Waldfriedhof Lilienstein

Abstimmung:
unsere Bewertung::
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Karte:
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Dauer:
ca. 2,75 h
Entfernung:
ca. 10,00 km
Höhenunterschied:
ca. 420 Meter
beste Reisezeit:
nicht an langen Wochenenden
Schwierigkeitsgrad:
steiler Aufstieg
festes Schuhwerk
Untergrund:
Forstweg und asphaltiert Wanderweg und Pfad Treppen
empfohlene Karten:
Vordere Sächsische Schweiz - Karte 10;
Sachsen Kartographie GmbH Dresden
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Prossen - gelber Strich - Lottersteig - Waldfriedhof - blauer Strich - Lilienstein - Ebenheit - Kirchweg - gelber Strich - Prossen

Beschreibung:

Anfang 2015 hatte ich gelesen, dass auf dem Waldfriedhof des 70. Todestages eines amerikanischen Soldaten gedacht wurde. Im gleichen Artikel wurde davon berichtet, dass gleich hinter dem heutigen Waldfriedhof früher eine Barackensiedlung gestanden haben soll. Obwohl ich schon mehrmals zwischen Prossen und dem Waldfriedhof aus dem Elbtal heraufgestiegen bin, ist mir noch nie irgendetwas in dem Wald aufgefallen. Also musste ich mal genauer nachsehen. Außerdem ist ein damit verbundener Ausflug auf den Lilienstein immer nett, solange nicht gerade wunderschönes Wetter oder ein langes Wochenende ansteht.
Der Startpunkt liegt in Prossen. Hier befinden sich noch einige kostenlose Parkplätze, die zwar zeitlich beschränkt sind, aber für diese Wanderung sollte das kein nennenswertes Problem sein. Die ersten Meter führen auf der Talstraße Rittergut_Prossen_Elberadweg_kleinelbeabwärts bzw. in Richtung Lilienstein. Eigentlich macht die Talstraße den Eindruck, als ob sie am Rittergut Prossen endet, aber der Elberadweg schlängelt sich an der rechten Seite daran vorbei. Hier biegt zuerst die kleine Straße Gründelweg zu Auto Mischner ab, es geht aber noch eine Einfahrt weiter, bis gleich gegenüber der Einfahrt zum Dreiseitenhof der Lottersteig nach rechts abbiegt (maximal 100 Meter hinter dem Rittergut). Dieser Forstweg steigt verhältnismäßig steil an, aber dafür ist hier nur ganz selten jemand unterwegs. Man passiert mehrere Kreuzungen, aber die Wanderung folgt einfach dem jeweils breitesten Weg immer weiter aufwärts. Nachdem man die ersten paar hundert Meter bewältigt hat, geht es angenehm fast ohne Steigung auf einem sehr ruhigen Waldweg weiter. Kurz bevor man den Lottersteig verlässt, erreicht man ein Feld auf der rechten Wegseite, über das man bis zu den Felsen am Brand und dem Waitzdorfer Berg blicken kann.
Schon bald erreicht man die Wanderwegmarkierung blauer Strich blauer Strich, auf der es nach links weiter geht. winterlicher_Waldfriedhof_Lilienstein_kleinHier wandert man ein paar Meter in Richtung Lilienstein. Spätestens nach 200 Metern erreicht man auf der linken Wegseite den Waldfriedhof. Namenstafel_Waldfriedhof_kleinDieser Ort soll daran erinnern, dass in dem dahinterliegenden Waldstück innerhalb von sehr kurzer Zeit drei unterschiedliche Tragödien stattgefunden haben. Wenn man heutzutage ¼ Kilometer in den Wald hineinwandert, dann ist fast nichts mehr davon zu erkennen. Nur noch eine flache Senke und ein paar wenige Fundamente und Glasscherben erinnern daran, ehemaliger_Standort_Lager_Lilienstein_kleindass hier zuerst ein Lager der Organisation Todt (einer Bautruppe der Nazis, in der auch Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge zum Einsatz kamen), dann ein Gefangenenlager und zuletzt ein Notquartier für Vertriebene war. Jede dieser Gruppen hat große Mengen Toter, durch Überarbeitung und Mangelernährung, zu beklagen. Ich finde es sehr gut, dass durch den eher symbolischen Waldfriedhof an diese schlimme Zeit erinnert wird.
Von dem Waldfriedhof geht es für diese Wanderung weiter zum Lilienstein, indem man der blauen Wanderwegmarkierung folgt. winterlicher_Franzosenborn_Lilienstein_kleinSchon bald erreicht man den Waldrand und es geht zuerst leicht ansteigend weiter. Nach 200 Metern fällt rechts, etwas abseits vom Weg, ein grünes Schild auf. Hier befindet sich der Franzosenborn, der mit einer Sandsteinfassung und einem richtigen Dach aufwartet. Wie auf der Tafel erklärt wird, ist der Franzosenborn eine nur sehr schwache Quelle und genau deshalb ist sie heutzutage auch meistens leer. Den Namen hat diese Quelle von den französischen Truppen, die im Jahre 1813 hier mit einem riesigen Heer lagerten.
