Thümmelgrotte

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Karte:
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Dauer:
ca. 2,50 h
Entfernung:
ca. 9,50 km
Höhenunterschied:
ca. 420 Meter
beste Reisezeit:
nicht an langen Wochenenden
Schwierigkeitsgrad:
steiler Aufstieg
lange Treppe
festes Schuhwerk
Untergrund:
Forstweg und asphaltiert Wanderweg und Pfad Treppen
empfohlene Karten:
Brand – Hohnstein;
Rolf Böhm Kartographischer Verlag
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Waitzdorf - Erbgerichtsweg - Waitzdorfer Höhe - Ringflügelchenweg - Grundmühle - Hohnstein - Sportplatz - Freibad - Viadukt - Kalkbruchweg - Max Jacob Straße - Brandstraße - blauer Strich - Brand - Thümmelgrotte - Brandstufen - Tiefer Grund - Waitzdorfer Stufen - Waitzdorf

Beschreibung:

Ich hatte mal wieder in den unterschiedlichen Büchern über die Sächsischen Schweiz gestöbert und im Malerwegbuch von Dr. Rölke (www.bergverlag-roelke.de) einen Hinweis zu einer Thümmelgrotte an der Brandaussicht gelesen. Komisch, die Brandaussicht ist einer der Punkte, die ich schon sehr häufig besucht habe. Sollte es dort tatsächlich irgendetwas geben, was ich noch nicht gesehen habe? So geht das nicht und deshalb habe ich gleich mal eine kleine Expresswanderung dorthin unternommen. Damit die Wanderung nicht so ein Standard-Brand-Spaziergang wird, habe ich den Startpunkt nach Waitzdorf gelegt. Als ich die Runde zu Ostern 2011 begonnen habe, zogen dicke Wolken über die Sächsische Schweiz und in der Entfernung war ordentliches Gerumpel von einem Gewitter zu hören. Na ja, das wäre nicht das erste Mal, im strömenden Regen oder bei einem Gewitter durch die Felsen zu schleichen und deshalb bin ich erst mal auf den Waitzdorfer Berg hoch gestiegen. Dazu geht es von dem Parkplatz in Richtung der schreckhafte_Galloway_Rinder_kleinGalloway-Rinder. Der schönere Weg auf den Waitzdorfer Berg führt gegen den Uhrzeigersinn um die Weide der zotteligen Viecher. Inzwischen kann man diese Sorte an Rindern an mehreren Stellen in der Sächsischen Schweiz entdecken, aber ich glaube, zuerst haben sie hier gestanden. Ich finde es schon ziemlich ungewöhnlich, dass diese Tiere zu jeder Jahreszeit hier draußen stehen. Selbst in bitterkalten Wintern trotzen sie der Kälte und dem Schnee. Als ich an der Herde vorbeigewandert hin, habe ich die Viecher mal wieder bestaunt und überhaupt nicht auf den Untergrund geachtet. Tja und schon habe ich mich vertreten und damit eine seltsame Bewegung gemacht. Das hat die Herde so erschrocken, dass alle einen ordentlichen Satz vom Zaun weg unternommen haben, aber sie haben auch sofort wieder neugierig geschaut, was der seltsame Mensch denn dort tut.
Die Wanderung führt zwischen der Koppel und dem Wald entlang und nach ein paar Haken erreicht man den Waitzdorfer Berg. Der Hügel ist einer der ganz besonders unscheinbaren Berge der Sächsischen Schweiz, der aber von sehr vielen Stellen zu sehen ist. Dadurch hat man natürlich auch von dem Berg eine ordentliche Sicht in alle Himmelsrichtungen. Netterweise ist die gesamte Kuppel des Berges auch waldfrei, sodass einem Rundblick buchstäblich nichts im Wege steht. Zu meinem Wanderzeitpunkt konnte ich spätestens hier ein ordentliches Gewitter auf der anderen Elbseite beobachten. Aber irgendwie habe ich an die Worte der Altendorfer geglaubt, dass es häufiger Gewitter gibt, die es nicht über die Elbe schaffen. Na also, aber ein bisschen sputen wollte ich mich doch lieber.
