Ziegengrund

Abstimmung:
unsere Bewertung::
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Karte:
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Dauer:
ca. 4,00 h
Entfernung:
ca. 11,00 km
Höhenunterschied:
ca. 463 Meter
beste Reisezeit:
nicht an langen Wochenenden
Schwierigkeitsgrad:
festes Schuhwerk
Untergrund:
Forstweg
Wanderweg und Pfad Treppen
empfohlene Karten:
Nationalpark Böhmische Schweiz;
Nationalpark Böhmische Schweiz
Region:
Mehr Details
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Kurzbeschreibung:

Rainwiese - grüner Strich - Donnergrund - Kleiner Ziegengrund - Luchsstein - Lindengründel - grüner Strich - Altarstein - Treppengrund - Thorwalder Wände - Langes Horn - Christelschlüchte - Großen Zschand - roter Strich - Ziegenrücken - Rainwiese

Beschreibung:

Als wir auf der Wanderung zum Karlshaus unterwegs waren, fiel uns ein Kernzonenschild am Wegesrand auf. Diese Schilder sind stets ein deutlicher Hinweis auf irgendetwas Interessantes, das dahinter versteckt ist und in diesem Fall war es der Weg in den Kleinen Ziegengrund. Bevor man zu dieser Wanderung startet, sollte man sich aber dessen bewusst sein, dass es zwei Mal ein Stück auf unmarkierten Wegen durch die Kernzone geht und sich bitte nicht bei uns darüber beschweren.
Die Wanderung beginnt am riesigen Parkplatz in Mezní Louka (Rainwiese). Von hier geht es zuerst einmal bis vor das Hotel. Wenn man von dem Hotel auf die gegenüberliegende Straßenseite blickt, biegt an der rechten Seite die Wanderwegmarkierung grüner Strich grüner Strich ab. Die ersten paar Meter führen noch über einen Campingplatz und dann geht es in den Wald hinein. Nach etwas mehr als ½ Kilometer biegt die grüne Wanderwegmarkierung nach rechts ab, hier wird aber weiter auf dem Waldweg geradeaus gewandert. Schon bald nimmt die Steigung des Weges ordentlich zu und man staunt, wie hier Forstmaschinen hochfahren können. Damit der Weg anscheinend nicht ganz so wild durchgewühlt wird, ist er mit aneinander gelegten Baumstämmen ausgelegt. Nach ½ Kilometer und 100 Höhenmetern geht es noch ein kurzes horizontales Stück weiter, um dann das schon erwähnte Schild anzutreffen. Hier wird darauf hingewiesen, dass der Weg eigentlich nicht betreten werden darf, da es sich um die Zone 1 (die tschechische Kernzone) handelt. Praktisch können wir es nicht so ganz verstehen, warum ein Weg, der nachweislich seit mindestens 250 Jahren benutzt wurde, heutzutage einfach gesperrt wird. Vermutlich werden die paar wenigen Wanderer in dem Grund auch kaum einen nennenswerten Schaden verursachen. Einen viel größeren Schaden richten unserer Ansicht nach die Förster mit der Kettensäge an, die gleich viele dutzend Bäume in dem Tal kreuz und quer umgelegt haben. Der Pfad steigt leicht abfallend in den Grund ab. Pfad_im_Kleinen_Ziegengrund_kleinGleich an mehreren Stellen haben die Förster neue kleine Schonungen angelegt, die mit ganz seltsamen Zäunen umgeben sind. Diese Zäune bestehen aus zwei Lattenreihen, über die eine dichte Reihe ausgerissene Jungfichten gehangen sind. Eine sehr ungewöhnliche Konstruktion, die aber sicherlich wirkungsvoll sein wird. Inschriften_Kleiner_Ziegengrund_Maennerprofil_kleinAuf dem weiteren Weg den Ziegengrund hinunter fallen gleich zwei Stellen mit alten Inschriften und Jahreszahlen auf. So kann man gleich mehrmals die Jahreszahl 1823 entdecken und dann die Zahl 1842 und ein Profilbild eines Mannes. Kurz (350 Meter) vor der Grenze bzw. dem Ende des Kleinen Ziegengrundes passiert die Wanderung ein Gebiet, in dem der Borkenkäfer zugeschlagen hat. Das sieht im ersten Moment nicht besonders schön aus, aber entspricht eher dem Motto des Nationalparks „Natur Natur sein lassen“.
