Zwerchloch - Quaderberg

Abstimmung:
unsere Bewertung::
positivpositivpositivpositivnegativ
Karte:
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Dauer:
ca. 2,00 h
Entfernung:
ca. 5,50 km
Höhenunterschied:
ca. 350 Meter
beste Reisezeit:
eigentlich immer
Schwierigkeitsgrad:
steiler Aufstieg
Kletterabschnitte
festes Schuhwerk
Untergrund:
Wanderweg und Pfad Klettern
empfohlene Karten:
Elbsandsteingebirge;
Kompass
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Decin - Leopold-Strnad-Steig - Quaderberg - Losdorf - Samielsteig - Laubenschlucht - Kaiserweg - Zwerchloch - Elbwarte - Quaderberg - Decin

Beschreibung:

Diese kleinere Wanderung ist dadurch entstanden, dass Herr Bellmann vom Heimatbuchverlag (www.heimatbuchverlag.de) ein Stiegenbuch zur Böhmischen Schweiz herausgebracht hat und dort gleich ein paar Stiegen und interessante Stellen nordöstlich des Stoličná hora (Quaderbergs) eingetragen sind. massive_Bank_Decin_kleinObwohl ich schon so einige Male über diesen Berg gewandert bin, waren mir viele Stellen unbekannt und so haben wir uns gleich mal auf eine Erkundungstour begeben. Den Startpunkt haben wir an den Ortseingang von Děčín (Tetschen) unterhalb des kleinen Spielplatzes bzw. des Parks gelegt. Von dort geht es sehr angenehm durch den Park aufwärts. Zuerst fällt dort eine riesige Bank auf, die einfach aus einem mächtigen Baumstamm herausgeschnitten worden ist. Auf dem Weg nach oben stehen einige Erklärungstafeln, die über besondere Bäume und Stellen im Park informieren. In dem Park sollte man sich links halten, da dort gleich an der ersten Möglichkeit der eigentliche Aufstieg beginnt. Man hätte auch gleich am Spielplatz die betonierte Fahrstraße aufwärts wandern können, aber der Weg durch den Park und der darauffolgende Aufstieg sind viel sehenswerter. Die betonierte Straße endet an der Schießanlage des Deciner Schützenvereins und auch der Wanderweg trifft an dieser Stelle darauf. Normalerweise ist das stabile Eingangstor verschlossen, sodass die Aussicht ins Elbtal von der Außenseite genossen werden muss. Aber es wird in kurzer Zeit noch eine viel schönere Aussicht erreicht. Dazu geht es gleich am Tor nach rechts den Pfad aufwärts. Blick_auf_Decin_von_Kaiseraussicht_kleinDer Aufstieg erfolgt über so einige Stufen und macht einen Haken oberhalb der Schießbahn. Dann kommt man an die Kaiseraussicht mit einem Obelisk, von der man einen tollen Blick über Děčín (Tetschen) hat. Der Platz ist sehr gut für eine kurze Erholung nach dem Aufstieg geeignet.
Auf der Rückseite der Aussicht startet ein super angenehmes Teilstück auf der Wanderwegmarkierung roter Strich roter Strich. Es ist schon ziemlich ungewöhnlich, dass hier oben auf dem Stoličná hora (Quaderberg) so eine große Ebene ist. Nach ¼ Kilometer verlässt man den roten Strich und geht geradeaus auf einem ziemlich geraden Wanderweg weiter. Etwas weniger als 1 Kilometer geht es unmarkiert durch den Wald, bis der rote Strich roter Strich von links wieder zum Waldweg dazustößt. Hier wird der gerade Weg verlassen und es geht ganz kurz dem roten Strich nach links entgegen. Nach 10 Metern biegt vollkommen unauffällig nach rechts ein Pfad ab, der in einem wilden Zickzack den Hang hinabführt. Am Ende gabelt sich der Weg und zuerst wandert man nach rechts weiter. Schon nach ganz wenigen Metern erreicht man einen von vier Türmen einer ehemaligen Trinkwasserleitung. Diese Leitung soll im Jahre 1881 eingeweiht worden sein und das besonders Raffinierte ist, dass damals der 400 Meter Turm_von_Trinkwasserleitung_1881_kleinlange Stollen von beiden Seiten in den Berg getrieben wurde. Heutzutage lacht man mit den technischen Hilfsmitteln über diese Aufgabe, aber damals war es schon eine Herausforderung. Der Stollen scheint ziemlich tief zu sein, in den Schaft des ersten Turms kann man hineinsehen und der Boden ist nicht zu erkennen.