Also habe ich einen kurzen Blick in die Landschaft unternommen und bin gleich weiter in Richtung Tiefer Grund und Grundmühle. Dazu geht es gleich in der Verlängerung des Weges weiter und noch ein paar Meter in den Wald hinein. Hier hält man sich rechts und es geht auf dem Weg mit dem unschönen Namen Leichenweg den Hang hinunter. In dem Bereich zwischen der Wiese und dem Tiefen Grund befindet sich ein wahres Labyrinth an Waldwegen, wenn man sich aber daran orientiert, dass es immer weiter abwärts geht, dann erreicht man tatsächlich am einfachsten die Gaststätte Grundmühle (www.grundmuehle-hohnstein.de). Wenige Meter vor der Grundmühle biegt man nach links ab und wandert 100 Meter auf der Wanderwegmarkierung gelber Strich gelber Strich bis zur Straße. Die Grundmühle liegt, wie der Name schon sagt, ziemlich in der Senke, aber an einer etwas breiteren Stelle, sodass auf die Terrasse relativ lange die Sonne scheint. So kann man bei passendem Wetter sehr angenehm draußen sitzen und sich stärken.
Links von dem Mühlenhauptgebäude steigt ein unscheinbarer Waldweg aufwärts. Er führt leicht ansteigend aus dem Tiefen Grund heraus. Sehr komisch war, dass das anfangs beschriebene Gewitter tatsächlich immer noch nicht über mich hereingebrochen war. Weg_hinter_der_Grundmuehle_Richtung_Hohnstein_kleinGenauer gesagt schien sogar die Sonne auf der rechten Elbseite und so ging die Wanderung sehr angenehm in Richtung Hohnstein. Das erste Stück erfolgte durch ein Waldstück und dann geht es weiter in einem weitläufigen Wiesental mit einer größeren Kuhherde. Auch diese Wiederkäuer sind genauso neugierig wie die Galloways und haben mich aufmerksam gemustert. Vielleicht liegt es daran, dass über diesen Weg anscheinend doch nur sehr wenige Wanderer kommen. Wiesental_Kleingartenanlage_Hohnstein_kleinDen Stall der Kuhherde kann man nach ein paar hundert Metern auf der rechten Seite entdecken. Die Wanderung geht fast schnurgerade über die Wiese und erreicht die Straße an der alten Kretzschelei. Im Ursprung ist gleich neben diesem Dreiseitenhof der Bahnhof der Schmalspurbahn geplant gewesen, aber dann ist der Bahnhof doch ein paar Meter weiter in die Stadt verlegt worden. Heutzutage sieht man an der Stelle keine Spuren mehr, aber das liegt auch daran, dass die ursprüngliche Bahnlinie zwischen dem länglichen Gebäude (heutzutage zum Teil Jugendclub Hohnstein) und der Kretzschelei verlief.
Gleich hinter dem eingezäuntem Gelände kann man dann aber auch wieder den Bahndamm mit dem typischen Schotter entdecken. Auf dieser Trasse geht die Wanderung weiter in Richtung Hohnstein. Nach einer kurzen Strecke passiert man eine der alten Viadukt- Brücken der Schmalspurbahn. Es ist schön, dass damals die Schmalspurbahn darauf ausgelegt worden ist, viele Jahrzehnte zu bestehen und so die Bauwerke ordentlich stabil errichtet wurden. Im Sommer hat man von der Brücke einen netten Blick auf das Treiben im Hohnsteiner Freibad. Die Wanderung führt weiter auf der ehemaligen Bahntrasse, die aber hinter der Brücke in eine normale Straße wechselt. Schnell ist man auf der Rückseite des ehemaligen Bahnhofes. Heutzutage ist auf dem Gelände ein Busunternehmen untergebracht und so macht man einen kleinen Schlenker rechts um das Gelände bis zur Brandstraße.
