Zwiesel

Abstimmung:
unsere Bewertung::
positivpositivpositivpositivnegativ
Karte:
PDF:

Dauer:
ca. 3,75 h
Entfernung:
ca. 13,00 km
Höhenunterschied:
ca. 435 Meter
beste Reisezeit:
eigentlich immer
Schwierigkeitsgrad:
leicht
Untergrund:
Forstweg und asphaltiert Wanderweg und Pfad Treppen
empfohlene Karten:
Bad Gottleuba - Berggießhübel - Karte 94;
Sachsen Kartographie GmbH Dresden
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Langenhennersdorf - gelber Strich - Zwieselbrücke - Forellensteig - Zwiesel - Zwieselmühle - Zwiesler Tiefer Erbstolln - grüner Strich - Zwieselquelle - Kleine Bastei - grüner Strich - Diebsteig - Cottaer Spitzberg - Triangulationssäule - Kleincotta - Cotta B - Gottleuba - Gottleubatalbahn - Bahntrasse - Hartpappe - Bährmühle - Langenhennersdorf - gelber Strich - Hauptstraße

Beschreibung:

Netterweise sind zwei uralte Heftchen (1964 und 1982) mit Wanderstrecken aus dem Bereich Berggießhübel- Bad Gottleuba- Langenhennersdorf bei mir gelandet und auch wenn die Streckenbeschreibungen schon ganz schön anders als heute sind, so bleiben die eigentlichen Grundgedanken des damaligen Autors auch heute noch erhalten. Der Startpunkt für diese Wanderung befindet sich in der Mitte von Langenhennersdorf. Hier folgt man der gelben Wanderwegmarkierung gelber Strich bzw. schoenes_Haus_Langenhennersdorf_Kakteen_kleinder Hauptstraße den Hang hinab. An einem wirklich schönen Haus mit riesigen Kakteen in den Fenstern verlässt die gelbe Wanderwegmarkierung die Straße. Gleich neben dem Abzweig fällt ein großer Sandstein mit Steinbruchnummern auf. Der Weg steigt ein kurzes Stückchen bis auf ein Feld an. Die nächsten Meter sind schnell absolviert und dann steht man vor einer alten Sandsteinsäule mit dem Hinweis auf Zwiesel. Früher war oben drauf ein weiteres Hinweisschild an einem eisernen Halter befestigt, aber dieses ist mit den Jahren verloren gekommen und jetzt ragt nur noch der Halter mit zwei Bögen, ehemaliger_Steinbruch_bei_Langenhennersdorf_kleindie das Aussehen von Hasenohren haben, in die Luft. An dieser Säule biegt die gelbe Wegmarkierung ab und es geht ein paar Meter vor einigen alten Steinbrüchen entlang. Die Abbauspuren sind auch nach wirklich langer Zeit noch deutlich zu sehen. Einerseits sind es natürlich die eigentlichen Steinbrüche, aber auch die Zwieselbruecke_kleinalten Abraumflächen und die Steinbruchnummern kann man gleich mehrmals entdecken. Die Wanderung steigt hinunter ins Tal der Gottleuba und stößt ziemlich genau an der Zwieselbrücke auf die Straße. Eigentlich besteht die Zwieselbrücke zwei Brücken, aber die Fußgängerbrücke ist in so einem miserablen Zustand, dass sie sogar schon gesperrt ist und der eigentlichen Zwieselbrücke ist das komplette Geländer verloren gekommen. Der gesamte Bereich macht einen nicht wirklich vertrauenerweckenden Eindruck.
