Käs und Brot

Abstimmung:
unsere Bewertung::
positivpositivpositivpositivnegativ
Karte:
PDF:

Dauer:
ca. 5,25 h
Entfernung:
ca. 20,50 km
Höhenunterschied:
ca. 580 Meter
beste Reisezeit:
nicht an langen Wochenenden
Schwierigkeitsgrad:
lang
steiler Aufstieg
festes Schuhwerk
Untergrund:
Forstweg und asphaltiert Wanderweg und Pfad Treppen und Hühnerleitern
empfohlene Karten:
Khaatal;
Rolf Böhm Kartographischer Verlag
Region:
Mehr Details
hier

Kurzbeschreibung:

Hinterhermsdorf - Haus des Gastes - blauer Strich - Buchenstraße - Buchenparkhalle - Hohweg - Cupetiusstein - Wettinplatz - grüner Strich - Hohweg - Janslochweg - Rotkehlweg - Kirnitzschtal - blauer Strich - Grenzübergang Hinterdittersbach - grüner Strich - Jankenwaldweg - Jungferntanne - blauer Strich - Brückengrund - Käs und Brot - Bittler - Piket - Ziegenrücken - Wolfstafel - Kirnitzschtal - Grenzübergang Hinterdaubitz - roter Strich - Liebschenräumicht - Hinterdaubitzer Straße - Hinterhermsdorf - Neudorf - gelber Strich - Neudorfstraße - Haus des Gastes

Beschreibung:

Irgendjemand hatte mich mal gefragt, ob ich schon die schöne Aussicht am Berg Käs und Brot entdeckt hätte. Tja, das hatte ich nicht. Zuerst musste ich erst mal nachsehen, wo dieser Berg sich überhaupt befand.

Seit ein paar Jahren gibt es die hervorragende Wanderkarte Khaatal von Rolf Böhm (www.boehmwanderkarten.de), die für diese Wanderung die einzige brauchbare Karte ist. Damit wird das Finden des Aufstiegs und der beiden wichtigsten Aussichten fast ein Kinderspiel.

