Waldhuschenführung

Abstimmung:
unsere Bewertung::
positivpositivpositivnegativnegativ
Karte:
PDF:

Dauer:
ca. 2,75 h
Entfernung:
ca. 3,50 km
Höhenunterschied:
ca. 130 Meter
beste Reisezeit:
eigentlich immer
immer, auch an Wochenenden empfehlenswert.
Schwierigkeitsgrad:
Spaziergang
leicht
Untergrund:
Forstweg
Wanderweg und Pfad Treppen
empfohlene Karten:
Hinterhermsdorf und die Schleusen;
Rolf Böhm Kartographischer Verlag
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Hinterhermsdorf - Buchenparkhalle - Waldhusche - Wurzeltunnel - Streunutzung - Pflanzcamp - Verkehrssicherungsmaßnahme - Holzlagerplatz - Waldhusche - Holzkohlemeiler - Brettsäge - Spinnennetz - Baumrinde - Hinterhermsdorf - Buchenparkhalle

Beschreibung:

Vom Nationalpark Sächsische Schweiz werden einige geführte Wanderungen angeboten und so habe ich im Juni 2006 auf der Internetseite des Nationalparks folgende Beschreibung gefunden:

Waldhuschenführung
Im forstgeschichtlichen Freigelände wird anhand konkreter Beispiele die Waldbewirtschaftung früher und die Waldpflege heute gezeigt. Dabei können Sie viel über die Entwicklung des Waldes erfahren. Der spannende Rundgang ist besonders für Familien geeignet.
Termin:           immer
Sonnabend von April – Oktober, jeweils 14 Uhr
Treffpunkt:       Hinterhermsdorf, Parkplatz Buchenparkhalle – Eingang Waldhusche
Durchführung:  Nationalpark – Ranger