Nachdem man hoffentlich heile über die Brücke gekommen ist, wandert man nach rechts weiter. Ausgeschildert (als Straßenschild) sind Berggießhübel und Bad Gottleuba. Nach ein paar Metern steht auf der rechten Straßenseite auch noch ein Wanderwegweiser mit dem gelben Strich gelber Strich und dem Namen Forellensteig. Bei meinem ersten Wanderversuch habe ich es so gedeutet, dass es auf der Straße weiter geht, aber tatsächlich führt der Forellensteig hinter der Leitplanke entlang und dann ein paar wenige Meter hinunter zum Bachlauf. Der Forellensteig ist wirklich nur ein kleiner Pfad am Bachlauf entlang, aber sehr angenehm zu wandern und es ist wirklich nett, dem Wasserspiel zuzusehen. Der Bach läuft mal ganz seicht und dann wieder in Gotleuba_am_Forellensteig_kleinkleinen Wasserfällen durch das Tal. Nach ¼ Kilometer weist eine Tafel auf einen Felsen mit einem besonders großen Strudelloch in der Mitte des Baches hin. Solche runden Löcher bilden sich häufig dadurch, dass sich kleinere Gesteinsmurmeln in einem Loch verfangen und durch eine Kreisbewegung immer weiter in den Felsen hineinarbeiten. Normalerweise sind diese Strudellöcher immer senkrecht nach unten, aber oben an der Straße befindet sich tatsächlich eins, Felsen_am_Forellensteig_mit_Strudeltopf_kleindas waagerecht in eine Felswand hinein führt. Vermutlich hat dieser Felsen im Ursprung senkrecht gestanden und ist dann im Laufe der Zeit umgekippt. Die Wanderung führt weiterhin super angenehm über den Forellensteig bis zum Ortseingangsschild von Zwiesel. Ein Stück die Straße abwärts befindet sich auf der rechten Straßenseite das große Gelände des Bundesgrenzschutzes bzw. heutzutage heißt es Bundespolizei. Die Wanderung führt aber nicht dort entlang, sondern in Richtung der Ortschaft und schon nach ganz wenigen Metern biegt nach rechts die Straße zur Zwieselmühle ab. Nach ein paar hundert Metern endet diese Straße, aber als Wanderer kommt man mit einer Fußgängerbrücke über die Gottleuba und erreicht das Gelände der Zwieselmühle. Im Ursprung (vor 1445) hat auf dem Gelände der heutigen Mühle der Unterhammer gestanden. Die heutigen Gebäude stammen immerhin auch schon aus dem Jahre 1787 und wurden viele Jahrzehnte als Brettschneidemühle und Gaststätte benutzt.
Von der Zwieselmühle folgt die Wanderung der gelben Wanderwegmarkierung noch ein kurzes Stück (150 Meter). Mundloch_Zwiesler_Tiefen_Erbstollen_kleinAuf der gegenüberliegenden Bachseite fällt das Mundloch des Zwiesler Tiefen Erbstollen auf. Dieser Stollen ist immerhin mit seinen 1.400 Metern der längste Stollen im Gebiet von Berggießhübel und sehr interessant ist, dass dabei immerhin 8 Eisenerzlager durchstoßen werden. Früher wurde das Grubenwasser als Trinkwasser benutzt, aber durch die Trinkwassersperre Gottleuba läuft heutzutage das klare Wasser in die Gottleuba.
Die Wanderung geht nach rechts auf der Wanderwegmarkierung grüner Strich grüner Strich leicht ansteigend den Hang hinauf. Auf den ersten paar hundert Metern stehen noch einige schicke Häuser von Zwiesel, aber am Ortsrand wird der markierte Wanderweg für kurze Zeit verlassen. Kleine_Bastei_bei_Zwiesel_kleinHier sind die Kleine Bastei und die Zwieselquelle ausgeschildert und genau dort soll der Abstecher hinführen. Es ist leicht irritierend, dass auf den Hinweisschildern die Kleine Bastei mit 200 Metern ausgeschildert ist, aber zuerst wird die Zwieselquelle besucht. Diese befindet sich nach ungefähr 400 Metern auf der rechten Wegseite und ist durch einen kleinen Rastplatz sehr gut zu erkennen. Nachdem man noch ein kurzes Stück von 150 Metern weiter auf dem Pfad gewandert ist, biegt die Wanderung im spitzen Winkel nach links ab und es geht an der Kante der Felsen zurück. Ziemlich überraschend erreicht man ein kleines Felsplateau mit einem umlaufenden Geländer. Dabei handelt es sich um die Kleine Bastei. Der Name ist in der Sächsischen Schweiz einige Male zu finden, aber alle anderen Plätze dieses Namens haben im Gegensatz zu dieser Stelle hier eine ordentliche Aussicht. Hier hat sich die Natur ordentlich breit gemacht und selbst im Winter hat man keinerlei Aussicht.