Der Startpunkt der Wanderung liegt im Zentrum von Hinterhermsdorf. Vom Parkplatz geht es nach rechts auf der Wanderwegmarkierung blauer Strich blauer Strich in Richtung Buchenparkhalle. Sobald man das Gebäude der Honigfabrik_bei_der_Buchenparkhalle_Hinterhermdorf_kleinGaststätte Buchenparkhalle passiert hat, biegt die Wanderung nach links ab und führt schnurgerade zwischen einigen Schrebergärten und dem Wald entlang. Richtig nett sind einige Holzarbeiten, die in einem Cupetiusstein_Hinterhermsdorf_kleinder Schrebergärten ausgestellt sind. Besonders lustig sieht die Honigfabrik aus. Leider kann man auf meinem Foto nicht so gut erkennen, welche riesige Mühe sich der Gartenbesitzer mit den vielen Figuren gegeben hat. Nach etwas mehr als einem Kilometer verlässt man den blau markierten Wanderweg und geht unmarkiert geradeaus weiter. Schon nach wenigen Metern fällt auf der rechten Wegseite ein Gedenkstein auf. Hier wird eines Herrn Gottlieb Cupetius gedacht, der an dieser Stelle am 17. Juni 1834 verstorben sein soll.
Schon bald biegt der breite Weg nach rechts ab und man kann deutlich sehen, dass er schon vor sehr langer Zeit angelegt worden ist. Einerseits ist dieser Waldweg durch einen Felsen gearbeitet worden, dann wurden ordentliche Pflastersteine verlegt und in der linken Felswand befindet sich die Jahreszahl 1829. Dieses Teilstück endet auf einem der neuen Forstwege im Bereich von Hinterhermsdorf. Der Weg ist mit dem grünen Strich grüner Strich markiert und wird nach rechts verfolgt. Schon nach ein paar Metern erreicht man einen der vielen Wettinplätze, der mit einer Schutzhütte, einer Informationstafel und dem obligatorischen Wettinstein ausgestattet ist. Die Wanderung führt noch 600 Meter weiter auf der grünen Wanderwegmarkierung, bis auf der rechten Seite der Eichelborn, eine umzäunte Quelle, auftaucht. Hier biegt man nach links auf einen breiten Waldweg ab. Dieser heißt Janslochweg und man folgt ihm 300 Meter, bis eins der Kernzonenschilder darauf hinweist, dass man beim Weitergehen die Kernzone des Nationalparks betritt. Genau hier soll es an der Grenze zur Kernzone nach rechts in der Schlucht abwärts gehen. Je länger man hier hinunter steigt, desto höher und beeindruckender werden die Felsen. Genauso ist es, wenn man die Wanderung zur Kirnitzsch_und_Rabensteine_kleinSchneeschmelze oder nach einem ordentlichen Regenschauer unternimmt. Je weiter man absteigt, desto feuchter wird der Pfad, weil an der gleichen Stelle auch der Bachlauf den Weg nach unten sucht. Am Ende des Abstiegs erreicht man die Kirnitzsch und dort geht es auf der Wanderwegmarkierung blauer Strich blauer Strich weiter bachabwärts. Nach wenigen hundert Metern ändert sich das Aussehen des Tales, weil es sich weitet und ab dort die Kirnitzsch die Möglichkeit hat, Flussschlingen zu bilden (Mäandern).
Nachdem man 1 ½ Kilometer an der Kirnitzsch entlang gewandert ist, geht es an der ersten Möglichkeit nach links über einen Wandergrenzübergang nach Tschechien. Sobald man auf der Brücke die Kirnitzsch überquert hat, wandert man nach links auf der Wanderwegmarkierung grüner Strich grüner Strich weiter. Sehr interessant ist, dass gleich am Beginn des Weges ein Verbotsschild für Radfahrer steht. Dadurch ist dieser Weg ein sehr ruhiger Abschnitt, weil die Tschechen viel lieber mit dem Rad als zu Fuß unterwegs sind. Auch wären die nächsten Kilometer für Radfahrer ziemlich hubbelig und deshalb auch nicht als Geheimtipp zu empfehlen. Der Waldweg steigt relativ leicht an und es ist sehr interessant, dass es sich um einen Gratweg handelt. Das kann man gleich an mehreren Stellen sehr deutlich sehen. Der Weg führt 3 ½ Kilometer aufwärts. Auf der linken Wegseite befindet sich die tschechische Kernzone, die man immer an den roten Ringen an den Bäumen erkennen kann. Sehr seltsam ist, wenn wie in diesem Fall in der Kernzonengrenze Bäume gefällt werden. Es ist schon wirklich verwunderlich, dass ich zu Fuß nicht durch den Wald gehen darf, aber die Forstmaschinen gigantische Spuren hinterlassen dürfen. Das erscheint mir als normaler Waldbesucher überhaupt nicht schlüssig.
Nach den 3 ½ Kilometern erreicht man eine Wegkreuzung, an der geradeaus ein mächtiger Baumstumpf auffällt. Informationstafel_und_neue_Jungferntanne_kleinEs soll sich um die ehemalige Jungferntanne handeln, die früher mit einem Bild geschmückt war. Das Bild stellte ein Mädel dar, das sich bei einem Köhler vor einem Jäger versteckte bzw. Schutz suchte. Heutzutage hängt ein ähnliches Gemälde an einer mächtigen Buche an dem rechten Weg. Damit es in Zukunft passend zu der Geschichte auch wieder eine Tanne ist, hat der Nationalpark Böhmische Schweiz auch wieder eine Tanne gleich daneben gepflanzt und eine Informationstafel aufgestellt. Der Inhalt der Tafel ist: „An dieser Stelle stand vor Jahren die sog. Jungfertanne. Ein mächtiger Sturm, der hier am 08. Sep. 1932 tobte, riss die trockene Krone des damals schon drei Jahre abgestorbenen Baums zu Boden. Der Rest des Stamms blieb damals noch für einige Zeit stehen. Ein Teil des Holzes wurde zum Schmücken der herrschaftlichen Balzhütte verwendet. An der gleichen Stelle pflanzten Mitarbeiter der Nationalparkverwaltung Böhmische Schweiz am 31. Okt. 2011 eine neue Jungfer Tanne. Die sechs Jahre alte Pflanze wuchs aus im Nationalpark gewonnenen Samen auf.“ Ziemlich schade ist, dass der deutschsprachige Teil des zweisprachigen Schildes vollkommen zerkratzt ist. Es war bestimmt richtig viel Arbeit, so ein schön geschnitztes Schild zu erstellen und dann kommt irgendein Rabauke, der das kleine Kunstwerk zerstört. Hoffentlich überlebt wenigstens die kleine Tanne, aber zum Glück ist sie sehr professionell eingezäunt.
An dieser Kreuzung wechselt man auf die blaue Wanderwegmarkierung blauer Strich und wandert in die ausgeschilderte Richtung Černá brána (Schwarzes Tor) weiter. Schon auf den ersten Metern des Abstieges steht mal wieder eine dieser getarnten Zählstationen der Böhmischen Schweiz. Der Weg runter bis ins Tal des Červený potok (Rotes Floß) ist ziemlich abwechslungsreich und nur im Winter und bei starkem Regen sehr rutschig.

