traurige Wanderung

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Karte:
PDF:

Dauer:
ca. 1,00 h
Entfernung:
ca. 3,00 km
Höhenunterschied:
ca. 135 Meter
beste Reisezeit:
eigentlich immer
Schwierigkeitsgrad:
Spaziergang
leicht
Untergrund:
asphaltiert
Wanderweg und Pfad
empfohlene Karten:
Bad Schandau;
Rolf Böhm Kartographischer Verlag
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Altendorf - Wiesenweg - Untere Dorfstraße - roter Strich - Dorfbachklamm - Pfad - Gedenksteine - Altendorf - Hegebusch

traurige Wanderung

Eigentlich sollte die Wanderung nur eine kleine angenehme Nachmittagsrunde werden, damit man wenigstens einmal am Tag draußen gewesen ist. Aber es kam anders.
Der Spaziergang beginnt am den beiden großen Parkplatzen von Altendorf. Von dort es ein paar Meter auf der Hauptstraße in Richtung Dorfmitte, um dann an der ersten Straße nach rechts runter ins Dorf zu gehen. Die Straße heißt Wiesenweg. Der Weg führt an der vorderen Seite von Altendorf den Berg runter bis zum Panoramaweg. Auch wenn es im ersten Moment nicht so aussieht, als wenn der Weg weiter durch Dorf geht, er macht nur einen kleinen Schlenker nach rechts und dann wieder nach links. Er führt danach am untern Löschteich vorbei und man erreicht die untere Dorfstraße. Auf dieser geht es weiter ins Tal runter. Der Weg ist im Dorf mit der Wanderwegmarkierung roter Strich roter Strich gekennzeichnet und führt runter zum Altendorfer Dorfbachklamm. Am Abstieg zum Dorfbachklamm (neben dem Nationalparkeingangsschild) verlässt man den markierten Weg und geht geradeaus weiter zur Felskante. An der Felskante hat man einen sehr schönen Blick auf die gegenüberliegende Felswand. Diese Stelle soll die schmalste Stelle des Kirnitzschtals sein.
Felsen_Kinitschtal-AltendorfDie meisten Wanderer gehen jetzt entweder über den Dorfbachklamm ins Tal oder schlagen den Rückweg ein, um z.B. über die Hasenwiese eine Dorfrunde zu beenden. Es gibt aber auch noch einen anderen Weg, und der ist auch ganz sehenswert. Felsentor_hinter_LoewenkopfMan kann nämlich um den Löwenkopf, die dicke Felsmurmel an der Felskante, drum herum gehen und dann an der Felskante entlang gehen. Wer besonders verspielt ist, kann auch durch das kleine Felsentor neben dem Löwenkopf kriechen. Man kommt an mehreren Stellen mit einem schönen Ausblick auf die Kirnitzschtalfelsen vorbei. Nach ungefähr 200 Metern erreicht man dann die erste Erinnerungstafel an eine schon lange zurückliegende Familietragödie. Zuerst ist mir nicht so ganz klar gewesen, was hier passiert ist, bis mir die Altendorfer erzählt haben, was es mit diesem Gedenkstein auf sich hat. Diese Familie hatte so eine riesige Angst vor den Einmarsch der Russen in Altendorf, dass sie sich gemeinschaftlich das Leben genommen haben.

Else Folde
geb. Jäckel * 18.06.1900
Gerda Folde
geb. am 2 Juli 1928
Martha Arnold
geb. Jäckel 02.07.1916
Christian Jäckel
geb. 3 April 1937

Gedenktafel_1

Otto Jäckel
geb. 27 Februar 1899
Martha Jäckel
geb. Basler 06.09.1900
Irmgard Köckeritz
geb. Jäckel 27.06.1924
Heidemarie Jäckel
geb. 12. Juli 1943

Gemeinsam gestorben am 11. Mai 1945

Wanderer ein Still´ Gedenken sollst du
diesen Schläfern schenken – die ein grausames
Geschick – brachte um ihr Lebensglück

Wenn man ein paar Meter weiter an der Felskante entlang geht, erreicht man einen weiteren Gedenkstein. Auch dieser erinnert an die gleiche Familientragödie, nur mit noch drei weiteren Namen.

