Sage vom Goßdorfer Raubschloß

Informationstafel zur Sage vom Raubschloß

  1. Hört Ihr Leute die Geschichte, die sich einst begeben hat von dem alten Räuberschlosse und der großen Moritat.

  2. In dem schönen Sebnitztale, gar nicht weit von Ulbersdorf, liegt auf einem hohen Felsen eine alte Ritterburg.

  3. Darauf hauste vor alten Zeiten der Raubritter Kunibert, der, was er zum Leben brauchte, sich erfocht mit seinem Schwert.

  4. Wenn die alten Krämersleute zogen bei der Burg vorbei, kam mit seinen Spießgesellen auch der Kunibert herbei.

  5. Er beraubte nun die Leute, schlug Sie wohl gar tot dazu, kehrt in seine Burg zurücke und verzehrt den Raub in Ruh´.

  6. Einstmals kam im Abendlichte mit viel Gold und Edelstein von Schandau ein reicher Jude, mit ihm war sein Töchterlein.

  7. Ha, das ist willkommne Beute, rief der Ritter Kunibert. Bringet schnell mein Schwert, Ihr Leute und besteigt mit mir das Pferd.

  8. Steh’, Du alter reicher Schurke, donnert er den Juden an. Willst Du mir Dein Geld nicht geben, ist Dein Leben schon getan.

  9. Dazu nehm ich mir die Tochter. Ich gebrauche grad ein Weib. Sie soll mir den Kaffee kochen und mir sein ein Zeitvertreib.

  10. Weil geschrieen, spricht der Jude, Hab’ Erbarmen, Kunibert. Doch er sticht den Juden nieder, daß er stürzt von seinem Pferd.

  11. Und die Tochter nimmt er mit sich hoch hinauf auf’ s Bergeschloß. Hinter ihm mit reicher Beute zog der ganze Bubentroß.

  12. Und er spricht zu Ihr: Du Schöne, sei von nun an immer mein. Willst Du nicht, so sollst zur Strafe Du gefesselt ewig sein.

  13. He, spricht Sie, Du alter Bluthund, Deine Frau mag ich nicht sein. Töte mich gleich auf der Stelle. Ewig werd’ ich rufen: Nein.

  14. Und er haut mit seinem Säbel Ihr den Kopf vom Rumpfe ab, wirfet ohne Sorg und Gramen Sie das Burgverlies hinab.

  15. Nun gedenkt er seine Beute zu verzehrn in guter Ruh’ , doch die Geister der Erschlagenen ließen ihn kommen nicht dazu.

  16. Denn der Jude hat sich verwandelt in einen derben Ziegenbock und die Tochter ein Kikrihahn trägt nicht mehr den Weiberrock.

  17. Diese necken ihn und plagen ob er schläfet oder wacht, denn Sie werfen ihn mit Steinen, das es donnert und auch kracht.

  18. Dies benimmt ihm alle Freude und er geht darüber ein, und das Raubschloß, das sonst fest stand, fiel bis auf den Grund drauf ein.

  19. Trümmer sind es nun geworden, doch der reichen Juden Schatz liegt bewahrt von beiden geistern ungestört noch auf dem Platz.

  20. Hört, Ihr Leute, die Geschichte, die sich nun begeben hat, was, um diesen Schatz zu heben, sich nun jüngst begeben hat.

  21. Friedemann und Matzen Töffel gehn bei finstrer Mitternacht mit der Hacke und der Schaufel auf das Raubschloß mit Bedacht.

  22. Wollen diesen Schatz nun heben und Sie graben fürchterlich. Da, auf einmal wird es helle, es erscheint ein großes Licht.

  23. Friede, rufet nun der Töffel, Friede, ach der Schatz ist da. Aber ach und lieber sehen Sie, Sie nun bei sich selber nach.

  24. Ein gar schrecklich hoher Galken, darauf kräht der Kikrihahn, und der Ziegenbock darunter fängt gar laut zu meckern an.

  25. Und mit seinen großen Hörnern geht Er auf die Beiden ein und Er pufft und kuffet sie, daß sie ganz erbärmlich schrein.

  26. Und sie fangen an zu laufen, doch das Böcklein hinterdrein jagt die beiden alten Lümmel bis nach Ulbersdorf hinein.

  27. Als nach großer Angst und Schrecken sie dort angekommen sind, freuen sich, daß mit dem Leben sie davon gekommen sind.

  28. Und sie geben sich die Hände und beschwören’ s fürchterlich, daß sie keinen Schatz mehr heben, weil es gar so schrecklich ist.

  29. Merkt Euch, Leutchen, diese Lehre, laßt den Schatz hübsch, wo er ist, sonst vom alten Ziegenbocke Ihr gar derbe Stöße kriegt.

  30. In dem schönen Sebnitztale, gar nicht weit von Ulbersdorf, liegt auf einem hohen Felsen eine alte Rittersburg.

Wanderungen im Elbsandstein