Die blaue Wegmarkierung führt über so einige Stufen auf der Nordseite den Lilienstein hinauf. Etliche Besucher scheinen beim Aufstieg Langeweile zu haben, da wirklich viele Inschriften an den Felsen zu entdecken sind. Das geht von uralten Jahreszahlen bis zu Symbolen der FDJ (Freie Deutsche Jugend) aus dem Jahre 1950. Nachdem man dann endlich auf dem Lilienstein angekommen ist, empfiehlt es sich, vor dem Besuch der Gaststätte einen Bogen über das Felsplateau zu unternehmen. Obelisk_Lilienstein_August_der_Starke_kleinDazu bietet sich die Runde im Uhrzeigersinn sehr an. Als erstes erreicht man damit die Aussicht auf Bad Schandau bzw. zur Hinteren Sächsischen Schweiz. Das ist die Aussicht mit den wenigsten Besuchern, von der aber die schönsten Sonnenaufgangsbilder gemacht werden. Auf der nächsten Aussicht fällt besonders der Obelisk mit den zwei gekreuzten Schwertern auf, der daran erinnern soll, dass 1708 August der Starke den Lilienstein bestiegen hat. Der ursprüngliche Gedenkstein ist durch einen Blitzschlag zerstört worden, was hier oben wirklich nicht ungewöhnlich erscheint, und wurde im Jahre 2008 neu aufgebaut.
Wenn man dann an der Felskante weiter im Uhrzeigersinn wandert, erreicht Obelisk_Lilienstein_800_Jahre_Wettiner_kleinman zunächst die obere Station der Transportseilbahn und danach die größte Aussicht mit dem zweiten, größeren Obelisken. Dieser erinnert an die 800-jährige Herrschaft der Wettiner. Von dieser Aussicht hat man einen guten Blick auf Königstein und die Tafelberge der gegenüberliegenden Elbseite. Als Nächstes passiert der Rundgang über den Lilienstein die Gaststätte. Es ist wirklich angenehm, dass sich hier oben eine kleine und auch gepflegte Gaststätte befindet, die selbst in den Wintermonaten geöffnet hat. Das ist in anderen Teilen der Sächsischen Schweiz nicht selbstverständlich.
Auf dem Lilienstein gibt es noch eine weitere Aussicht bzw. eigentlich ist es gleich eine ganze Kette an Aussichten. Diese liegt im westliche_Aussicht_mit_Gelaender_Lilienstein_kleinWesten und ist auch die spektakulärste. Um sie zu erreichen, geht es erst über einige Brücken, Treppen und Pfade. Wenn man dann die Spitze des Felsens erreicht hat, macht es fast den Eindruck wie die vordere Spitze der Titanic. Nur untergehen wird sie hoffentlich nicht. Der Blick nach unten ist schaurig schön, aber nach vorne sind die Elbe und die Felsen im Bereich der Bastei zu entdecken. Auf dem Pfad bis zu der Aussicht kann man riesige Mengen an unterschiedlichen Inschriften in den Felsen entdecken. Mal sind es gewöhnliche Namen und Ortsnamen, aber auch Jahreszahlen, die verdeutlichen, dass schon seit Jahrhunderten Menschen auf den Lilienstein krabbeln.
Die Wanderung steigt auf der südlichen Seite des Liliensteins über so einige Stufen bis auf die Ebene zu Füßen des Felsens ab. Nachdem man den Abstieg erfolgreich gemeistert hat, geht die Wanderung eigentlich nach links am Waldrand entlang. winterlicher_Blick_Ebenheit-Festung_Koenigstein_kleinDa es aber viel schöner ist, die Aussicht auf die Festung Königstein zu genießen, geht es geradeaus auf der blauen Wanderwegmarkierung über die Ebenheit. Im Jahre 1813 lagerten hier tausende französische Soldaten, um dann ins Elbtal abzusteigen. Heutzutage ist es eher eine angenehm ruhige Art Halbinsel in der Elbe, die nur eine Zufahrt und damit nur Anliegerverkehr hat. Damit ist es dann auch überhaupt kein Problem, an dem Panoramahotel Lilienstein nach links auf die asphaltierte Straße abzubiegen. Hier werden noch ein paar Häuser passiert und dann wandert man sehr angenehm im Wald weiter. Nachdem man dem breitesten Waldweg etwas mehr als ½ Kilometer gefolgt ist, stößt man auf die Wanderwegmarkierung gelber Strich gelber Strich, der man nach rechts folgt. Nach ein paar hundert Metern passiert man die Nationalparkbildungsstätte Sellnitz, die so einige interessante Stationen im Garten hat. Ganz besonders, wenn man Kinder mit auf der Wanderung dabei hat, ist ein kurzer Abstecher empfehlenswert. Dann können die Racker mal etwas ertasten und erkunden, das nicht künstlich ist. Das letzte Stück dieser Wanderung führt schon bald auf der gelben Wanderwegmarkierung ins Elbtal hinunter und endet auf der Rückseite des Ritterguts Prossen.
Auch wenn mit dem Waldfriedhof zwischendurch auf dieser Wanderung ein besinnlicher Teil gewesen ist, so macht es immer wieder Spaß, auf den Lilienstein, das Wahrzeichen des Nationalparks Sächsische Schweiz, hinauf zu steigen. Von hier hat man wirklich eine tolle Aussicht und wenn man nicht gerade einen der stärksten Besuchertage gewählt hat, dann ist es sogar noch mit den restlichen Besuchermengen ganz angenehm.

    Anreise:

    Öffentlicher Nahverkehr:
    Anreise mit Bus bis zur Haltestelle Prossen Wendeplatz mit dem VVO-Navigator
    Auto:
    Empfohlener Parkplatz: Prossen Spielplatz

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