Zwischen diesem Turm und dem nächsten befindet sich ein sehr ungewöhnlicher Bachlauf in einer riesigen, teils betonierten, teils aus dem Felsen herausgearbeiteten Rinne. Gleich neben dieser Rinne führt ein Weg aufwärts. Auch wenn einige Sandsteinstufen hier den Aufstieg vereinfachen, sollte man vorsichtig sein, da bei unserer Wanderung mindestens zwei davon komisch kippelten. Der Bach läuft über mehrere große Stufen und dahinter heißt es, die Rinne für die weitere Wanderung zu durchqueren. Der Bach ist normalerweise nicht so tief, dass man sich irgendwelche Sorgen wegen nasser Füße machen müsste. Aber Vorsicht: bei Frost sollte man diese Wanderung so nicht machen, denn wenn die Rinne gefroren ist, könnte man ziemlich schnell nach unten gelangen…  Damit man auch die richtige Stelle erwischt, sollte man die gegenüberliegende Seite aufmerksam beobachten. Dort ist an einer Stelle deutlich zu sehen, dass da ein Pfad weiter geht. Aufstieg_Samielsteig_kleinDieser Pfad sieht so aus, als ob er in beide Richtungen (bachauf- und -abwärts) weiter führt, für diese Wanderung geht es aber 50 Meter nach links, um dann den Hang hoch zu steigen. Abstieg_Samielsteig_kleinHier kommt eine kleine Klettereinlage, um dann auf einem Pfad weiter in östliche Richtung zu gelangen. Nach 150 Metern geht es mit einer weiteren kleinen Klettereinlage wieder abwärts. Am Ende des Abstieges erreicht man wieder das Bachbett, das auf der linken Seite auf einer Betonbrücke überquert wird.
Die Wanderung erreicht die bekannte Wanderwegmarkierung roter Strich roter Strich, der nach rechts weiter gefolgt wird. Schon bald passiert man eine Kläranlage, die ungewöhnlicherweise überhaupt nicht stinkt, aber die Geruchsbelästigung war vorher im Bereich der beiden Türme schon vorhanden und vermutlich ist das auch der Grund für die breite Rinne oberhalb der Trinkwasserleitung. Hinter der Kläranlage passiert man ein paar Häuser und eine Halle. Dann geht es wieder in den Wald des Stoličná hora (Quaderberg) und nach insgesamt ½ Kilometer erreicht man wieder die bekannte Stelle, an der es nach rechts im Zickzack abwärts geht. Hier geht es nochmals abwärts, um dann unten an der Weggabelung diesmal nach links weiter zu wandern. Felswand_im_Baeckenloch_Kaiserweg_kleinAuch wenn wir die Stelle nach ein paar Metern gar nicht als so gefährlich angesehen haben, ist hier ein alter Feuerwehrschlauch als Handlauf angebracht. Vermutlich ist es eher eine moralische Unterstützung, Andachtsstaette_im_Baeckenloch_kleinaber es ist auf jeden Fall wieder ein kleiner Hinweis, wie man mit geringsten Mitteln, ohne Umweltverträglichkeitsgutachten, Ausschreibung und Bauantrag etwas hinbekommen kann. Hinter dieser Stelle geht es ein paar Stufen hinunter und dann passiert man eine höhere Felswand. Ziemlich am Ende der Wand ist eine kleine Nische mit einem Marienbild in den Felsen geschlagen worden. So manche Kleinigkeit ist noch neben dem Bild abgelegt worden, sodass es schon wie ein Minialtar aussieht.
Der weitere Wanderweg ist ganz gut zu erkennen und so geht man zuerst 400 Meter bis zu einer Spitzkehre nach links bergan. Dort steigt man noch ein paar Meter weiter auf, um eine Bank in einer Höhle zu passieren. Die Höhle ist unwesentlich, aber sie schützt die Bank vor Verwitterung. Auf der Armlehne steht „13. 16.2. V Čertovce 1973. 13.“. Was auch immer die paar Buchstaben sagen möchten.
