin, das hier die notwendigen Sandsteine 1856 gebrochen worden sind. Zweimal ist die Jahreszahl 1856 mit jemals den Namenskürzeln eingeschlagen. Etwas höher sieht man auch noch mal die Jahreszahl 1863 mit der Inschrift Gut Heil! Dass die kleine Brücke schon so alt ist, sieht man ihr nicht an. Der Weg geht immer weiter mit der recht angenehmen Steigung den Hang hinauf, bis man den Taubenteich erreicht. Dieser Stauweiher aus Kurfürstlichen Zeiten ist in der letzten Zeit grundlegend saniert worden und lädt heutzutage zu einer schönen Rast ein. Was ganz besonders ist, dass man anscheinend auf der Staumauer sogar ein Lagerfeuer machen darf. Hier ist ein richtiger Feuerplatz mit einigen Sitzmöglichkeiten drum herum angelegt. Eine kleine Schutzhütte lädt auch bei schlechterem Wetter zum Genießen der Ruhe ein.
Taubenteich_Staatsforst_kleinNachdem man sich ein wenig ausgeruht hat, geht es an der linken Seite des Taubenteichs auf der asphaltierten Forststraße das steilste Stück der Wanderung berghoch. Nach ungefähr 550 Metern zweigt nach links der grün markierte Weg auf den Taubenbrandweg ab. Also wenn man am Cunnersdorfer- und Taubenbach schon kaum einen anderen Wanderer trifft, so ist die Wahrscheinlichkeit, auf diesem Weg irgendjemanden zu treffen, ziemlich gering. Die Wanderung verläuft sehr angenehm auf einer gleich bleibenden Höhe über einen Waldweg. Nach einer Wanderstrecke von ca. 2 Kilometern erreicht man eine relativ große Buche mit einer Tafel zur ehemaligen Ortschaft Kühlemorgen. Der Inhalt der Tafel ist:

Hier stand bis ungefähr 1700 das Dorf Kühlemorgen das vermutlich durch Pest und Abwanderung wegen Arbeitsmangel nach vollendeter Aufforstung des Grenzwaldes aufgegeben wurde.

Warum der Wald aufgeforstet werden musste, kann man erst auf einer weiteren Informationstafel kurz vor der Ortschaft Cunnersdorf lesen:

Forstort Brand
Durch Brandrodung im 16. Jahrhundert landwirtschaftlich nutzbar gemachtes Waldgrundstück. Nach Auslaugung des Bodens innerhalb weniger Jahre wurde der Ackerbau aufgegeben und es entstand wieder Wald.

Matthias-Otto-Eiche_kleinAha. Hier hat also der Mensch mal wieder herumgefummelt und sich gewundert, dass es doch nicht so klappt wie er sich es vorstellt. Von der ehemaligen Ortschaft Kühlemorgen geht es weiter auf dem markierten Wanderweg. Der nächste Kilometer verläuft auf einem Weg mit dem seltsamen Namen Gebackenebirnstraße. Der Name hört sich irgendwie ein bisschen seltsam an, aber netterweise steht an der Matthias-Otto-Eiche auch hierzu eine Erklärungstafel. Ihr Inhalt ist:

Gebackenebirnstraße
Alte Handelsstraße – gebaut im 16. Jahrhundert möglicherweise von Pirna nach Tetschen. Der Name kann folgendermaßen gedeutet werden: Gebackene… => gepackte (von Packlager) birn… => abgeleitet aus dem sorbischen Lokativ pern = Stein, also gepackte Steinstraße.

Der Weg verläuft weiterhin äußerst angenehm durch den Wald. Was an dem Wald sehr auffällig ist, sind die großen Mengen jagdlicher Einrichtungen. So kann man die normalen Futterkrippen sehen, eine große Anzahl Hochsitze und ein paar Jagdhütten. Diese auffällige Häufung liegt an der Vergangenheit des Waldes. Jagdhuette_Cunnersdorf_kleinZu DDR-Zeiten ist dieser Wald als so genannte Staatsjagd betrieben worden. Das bedeutet, dass der Zutritt in den Wald für normale Bürger gesperrt war und sich die privilegierte Staats- und Parteikaste mit der Jagd auf gezüchtetes Wild vergnügte. Heutzutage kann man z.B. einen Kilometer hinter der Futterkrippen_Cunnersdorf_kleinCotta-Eiche auf der linken Wegseite eine rot-braune Hütte im Wald entdecken. Normalerweise sind solche Hütten nichts Besonderes in einem Wald, wären da nicht doch ein paar Besonderheiten. Ich habe bis heute noch keine Waldarbeiterhütte mit einem separaten Toilettenhäuschen gesehen, rechts neben der Hütte ist eine Lichtung mit einem Hochsitz und außerdem wird kein Forstarbeiter eine Lebensbaumhecke in den Wald pflanzen. Aber auch heute wird auf der Lichtung noch Wild mit Mais angefüttert. Die Wanderung geht weiter auf dem grün markierten Weg. Nach einem weiteren Stück durch den ruhigen Wald erreicht man den Waldrand oberhalb von Cunnersdorf. Hier wird auf der gerade schon angesprochenen Informationstafel die Brandrodung aus dem 16. Jahrhundert erklärt.
Der Weg geht runter in die Ortschaft Cunnersdorf. Noch vor der Hauptstraße erreicht man die Straße die nach links wieder zum Freibad zurückführt. Auf dieser Straße geht es das letzte Stück bis zum Parkplatz zurück. Die Straße ist nur wenig befahren und bietet mit einigen Informationstafeln eine ganz nette Unterhaltung. Zuallererst erreicht man das alte Floßwehr von 1840. Flosswehr_Cunnersdorf_kleinDieses Floßwehr ist nicht so groß wie die Dinger in der Kirnitzsch, aber auch hier kann man sehr gut erkennen, wie früher der Bach gestaut wurde, um dann durch eine Flutwelle die Baumstämme bis nach Königstein zu spülen. Genau zu diesem Zweck sind auch die beiden Staubecken Tauben- und Fuchsteich errichtet worden. Zumindest den Taubenteich hat man auf der Wanderung an der Grenze schon gesehen. An dem Floßwehr erinnert auch eine weitere Informationstafel an ein schlimmes Hochwasser in Cunnersdorf von 1981. Der Inhalt der Tafel ist:

Vom 19.07.-22.07.1981 wurde Cunnersdorf durch lang und stark anhaltende Regenfälle zum wiederholten Mal von einer Hochwasserkatastrophe heimgesucht. Dabei wurden:
1800 m² Bach- und Straßenstützmauer mitgerissen
1500 m² Straßendecke beschädigt
1 Straßen- und 3 Fußgängerbrücken vernichtet
1 Sägewerksteil zerstört
6 Wohnungen überflutet
8 Familien wurden evakuiert und viel Holz und Gerätschaften wurden fortgerissen.
Kameraden der Feuerwehr, Einsatzkräfte der ZV und viele Einwohner halfen, um schlimmeres zu verhindern.

Nach wenigen Metern erreicht man die nächsten Informationstafeln zu einer besonderen Persönlichkeit der Ortschaft Cunnersdorf:

Herr Gerd Neumann
01.09.1900 – 16.04.1994
Als 2. Sohn der Familie Neumann wurde am 01.09.1900 Gerd in Königstein (Schulhaus) geboren. Er besuchte das Lehrerseminar in Pirna und wirkte als Pädagoge an Schulen im Umkreis von Königstein.
In Cunnersdorf wirkte Herr Neumann besonders als Heimatforscher, Dichter und Volkskünstler. Seine Tätigkeit fand landesweit Anerkennung. Die Auszeichnung mit dem Nationalpreis und der Johannes- R. Becher Medaille in Silber und Gold zeugen davon.
Seine Begabung als Pädagoge spiegelt sich in vielen Schriften, Zeichnungen und Holzschnitten wieder. Hervorzuheben sind dabei die Heimatbroschüre zur 600 – Jahrfeier der Gemeinde, das Naturlehrpfad- Heft sowie den mit Erfolg herangebildeten Schnitzernachwuchs.
Die grenzenlose Liebe zum Ort und seine Heimatverbundenheit kommen im Heimatlied zum Ausdruck.
Ihm sei Dank und ehrendes Gedenken
Seine Heimatfreunde

Die letzten nächsten beiden Informationstafeln handeln vom Trinkwasser in Cunnersdorf. Die größere Tafel erklärt, wie die erste Wasserleitung die Ortschaft Cunnersdorf mit Trinkwasser versorgte. Faszinierend ist, was für ein seltsames Wasserrohr das gewesen ist, aber den Gegebenheiten von 1930 entsprach es bzw. dem Bauzeitraum von 1927 – 1929. Immerhin sind 1930 mit dieser Trinkwasserleitung 15 Häuser bzw. Bauernhöfe versorgt worden. Die zweite Tafel erklärt, woher das Trinkwasser kam:

Wasserleitung_Cunnersdorf_kleinQuellgebiete
Entlang des Cunnersdorfer Baches gibt es eine ganze Anzahl von Quellen. Die hier benannte Quelle, zum früheren Hering´schen Gut gehörend, wurde bis etwa 1951 in Holzröhren nach dem Gehöft geleitet. Das überschüssige Wasser sammelte sich in dem darunterliegenden Teich, um dann in den Cunnersdorfer Bach zu fließen.

Die letzten Meter gehen bis zum Ausgangspunkt der Wanderung. Damit ist eine Wanderung zu Ende, die ruhiger nicht sein kann. Selbst an einem wunderschönen Ostertag sind mir auf der ganzen Runde nur ungefähr 10 Wanderer und 15 Radfahrer begegnet. Wenn ich die gleiche Strecke irgendwo im Nationalpark veranstaltet hätte, dann wären mir sicher 10 bis 100 mal so viele Wanderer begegnet.

    Anreise:

    Öffentlicher Nahverkehr:
    Anreise mit Bus bis zur Haltestelle Cunnersdorf Deutsches Haus mit dem VVO-Navigator
    Auto:
    Empfohlener Parkplatz: Cunnersdorfer Bad

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