Bei der Waldhuschenführung war es genauso, wie bei den beiden anderen Führung (Bastei mit Ranger und Waldkundliche Führung), dass der Nationalpark Ranger rechtzeitig zum angegebenen Zeitpunkt am Treffpunkt war, aber außer uns nur noch drei andere Teilnehmer anwesend waren. Für ein kostenloses Angebot des Nationalparks finde ich das eigentlich sehr schade. Die Führung startete vom Eingang an der Buchenparkhalle nach links. Gleich auf den ersten Metern wies uns der Nationalpark Ranger auf die gefällten Roteichen hin. Da diese Baumsorte nicht zu den ursprünglichen Bäumen der Sächsischen Schweiz zählt, sind sie an der Stelle entfernt worden. Gleich an dieser Stelle hat uns der Nationalpark Ranger ein paar grundsätzliche Informationen zur Waldhusche gegeben: Die Waldhusche ist 66 Hektar groß, wird vom Nationalpark Sächsische Schweiz betrieben und verfügt über 4 unterschiedliche Themenwege (Waldkundeweg, Historischer Waldnutzungsweg, Naturgenussweg und Waldabenteuerweg).  WurzelgangDer Weg ging nach rechts bis zum Wurzeltunnel. Hier kann man sehr gut drei unterschiedliche Wurzelformen sehen. So haben z.B. die Fichten großflächige Tellerwurzeln, die Buchen Herzwurzeln und die Eichen Pfahlwurzeln. An dieser Station stecken ein paar Bäume falsch herum im Boden, damit die Wurzeln in die Luft ragen, so kann man die unterschiedlichen Wurzelformen sehr gut erkennen. Außerdem gibt es einen Wurzeltunnel, wo man die Wurzeln von unten sehen kann. Selbst kleinste Kinder haben einen riesigen Spaß an dieser Station.
Die Führung ging weiter auf dem Pfad bis zur nächsten Station mit dem Namen Streunutzung. Hier ist auf einer Fläche von 10 x 10 Meter alles an Nadeln, Reisig und Blättern in einen Behälter an der Seite zusammengekehrt worden. Früher wurde häufig alles auf dem Waldboden zusammengekehrt und dann als Einstreu für die Viehställe genutzt. Dass in solch einem gefegtem Wald keine Humusschicht und Naturverjüngung entstehen kann, ist in diesem abgegrenztem Waldstück sehr gut sichtbar.
Der weitere Weg ging bis zum Pflanzkamp. Hier stehen in einem eingezäunten Bereich ein paar Reihen neu herangezogene Bäumchen. Diese Pflanzen werden in dem Bereich erstmal aufgezogen, um dann später in den Wald gepflanzt zu werden. Man hat es schon versucht junge Bäume aus ganz anderen Regionen von Deutschland in der Sächsischen Schweiz anzupflanzen, aber durch ein leicht anderes Klima war dieser Versuch nicht vom Erfolg gekrönt. Der weitere Weg führte auf dem Waldkundeweg (blaue Markierung) entlang. Es ist ein schmaler Pfad quer über einen kleineren Hügel. Der Hügel ist in den letzten Jahren von allen standortuntypischen Pflanzen befreit worden. Jetzt stehen auf dem Hügel nur noch die Pflanzen, die normalerweise auf einem Felsriff stehen. Ganz besonders fällt auf, dass sich das Heidekraut in diesem gelichteten Wald stark vermehrt. Nachdem es über den Hügel hinweg gegangen ist, haben wir wieder einen Waldweg auf der gegenüberliegenden Seite erreicht. Diesem sind wir nach rechts gefolgt, um bald an zwei gewaltigen Buchen den nächsten Halt einzulegen. Hier hat der Nationalpark Ranger erklärt, dass die eine Buche als Verkehrssicherungsmaßnahme umgezogen wurde (mit einem Traktor), da sie von einem Pilz befallen war. Die andere Buche steht noch. Ich kann es mir kaum vorstellen, dass man mit normalen Mitteln einen solchen riesigen Baum umziehen kann, aber in diesem Fall ist es tatsächlich so passiert.
Als nächstes wurden wir alle überrascht von dem Parkranger. Er hatte uns irgendwie schon einige Male etwas vom Borkenkäfer erzählt und jetzt verschwand er hinter einem Stamm mit dem Hinweis, dass er hier zwei Borkenkäfer abgelegt hätte. Irgendwie konnten wir uns nicht beherrschen und mussten ihn fragen, ob die kleinen Dinger den Befehl „Sitz“ oder „Platz“ befolgen. Er kam mit einem kleinen Becher inklusive Lupe wieder hervor und darin befand sich ein kleines Stück Rinde und tatsächlich zwei Käfer. Der eine Käfer hatte sich schön wieder in die Rinde reingefressen und schaute nur noch mit dem Hinterteil heraus. Das war sehr nett vorbereitet und damit hatte jeder einmal einen dieser kleinen Störenfriede gesehen. Was irgendwie verwunderlich war, dass der Ranger danach den Becher mit den beiden Käfern in seiner Hosentasche spazieren trug. Ob er sich nicht traute, die Käfer einfach nur wieder in den Wald zurück zu werfen oder vor uns die Viecher irgendwie in die ewigen Jagdgründe für Borkenkäfer befördern? Aber vermutlich brauchte er sie noch für eine weitere Führung als Anschauungsobjekt.