Unterhalb dieses Borkenkäferbereichs kann man dann auch sehr schön sehen, wie sich diese kleinen Übeltäter weiter in Richtung Deutschland fressen, da ein dichter, unserer Ansicht nach hässlicher Fichtenwald folgt. Hier sind immer wieder vereinzelt Bäume schon befallen und so wird sich die Natur gegen die Monokulturen durchsetzen. Ganz kurz vor der Grenze befinden sich rechts vom Weg mehrere Tümpel, die im Sommer 2014 ein erstklassiges Mückenbrutrevier waren. Aber im Gegensatz zu Zecken oder Bremsen sind ein paar Mücken gar nicht so schlimm. Felsmurmel_Luchsstein_kleinDie Grenze ist durch die vielen unterschiedlichen Schilder kaum zu übersehen und hier geht es nach links weiter. Nach weniger als 200 Metern ist der Luchsstein erreicht. An dieser Felsmurmel ist ein deutlich sichtbarer Luchs eingemeißelt und die Jahreszahl 1743. Die Inschrift darüber erinnert daran, dass ein Förster hier einen Luchs erschossen hat. Heutzutage ist es eher anders herum und man freut sich, endlich wieder Spuren von diesen Katzen zu entdecken.
Überraschenderweise ist bis zum Luchsstein ein Bergpfad (grüner Pfeil Bergpfad) ausgeschildert und genau auf diesem geht es jetzt durch das Lindengründel aufwärts. Nach etwas mehr als ½ Kilometer erreicht man den Brückengrundweg mit der grünen Wanderwegmarkierung grüner Strich, auf dem es nach links weiter geht. Dieser Waldweg ist sehr angenehm zu wandern und hier trifft man wirklich nur ganz selten andere Wanderer an, da der Weg für den größten Teil der sommerlicher_Altarstein_kleinLeute viel zu weit von einem Parkplatz oder sonstiger Zivilisation entfernt liegt. Vermutlich ist das aber auch der Grund, warum man hier auf einmal nach ½ Kilometer auf den Altarstein trifft. Hier sollen anno 1630 verfolgte böhmische Protestanten ihren Gottesdienst abgehalten haben und dazu ist natürlich ein so abgelegener Platz sehr gut geeignet.
Die Wanderung folgt weiterhin der grünen Wanderwegmarkierung, erst den Stimmersdorfer Weg abwärts und dann nach links die Hinteren Pechschlüchte aufwärts. Zuerst ist die Steigung kaum merklich, aber je näher man den Thorwalder Wänden kommt, umso anstrengender wird es. Aber genau aus diesem Grund hat der Treppengrund seinen Namen. Es geht bis zum Scheitelpunkt mit so einigen Stufen aufwärts und dann auf der gegenüberliegenden Seite ein paar Meter wieder abwärts. Grundsätzlich könnte man natürlich bis zur Hickelhöhle und dann die Hickelschlüchte hinunter wandern, aber die Strecke kannten wir schon zu gut und so haben wir nach 80 Metern Abstieg den nach links abbiegenden Zugang zum Klettergipfel (schwarzer Pfeil Kletterzugang) gewählt. Aussicht_Langes_Horn_Grosser_Zschand_kleinDieser Pfad schlängelt sich am Felsenfuß des Langen Horns durch eine Vielzahl an Heidelbeeren und ist über eine Strecke von ¾ Kilometer wirklich leicht zu wandern. Nach rechts geht es in ein Ameisenloewen_Trichter_Langes_Horn_kleinpaar Metern Entfernung zwar ordentlich abwärts, aber dafür hat man auch immer wieder einen schönen Blick über die oberen Ausläufer des Großen Zschands bzw. die Partschenhörner. Was an diesem Pfad auch noch besonders auffällt, sind die vielen hundert trichterförmigen Löcher im Sand neben der Felswand. Pfad_am_Langen_Horn_Grosser_Zschand_kleinDabei handelt es sich um die Fallen des Ameisenlöwen. Dieses kleine Insekt hat sich am tiefsten Punkt des Trichters eingegraben und wartet darauf, dass sein Opfer in die Sandkuhle fällt und dann entkräftet immer weiter nach unten rutscht. Nach dem besagten ¾ Kilometer wird der Pfad von einer Felsspalte unterbrochen, an der wir uns nicht weiter getraut haben. Grundsätzlich geht der Pfad dort weiter, aber wir sind dann in den Zeichengrund abgestiegen. Der Abstieg ist überraschend angenehm und endet auf dem oberen Weg durch den Großen Zschand.