Sobald man nach einem Kilometer das Tal des roten Floß (kleines Bächlein) erreicht hat, geht es ein paar wenige Meter nach links und dann sofort wieder nach rechts aus dem Tal heraus. Dadurch, dass die Fichten noch relativ klein sind, versteckt sich der Aufstieg hier, aber zum Glück steht ein unübersehbares Hinweisschild auf der rechten Seite. Auch dieser Aufstieg kann bei feuchtem Wetter ein Test für die Wanderschuhe sein, da ein Minibächlein die Stufen herunterläuft. Nach 350 Metern und 60 Höhenmetern hört der Aufstieg auf einmal auf und der markierte Wanderweg führt horizontal nach links weiter. Genau an dieser Stelle verlässt man aber für diese Wanderung den markierten Wanderweg und steigt in der Verlängerung des Aufstiegs schräg nach links den Hang hinauf.  Nach wenigen Metern weist ein Schild darauf hin, dass der Weg in der Zeit von Anfang März bis Ende Juli wegen seltener brütender Vögel gesperrt ist. Daran sollte man sich auch halten, da angeblich die tschechischen Ranger sehr schnell mit den Strafmandaten sein sollen. Außerdem ist es tatsächlich so, dass man hier auch nach der Sperrzeit ein deutliches Geschrei von Vogeleltern und -kindern hören kann.  Auf jeden Fall sind hier die Felsen unterbrochen und die Steigung ist für Wanderer zu bewältigen. So bin ich dort hochgeklettert, aber oberhalb der Felsen fing das große Suchen nach einem passenden Weg an. Ohne die Karte von Rolf Böhm hätte ich hier oben ganz sicher sofort den Rückweg angetreten, weil einfach kein Pfad sichtbar ist, aber so wusste ich, dass sich der Gipfel wenige Meter weiter oben befindet. Aussicht_von_Kaes_und_Brot_kleinTatsächlich schafft man es zwischen den Felsen nach oben und dann gibt es dort die Aussicht. Der Platz besteht aus ein paar freien Felsen, von denen man toll über den Wald und auf die Berge der Böhmischen Schweiz und den markanten Raumberg blicken kann. Bei der Aussicht Dravci skala (Käs und Brot) handelt es sich um ein super ruhiges Plätzchen, das nett dazu auffordert, eine Brotzeit passend zum Gipfel mit einem Käsebrot zu absolvieren.
Von dem Gipfel Dravci skala (Käs und Brot) führt immerhin in nördliche Richtung ein Trampelpfad weg. Nach etwas weniger als 200 Metern endet der Pfad auf einem Querweg. Wenn man 200 Meter nach rechts geht, erreicht man eine weitere Aussicht, die eher in süd-westliche Richtung also nach Doubice (Daubitz) blickt. Der freistehende Felsen rechts neben der Aussicht heißt passenderweise Sýrový plátek (Käsescheibe). Von dieser Aussicht wandert man wieder zurück und dann weiter geradeaus. Dieser Pfad passiert gleich mehrere Male gewaltige Felsschluchten, die immer nach links herunter abfallen, aber ohne Problem überwunden werden können. Nach ½ Kilometer erreicht man eine Schranke und dahinter geht es super angenehm weiter geradeaus. Zwischendurch kann man auf der linken Wegseite in einer bearbeiteten Felswand die Jahreszahl 1905 entdecken. Dieser gut ausgebaute Waldweg führt auf gleichbleibender Höhe in einem großen Bogen um den Pytlak (Bittler) und endet nach 1 ½ Kilometern auf dem Radweg 3031. Felsendurchbruch_fuer_Forststrasse_kleinHier geht es an einer Holzhütte mit dem Namen Piket nach links weiter abwärts. Der Forstweg ist mit sehr großem Aufwand quer durch einen Felsen gearbeitet worden. Das sieht schon ziemlich ungewöhnlich aus, weil links und rechts ganz glatte senkrechte Felswände den Weg begrenzen. Seltsamerweise ist nur eine Jahreszahl (1957) in den Seiten zu entdecken und es würde mich verwundern, wenn es sich um das Baujahr handelt.
Die Wanderung führt weiterhin abwärts. In einer Linkskurve geht deutlich sichtbar ein Weg geradeaus, aber man sollte hier unbedingt weiterhin auf dem Fahrradweg bleiben, denn der Weg geradeaus ist zwar wirklich recht angenehm zu gehen, weil es über einen sehr langgezogenen Berg Kozí Hřbet (Ziegenrücken) geht, aber er endet im Nix. Dann kann man entweder den Kilometer zurück wandern oder den Querfeldeinweg abwärts wählen. Beide Varianten sind nicht besonders schön und deshalb empfiehlt es sich also, weiter auf dem ausgeschilderten Radweg/Wanderweg zu gehen. Nach einer Strecke von 2 ½ Kilometern auf dem diesem passiert man eine Felsmurmel mit Inschrift auf der linken Wegseite, darauf wird in seltsamer Schrift über die Jagd eines Hegers namens Grohmann auf zwei Wölfe im Jahre 1640 berichtet.
Bald ist der Grenzübergang Zadní Doubice (Hinterdaubitz) erreicht und es geht an der ehemaligen Grenzerhütte wieder zurück nach Deutschland.
Der Weg über die Grenze und dann in Deutschland weiter stammt aus weit vergangenen Zeiten und hat ganz bestimmt schon so manches erlebt. Hier soll sogar früher mal ein Linienverkehr von Hinterhermsdorf nach Khaa gefahren sein. Was ich auf jeden Fall zu meiner Zeit gesehen habe, waren immer wieder deutsche Grenzer, die mit ihren Fahrzeugen über diesen asphaltierten Weg bis zur Kirnitzschbrücke gefahren sind. Heutzutage ist der Weg für Fahrzeuge unpassierbar geworden, schoene_Wiese_Liebschenraeumicht_kleinaber dafür flitzen große Mengen Radfahrer über die Strecke. Nach ½ Kilometer erreicht man einen pilzförmigen Rastplatz und eine Kreuzung mit der Wanderwegmarkierung roter Strich roter Strich. Dieser folgt man 150 Meter nach rechts, um dann gleich wieder nach links abzubiegen. Hier beginnt das letzte Stück dieser Wanderung, das über das Neudorf von Hinterhermsdorf bis zum Ausgangspunkt führt.

