Weberstube

Abstimmung:
unsere Bewertung::
positivpositivpositivpositivnegativ
Karte:
PDF:

Dauer:
ca. 5,00 h
Entfernung:
ca. 15,50 km
Höhenunterschied:
ca. 852 Meter
beste Reisezeit:
nicht an langen Wochenenden
Schwierigkeitsgrad:
lang
steiler Aufstieg
festes Schuhwerk
Untergrund:
Forstweg und asphaltiert Wanderweg und Pfad Treppen
empfohlene Karten:
Böhmische Schweiz;
Rolf Böhm Kartographischer Verlag
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Janov (Jonsdorf) - Golfplatz - grüner Strich - deutscher Friedhof - ehemalige Fabrik für Acetylen - Hřensko (Herrnskretschen) - gelber Strich - Kamenice (Kamnitz) - Edmundova soutěska (Edmundsklamm) - Kahnfahrt - grüner Strich - Sandgraben - Weberstube - Sandgraben - gelber Strich - Golfplatz - Janovský vrch (Clarsberg) - Aussichtsturm - Janov (Jonsdorf)

Beschreibung:

In dem Buch Felsenwege Band 1 aus dem Stiegenbuchverlag (www.stiegenbuchverlag.de) ist ein Grund namens Sandgraben beschrieben. In diesem Grund soll sich eine Boofe namens Weberstube  mit einigen uralten Jahreszahlen befinden. Da lockt doch gleich mal eine Runde zum Erkunden. spielende_Kinder_kleinAls Startpunkt habe ich dazu den Parkplatz vor dem Aussichtsturm von Janov (Jonsdorf) gewählt. Von dieser Stelle geht es erstmal bis zur Durchgangsstraße zurück. An der schicken kleinen Kapelle für Johannes den Täufer biegt man nach rechts ab und wandert ein paar wenige Meter auf der Straße entlang. An der dritten Straße nach rechts biegt die Wanderwegmarkierung grüner Strich grüner Strich ab. Diese Straße, ungewöhnlicherweise haben die Straßen in Tschechien nur den Ort als Namen, führt fast schnurgerade immer weiter in Richtung Hřensko (Herrnskretschen). Dabei passiert man einige sehr schicke Häuser Bunker_bei_Jonsdorf_kleinund wenn man aus der Ortschaft herauskommt auch zwei Bunker der Schöberlinie. Diese Bunker stehen wie an einer Perlenkette aufgefädelt im Wald und sollten die Tschechoslowakei gegen einen Angriff aus Deutschland schützen. Durch ihre massive Bauart werden sie wohl noch viele Jahrhunderte hier im Wald stehen bleiben und die Natur wird sich schwer daran tun, den Platz zurückzuerobern.

Erst nach zwei Kilometern geht es ernstzunehmend abwärts. Der Wanderweg ist immer noch mit dem grünen Aussicht_auf_Herrnskretschen_kleinStrich markiert und zwischendurch passiert man eine lohnenswerte Aussicht ins Tal der Kamenice (Kamnitz) und auf den östlichen Teil von Hřensko (Herrnskretschen). Gleich an der Aussicht startet der eigentliche Abstieg über einige Serpentinen bis auf die Zufahrtsstraße von Janov (Jonsdorf). Gleich auf der gegenüberliegenden Straßenseite geht die Wanderung weiter. Hier passiert man einen alten Kapelle__Friedhof_bei_Herrnskretschen_kleinFriedhof, auf dem viele Grabsteine deutsche Inschriften haben. Das Auffälligste ist die kleine Kapelle am oberen Ende des Friedhofs. Sehr schön ist, dass in den letzten Jahren solche Stellen wieder gepflegt werden. Die Wanderung steigt nach rechts den Hang weiter hinunter. Durch sein Pflaster, die massive Mauer und die seltsamen Kratzspuren am Felsen kann man dem Weg sehr gut ansehen, dass er schon uralt ist. Wenn man ein paar Meter abwärts wandert, entdeckt man auf der linken Felswand die Jahreszahl 1846. Fabrik_fuer_Acetylen_kleinDie Strecke nach unten ist relativ kurz und schon bald erblickt man das aufregendste Haus der gesamten Sächsischen-Böhmischen-Schweiz. Die ehemalige Fabrik für Acetylen ist 1905 gebaut worden und beherbergt heutzutage eine Gaststätte. Wirklich verwunderlich ist, dass das Gebäude nicht am laufenden Bande in irgendwelchen Filmen auftaucht.

