Wegegebot im Nationalpark

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unsere Bewertung::
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Karte:
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Dauer:
ca. 5,75 h
Entfernung:
ca. 8,50 km
Höhenunterschied:
ca. 392 Meter
beste Reisezeit:
nicht an langen Wochenenden
Schwierigkeitsgrad:
Kletterabschnitte
festes Schuhwerk
Untergrund:
Forstweg und asphaltiert Wanderweg und Pfad Treppen
Klettern
empfohlene Karten:
Kleiner Zschand;
Rolf Böhm Kartographischer Verlag
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Kirnitzschtal - Neumannmühle - Großer Zschand - gelber Strich - Spitzsteinschlüchte - Knorreweg - Zeughausstraße - roter Strich - Hintergründel - Marienhöhle - gehackter Weg - Bärenhorn - Siebenschläferboofe - Försters Loch - roter Strich - grüner Strich - Quenengrund - Quenenwiese - Kleiner Zschand - Kirnitzschtal - Felsenmühle - grüner Querstrich - Flößersteig - Neumannmühle

Beschreibung:

Eigentlich schaue ich mir immer, wenn wir uns in der Sächsischen Schweiz aufhalten, den Veranstaltungskalender an. Da aber im November normalerweise keine Veranstaltungen mehr stattfinden, habe ich diesen Blick diesmal weggelassen und hätte damit beinahe eine lohnenswerte Wanderführung verpasst. Zum Glück gibt es gleich mehrere Mitmenschen, die für mich mitdenken und so bin ich doch auf die folgende Beschreibung auf der Webseite des Nationalparks (www.nationalpark-saechsische-schweiz.de) gestoßen:

Wegegebot im Nationalpark
In Zusammenarbeit mit den Wander- und Bergsportverbänden wurde eine Wegekonzeption für den Nationalpark erarbeitet. Nicht jedem sind die Hintergründe und Zusammenhänge dieser Regelungen bekannt. Vielfach wird auch Unverständnis gezeigt. Wer mehr über die getroffenen Vereinbarungen erfahren möchte und spezielle Fragen hat, sollte sich diese Wanderung im Kleinen Zschand nicht entgehen lassen.
Zeitdauer: ca. 5 Stunden
Besonderes: Trittsicherheit erforderlich
Durchführung: Andreas Knaak und Frank R. Richter
Preis: kostenfrei
Treffpunkt: Kirnitzschtal, Parkplatz Neumannmühle (D)
Uhrzeit: Samstag 05.11.2011 (10:00)