Gedenktafel_2

Hermann u.
geb. 12.12.1874

Anna Jäckel
geb. 23.08.1875

Hilde Philipp geb. 04.08.1912
gemeinsam gestorben
am 10. Mai 1945

Der Weg geht noch ein paar Meter (ca. 170 Meter) weiter an der Felskante, bis man oberhalb am Hang den breiten Weg von der Ostrauer Mühle nach Altendorf sieht. Zu diesem klettert man jetzt hoch. Der Weg wird nur überquert und auf der gegenüberliegenden Wegseite geht es noch ein paar Meter den Berghang hoch, bis man die untere Dorfkante von Altendorf erreicht. Diese Stelle nennt man auch, das Neubaugebiet von Altendorf. Irgendwie finde ich diese Ecke von Altendorf lustig. Man kann deutlich erkennen, dass dort wie auf einem Schachbrett Grundstücke geplant sind, aber im Augenblick nur drei Parteien die Entscheidung zum Bauen eines neuen Hauses getroffen haben. Eigentlich kann ich es kaum verstehen, dass nicht schon viel mehr Häuser hier unten stehen. Die Lage ist fantastisch und der Ausblick auf die Schrammsteine fasst unbezahlbar.
Jetzt geht es von hier unten die Straße zum Hegebusch hoch. Zwischendurch sollte man sich noch mal umdrehen um den schönen Ausblick zu genießen. Fast wieder an der Hauptstraße angekommen, geht es links in einen schmalen Fußweg rein. Der Weg endet auf der schon bekannten oberen Dorfstraße. Diese geht es nach rechts die letzten paar Meter den Berg hoch. Auf der Hauptstraße muss man jetzt noch die letzten Meter nach links gehen um den Ausgangspunkt zu erreichen.
Eigentlich ist es eine kleine angenehme Wanderung, die sehr gut für einen Nachmittagsausflug geeignet ist. Leider ist sie auch ein wenig traurig bzw. sie stimmt einen doch ziemlich nachdenklich, wenn man überlegt, was ein Krieg so alles anstellen kann. Ich hoffe, dass so etwas nie wieder passieren muss und verstehe leider überhaupt nicht, warum sich trotzdem so viele Länder gegenseitig den Kopf einhauen müssen. Aber vermutlich ist es, weil irgendwelche Politiker beschließen, sie könnten ein bisschen Krieg spielen und überhaupt nicht bedenken, was für ein Elend sie über die Menschheit bringen. Auch wenn ich Atheist bin und überhaupt nicht an Gott glaube, so hoffe ich doch, das er diese armen elf Menschen gut aufgenommen hat.