Am unteren Ende des Geländes erreicht man den Trubel von Hřensko (Herrnskretschen). Hier empfiehlt es sich, eine der Fußgängerbrücken über den Bach zu nehmen und nach rechts den Bachlauf aufwärts zu wandern. Nach ½ Kilometer verlässt die Hauptfahrstraße nach links den Bachlauf und man wandert geradeaus in das Tal der Kamenice (Kamnitz) hinein. Spätestens ab dem Eingang in den Edmundova soutěska (Edmundsklamm) ist der Weg mit dem gelben Strich gelber Strich markiert und sowieso einfach zu finden, da es keinerlei Abbiegemöglichkeiten gibt. neue_Bruecke_Kamnitz_kleinZwischendurch wird der Bach über eine relativ hohe, neue Brücke überquert. Die Brücke musste neu aufgebaut werden, nachdem die alte durch ein Hochwasser im Jahre 2010 zerstört wurde. Das Tal der Kamenice (Kamnitz) ist wirklich wunderbar, aber genau das kann dann auch in den Sommerferien oder an langen Wochenenden das Problem sein. Es sind einfach zu viele Leute dort unterwegs. Wenn man denn ahnt, dass es sich knubbeln könnte, empfiehlt es sich, wenigstens eine etwas andere Uhrzeit für die Wanderung zu wählen.

Das Tal ist an manchen Stelle so eng, dass für den Weg sogar Tunnel in den Felsen angelegt werden mussten. Vor der ersten Kahnfahrt befinden sich gleich zwei von diesen Tunneln und diese sind ganz hervorragend als Orientierungshilfe geeignet. Zugang_Sandgraben_an_der_Kamnitz_kleinGleich gegenüber von diesen Tunneln stehen zwei hohe glatte Felswände, die nur von dem Sandgraben unterbrochen werden. Hier plätschert ein Bächlein den Felsen herunter. Der Zugang in die Schlucht ist aber vollkommen ungeeignet, um dort rüber bzw. aufzusteigen. Theoretisch könnte man rechts von den Felswänden den Hang hoch krabbeln, aber dazu muss man erst den Bach durchqueren und dann gut sichtbar den Hang hoch steigen. Das würde ich nur dann machen, wenn keine anderen Besucher oder womöglich Ranger in Sichtweite sind und das trifft nur in den Wintermonaten zu. Auf der gegenüberliegenden Bachseite befindet sich ein ganz schmaler Streifen der Zone 1 (Kernzone) der Böhmischen Schweiz und in der sollte man sich lieber nicht erwischen lassen.

Also geht es noch ein paar wenige Meter bis zur untersten Staustufe der Kamenice (Kamnitz). Auf der gegenüberliegenden Bachseite kann man ein typisches Beispiel dafür sehen, dass es zwar schön ist, wenn man einmal Geld auftreibt, um irgendetwas Schlaues zu bauen, es aber damit nicht getan ist und schlecht, wenn danach kein Geld für die Wartung und Instandhaltung eingeplant wird. In diesem Fall ist es eine Fischtreppe, die inzwischen keinen Boden mehr hat und die Fische hier Turmspringen üben können. Aus Wanderersicht kann man solche Beispiele auch oft an neu angelegten Wanderwegen oder an Schildern von Lehrpfaden entdecken. Bootsfahrt_Kamnitz_kleinDie Wanderung wird durch eine Bootsfahrt unterbrochen, die man mit einem kleinen Obolus bezahlen muss. Immerhin bekommt man dafür auch noch ein paar Felsenbilder erklärt und die meisten Bootsfahrer geben sich reichlich Mühe für eine nette Tour durch die Schlucht. Am oberen Ende der Bootstour geht es weiter auf dem Weg, bei dem es sogar noch eine Zwischenstation gibt, an der man gepflegte Toiletten und Stärkungsmöglichkeiten antrifft. Kurz dahinter trifft man auf die Kreuzung mit der Wanderwegmarkierung grüner Strich grüner Strich. Auf diesem Wanderweg geht es nach rechts aus dem Edmundova soutěska (Edmundsklamm) heraus. Auch wenn man auf dem Weg durch die Schlucht so einige Mitmenschen angetroffen hat, spätestens ab dem Aufstieg ist es annähernd menschenleer. Der größte Teil der Besucher steigt entweder nach links hoch nach Mezná (Stimmersdorf)/ Mezní Louka (Rainwiese) oder wandert noch ein Stück weiter zum Divoká soutěska (Wilden Klamm).