Einerseits empfiehlt es sich natürlich, diese Runde mit den professionellen Nationalparkrangern zu unternehmen, andererseits ist sie aber auch so schön, dass man sie auf eigene Faust unternehmen kann. Dann bekommt man zwar nicht so viel zum Nationalpark erzählt, aber dafür kann man sich die Zeit selber einteilen.
Zum vereinbarten Termin war ich vollkommen überrascht, wie viele Teilnehmer mit auf die Wanderung gehen wollten, aber vermutlich lag es auch einfach daran, dass so viele Mitglieder der neuen Interessengemeinschaft „Stiegen- und Wanderfreunde“ (www.sandsteinwandern.de) dabei waren. Auf den geführten Wanderungen, die ich bisher mitgemacht habe, waren maximal 8 Teilnehmer dabei. Auf dieser Runde waren es zumindest auf den ersten paar Kilometern gut 25 – 30 Wanderer. Der Startpunkt war also an der Neumannmühle und von hier ging es in den Großen Zschand hinein. Diese ersten paar Meter sind mit dem gelben Strich gelber Strich gekennzeichnet. Am Zugang zu den Spitzsteinschlüchten, nach 100 Metern, war dann auch schon der erste Stopp, an dem die beiden Ranger sich und den ungefähren Verlauf der Wanderung vorgestellt haben. Durch die Spitzsteinschlüchte ging Wandergruppe_am_Konradfels_kleines dann auch so einigermaßen angenehm aufwärts bis zum Fuße der beiden Lorenzsteine. Am Konradfels (der ulkiger Weise durch die ersten Kletterversuche eines Sohnemanns den Namen erhielt) war der nächste Zwischenstopp, um die Meute wieder zusammen zu bekommen und ein paar grundsätzliche Dinge über den Nationalpark und die unterschiedlichen Zonen zu erfahren.
Von den Spitzsteinschlüchten bog die Wanderung also nach links auf den Knorreweg ab, um auf diesem gut ausgebauten Forstweg ½ Kilometer zu wandern. Hier wurde der nächste Zwischenstopp eingelegt, um einerseits die breiten Forsttrassen mit ihren tiefen Spuren und den eigentlichen Waldumbau zu erklären. Ein sehr interessanten Punkt dabei war, wie ich fand, dass die Forstarbeiten in Lohnarbeit vergeben werden und den ausführenden Firmen es vollkommen egal ist, wie vorsichtig mit der Natur umgegangen wird. Höchstens die Hauptwanderwege werden schnell wieder hergerichtet, aber in den einzelnen Waldbereichen können schon mal gewaltige Harvesterspuren übrig bleiben. Aber selbst an solchen tiefen Spuren kann ein Ranger noch etwas Positives entdecken, da sich in ihnen, im Gegensatz zum Nadelwaldboden, Pfützen und damit Leben bilden kann.
Der Knorreweg endet auf der Zeughausstraße, auf der für 150 Meter nach rechts weiter gewandert wird. Im Gegensatz zu den bisher begangenen Wegen ist die Zeughausstraße schon eine ganz andere Klasse. Nach den besagten 150 Metern biegt die Wanderung nach links auf einen viel angenehmeren Waldweg ab. Der Weg steigt in Richtung der Bärenfangwände an und auf der Höhe des Felsens Wartburg wurde der nächste Stopp eingelegt. Das Thema dieses Halts war, dass der Nationalpark bzw. die Förster eine Wegsicherungspflicht haben und damit so mancher Baum gefällt werden muss, auch wenn man eigentlich den Wald in Ruhe lassen möchte. Es  wurden auch gleich zwei Beispiele genannt, etwa das einer Frau, die zu Schaden gekommen war, aber zum Glück (für den Nationalpark) konnte nachgewiesen werden, dass der Weg gerade eine Woche vorher begutachtet worden war und der zweite Fall war ein Schadensfall beim Abstieg in der Häntzschelstiege. Dieser Fall hatte zwar nicht direkt mit dem Wald zu tun, aber mit der Wegesicherung und den Aufgaben des Nationalparks.
An den Bärenfangwänden angekommen, geht es nach rechts den nächsten ½ Kilometer auf der Wanderwegmarkierung roter Strich roter Strich weiter, Entenmarsch_zur_Marienhoehle_kleinbis nach links der Pfad zur Marienhöhle abbiegt. Dieser Aufstieg ist mit dem grünen Pfeil für einen Bergpfad gekennzeichnet und es sah schon ganz lustig aus, wie die gesamte Gruppe im Gänsemarsch bis zur riesigen Marienhöhle hoch wanderte. An der Marienhöhle machte die gesamte Gruppe Rast und es entstanden ein Teilgruppe_in_der_Marienhoehle_kleinpaar sehr interessante Gespräche. Obwohl ich schon einige Jahre in der Sächsischen Schweiz wandern gehe, war mir z.B. nicht bewusst, dass ich im Bereich außerhalb der Kernzone alle sichtbaren Wege und Pfade und in der Kernzone jeden markierten (inklusive den Kletterzugängen) Weg benutzen darf.
Nachdem sich fast alle mit der Standard-Wanderrastnahrung, einem Knacker, gestärkt hatten, ging es noch ein kurzes Stückchen den Hang hinauf, um dann nach rechts auf den gehackten Weg abzubiegen. Diesem Weg folgt die Wanderung ½ Kilometer, bis der Waldweg, der hier nur noch mit dem schwarzen Pfeil (Kletterzugang) gekennzeichnet ist, durch quer gefällte Bäume versperrt ist. Hier wurde der nächste Halt eingelegt und erklärt, Blick_Baerenfels_aufs_Foersters_Loch_kleinwarum gerade dieser Weg gesperrt worden ist. Der Grund soll ein kleines Rückzugsgebiet für die Natur sein. Dieses Gebiet befindet sich in der Schlucht Försters Loch und hat ungefähr die Abmessungen ½ Kilometer x ¾ Kilometer. Leider führen zwei uralte historische Wege durch dieses Gebiet und so wählt doch noch so mancher Wanderer den schönen Aufstieg.