Diese Wanderung ist also nur in der beschriebenen Zeitspanne möglich und man sollte sich bewusst sein, dass man durch einen Teil der Tschechischen Kernzone wandert. Dabei sollte man sich nicht auf unmarkierten Wegen erwischen lassen, wobei wir bisher nur gute Erfahrungen mit den Tschechischen Rangern gemacht haben. Wer dieses Wagnis begeht, der wird mit einer wirklich wundervollen Aussicht und vollkommener Ruhe belohnt. Ich habe die Aussicht Käs und Brot insgesamt 4 mal gesucht und bin an Vogelschutzschildern, mangelhaften Wanderkarten und mieser Orientierung gescheitert. Erst mit der tollen Karte Khaatal von Rolf Böhm habe ich den schönen Platz gefunden. Danke schön.

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    Anreise:

    Öffentlicher Nahverkehr:
    Anreise mit Bus bis zur Haltestelle Hinterhermsdorf Erbgericht mit dem VVO-Navigator
    Auto:
    Empfohlener Parkplatz: Hinterhermsdorf Ortsmitte
    Parkplatzgebühr für die Wanderung: 4,00€

3 Gedanken zu „Käs und Brot“

  1. Hast du wirklich die richtige Aussicht Käs und Brot direkt über der Schweifsternnadel gefunden? Von dort ist die Aussicht nämlich wirklich herrlich und ziemlich umfassend. Allerdings hat man eine kleine Felsstufe abzusteigen, um aus dem Wald direkt auf das offende Felsplateau zu kommen.
    Mittlerweile ist ja durch die Böhmkarte Khaatal das Problem der Wanderkarte gelöst, ein bisschen gucken muss man trotzdem noch und an Wochenenden sollte man auch mit Kletterrucksack und wenigstens rudimentärer Kenntnis der lokalen Klettergipfel unterwegs sein, sonst wird man vom grünen Scheuch, der dort im Gebüsch lauert, zurück geschickt.

    1. Stimmt. Nach deinem Kommentar habe ich die Aussicht nochmal gesucht und musste feststellen, ich hatte sie bis dahin nicht entdeckt. Die Aussicht Käs und Brot ist wirklich fantastisch. Die Wanderbeschreibung ist mal wieder aktualisiert.

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