Von dem Aufstieg ist nur der erste, kurze Teil wirklich steil, danach geht es angenehm aufwärts. Schon bald ist man aus der Schlucht heraus und passiert eine seltsame eingezäunte Fläche. So vom Aussehen her könnte es ein ehemaliger Fußballplatz sein, der heute als Weihnachtsbaumschonung genutzt wird. Am Ende des Zauns biegt man nach rechts ab. Erdhaus_kleinHier wandert man weiter geradeaus, bis nach 150 Metern auf der rechten Seite ein seltsames Gebäude in der Erde auffällt. Hier biegt man nach links ab und folgt dem breitesten Waldweg abwärts. Nur an einer Weggabelung ist man verführt, den Weg geradeaus weiter zu wandern, aber wenn man sich daran erinnert, dass die meisten Gründe unten sind, dann ist es klar, dass man nach links abbiegt. Felsinschrift_Sandgraben_kleinZwischendurch liegt gleich neben dem Weg eine Felsmurmel, auf der die Jahreszahlen 1776, 1913 und die Buchstaben WR eingemeißelt sind. Ganz schon komisch war auf meiner Wanderung, dass gleich neben dem Stein mehrere Teile einer Wirbelsäule lagen. Nachdem man die Talsohle erreicht, Brueckenlager_Sandgraben_kleinfallen zwei massive Brückenlager auf. In dem Tal des Sandgrabens ist eigentlich überhaupt nichts Besonderes und es ist außerdem noch eine Sackgasse. Warum auch immer hier jemand eine Brücke gebaut hat, erschließt sich mir überhaupt nicht, aber vermutlich ist es nur, um gefällte Bäume aus der Schlucht so einigermaßen einfach abtransportieren zu können. Der einzige sinnvolle Weg für diese Wanderung befindet sich auf der gegenüberliegenden Hangseite und so muss man erst bis runter zu dem Minibach steigen und dann auf dem gut sichtbaren Hangweg weiter abwärts wandern. Der Weg wird heutzutage nicht mehr häufig genutzt und so liegen ein paar Bäume (zu meiner Wanderzeit waren es 6 Stück) quer über den Weg. Das sollte aber kein ernstzunehmendes Hindernis sein und nach 300 Metern erreicht man die gut markierte Kernzonengrenze (rote Ringe um die Bäume). Die Kernzone wird aber überhaupt nicht betreten, Weberstube_Sandgraben_kleinsondern die Grenze wird nur zur Orientierung genutzt. Sie läuft quer durch den Grund und genau daran geht es in die Senke hinein. Wenige Meter von der Grenzlinie entfernt befindet sich die alte Boofe Weberstube. Sie ist kaum zu übersehen und befindet sich unter einem Überhang. Weberstube_ehemalige_Wandbefestigung_kleinFrüher war die Boofe ein geschlossener Raum und die Einkerbungen für die Holzwände sind noch deutlich zu erkennen. Ziemlich beeindruckend sind die Jahreszahlen in der Boofe. Ich habe mindestens 1736, 1718 und 1632 entdeckt und noch eine in den Felsen gemeißelte Fledermaus und den schönen Spruch „Geh immer lachend durchs Leben“.

Für den Rückweg muss man das ganze Stück des Sandgrabens wieder aufwärts steigen bis zur Wanderwegmarkierung gelber Strich gelber Strich. Diese trifft man gleich an dem großen Platz mit den Holzstapeln und Erdhügeln an. Man folgt der Wanderwegmarkierung nach recht in Richtung Golfplatz bzw. Janov (Jonsdorf). Die ersten paar Meter führen noch durch den Wald und dann kommt man an den Rand des Golfplatzes. Golfplatz_Jonsdorf_kleinDiesen muss man an zwei Stellen überqueren und das ist sehr interessant. Selbst im heißen Sommer 2018 waren zumindest die Zielgebiete immer noch wunderbar grün. Wenn man der Wanderwegmarkierung folgt, gelangt man ohne sonderliche Anstrengungen auf den Janovský vrch (Clarsberg). Blick_vom_Aussichtsturm_Jonsdorf_linke_Elbeseite_kleinHier steht seit ein paar Jahren ein neuer Aussichtsturm. Die Aussichtsplattform ist oberhalb der Baumwipfel und damit hat der Turm eine ganz ansehnliche Höhe. Etwas ungewöhnlich ist, dass er komplett aus Stahl und Gitterrosten besteht und bei einem bisschen Wind auch ordentlich schaukelt. Blick_vom_Aussichtsturm_Jonsdorf_Rosenberg_Golfplatz_kleinAber man sollte sich nicht verrückt machen, da der Turm schon richtige Stürme ertragen hat und dabei auch nichts passiert ist. Aber ein bisschen komisch ist es trotzdem. Die Rundumaussicht von dem Turm ist schon sehr lohnenswert. Am Fuße des Turmes bzw. des Hügels ist dann auch schon der Ausgangspunkt der Runde erreicht.

Ich fand die Wanderung sehr schön, da der Edmundova soutěska (Edmundsklamm) und der Friedhof oberhalb von Hřensko (Herrnskretschen) eine Besonderheit sind. Die Entdeckung der Weberstube fand ich super interessant und es hat mich wirklich verwundert, dass hier so uralte Jahreszahlen zu sehen sind. Warum sind die Leute damals in den Sandgraben gegangen? Auch damals ist es ganz sicher eine Sackgasse gewesen und damit können es eigentlich nur Waldarbeiter gewesen sein. Zu dieser Entdeckungsreise kommt dann auch noch die schöne Aussicht von dem Janovský vrch (Clarsberg) und dass man nicht einmal die Tschechische Kernzone betreten musste.

Download

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.