Auf der Brandstraße geht es nach links, wobei nur die ersten paar Meter überhaupt ein kleines bisschen anstrengend sind. Mit dem Passieren der Vorderseite des Bahnhofsgebäudes geht es auf gleichbleibender Höhe immer weiter geradeaus. Zuerst passiert man noch einige Häuser und das Altersheim von Hohnstein. Danach geht es in den Buchenwald, auf der gut ausgebauten Weg_zum_Brand_im_Fruehling_kleinForststraße entlang. Wenn man die Wanderung an einem schönen, womöglich langen Wochenende unternimmt, dann strömen auf diesem Waldweg richtig große Mengen andere Wanderer und Spaziergänger hin und her. Diese Menschenmengen sind aber auch nur in der Zeit von 13 – 16 Uhr unterwegs und vielleicht sollte man genau diesen Zeitraum dann auch meiden. Tonmaedel_am_Brand_kleinNicht nur die Besuchermassen auf der Brandstraße sind sonst leicht störend, viel schlimmer ist, dass alle mit der Brandaussicht das gleiche Blick_vom_Brand_Richtung_Schrammsteine_kleinZiel haben. Insgesamt führt die Wanderung 2 ½ Kilometer vom Waldrand bis zur Gaststätte bzw. der Aussicht am Brand. Hier kann man sich sehr nett mit Getränken und ordentlichem Essen stärken, ohne den gigantischen Touristenzuschlag zahlen zu müssen. Besonders schön an dieser Gaststätte (www.brand-baude.de) ist, dass man direkt an der schönen Aussicht sitzen kann.
Bevor es auf die Erforschung der Brandumgebung geht, sollte man noch einen Abstecher in das Informationshaus des Nationalparks unternehmen. Hier finden immer wieder wechselnde Ausstellungen statt, sodass man selbst bei mehrfachem Besuch des Brands immer mal wieder hineinschauen sollte. Von der Terrasse biegt auf der linken Seite ein ganz schmaler unscheinbarer Gang ab. Wenn einem hier zu viele Besucher herumwuseln, dann kann man auch einen Bogen um die Gebäude in Richtung Brandstufen unternehmen und gleich auf der Rückseite der Gaststätte durch den Wald zur Thümmelgrotte vorstoßen. Seitenansicht_Steinerne_Bruecke_am_Brand_kleinFür mich war die Thümmelgrotte und auch die steinerne Brücke eine echte Überraschung. Steinerne_Bruecke_am_Brand_kleinBis zu der Wanderung bin ich bestimmt schon 10 Mal am Brand gewesen und noch nie habe ich diese Brücke, die Thümmelgrotte und die ruhige Aussicht dahinter gesehen. In der künstlichen Grotte befindet sich eine ungewöhnlich lange Inschrift, die leider nur sehr schwer zu entziffern ist. Der Text stammt vom Namensgeber der Grotte Herrn Moritz August von Thümmel (1738-1817) und ist wie folgt:
„Wohl mir, daß mir noch unverwöhnet
die Lockung der Thummelgrotte_am_Brand_kleinNatur gefällt,
solch eine Gegend, Freund, versöhnet
mich mit dem Überrest der Welt.
Man wird des Lebens überdrüssig
bei aller Ebb’ und Flut der Stadt:
doch hier geschäftig oder müßig,
wird keiner seines Daseins satt.“
Von der Aussicht hatte sich der Blick in den Himmel im Gegensatz zu der Seite bei Hohnstein gewaltig geändert. Der Himmel war tief schwarz und immer wieder zuckten Blitze entlang. Kein Wunder, dass zu meiner Blick_von_Hafersaeckeaussicht_in_Tiefen_Grund_kleinWanderzeit kein einziger Mensch in Richtung Brandaussicht wanderte. Deshalb habe ich mich gleich auf den Weg zu den Brandstufen gemacht. Bevor man aber die Stufen herab steigt, sollte man unbedingt noch einen kleinen Schlenker zu der Aussicht Hafersäcke unternehmen. Diese Aussicht befindet sich oberhalb des Tiefen Grundes und man kann fantastisch die unterschiedlichen Felsformen bestaunen. Diese Aussicht scheint auch schon sehr lange als interessanter Platz bekannt zu sein, da gleich an mehreren Stellen die Jahreszahl 1894 zu lesen ist.