Waldhusche_obenDer weitere Weg führte vorbei am Waldhuschenkreisverkehr mit seinen Holzlagerplatz und dann auf dem historischen Waldnutzungsweg (orange Wegmarkierung) bis zur Waldhusche. Hier war extra für diese Führung ein Stapel Baumstämme aufgetürmt. Nachdem der Nationalpark Ranger die Sicherung gegen Herunterwerfen am Holzstapel und in der Rutsche entfernt hatte, konnte der Spaß beginnen. Prallwand_WaldhuscheDie dicken Baumstämme wurden mit Schwung in die Rutsche geworfen und schossen mit ziemlicher Geschwindigkeit ins Tal. Der Ranger meinte, bei nassem Wetter würden die Stämme so einen Schwung bekommen, dass sie bis zur Prallwand am unteren Ende fliegen würden. Das war in unserem Fall nicht so und der letzte Stamm war sogar auf den letzten Metern hängen geblieben. Die Rutsche wurde wieder verschlossen und es ging parallel zur Rutsche den Hang hinunter. Gleich links vom Teich befindet sich der neu eingerichtete Holzkohlemeiler. Damit man sich besser vorstellen kann, wie solch ein Meiler aufgebaut ist, hat man ein tortenförmiges Stück in diesem Hügel ausgelassen. In der Hinteren Sächsischen Schweiz soll es an sehr vielen Stellen (50 Stück) Holzkohlemeiler gegeben haben. Sehr interessant an der Erklärung des Parkrangers war, dass, während der Meiler angezündet war, die ganze Zeit (zwischen 8 und 14 Tage), auf den Meiler aufgepasst werden musste, da nur eine sehr begrenzte Menge Luft bis zur Glut kommen durfte. Da der Meiler aber durch den Brennvorgang mit der Zeit schrumpfte, musste am laufenden Bande die Außenschicht nachgestampft werden.
Vom Holzkohlemeiler ging es wieder zurück den Berg hoch bis zum Waldhuschenkreisverkehr. 
SaegegatterHier oben inspizierte die Gruppe die nachgebaute Brettsäge. Dieses voll funktionstüchtige Sägegatter durfte von jedem ausprobiert werden, aber irgendwie waren alle zu faul, um an der riesigen Säge Hand anzulegen.  Kreuzspinne_WHDer weitere Weg ging rechts neben der Säge auf dem Waldabenteuerweg (rote Kennzeichnung) bis zum Kreuzspinnennest. Dieses riesige Spinnennetz ist ein willkommenes Spielgerät für Kinder. Obwohl ich dieses Spielgerät jetzt schon einige Male gesehen hatte, war mir noch nicht das Prinzip aufgefallen, welches hier dargestellt werden sollte. Wenn irgendein Kind in dem Netz herumturnt, dann kann man an der Spinne, durch ihre elastische Aufstellung, erkennen in welchem Bereich das spielende Opfer ist. Auch wenn ich Spinnen normalerweise überhaupt nicht mag, so finde ich dieses Spielzeug wirklich sehr gelungen und es kommt bei allen Kindern sehr gut an. Von dieser Attraktion geht es weiter in die Richtung des Parkplatzes. Nach ein paar Metern auf dem Waldweg kommt auf der linken Seite eine Station, die Lohrindengewinnung heißt. Wenn man ohne Waldhuschenführer unterwegs ist, könnte man die Station für eine Hundehütte aus Baumrinde halten. Hier soll verdeutlicht werden,  Lohrindengewinnungdass früher zum Gerben von Ledern und Häuten Rinde benötigt wurde. Aus der Rinde wurde Gerbsäure gewonnen und darin wurden die Häute gelegt. Wenn die Häute in dieser Suppe lange genug gelagert wurden und danach eine weitere Nachbehandlung durchgeführt wurde, entstand Leder. Die kleine „Hundehütte“ ist nur dazu da, die Rinde möglichst schnell zu trocknen, ohne dass die Gerbstoffe aus der Innenseite der Rinde ausgespült werden. Von dieser Station verlief die Führung die letzten paar Meter bis zum Ausgangspunkt zurück.
Diese Führung hat, wie alle anderen Führungen, die ich bis jetzt vom Nationalpark mitgemacht habe, viel Spaß gebracht und war sehr informativ. Ein ganz besonderer Höhepunkt war, die Waldhusche tatsächlich mal in Aktion zu sehen. Leider habe ich mir den Namen des Nationalpark Ranger nicht gemerkt, aber er hat eine sehr nette Führung veranstaltet und besonders gut hat mir gefallen, dass er nicht nur vorbeikommt und die Führung abhält, sondern dieses sogar vorbereitet hat.

Nachtrag: Da der Nationalpark Sächsische Schweiz auch meine Internetseite ließt, habe ich durch einen netten Hinweis den Namen des Nationalpark Rangers erfahren. Der sehr gute Nationalparkführer heißt Wolfgang Meißner.

    Anreise:

    Öffentlicher Nahverkehr:
    Anreise mit Bus bis zur Haltestelle Hinterhermsdorf Erbgericht mit dem VVO-Navigator
    Auto:
    Empfohlener Parkplatz: Hinterhermsdorf Buchenparkhalle
    Parkplatzgebühr für die Wanderung: 4,00€

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