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Todesmarsch

Ich weiß, dass es wirklich sonderbar ist, eine Wanderung Todesmarsch zu nennen, aber ich bin inzwischen an so vielen Gedenktafeln an diesen Marsch vorbeigekommen, dass ich versuchen möchte, alle Tafeln auf einmal zusammen zu veröffentlichen. Dazu habe ich den Startpunkt an die Bushaltestelle der Ortschaft Rugiswalde gelegt. Da es sich um eine Streckenwanderung handelt, empfiehlt sich die Anreise mit dem Bus sowieso.
Der Todesmarsch genannte Weg von 600 Konzentrationslagerinsassen ging vom KZ Schwarzheide über Kamenz, Sebnitz, Saupsdorf, Hinterhermsdorf durch das Khaatal bis nach Theresienstadt. Unterwegs war die Hälfte der Gefangenen ums Leben gekommen. Inhaftiert waren im KZ Schwarzheide ca. 1.000 Gefangene, bei denen es sich meistens um tschechische Juden handelte, die bei der Braunkohlen- und Benzin AG (BRABAG) arbeiten mussten. In diesem Werk sollte synthetischer Treibstoff hergestellt werden.
In der Ortschaft Rugiswalde steht zunächst ein Gedenkstein mit dem folgenden Inhalt: “In der gesetzlosen Zeit wurden hier am 15. Mai 1945 erschossen: Willy Trepte, Emma Trepte, Erfried Schuster, Max Thonig, Hans Winkler, Julius Liebing, Wolfgang Lücke. Gewidmet im Mai 2005”. Der Todesmarsch fand aber in der Zeit vom 18. April 1945 bis zum 08. Mai 1945 statt, somit hat dieser Gedenkstein wohl nichts damit zu tun. Das erste Denkmal zum Todesmarsch steht an der Zufahrt zur Ortschaft Gedenktafel_Rugiswalde_Todesmarsch_Strecke_kleinRugiswalde. Es handelt sich um eine sehr aufwändige Tafel. Auf der Vorderseite befindet sich in Sandstein geschrieben folgender Text: “Am 21. April 1945 zog hier die Häftlingskolonne aus dem KZ Schwarzheide vorüber, auch als Todeskolonne bekannt, weil von 600 Antifaschisten etwa 300 umgebracht wurden.” Auf der Rückseite der Tafel ist in einer Edelstahlplatte der Verlauf des Marsches mit den einzelnen Stationen abgebildet. Hier kann man dann auch deutlich erkennen, dass unsere Wanderung eigentlich nur einem ganz kleinen Stück des Weges dieser armen Menschen folgt. Insgesamt ist der Todesmarsch etwas mehr als 200 Kilometer lang. Ich vermute, dass damals der Marsch über die normalen Fahrstraßen erfolgte, was aber natürlich heutzutage überhaupt nicht mehr möglich ist. Deshalb geht die Wanderung an der Gedenktafel auf dem Fahrrad-/Wanderweg weiter in Richtung Sebnitz. Der Weg führt durch den Wald und macht nur einmal einen Schlenker nach rechts, um die Bahnlinie zwischen Sebnitz und Neustadt zu überqueren. Die nächste Ortschaft, die man auf dieser Wanderung erreicht, ist Sebnitz. Sebnitz muss einmal komplett durchquert werden, um auf der südlichen Seite durch den Ortsteil Hertigswalde weiter zu gehen. Irgendwo in Sebnitz muss eine Gedenktafel für den Todesmarsch hängen, aber bis heute habe ich sie nicht finden können. Auf der Hertigswalder Straße befindet sich auf der linken Straßenseite eine Tafel mit der Inschrift: “Am 21. April 1945 verweilte hier die Todeskolonne aus dem KZ Schwarzheide für Minuten, denn kranke und hungrige Häftlinge waren zusammengebrochen. Sie wurden blutig geschlagen und auf die Todeskarren geworfen.” Die Strecke geht weiter den Hang hinauf, bis nach rechts der blau markierte Wanderweg blauer Strich eine kleine Abkürzung nimmt. Nach wenigen Metern stößt die Wanderung aber an der Gaststätte Waldhaus schon wieder auf die Fahrstraße. Der damalige Weg wird ganz sicher die Straße entlang bis nach Saupsdorf gegangen sein, dies ist aber heutzutage nicht mehr empfehlenswert und deshalb biegt die Wanderung nach links auf den Prof.-Meiche-Weg ab. Der Weg steigt ziemlich anstrengend auf den Wachberg hoch, um dann mit dem gelben Strich gelber Strich wieder runter nach Saupsdorf zu kommen. Im Ortszentrum von Saupsdorf hängt die nächste Gedenktafel. Der Inhalt dieser Tafel ist: “Vom 21. bis 23. April 1945 lagerten in den Gehöften Sturm, Berger und Henke die KZ-Häftlinge der Todeskolonne aus Schwarzheide. Der 16 jährige Jaroslav Fried verteilte Getreidekörner gegen den quälenden Hunger.
Von Saupsdorf geht der Weg weiter in Richtung Hinterhermsdorf bis zur Gedenktafel_Todesmarsch_Gnauckmuehle_kleinGnauckmühle. Hier hängt an dem Ferienheim eine weitere steinerne Gedenktafel mit dem Inhalt: “Am 21. April 1945 ermordete hier ein SS-Kommando der Todeskolonne aus dem KZ Schwarzheide die Antifaschisten Harry Braun, Josef Lichtenstein, Josef Ruzicka, Paul Polacek, Oskar Sabota und einen unbekannten Franzosen.” An der Gnauckmühle biegt der Marsch seltsamerweise nach rechts ab und führt runter ins Gedenktafel_Todesmarsch_Hinterhermsdorfer_Raeumischt_kleinRäumicht. Am Ende der Straße, noch unterhalb der SBB-Hütte, befindet sich ein weiterer großer Gedenkstein mit folgendem Inhalt: “Am 23. April 1945 wurden hier die Häftlinge der Todeskolonne aus dem Faschistischen KZ Schwarzheide Ernst Stern, Josef Kohut, Kurt Klauber, Franz Grünfeld, Otto Ledec, Victor Weisel, ein unbekannter Franzose und ein Pole von SS-Mördern erschossen.” Von hier steigt die Strecke wieder nach Hinterhermsdorf hoch und kurz hinter dem Ortseingang befindet sich auf der linken Straßenseite eine weitere Tafel, die aber nicht darauf schließen lässt, ob der Marsch auch hier vorbeigekommen ist. Der Inhalt ist: “Die SS-Wachmannschaft der Todeskolonne aus dem KZ Schwarzheide ermordete im April 1945 auf dem Territorium des Kreises Sebnitz 33 Häftlinge. Von 600 Antifaschisten überlebten etwa 300, gerettet durch die Widerstandsgruppe unter Leitung von Paul Bergmann, Karel Karlovsky, Gilbert Dupau u.a.”