Natürlich steuerte die geführte Wanderung nicht dort entlang, sondern bog nach rechts auf den Kletterzugang ab. Sehr überraschend war, dass der Pfad auf das Bärenhorn tatsächlich mit dem schwarzen Pfeil gekennzeichnet, aber nicht auf der Wanderkarte von Rolf Böhm eingezeichnet war. interessanter_Abstieg_zur_Siebenschlaeferboofe_kleinZum Glück war Rolf auch mit bei der Wandergruppe dabei und sofort wurde ein Hinweis in seine Skizzenkarte eingetragen. Sehr unterhaltsam war die kleine Klettereinlage von dem oberen Felsplateau auf das darunterliegende Felsenband. Irgendwie ist an der Stelle, oder war es schon ein paar Meter davor beim Überqueren der ½ Meter Felsspalte, ein Teil der Gruppe verloren gekommen. Herr Richter hat aber auf jeden Fall alle übrig gebliebenen Teilnehmer spitzenmäßig mal mit Worten oder auch einer Fußführung den Abstieg erleichtert. Für mich war die große Überraschung, dass sich dann auf dem Felsenband die riesige Siebenschläferboofe befand. Die Boofe unterteilt sich tatsächlich in zwei ziemlich große Räume und hat eine sehr interessante Geschichte. grosse_Siebenschlaeferboofe_kleinSo sollen sich zwei junge Männer am Ende des 2. Weltkrieges hier vor ihrer Einberufung versteckt haben. In der Zeit bis zur Auflösung der Boofe durch den Nationalpark war sogar eine Art Außenwand aus Baumstämmen vorhanden. Neben der Boofe befindet sich eine horizontale Felsspalte, die hässlicherweise heutzutage als Müllschlucker benutzt wird. Der Müll verschwindet aber leider nicht wie in einem Müllschlucker und so sieht es überhaupt nicht schön aus. Hier halten sich anscheinend einige Besucher nicht an die Regel, dass eine Boofe in einem sauberen Zustand verlassen wird, wie man sie angetroffen hat.
Von der Boofe geht es auf die knapp darüber liegende Aussichtsebene, Aussicht_mit_Spalten_auf_Siebenschlaeferboofe_kleindie durch die vielen Felsspalten ganz besonders interessant aussieht. Die Felsspalten sind alle nicht besonders breit (< 50 Zentimeter), aber dafür ordentlich tief (mindestens 5 Meter). Von der Aussicht kann man sehr schön auf den Kleinen Winterberg, den Beginn des Heringslochs, das Felsental der Hinteren Sächsischen Schweiz und die gegenüberliegenden Felswände blicken. Alleine für diese beeindruckende Aussicht hätte sich die Wanderung gelohnt, Abstieg_durch_Felsspalte_am_Baerenfels_kleinaber netterweise kamen ja noch ein paar interessante Informationen und ein abwechslungsreicher Weg dazu. Von dem Bärenhorn geht es auf der der Boofe gegenüberliegenden Seite abwärts. Die Hindernisse bei diesem Abstieg waren eine schmalere Felsspalte und herbstliches Laub auf dem steilen Pfad. Trotzdem haben es alle mit mehr oder weniger guten Haltungsnoten geschafft und am Felsfuß gab es dann auch den letzten Stopp. Hier wurde noch mal das Thema Boofen und die Geschichte der Siebenschläferboofe erklärt.
Danach startete der eigentliche Rückweg zum Ausgangspunkt über die Wanderwegmarkierung Wandergruppe_im_Quenengrund_kleinroter Strich roter Strich bzw. nach ¼ Kilometer grüner Strich grüner Strich. Der Weg durch den Quenengrund und den Kleinen Zschand wurde noch reichlich zum Gedankenaustausch über z.B. empfehlenswerte Wanderwege oder GPS Geräte genutzt. Da im Herbst 2011 die Kirnitzschtalstraße vollständig durch Baumaßnahmen gesperrt war, konnten die letzten paar Meter bis zum Ausgangspunkt durch das Tal absolviert werden. Wenn denn der Straßenverkehr wieder stärker wird, dann bietet sich hier der Pfad auf dem Flößersteig bis zum Ausgangspunkt an.
Diese geführte Wanderung hat mir und auch den restlichen Teilnehmern ganz hervorragend gefallen. Ich war überrascht, dass die beiden Ranger uns ausgerechnet zu einer heute verbotenen Boofe geführt haben, aber gerade das machte diese Wanderung besonders reizvoll. Der Auf- und Abstieg auf das Bärenhorn und die Aussicht von dem Stein hat die Wanderung ein wenig spannend gestaltet und das eigentliche Ziel der Wanderung, das Wegekonzept des Nationalparks zu erklären, wurde aus meiner Sicht vollständig erreicht.

    Anreise:

    Öffentlicher Nahverkehr:
    Anreise mit Bus bis zur Haltestelle Kirnitzschtal Neumannmühle mit dem VVO-Navigator
    Auto:
    Empfohlener Parkplatz: Neumannmühle
    Parkplatzgebühr für die Wanderung: 3,00€

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