Der Pfad führt weiter an der Felskante entlang und am Ende stößt man wieder auf die bekannte grüne Wanderwegmarkierung grüner Strich. Dieser folgt man nach rechts in Richtung Cottaer Spitzberg. Auf dem Weg zu diesem Berg wandert man auf eine Scheune mit einem dahinter befindlichen Wäldchen zu. In dem Wald befinden sich noch alte Wälle und Gräben, die aus der Zeit von Napoleon (1813) stammen. Blick_auf_Cottaer_Spitzberg_kleinAuf dem Wanderweg in Richtung Cottaer Spitzberg kann man sich bei einem Blick über die Felder sehr gut vorstellen, warum Napoleon und seine Soldaten genau diese Stelle ausgesucht haben. Von hier kann man eine wirklich gigantische Fläche, die bis hinunter nach Dresden reicht, beobachten. Nur der eigentliche Spitzberg steht etwas störend im Sichtfeld. Aber vermutlich ist der Berg auch zu Napoleons Zeiten als Aussicht benutzt worden, nur konnte man auf ihm keine Geschütze aufbauen. Gipfel_vom_Cottaer_Spitzberg_kleinDer grüne markierte Wanderweg führt mit einem kleinen Haken auf den Cottaer Spitzberg. Die Panoramaaussicht von hier oben ist wirklich fantastisch und irgendwie bin ich immer wieder überrascht, dass hier nur relativ selten andere Mitmenschen anzutreffen sind. Am Cottaer Spitzberg fallen drei Sachen besonders auf: Der hässliche Funkturm, aber wer sein Handy benutzen möchte, muss so etwas in Kauf nehmen. Blick_vom_Cottaer_Spitzberg_auf_Lilienstein-Koenigstein_kleinDie Triangulationssäule aus dem Jahr 1865, dazu ist an dem Häuschen der Funkantenne eine ganz besonders anschauliche Tafel angebracht worden. Und dann kann man noch am Spitzberg entdecken, dass der Berg im Gegensatz zu den Felsen der Sächsischen Schweiz aus Basalt besteht. Die Sechsecke sind hier ganz besonders gut zu erkennen.
Auf dem Abstieg in Gang_Bunker_Cottaer_Spitzberg_kleindie Richtung der Ortschaft (weiterhin grün markiert), fallen auf der rechten Wegseite ein paar seltsame Mauerreste auf. Ich bin bis zu dieser Wanderung davon ausgegangen, dass es irgendetwas von der Wasserwirtschaft ist, aber tatsächlich ist es ein Bunker mit so einigen Räumen. Wozu der Bunker wirklich genutzt wurde, kann man heutzutage nicht mehr erkennen, aber ein älterer Herr aus Cotta meinte, dass der Bunker im Ursprung schon von den Nazis gebaut worden ist und dann von der DDR als Nachrichtenbunker benutzt wurde.