Von dieser Höhle bzw. Bank wandert man noch 100 Meter auf dem Pfad weiter bis zu einer markanten Felswand. Wenn man auf der rechten Pfadseite eine Quelleeinfassung sieht, ist man ein paar wenige Meter zu weit gewandert. Links neben der Felswand beginnt eine Schräge, an der an der links am Felsen die Jahreszahl 1879 auffällt. Hier geht es aufwärts. Der Weg nach oben ist so Bildnis_Bernadette_Soubirous_kleineinigermaßen zu erahnen und man kommt ganz gut hinauf bis zur eigentlichen Höhle, die Zwerchloch heißt. In der Höhle fällt als erstes ein Bild der Ordensschwester Bernadette Soubirous Felsinschriften_1566_im_Zwerchloch_kleinund außerdem eine Vielzahl an Jahreszahlen (1566, 1775, 1790, 1848, 1870, 1879) auf. In der Wand des Zwerchlochs befinden sich einige Löcher und in einem stecken mehrere eingeschweißte Seiten mit Informationen zu dem Bild. Leider ist der Text nur in Tschechisch, aber Wikipedia liefert eine sehr ausführliche Beschreibung zu Bernadette Soubirous. Was auch immer diese kleine Grotte im Stoličná hora (Quaderberg) mit der heiliggesprochenen Schwester zu tun hat, erschließt sich uns nicht, aber vermutlich ist es eins der vielen Geocaches in der Sächsischen bzw. Böhmischen Schweiz oder vielleicht ist es auch ganz einfach nur eine kleine Gedenkstätte. Die Höhle soll 1631 auch als Zufluchtsstätte des letzten Ritters von Bünau gedient haben. Ein riesig großes Versteck ist die Höhle nicht, aber immerhin hatte er eine schöne Aussicht auf die Elbe.
Bei der Höhle bzw. dem Zugang kann man dann mal wieder gut feststellen, dass der Weg aufwärts meistens einfacher Blick_von_Zwerchloch_auf_Elbe_kleinals der Abstieg ist. In diesem Fall liegt es hauptsächlich daran, dass der Untergrund ziemlich locker ist und man nur schlecht Halt finden kann. Unter Zuhilfenahme von Wurzeln und ein paar Büschen geht es abwärts. Wer das Glück hat, ein Seil dabeizuhaben, kann dieses als psychologische Hilfe hier sehr gut einsetzen. sommerliche_Elbwarte_Decin_kleinGanz schön schauerlich fanden wir beim Abstieg, dass in einem der Felslöcher gleich neben der Jahreszahl 1879 ein Knochen lag. Aber so wild ist der Abstieg wirklich nicht. Wieder auf dem Weg angekommen, geht die Wanderung nach links weiter. Schon nach ein paar Metern passiert man die in Stein gefasste Zwergentränke und kurz dahinter geht es über ein paar Serpentinen hoch auf den Stoličná hora (Quaderberg). Noch bevor man die Ebene erreicht, fällt einem ein Pavillon auf, der dann auch schnell erreicht ist. Von der 1890 gebauten sogenannten Elbwarte hat man einen netten Blick hinunter ins Elbtal.
Gleich an dieser schönen Aussicht führt die Wanderwegmarkierung roter Strich roter Strich entlang. Obelisk_Deciner_Kaiseraussicht_kleinDieser folgt man nach rechts in Richtung Děčín (Tetschen). Schon nach wenigen hundert Metern erreicht man die bekannte Kaiseraussicht. Hier geht es nach links auf der roten Wanderwegmarkierung den Hang bergab. geschnitzte_Bank_Quaderberg_kleinNach dem Abstieg geht man die letzten paar Meter nach rechts durch den schönen Park bis hinunter zum Ausgangspunkt der Wanderung. Auf dem Weg passiert man ein paar Holzkunstwerke und eine nette Sitzecke mit der Inschrift Loretoruh 1903.
Es ist immer wieder verwunderlich, was sich so alles in einer Landschaft wie der Sächsischen bzw. Böhmischen Schweiz entdecken lässt. Es gibt nicht nur tolle Aussichten und Felsentäler, sondern auch Stellen, an denen sich schon seit Jahrhunderten Menschen aufhalten.

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