Hier geht es für diese Wanderung nach links weiter und nach ¼ Kilometer wird die Grenze mit ihrem Schilderwald passiert. Kurz dahinter passierte uns dann das Missgeschick, dass wir einen tschechischen Ranger bei seiner Brotzeit störten. Eigentlich sah es zu ulkig aus, wie er auf einmal mit seiner Tasse in der einen und Bemme in der anderen Hand vor uns stand. Er stellte sich sehr angenehm in Tschechisch und Englisch vor und erklärte uns, dass wir hier in der Zone 1 unterwegs wären und nicht weiter gehen dürften. Er hat uns sehr nett, aber bestimmt wieder zurück geschickt. Da er auf die Sperrung des Weges beharrte, sind wir wieder zurückgegangen. Es ist wirklich zu doof, dass hier der uralte, breite und gut ausgebaute Weg auf einer Strecke von etwas mehr als einem Kilometer einfach gesperrt ist. Wir vergleichen es damit, das auf einmal dem Bundesverkehrsminister einfällt, dass die A4 bei Chemnitz auf einer Strecke von 20 Kilometern wegen Lärmschutzmaßnahmen gesperrt wird. Es ist vollkommen uninteressant, ob die Straße schon seit Jahrzehnten/Jahrhunderten befahren wird und selbst wirtschaftliche Interessen sind uninteressant. Die bestehende Straße wird für jede Art von Verkehr gesperrt und damit ist das Thema beendet.
Für uns war es eine ordentliche Verlängerung der Wanderstrecke, da wir jetzt einen Bogen um den pausierenden Ranger auf östlicher Seite unternommen haben. Das war nicht gerade einfach, aber immerhin sind wir wieder auf dem Zugang zum Großen Zschand gelandet und damit ging es auf dem geplanten Weg weiter. Schon bald war der rot markierte Wanderweg roter Strich zwischen dem Prebischtor und Mezní Louka (Rainwiese) erreicht. Mit großem Überraschen mussten wir hier ein Auto des Nationalparks entdecken. Auch die tschechischen Ranger scheinen nicht gerade die bewegungsfreudigsten Mitmenschen zu sein und mit ihren Kisten bis an die so gelobte Kernzone heranzufahren. Nur weil der Ranger uns sehr nett behandelt hat (und keinerlei Strafe erhoben hat) sind seine Reifen nicht entlüftet worden (nein, sowas würden wir nicht wirklich tun – Anm. d. Ehefrau). Nach ein paar angenehmen Metern (ca. ¾ Kilometer) auf dem tschechischen Ziegenrücken erreicht man wieder den Ausgangspunkt Mezní Louka (Rainwiese).
Natürlich ist uns bewusst, dass es eine Kernzone gibt und man diese nur auf markierten Wegen betreten soll. Wir glauben aber nicht, dass durch ein paar Wanderer das Gleichgewicht der Natur ins Wanken gerät, wenn man auf den uralten Wegen wandert. Aber durch einen Weg_durch_sommerlichen_Grossen_Zschand_kleinWanderweg zwischen dem Großen Zschand und Mezní Louka (Rainwiese) könnte man eine tolle Verbindung zwischen den zwei Nationalparks tatsächlich herstellen und nicht nur an offiziellen Stellen mit schönen Phrasen von der Verbindung und Zusammenarbeit schwafeln. Die Wanderung hat eigentlich eher 3 oder 4 Sterne verdient, aber wir wollen lieber keine Wanderer auf die Strecke schicken, die im Nachhinein uns vorwerfen, dass es irgendeine Form an Ärger gegeben hat. Deshalb sind in der sichtbaren Bewertung nur 2 Sterne vorhanden und die Zufallswanderer werden der Strecke überhaupt keine nähere Beachtung schenken.

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