Die Wanderung führt also hinunter nach Kleincotta bzw. auf den Straßenschildern steht Cotta B. Am Ortsrand wird die Wanderwegmarkierung verlassen und es geht auf der Dorfstraße immer weiter bergab. Was bei dieser Ortschaft besonders auffällt, sind die riesigen Gehöfte. Ich hätte doch wirklich mal gerne gesehen, wie viele Leute früher auf so einem Gut lebten und was für ein Gewusel dort geherrscht hat. Die Wanderung geht immer weiter geradeaus den Hang hinab, auch wenn zwischendurch die eigentliche Fahrstraße links abbiegt. Am untersten Ende des Ortes sieht es dann auch so aus, als ob der Weg eher der Zugang zu einem Holzplatz ist, aber auch hier kann man weiter ins Tal der Gottleuba absteigen. Nach einem kleinen Stück durch einen Wald erreicht man die ehemalige Bahnlinie Pirna – Gottleuba. Heutzutage ist die Bahntrasse mit Bäumen zugewuchert. Bahnlinie_Pirna-Gottleuba_mit_Gleisen_kleinGleich an der Stelle, an der man die Bahntrasse betritt, liegen noch ein paar wenige Meter Schienen. Auf der restlichen Strecke sind die Schienen schon entfernt worden. Die Wanderung führt auf dem Bahnkörper nach rechts. Hier kann man mal wieder feststellen, wie widerlich es ist, wenn einem die Schrittlänge vorgegeben wird. Jede Schwelle zu betreten ist zu kurz und jede zweite Schwelle ist nur kurze Zeit durchzuhalten. Diese Bahnlinie ist noch 1972 zum Transport von Baumaterial für die Trinkwassersperre Gottleuba benutzt worden und ab 1976 durfte sich die Natur die Landschaft zurück erobern. Auf der rechten Seite stehen noch einige Telegrafenmasten, die zum Teil sogar noch mit einem kleinen Gedenkzettel geschmückt sind. Der Inhalt des Zettels ist: „Gottleubatalbahn; 1880 – 1976; Es grenzt schon an ein Wunder, dass diese Telegrafenmasten bis heute stehen blieben. Möge er dem geneigten Wanderer noch lang die einstige Eisenbahnromantik im Gottleubatal ans Herz legen und seinen Platz am geplanten Rad- und Wanderweg behalten.“
Zwischenzeitlich ist das Wandern auf der Bahntrasse wirklich etwas schwieriger, da einige junge Bäume den Weg stark behindern, aber nach etwas mehr als ½ Kilometer fehlen auf einmal die Ruine_Hartpappe_Langenhennersdorf_kleinBahnschwellen und man kann perfekt auf der Bahntrasse wandern. Bald erreicht man das riesige Gebäude der ehemaligen Hartpappenproduktion. Wir hatten das Gebäude schon einmal auf der Wanderung zum Langenhennersdorfer Wasserfall entdeckt, aber damals fiel uns von der Straße aus noch nicht auf, in was für einem schlimmen Zustand das Gebäude heutzutage ist. Aus dem viel näheren Blickwinkel von der Trasse ist es nur noch eine Ruine, die keine Überlebenschance mehr hat. Ganz schön komisch ist, wenn auf einer der wenigen Türen an dem Gebäude ein Schriftzug steht: „Vandalismus ist Schwachsinn!“ Dem würde ich sehr gerne antworten: „Eigentum verpflichtet.“ Wer ein Gebäude so herunterkommen lässt, der braucht sich nicht darüber wundern, wenn noch die letzten Fenster zerschmissen werden.
Die Wanderung verlässt die Bahntrasse an der nächsten Ruine. Ruine_Baehrmuehle_Langenhennersdorf_kleinDiesmal ist es die Bährmühle. Auch dieses Gebäude ist riesig, aber leider in sogar einem noch schlechteren Zustand als die Hartpappenfabrik. Hier ist wirklich jedes Dach schon eingestürzt und das gesamte Gelände ist ein echter Schandfleck. Es ist immer wieder verwunderlich, wie so ein tolles und bestimmt damals auch wertvolles Gebäude so herunter kommen konnte. Die Wanderung wechselt die Bachseite über die breite Brücke und umrundet die Bährmühle. Nach ein paar Metern auf der Pirnaer Straße geht es rechts die Straße Siedlung hoch. Diese Straße endet auf der Hauptstraße von Langenhennersdorf, der wiederum nach links aufwärts gefolgt wird. Hierbei fällt nach ein paar Metern ein Grundstück mit einem riesigen Garten und eigenen Felswänden auf der rechten Straßenseite aus. Über diese Felswände führt sogar eine eigene kleine Brücke. Bald ist der Ausgangspunkt der Wanderung erreicht. Auch diese Wanderung hat mal wieder gezeigt, dass man sich noch so gut in der Sächsischen Schweiz auskennen kann, aber es gibt immer noch etwas Neues zu entdecken. So war in Zwiesel der Erbstollen und die Zwieselmühle schon sehr interessant und auch der Weg über die alte Bahntrasse mit den beiden Ruinen.

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