Da ich schon einmal die Brandstufen im strömenden Regen mit meiner großen Tochter heruntergelaufen bin, konnte ich mich sehr gut daran erinnern, wie spiegelglatt die alten Bahnschwellen bei Feuchtigkeit werden können. Deshalb habe ich die 850 Stufen im Expressgang absolviert und noch gleich zwei Gruppen andere Wanderer überholt. Inzwischen konnte ich zwar den Regen schon ganz deutlich hören, aber bis zum Waldboden kam er nicht. Seltsam, dass ein Wald so ein gutes Dach sein kann. Blöderweise bin ich durch meine schnelle Gangart zwar nicht von oben nass geworden, aber dafür habe ich das T-Shirt ordentlich durchgeschwitzt. Netterweise hatte der Regen fast aufgehört, als ich die Fahrstraße im Tiefen Grund erreicht hatte. Die Straße war überraschenderweise durch die Schauer klitschnass.
Hier folgt die Wanderung der Wanderwegmarkierung roter Strich roter Strich und man muss ein paar hundert Meter (genauer 350 Meter) die Straße bergauf wandern. Denkmal_Sense_im_Tiefen_Grund_klein Man passiert eine deutlich sichtbare Sense, die in der rechten Felswand eingemeißelt ist. Hierzu sagt das Sagenbuch der Sächsischen Schweiz aus, dass an dieser Stelle zwei Waitzdorfer Burschen im Jahre 1699 mit Sensen um ein gutaussehendes Mädchen gekämpft haben. Das Besondere ist, dass die beiden Burschen normalerweise gute Freunde waren und bei dem Kampf sogar das Mädchen als Zuschauer anwesend war. Überlebt hat das Gemetzel nur einer, der gleich nach dem Kampf geflüchtet ist, aber noch mal nach ein paar Jahren wiederkam und dann endgültig mit der Armee verschwand.
Wenige Meter hinter der Sense biegt nach rechts der Aufstieg nach Waitzdorf ab. Hier ist vor ein paar Jahren der gesamte Hang mit ziemlich viel Aufwand gerodet worden. Dadurch hat man jetzt noch einen netten Blick runter auf die Straße im Tiefen Grund und rüber auf die Felsen der anderen Talseite. Der Aufstieg nach Waitzdorf ist nicht ganz so lang wie der Weg hoch zum Brand, aber so einige hundert Stufen sind es trotzdem. Auf meiner Wanderung gab es für mich noch eine sehr ungewöhnliche Abwechslung auf diesem Teilstück. Als ich auf dieser Treppe um eine Ecke bog, standen vor mir zwei Frauen, wobei die eine gerade ihr Oberteil wechselte und so nur im BH dort stand. Irgendwie mussten wir alle schmunzeln und ich bin laut pfeifend vorbeigegangen. Anscheinend hat es andere Wanderer mit dem Gewitterguss viel stärker erwischt als mich.
Nach diesem letzten Anstieg erreicht man den unteren Rand von Waitzdorf und auf der einzigen Dorfstraße geht es zurück zum Ausgangspunkt der Wanderung. Wenige Meter vor dem Ende passiert man die Waitzdorfer Schänke (www.schaenke-waitzdorf.de), in der man noch spitzenmäßig die paar verbrauchten Kalorien von der Wanderung nachfüllen kann. Ich bin die Wanderung durch das Gewitter in einer ungewöhnlich kurzen Zeit von etwas mehr als 2 Stunden gewandert. Für eine wohltuende Wanderung sollte man sich viel mehr Zeit nehmen und vermutlich ist auch ein Gewitter nicht das passende Wetter für eine angenehme Runde. Trotzdem hat mir diese Wanderung super gut gefallen, weil einfach alle Kriterien für eine schöne Wanderung in der Sächsischen Schweiz erfüllt waren. Es waren gleich mehrere schöne Aussichten vorhanden, der größte Teil der Runde war angenehm ruhig und einige abwechslungsreiche Felsformationen waren zu entdecken. Das links vom Brand mit der versteckten Aussicht und der Thümmelsgrotte so ein schöner Platz vorhanden ist, hat mich wirklich verwundert und mal wieder darin bestärkt, dass es noch viel in der Sächsischen Schweiz zu entdecken gibt.

    Anreise:

    Öffentlicher Nahverkehr:
    Anreise mit Bus bis zur Haltestelle Waitzdorf mit dem VVO-Navigator
    Auto:
    Empfohlener Parkplatz: Waitzdorf

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