. Die Wanderung geht weiter hoch in die Dorfmitte und hier kann man auf dem Grabstein_Hinterhermsdorfer_Firedhof_kleinFriedhof neben der Kirche einen einzelnen Grabstein entdecken, auf dem ein seltsamer Text steht, der darauf hindeutet, dass hier vier Opfer des Todesmarsches beerdigt sind: “Hier ruhen 4 Opfer des Faschismus und des Krieges; Johannes Kessler aus Hohen-Leipa CSR; unbekannte Tote tot aufgefunden; unbekannter Toter Alter etwa 85 Jahre; Walter Wenzel aus Pöschen Krs. Daula CSR geb. 16.05.1867, am 18.7.1945 tot aufgefunden, umgebettet am 25.10.1951” Das ganz eigenartige an diesem Grabstein ist, dass die Anzahl der Toten im Nachhinein geändert worden ist. Anscheinend hat es ein fünftes Opfer gegen, das in der Mitte des Steines beschrieben war, aber im Nachhinein entfernt worden ist.
Die letzte Etappe geht runter ins Kirnitzschtal. Dazu bietet sich die Fahrstraße durch das Neudorf ganz gut an. Der Weg fällt leicht ab und nach etwas mehr als 2 Kilometern erreicht man die Kirnitzsch. Unterhalb des Gedenktafel_Todesmarsch_Moenchstein_kleinMönchsteins befindet sich gleich neben dem Rastplatz eine weitere Tafel mit folgendem Inhalt: “In Hinterhermsdorf ermordete die SS-Wachmannschaft der Todeskolonne aus dem faschistischen KZ Schwarzheide die Antifaschisten Paul Fischer, Wilhelm Slatin, Herbert Altschul, Friedrich Kaufmann, Erwin Teichner, Kurt Altschuh, den Polen Matzesky und einen Franzosen.” Diese Tafel ist schon mehrere Male demoliert worden, konnte aber wieder repariert werden. Die Spuren auf der Tafel sind aber geblieben. Das letzte Stück der Erkundung führt jetzt über den Grenzübergang nach Tschechien rüber. Wenige Meter (120 Meter) hinter dem Grenzhäuschen befinden sich in einem rechten Seitental des hoelzerne_Gedenktafel_Todesmarsch_Khaatal_kleinKhaatals ein großer neu errichteter Gedenkstein und eine kleinere Holztafel. Früher hat hier zur Erinnerung an die Toten ein großes Holzkreuz gestanden, das aber auch zerstört worden ist. Die hölzerne Tafel hat folgenden Inhalt: “NA TOMTO MISTE BYLI 23.DUBNA 1945 PRI POCHODU SMRTI ZABITI; PAUL FISCHER 85343; MATEJSKY/POLAK/114137; WILHELM SLATIN 85956; HERBERT ALTSCHUL 85180; ERWIN TEICHNER 86070; FRIEDRICH KAUFMANN 85857; KURT ALTSCHUL 85878; NEZNAMY FRANCOUZ; CEST JEJICH PAMATGE; KAMATNIK OBNOVIL; KCT KRASNA LIPA 1998; SPD 05.” Neben dieser Tafel steht ein richtig großer Gedenkstein aus schwarzem Granit. Gedenkstein_Todesmarsch_Khaatal_kleinAuch dieser ist in Tschechisch geschrieben und der Inhalt ist wie folgt: “Památce oběti nacismu; Na prahu svobody, dne 23.dubna 1945 zahynuli na tomto mistě zločinnou rukou stráži SS, na pochodu smrti z koncentračniho tábora Schwarzheide / pobočky Sachsenhausenu / v Německu tito tehdejši vězni: Kurt Altschul nar. 31.5.1918 z Prahy; Herbert Altschul nar. 26.4.1924 z Prahy; Pavel Fischer nar. 31.10.1902 z Havličkova Brodu; Bedrich Kaufmann nar. 25.11.1911 z Prahy; Vilém Slatin nar. 16.10.1921 z Prahy; Karl Teichner nar. 16.12.1910 z Česke Skalice; vězeň Meciejski z Polska; netnámý vězeňz Francie; Necht jsou jejich duše zapsány do knihy života.
Damit ist die eigentliche Wanderung beendet. Dass man von diesem Endpunkt wieder zurück nach Hinterhermsdorf zur Bushaltestelle muss, sollte jedem klar sein und so geht es wieder über den Weg in Richtung Neudorf bzw. Hinterhermsdorf zurück.
Ich habe schon so einige Wanderungen durchgeführt, die einfach nur schief gelaufen sind oder einfach keinen Spaß gemacht haben, aber diese Wanderung schlägt wahnsinnig aufs Gemüt. Durch die vielen Tafeln kann man sich so einigermaßen in die Lage dieser armen Menschen rein versetzten und es entsteht ein Bild vorm Auge, das einen sehr traurigen Eindruck macht. Ich kann immer nur wieder hoffen, dass so ein Mist nie wieder in Deutschland oder von deutschem Boden aus passiert. Eigentlich sollte so etwas auch nie wieder in der Welt passieren, aber dem widerspricht schon der Blick in die Tageszeitung. Diese Wanderung ist überhaupt nicht zu empfehlen, da sie leider nichts mit einer schönen Erholung in einer wunderbaren Landschaft zu tun hat.

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